„The Final Frontier“ erreicht ?

Geht der „STAR TREK“ auf einer Raumstation zu Ende ?

Diese dritte Serie startet auf dem Höhepunkt des Erfolges von STAR TREK. Nicht nur die in sechster Staffel laufende Stammserie "STAR TREK - The Next Generation" ("Raumschiff Enterprise Das nächste Jahrhundert") ist überaus beliebt, auch die Wiederholungen der Classic-Serie um Captain Kirk bringen zu dieser Zeit Einschaltquoten, von denen bei der Erstausstrahlung 25 Jahre zuvor niemand zu träumen gewagt hat. Die ein Jahr zuvor erzielte Vereinigung der beiden Fanblöcke (vergleiche TNG, Staffel 5) tut ein übriges, so dass allein in den USA Zehntausende Zuschauer dem Start von "Deep Space Nine" entgegenfiebern.

Hauptcharaktere bei Serienstart
Commander
Benjamin Sisko
Sternenflotten-Kommandant
auf "Deep Space Nine"
Avery Brooks (*1948)
Major
Kira Nerys*
Bajoranischer
Verbindungsoffizier,
Sisko's Stellvertreter
Nana Visitor (*1957)
Lieutenant
Jadzia Dax
Wissenschaftsoffizier
Terry Farrell (*1963)
Lieutenant junior grade
Julian Bashir M.D.
Leitender medizinischer Offizier
Siddig El Fadil (* 1965)

Chief petty officer
Miles O'Brien
Chefingenieur
Colm Meaney
(*1953)
Constable
Odo
Chef der Sicherheit
Rene Auberjonois
(*1940)
Quark
Cleverer Barbesitzer
und Wortführer der
Gewerbetreibenden
Armin Shimerman
(*1949)
Und so wagt man sich an einen völlig neuen Handlungsrahmen: Nicht die Besatzung eines Großraumschiffes, die in ihrem Forscherdrang von Welt zu Welt eilt, sondern eine festliegende Raumstation steht im Mittelpunkt. Es geht hier weniger um Wissenschaft und Forschung, viel mehr um das Miteinanders verschiedener Völker, letztlich um multikulturelle Politik. Die Entdeckung des 'stabilen Wurmlochs' in den fernen 'Gamma-Quadranten' der Galaxie sorgt dennoch für einen Blick auf 'unendliche Weiten'.
Die bewährte Zahl von sieben Hauptcharakteren wird zunächst beibehalten, doch die zentrale Bedeutung des Triumvirats aus Gewissen, Tatkraft und Intellekt (jetzt: Sisko, Kira, Dax) ist zugunsten einer breiteren Handlungsbasis abgeschwächt. Im Haupttitel wird zwar als Nr. 8 Jake Sisko genannt, doch er bleibt stets nur der 'verlängerte emotionale Arm' seines Vaters. Da er nur in 77 der 173 Episoden zum Einsatz kommt, wird er in der ZEITUNG als 'permaneter Nebencharakter' behandelt, was unter anderem bedeutet, dass nicht sein Fehlen, sondern seine Anwesenheit dokumentiert wird.
Hervorzuheben ist die Gestaltung des Charakters 'Quark', denn mit ihm wird ein höchst fataler Fehler korrigiert: Bei ihrem ersten Auftreten vier Jahre zuvor ähneln die 'Ferengi' auf peinliche Weise dem Juden-Zerrbild der früheren deutschen NS-Propaganda (vergleiche TNG 7 (5)). Nun endlich erhalten sie mit 'Quark' ein würdiges Gesicht. Darsteller Armin Shimerman, der seinerzeit selbst den Wortführer dieser allerersten Ferengi-Besatzung dargestellt hat, spricht in dem Zusammenhang von einer 'Wiedergutmachung'. Außerdem hat von nun an jeder Ferengi seinen 'eigenen Kopf', in "The Next Generation" wird nur ein Masken-Typus verwendet.
Auch die Masken der Trill sind - gegenüber der Einführung dieser Spezies in TNG 97 - stark verändert worden. Die herb-gefurchten Gesichtszüge dieser 'Ur-Trill' waren der bildschönen Terry Farrel einfach nicht zuzumuten ...
Weiterhin fällt auf, dass die deutschen Synchron-Dialoge wesentlich originalgetreuer sind als zuvor (speziell in der Classic-Serie), was wir in erster Linie dem Rückzug des ZDF verdanken.
Insgesamt zeigt neue diese Besatzung sehr deutlich den Wandel des Zeitgeistes:
1965 gibt es massive Vorbehalte gegen den 'diabolischen Außerirdischen' namens Spock, was hätte man da wohl über ein Wesen wie Odo gesagt? Und dann ist da noch ein weiblicher Erster Offizier! (Majel Barret als 'Nummer Eins' in Classic 1) Das geht zu dieser Zeit überhaupt nicht! Doch STAR TREK-Schöpfer GENE RODDENBERRY hat dann sogar noch eins draufgesetzt und mit Lt. Uhura erneut einen weiblichen Brückenoffizier geschaffen der zu allem Überfluss auch noch negrid ist. Und um das Maß voll zu machen, zeigt STAR TREK 1969 den allerersten 'schwarz-weißen' Kuss im amerikanischen Fernsehen! Das bringt, neben Morddrohungen, sogar Sendeverbote ein !! (Classic 67 (65)) darf bis heute in einigen Bundesstaaten nicht gesendet werden. Beispiellos in amerikanischen Fernsehen !
Und nun, 1993, haben wir einen negriden Commander. Und seine 'Rechte Hand' ist nicht nur weiblich, sondern auch noch außerirdisch! Und das amerikanische Fernsehpublikum akzeptiert das! Welch eine gewaltige Entwicklung ...
Doch mit dem Tod von GENE RODDENBERRY, der etwas über ein Jahr zurückliegt, ziehen auch negative Veränderungen ein: Bereits im Pilotfilm findet eine erste Raumschlacht statt. Das weist auf die gesteigerte Militanz von STAR TREK hin, die schließlich in die über Jahre andauernde Darstellung eines kriegerischen Konfliktes mit einer 'bösen' außerirdischen Macht mündet. GENE RODDENBERRY hatte stets durchgesetzt, dass Krieg als 'unnormal', als Perversion des menschlichen Daseins dargestellt wird, besonders auffallend tritt das hervor in TNG 63. Doch nun ist offenbar der Einfluss der 'Wächter amerikanischer Interessen' so stark, dass es zur Abkehr von diesem Prinzip kommt.