STAR TREK-Ausstellung in Babelsberg soll vorzeitig geschlossen werden !
Wie www.treknews.de am 10. August 2011 meldet, soll die "welt-größte" STAR TREK-Ausstellung in Potsdam-Babelsberg, die ursprünglich bis 31. Oktober geöffnet bleiben sollte, bereits am Sonntag, dem 14. August abgebrochen werden. Während die Ausstellungsleitung in Potsdam mit der Floskel von "unüberbrückbaren Differenzen" stark zurückhaltend zitiert wird, sprechen andere Quellen von einem handfesten Lizenzstreit mit den Rechteinhabern der Exponate. Es ist auch nicht auszuschließen, dass der Veranstalter sich gezwungen sah, die "Notbremse" zu betätigen, da die Besucherzahlen dieser überteuerten, jedoch im Angebot eher dürftigen Schau (vor allem auch wegen des kaum akzeptablen Fotoverbots) weit unter den Erwartungen blieben.
Am 13. August bestätigt die Ausstellungsleitung auf ihrer Webseite* den Abbruch der Schau für den folgenden Tag. Wegen "unüberbrückbarer Differenzen..."
STZ-Außenmission in Babelsberg
"Nummer Eins: Bericht!"
Die Medien gaben sich euphorisch im Vorfeld: Die größte sollte es sein, die je außerhalb von Hollywood gezeigt wurde, aus Teilen von drei(!) kleineren Ausstellungen zusammengeführt, auf 1,2 Millionen wurden die Kosten beziffert... STZ besuchte die STAR TREK-Ausstellung im Filmpark auf dem ehemaligen Ufa-Gelände bei Potsdam:
Mittwoch, 20. Juli, 11:30
Schon auf der Autobahn 115 ist der Weg zum "Filmpark" ausgeschildert. Er führt jedoch nicht an unser Ziel. Am Kassenschalter erfahren wir, dass die STAR TREK-Schau einen seperaten Eingang hat, und eine Extra-Kasse... gut einen Kilometer entfernt. Also wieder in's Auto.
Es ist ein Tag mit wenig Betrieb. Dennoch sind die Straßen um den Eingang hoffnungslos zugeparkt. Wir fahren zurück zu der von provisorischen Bauzäunen umsäumten S(t)andfläche, wo uns eine freundliche Studenten-Jobberin drei Euro abnimmt. Bis zur Ausstellung sind es noch einige hundert Meter...
Am Eingang werden wir von Verbotsschildern empfangen: Nicht essen, nicht telefonieren(?), nicht fotografieren(?!?), nichts aufzeichnen. Die Kassenschalter sind geschlossen, zu wenig Besucher. Im Vorraum kassiert eine weitere jugendliche Hilfskraft dreizehn Euro pro Person, Kinder unter 14, Stützeempfänger und sonstwie "Behinderte" zahlen zehn. Die allgemein übliche Zuzahlung für eine Foto-Erlaubnis gibt es hier nicht! Statt dessen werden wir noch einmal eindringlich belehrt, was man in der Ausstellung alles nicht darf.
Damit ist eine vierköpfige Familie über fünfzig Euro los. Was bekommt man dafür?
Um es vorwegzunehmen: Nicht allzu viel.
Die Umgebung ist dunkel, die Exponate jedoch gut ausgeleuchtet. Die Frage ist, was will uns der Aussteller eigentlich nahebringen? SciFi-Feeling oder den Touch einer Hollywood-Produktion? Offenbar beides... mehr oder weniger...
Die Exponate sind englisch beschriftet, ergänzt mit kleinen Tafeln auf deutsch. Eine Augenstrapaze. An mehreren Stellen werden die aus dem Fernsehen bekannten Video-Dokumentationen gezeigt, in denen diverse Filmspezialisten ihre Beiträge preisen. Komplett auf englisch, es gibt nicht einmal deutsche Untertitel.
Zunächst liegen einige Scripte aus, Drehbücher zu besonders populären Episoden. Hinzu kommen grobe Zeichnungen: Kulissenentwürfe. Wir gehen vorbei, in eine Art "Ahnengalerie" von Kleidern in großen Glaskästen. Laut Beschriftung "Originalkostüme"... Spätestens bei der Kinofilm-Kluft von 'Lt.Cmd. Uhura' werden wir stutzig: Nichelle Nichols war stets eine ansehnliche Frau und ganz und gar kein "Hungerhaken". In diese enge und extrem taillierte Uniform hätte sie allenfalls in ihrer Zeit als Tänzerin, in den 50ern gepasst! Seltsamer Beigeschmack: Ihr Kleiderständer ist als einziger schwarz lackiert... Auch bei der Uniform von 'Worf' kommen Zweifel auf, ob der athletische Riese je in dieses "Handtuch-Hemd" hineingepasst hat. Am Anzug des "Deep Space Nine"-Schneiders 'Garak' hängt ein Kommunikator der Sternenflotte... Doch! Er hat gegen Ende der Serie tatsächlich einen getragen.
Die noch frischen Uniformen aus dem elften Film sind vollzählig versammelt, in einer extra Vitrine. Und scheinen tatsächlich echt zu sein... Jedenfalls sieht Zoë Saldana's 'Uhura'-Kleid deutlich breiter aus als die Film-Uniform ihrer gereiften Vorgängerin...
Die gewinnträchtigen Kinofilme sind in dieser Ausstellung insgesamt schwer über-repräsentiert, während das Interesse des Publikums fast ausschließlich den Serien gilt. Unter den Lesern der ZEITUNG - zum Beispiel - interessiert sich kaum jeder zwanzigste für einen der Kinofilme, bereits die wenig beachtete Trickfimserie ("TAS")) wird fast 40% häufiger nachgefragt... Hier in der Ausstellung findet man zu "TAS" nur eine einzige, unkommentierte Abbildung. Aber damit nicht genug: Die fünfte Serie "Enterprise" (2001-2005) fehlt völlig! Keine Uniform, kein Requisit. Nur bei der Dauerberieselung der sich abwechselnden Titelmusiken... ist "Enterprise" nicht völlig vergessen. Dabei ist diese Serie bei den Zuschauern wesentlich populärer als die Classic-Serie der 60er Jahre ("TOS"); STZ verzeichnet für die nur vier Staffeln von "Enterprise" beinahe so viel Zugriffe wie für "Deep Space Nine"...
Wir verlassen die "Kleidergalerie" durch einen der typischen sechseckigen Raumschiff-Gänge. Von weitem grüßt uns der Kopf von 'Morn'. Doch dann erscheint halb-links... die Brücke der "Enterprise−D"! Der flinkste ergattert den "Platz in der Mitte" und darf für ein paar Minuten 'Captain Picard' sein. Die Kinder möchten lieber auf die vorderen Sitze, die Jungen auf Data's Platz, die Mädchen bevorzugen den von Wesley... Für einen Augenblick ist das STAR TREK-Feeling perfekt.
Beim Berühren der leuchtenden Konsolen geschieht... nichts. Natürlich nicht, wir befinden uns ja nicht auf der "Enterprise", sondern in einer Filmkulisse... Die Konsolen, ebenso wie die Monitore hinter der 'Taktik', bestehen aus durchscheinenden, bunten Plastikscheiben. Das ist eben Film... Geräusche und Effekte werden später hinzugefügt. Doch dazu müssten die Monitore, und vor allem der große Hauptschirm, die typische leuchtend grüne "Ersatzfarbe" haben, so wie alle Flächen, an denen später ein Effekt eingefügt werden soll. Und: Die Konsolen sind starr, genau so wie die Stühle, die hier nicht auf Drehgestellen, sondern auf klobigen Holzsockeln stehen. Außerdem fehlen die Türen zu den Turbolifts... und überhaupt, wo, bitteschön, soll denn bei dieser "Kulisse" eine Kamera stehen? Und Scheinwerfer und...?
Wir befinden uns nicht in einer Kulisse, sondern in einem primitiv nachgebauten Abbild der "Enterprise"-Brücke... Den Besuchern gefällt's. Einer trägt sogar eine Uniform der Sternenflotte (eine billige Nachahmung, sicher aus einem der unzähligen teuren Online-Angebote...)
Daneben finden wir den eben so einfachen Nachbau eines "Transporters". Das gewölbte, leuchtende Gummikissen gibt unter den Füßen nach. Man steht seltsam knieweich, erwartet unwillkürlich das Beam-Geräusch...
Wer möchte, kann sich hier, oder auch auf der "Brücke", fotografieren lassen. Dazu hängen einige Uniform-Oberteile bereit, zum Überstreifen. Bitte beim Personal melden, das Bild wird dann sofort ausgedruckt, zum Mitnehmen...
So langsam wird klar, wieso man hier nicht fotografieren darf: Dieser "Spaß" kostet pro Ausdruck zehn* Euro! Das Interesse der Besucher ist gleich Null.
Auf einem Podest, zwei Stufen hoch, ist ein Tresen aufgebaut und zwei Tische mit Stühlen. Das soll "Quark's Bar" auf Deep Space Nine vorstellen. Die Ähnlichkeit zur Original-Kulisse ist eher entfernt. Aber die Ausstellungbesucher dürfen die "Bar" sowieso nicht betreten, auf den Stufen prangen Sperrschilder.
Wir verlassen die "Kulissen" und wenden uns dem Kopf von 'Morn' zu, der die Sammlung der Masken eröffnet.
Leider ist das nicht die aus dem Fernsehen bekannte riesige Gummihaube, die bei 'Morn'-Darsteller Mark Allen Shepherd vom Kopf bis auf die Schultern herunterreicht, wir stehen vor einem deutlich verkleinerten Modell des 'Morn'-Kopfes. Auch all die anderen Masken in diesem Raum sind so klein, dass sie unmöglich auf den Kopf eines Darstellers passen können. Offenbar haben wir 'Musterköpfe' vor uns, die dem Maskenbildner als Vorlage dienen: Schließlich soll ja die Alien-Fratze am nächsten Drehtag möglichst wieder genau so aussehen, wie die Tage zuvor...
So ziemlich jeder Ekel-Alien ist vertreten, je zerschundener, desto besser. Doch es sind alles nur Statisten, allenfalls Nebenrollen. Wir finden weder einen Ferengi noch einen Vulkanier, ganz zu schweigen von so wohlbekannten Masken wie 'Worf', 'Quark', 'Dukat' oder 'Odo'.
Nun wenden wir uns den unzähligen Requisiten zu. Eine sehenswerte Sammlung. Die Vielzahl der Kommunikatoren, Handphaser und PADDs wirkt auf den zweiten Blick ernüchternd: Dies sind natürlich keine futuristischen Technik-Teile, sondern Fernseh-Requisiten! Nur einfache Kästchen aus Plastik oder Holz, aus denen kein Geräusch und erst recht kein "Strahl" kommt. Die hell strahlende Schrift auf den PADDs, so sehen wir nun, ist nichts anderes als Leuchtfarbe, mit der die Schriftzeichen aufgemalt wurden. Den Rest besorgt der Beleuchter...
Die klingonischen 'Ehrenschwerter' ("Bat'leths") wirken aus der Nähe eher spielzeughaft. Das "Schwert des Kahless" aus der gleichnamigen DS9-Episode 81* scheint gar aus Plastik zu sein... Ob das eine oder andere Stück nicht doch aus dem Fan-Shop kommt, statt aus der Requisitenkammer?
Wir tauchen noch tiefer ein in die Wunderwelt des Fernsehstudios: Auf einem Video-Monitor sehen wir uns selbst, denn direkt darüber wacht ein Kamera-Auge. Doch: Wo sind wir denn da hingeraten? Wir stehen in einer Art "Beobachtungslaunch", vor der Fensterfront, und wir haben freien Ausblick in die unendlichen Weiten! Auf dem Bildschirm jedenfalls... Denn als wir uns - etwas irritiert - umdrehen, erblicken wir hinter uns nichts als eine leuchtend hellgrüne Wand! Das ist die übliche Ersatzfläche, auf der per Computer die Spezialeffekte eingefügt werden. Es gibt kaum Grenzen bei der Auswahl der Motive! Jede Darstellung, die der Computer hervorbringen kann, ist möglich, ob explodierende Sonne oder Dino-Angriff!
"Faszinierend!" würde Mister Spock jetzt sagen. Zumindest in technischer Hinsicht ist dies der Höhepunkt der Ausstellung. Und zugleich der Abschluss.
Letzte Station unseres Besuches: Der Fan-Shop, der ohne Eintrittskarte gar nicht erst erreichbar ist.
Das Angebot ist mager: Neben Videos und Büchern gibt es eine Auswahl an "Spielfiguren" und Postern, alles krass überteuert, wie - leider - üblich. Gut sichtbar lockt eine Gummi-Kopfmaske des 'Balok'-Mosters aus Classic-Episode 3 (10)*. Doch bei einem Preis von 60(!)* Euro geht sie eben so wenig weg wie der grüne Gummi-Kopf des 'Gorn' aus "Arena"*.
Wirklich interessante Fan-Artikel wie Uniformteile, Kommunikator- und Waffennachbildungen sucht man vergebens. Nur ein paar T-Shirts mit aufgedruckten STAR TREK-Motiven fristen in einer Ecke ein tristes Dasein: Hier ist es weniger der Preis von 20* Euro, der vom Kauf abhält, sondern vor allem die extrem miese Qualität der Aufdrucke. Eine weitere Foto-Station, diesmal vor einem Grün-Schirm zum Einblenden verschiedener Hintergrundmotive, macht ebenfalls null Umsatz...
Der Weg nach draußen führt an einem verlassenen Tresen vorbei, über dem "Zehn vorn" steht. Es gibt Kekse und Kaffee (der hier natürlich "raktajino" heißt) zu erstaunlich 'zivilen' Preisen. Doch die Kunden bleiben aus: Essen ist ja verboten...
Eine kleine Erinnerung an STAR TREK in Babelsberg bleibt uns: Die großformatigen farbigen Eintrittskarten mit unterschiedlichen Raumschiff-Motiven verdienen einen Platz im Fotoalbum.