Krieg dem Krieg !

„Deep Space Nine“ wird Anti-Kriegs-Epos

Die sechste Staffel startet mitten in der heißen Phase des Dominion-Krieges. Die Verluste auf beiden Seiten sind unermesslich, aber Captain Sisko ist es gelungen, Bajor neutral zu halten. Doch trotz aller Militanz fehlt es nicht an brillanten und humorvollen Höhepunkten, so dass (wie schon in "The Next Generation") die sechste Staffel zur besten der Serie aufläuft. Da sich die Handlung bis zur Rückeroberung der Station durch die Sternenflotte über weitere sechs Episoden hinzieht, müssten die 'Randglossen' zu den folgenden sechs Episoden eigentlich in einem Stück stehen. Davon wird jedoch in diesem Fall abgesehen, weil das die Zuordnung der 'Randglossen' zu den einzelnen Episoden gar zu sehr erschwert hätte.
‚Terok Nor‘ wieder unter Besatzung
Gul Dukat kehrt auf seinen Posten zurück
125.-127. A Time To Stand - Rocks an Shoals
("Eine Zeit des Durchhaltens" - "Felsen und Untiefen", gesendet als 125.-126.**)
Zeit des Widerstandes - Entscheidungen
EB 125     ΘΘΘ               EB 127     ΘΘΘ Λ *
Dukat hat große Probleme mit dem Minenfeld vor dem Wurmloch. Zum Glück hat er keine Ahnung, dass dessen genialer Schöpfer im "Quark's" kellnert ...
Zum ersten Mal begegnen wir Admiral Ross (Barry Jenner, *1941).
Ein dramaturgisches Bonmot ist das immer wieder gleiche Morgen-Ritual von Kira und dem überfüllten Lift, es verdeutlicht dem Zuschauer das bedrückende Tag-für-Tag der Besatzung.
Sisko überzeugt sich erneut von der Ehrenhaftigkeit der Jem'Hadar. Es hätte ihm durchaus zu Gesicht gestanden, den verräterischen Vorta am Ende zu töten, um die abgeschlachteten Jem'Hadar-Krieger zu rächen. Aber in 134 sehen wir, wie gut es ist, ihn zu verschonen.
Peinlicher Fehler in der deutschen Fassung: Jadzia's Synchronstimme Maja Dürr scheitert beim Aussprechen des Namens 'Cochrane'.
In der Rolle des führenden Jem'Hadar-Dritten 'Remata'Klan' sehen wir eine weitere Rolle für den 'alten Hasen' Phil Morris, wir kennen ihn bereits seit Classic 12 (8), wo er den Jungen mit dem Armeehelm gibt. Siehe auch STAR TREK - Eine Bilanz.
Einsatz für Garak, Nog und Jake, in 125. auch für Martok, Dukat, Damar, Joseph Sisko und Admiral Ross
"Dienstfrei" in 127.: Worf, Quark, Morn

126. Sons and Daughters
(gesendet als 127.)
Söhne und Töchter   EB
Θ
Während der lange vermisste Alexander Roshenko, Sohn von Worf, alles versucht, doch noch ein Klingonenkrieger zu werden, kämpft die sanftmütige Halbbajoranerin Ziyal den sinnlosen Kampf, der für Mischlinge typisch ist: Sie ist in beiden Welten nicht willkommen.
Genau wie Ziyal und Duras' Sohn Toral (vergleiche Ep. 81) wurde auch Alexander per Umbesetzung 'künstlich gereift': Darsteller Marc Worden ist 21, fast fünf Jahre älter als sein Vorgänger Brian Bonsall. Dabei ist Alexander seinerseits (siehe Hintergrund-Recherche) noch nicht einmal ganz acht Jahre alt. Donnerwetter !!
Größere Rollen für Alexander Roshenko, Martok, Jake, Ross, Ziyal, Dukat und Damar
"Dienstfrei": Morn
128. Behind The Lines
Hinter der Linie   EB
ΘΘΘ
Auf der Station formiert sich Widerstand, dem sich sogar Quark(!) anschließt. Wer hingegen das Vorgehen der 'zufällig' im Alpha-Quadrant gestrandeten 'Gründerin' beobachtet, erkennt deutlich, wie extrem totalitär das Dominion ist. Ihr Versuch, Odo 'umzudrehen' und damit den Widerstand auszuschalten, scheint erfolgreich zu sein... Doch auch in der Sternenflotte wird, unter dem Mantel des Krieges, so manches persönliche 'Süppchen gekocht': Admiral Ross zieht gegen alle Vernunft Benjamin Sisko von der "Defiant" ab, um sich an dessen 'persönlicher Beratung' zu erfreuen.
Die leergeschossenen Phaser-Energiezellen der "Defiant" haben auffallende Ähnlichkeit mit den Granathülsen heutiger Geschütze.
Wir sehen Rom, Jake, Nog, Ross, Dukat, Damar, Weyoun und die 'Gründerin'.
129.-130. Favour The Bold - Sacrifice Of Angels
("Wer wagt gewinnt" - "Die Opferung von Engeln")
Ein kühner Plan - Sieg oder Niederlage?
EB 129     ΘΘΘΘ               EB 130     ΘΘΘ Λ
Die 'Gründerin' hat Odo verführt und völlig vereinnahmt. Sie macht ihm deutlich, das für ihn als 'changeling' (mit 'Wechselbalg' nicht sehr glücklich übersetzt) der Ablauf der Zeit unwichtig ist, der sei 'timeless'. In der deutschen Version wird daraus ein "Existieren ohne Raum und Zeit", das ist mehr als 'dick aufgetragen'! Doch als sie ihm den Plan zur 'Endlösung der Solid-Frage' unterbreitet, kommt er langsam wieder zu Verstand.
Wie viele Machthaber vor ihm missbraucht Weyoun den Begriff 'Terrorismus', um Rom anklagen zu können. Man fragt sich jedoch, wieso man anlässlich seiner Hinrichtung 'Ractajino' zu reichen gedenkt, eine Spezialität der verhassten Klingonen.
Zum ersten und einzigen Mal hat 'Morn' einen ernsthaften Auftrag zu erfüllen. Der Widerstand formiert sich auf breiter Front, doch alle Aktionen schlagen fehl, es ist zu spät: "Deep Space Nine", Bajor und der gesamte Alpha-Quadrant sind verloren! Da provoziert Sisko das Eingreifen der 'Propheten'. Eine gewöhnungsbedürftige Wendung! Die ZEITUNG ist hin- und hergerissen zwischen 'Völliger Schwachsinn' und 'Endlich mal was Neues'.
Der Originaltitel von 129. bezieht sich auf das englische Sprichwort 'Fortune Does Favour The Bold' ('Das Glück ist stets mit den Kühnen'), entsprechend dem deutschen: 'Wer wagt, gewinnt.'
In der riesigen Föderationsflotte darf natürlich die "Enterprise−E" nicht fehlen, in einigen Szenen sehen wir auch Schwesterschiffe der verlorenen "Enterprise−D". Als Sisko's 'kühner Plan' zu scheitern und der "Defiant" die Zerstörung droht, hat der Zuschauer unweigerlich das Gefühl, dass es Zeit ist für das Enttarnen der Klingonen. Allzu oft spielen sie in letzter Zeit die 'Feuerwehr', und sie sind auch diesmal prompt zur Stelle, in letzter Sekunde, versteht sich ...
Der tragische Tod von Ziyal trifft ihren Freund Garak weit mehr als ihren Vater Dukat (der ja wohl schon immer irgendwie wahnsinnig war).
Einsatz für Garak, Rom, Leeta, Ziyal, Nog, Jake, Martok, Dukat, Damar, Weyoun und die 'Gründerin'; in 129 außerdem für Admiral Ross. Das ist die bisher längste Liste von Nebencharakteren, noch mehr gibt es kurz vor Ende der Serie.
"Dienstfrei" in 130: Morn

Fest des Lebens und der Freude
Stationsbetrieb beginnt mit großartiger Zeremonie
131. You Are Cordially Invited ...
("Sie sind herzlich eingeladen ...")
Klingonische Tradition   EB
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Eigentlich eine Seifenoper, aber ein Fest für alle STAR TREK-Liebhaber (und eine Pause im Krieg): Der schwere Weg des Brautpaares.
Als Jadzia sich endlich gegen die fortwährenden Demütigungen ihrer 'Schwiegermutter' wehrt, geht das nicht ohne klingonische Beschimpfungen ab: Jadzia schreit die anmaßende Herrin an: 'Hau'n Sie ab!' Nach dem handgreiflichen Schlagabtausch keift Sirella: 'Sie sind ein Feind meines Hauses!'.
Der Auftritt des Feuertänzers auf Jadzia's Party (Darsteller Sidney Liufau kommt aus Hawaii) bringt sogar den phlegmatischen Morn in Wallung. Wunderbar menschlich, wie die beiden in Jadzia's Quartier 'versacken' und am nächsten Morgen auf dem Boden hinter einem Sofa erwachen. Dagegen haben sich die Männer das typische traurige Klingonen-Los aufgebürdet: Für Bashir und O'Brien bekommt die Redensart vom 'Rumhängen mit Freunden' einen völlig neuen Sinn ... Zu Beginn hören wir die übliche Floskel "For Your eyes only". Sie ist mit "Nur für Ihren Augenschein" zwar exakt, aber doch unglücklich übersetzt worden, denn diese Wendung ist im deutschen ungebräuchlich.
'Sirella'-Darstellerin Shannon Cochran kennen wir aus zwei Auftritten als Maquis-Mitglied 'Kalita', und sie ist in ST 10 die Attentäterin, die den romulanischen Senat liquidiert.
Diesmal dürfen nur die 'Guten' mitspielen:
Martok, Alexander Rozhenko, Jake, Nog, Rom und Leeta.

132. Resurrection
("Auferstehung")
Erkenntnis   EB
Θ
Eine durch und durch verzichtbare Geschichte aus dem abgedroschenen 'Spiegel-Universum':
'Anti-Bareil', in seiner Welt ein geschickter Dieb, dringt zusammen mit der 'Intendantin' auf DS9 ein. Die Handlung erschließt sich nur den 'harten Fans', die sich genauestens in der Vorgeschichte auskennen, Gelegenheits-Zuschauer scheitern bereits am Bezug des Originaltitels.
Nana Visitor bleibt bei der Darstellung der 'falschen' Kira unter ihrem Niveau, die verkleidete 'Intendantin' agiert viel zu auffällig. Wie so etwas geht, zeigt uns Jonathan Frakes in Ep. 55 als 'falscher William Riker'. Quark beweist ein Mal mehr seinen untrüglichen Instinkt für 'krumme Sachen'.
Allerletzter Auftritt für den 'wiederbelebten' Bareil
133. Statistical Probabilities
Statistische Wahrscheinlichkeiten   EB
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Mit dieser Geschichte beginnt ein wahres Feuerwerk erstklassiger Episoden. Die 'Mutanten' stehen für eine wohl durchdachte Auswahl von Menschen mit relativ häufigen psychischen Behinderungen, die über spezielle Fähigkeiten verfügen, vergleichbar mit Dustin Hoffman's Glanzrolle in Barry Levinson's "Rain Man" von 1988. Erneut klingt an, dass niemand verurteilt werden darf für das, was er ist. Bashir's absurde Formel über die (angeblich) immer weiter wachsende Zuverlässigkeit der 'Vorausberechnungen' wird konsequent ad absurdum geführt und mündet in eine brillante Moral.
Leider ist das Verhalten der vier 'Mutanten' stark überzogen dargestellt. In der deutschen Fassung hat sich ein dummer Textfehler eingeschlichen: Dr. Bashir berichtet, seine 'Hand-Augen-Koordinaten' seien verbessert worden*.
Hilary Turner (die lazsive 'Lauren') steckt in 100 unter der Benziten-Maske von 'Ensign Hoya'; sie hat unlängst geheiratet und nennt sich nun Hilary Shepard-Turner.
Wiedersehen mit Damar und Weyoun
134. The Magnificent Ferengi
(eigentlich: "Die glorreichen Ferengi")
Der glorreiche Ferengi   EB
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Hervorragende Ferengi-Geschichte mit augenzwinkerndem Bezug zu dem berühmten Western-Klassiker. Die deplacierte 'Musketier-Losung' "Einer für alle, alle für einen" wird weder im Original noch im französischen benutzt, nur in der deutschen Fassung. In dem ausgetauschten Vorta (Christopher Shea) sehen wir eben den wieder, den Sisko in 127 (126) gefangengenommen hat; der andere, der den Austausch vornimmt, ist kein geringerer als Punk-Urgestein Iggy Pop.
Neben Nog, Rom, Leeta, Ishka und Brunt sehen wir mit 'Leck' (Hamilton Camp) und 'Gaila' (Josh Pais) zwei weniger bekannte Ferengi wieder.
135. Waltz ("Walzer")
Das Gute und das Böse   EB
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Schwer verdauliche, aber brillant in Szene gesetzte Story. Dukat beweist in seinem Monolog, dass er durchaus nicht 'verrückt' ist, viel mehr zelebriert er perfekte kolonialistische Denkstrukturen, wie sie auf unserer Erde, vor allem im 'alten Europa', jahrhundertelang als völlig normal galten. Schier unerträgliche Spannung entsteht, als zum ersten Mal zwei Überlebende gerettet werden, und es sind - zwei Statistinnen. Ein dramaturgisches Bonmot!
Mangel in der deutschen Version: Sisko's Urteil über Dukat als 'evil man' wurde formal mit 'böser Mann' übersetzt, das ist zwar nicht falsch, klingt aber im deutschen beinahe infantil. Man hätte besser 'üble Kreatur' oder wenigstens 'übler Mann' sagen sollen.
Hauptrolle für Dukat, Nebenrollen für Damar und Weyoun
"Dienstfrei": Quark, Morn
136. Who Mourns For Morn?
Wer trauert um Morn?   EB
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Der phlegmatische, nicht zu übersehende Morn gehört von Anfang an 'zum Inventar' von Quark's Bar und wird bald so beliebt, dass bereits während der zweiten Staffel ein eigener Fanclub für ihn entsteht. Er ist in mehr Episoden zu sehen als Captain Kirk (!). Folgerichtig wird ihm nun eine eigene Episode gewidmet.
Quark erwähnt ein Mal mehr Morn's unaufhörlichen Redeschwall bei Abwesenheit des Zuschauers, und wir erfahren auch von seinen schier unglaublichen Qualitäten als Sparringspartner von Worf(!).
Außerdem lernen wir ein neues, sehr großes Zählmaß für 'Latinum' kennen: Die 'Blocks' (im Original: 'bricks').
Der Mann, der von Quark auf Morn's Lieblingsstuhl placiert wird, ist Darsteller Mark Allen Shepherd - ohne Morn-Maske. Paramount berichtet, dass eine Episode geplant war, in der Morn mit Smoking und weißem Hemd auftreten sollte, das scheiterte jedoch am enormen Halsumfang der Maske (76 cm(!)), der das Schneidern eines Smoking unmöglich machte.
Brad Greenquist (Morn's Ex-Partner 'Krit') hat weitere Auftritte in Ent 39 und Ent 91. Hier fällt die ausdrucksstarke deutsche Stimme von Thomas Petruo auf (u.a. Fiesling 'Biff Tannen' in "Zurück in die Zukunft"). Wir hören ihn auch mehrfach in "Voyager".
137. One Little Ship
("Ein einziges kleines Schiff",
gesendet als 138.)
Das winzige Raumschiff   EB
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Der Reigen hervorragender Episoden setzt sich fort. Dies hier ist von der interessant-spannenden Ausgangssituation bis zu einem der sehr raren Odo-Schlussgags ein wahres Trommelfeuer allerfeinster Science Fiction. Der kleine Fähnrich Nog hat an der Akademie gut trainiert, sein Nahkampf-Einsatz gegen die Jem'Hadar ist beeindruckend. Auch der Humor kommt zu seinem Recht: Kira erklärt dem ahnungslosen Feind, wie sie einen 'Dilithium-Gelenk-Rahmen' ('dilithium articulation frame') ausrichtet. Und Worf's schnell erfundene Gedichtzeile ist genau so schrill wie das 'Lied der Weisen' aus Voy 44 (47) ...
Auftritt von Nog
Volle Breitseite von Fernsehpreisen für eine Story der Superlative
STAR TREK erreicht erneut das Niveau von „The City On The Edge Of Forever“
138. Far Beyond The Stars
("Weit hinter den Sternen", gesendet als 137.)
Jenseits der Sterne   EB
ΘΘΘΘΘ Ψ
Diese Episode ist, bei aller Härte, sicher die beste aller "Deep Space Nine"-Stories und vielleicht die wichtigste STAR TREK-Episode überhaupt. Nirgendwo sonst wird derart drastisch aufgezeigt, welch gewaltige Fortschritte die menschliche Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erreicht hat! Trotz aller sozialen Probleme!
Denn es ist noch nicht einmal 30 Jahre her, dass RODDENBERRY, Shatner und Nichols mit Morddrohungen bedacht wurden wegen eines Fernseh-Kusses in Classic 67 (65). Diese Story nun führt uns weitere fünfzehn Jahre in die Vergangenheit, in eine Zeit, als die Anfänge der realen Raumfahrt langsam in Reichweite rückten und das bis dahin still vor sich hin schlummernde Literatur-Genre 'Science Fiction' seinen großen Aufschwung hatte. (Die Ware des Zeitungsjungen ist auf 'September 1953' datiert.)
Wir müssen mit ansehen, wie in dieser Zeit eine dunkle Hautfarbe ausreichte, um in's Visier der Polizei zu geraten, werden mit heute schon fast unvorstellbaren rassistischen und sexistischen Lasten konfrontiert. In einem genialen dramaturgischen Wurf werden nicht nur die Hauptcharaktere (Armin Shimerman ist ohne seine 'Quark'-Maske kaum zu erkennen), sondern auch sieben permanente Nebenfiguren in Menschen der 1950er Jahre verwandelt und an den 'ihnen gebührenden' Platz gestellt. Die Wände der 'SciFi-Redaktion' sind mit Original-Entwürfen für Szenen-Hintergründe aus der Classic-Serie geschmückt.
Wiedersehen mit Kasidy, Jake und Joseph Sisko sowie 'Abbildern' von Nog, Martok, Dukat und Weyoun. Auch von Worf, Odo, O'Brien und Quark sehen wir nur 'Abbilder'.
"Dienstfrei": Morn

139. Honor Among Thieves
Ehre unter Dieben   EB
ΘΘΘ
Von völlig anderer Art, doch ebenfalls hochwertig ist diese Episode. Sie greift ein weiteres Problem der Amerikaner auf: Das organisierte Verbrechen. Im 23. Jahrhundert hatte es weitgehend an Bedeutung verloren, denn das 'Orion-Syndikat' wird in DS9 107 überhaupt zum ersten Mal erwähnt. 2½ Jahrhunderte zuvor muss das wohl etwas anders ausgesehen haben: Die Crew der "Enterprise NX-01" muss sich in den 2150er Jahren mehrfach mit dieser Mafiaartigen Organisation auseinandersetzen. Nun lässt der Krieg das 'Syndikat' wieder erstarken... Die grünhäutigen Orion-Bewohner ('Rigelianer') sind uns in Classic 1 (bzw. dessen 'Recycling' in der ersten Classic-Staffel) und in Ani10 (12) kurz vorgestellt worden.
Natürlich fragt man sich ein Mal mehr, warum es wieder den Chief erwischt, ist er doch ganz offensichtlich für eine Geheimdienst-Aufgabe in keiner Weise qualifiziert. Am Ende bleibt er auf dem psychischen Schaden und dem Kater seines toten Mafioso-Partners 'Bilby' sitzen. Bilby-Darsteller Nick Tate kennen wir aus TNG 83.
140. Change Of Heart
Wandel des Herzens   EB
Θ
Diese Episode ist nicht eben 'berauschend', die Handlung ist seicht, die Aussage banal. Ähnlichem Unsinn ist Worf schon einmal ausgesetzt gewesen in TNG 142−143. Es ist von vornherein ein unverzeihlicher taktischer Fehler von Kira, ein Ehepaar auf eine potentiell tödliche Mission zu schicken.
Immerhin sehen wir Julian Bashir in seiner 'Geheimagenten-Kluft' aus Ep. 82 wieder, für den Chief (nach der vorigen Episode) sicher ein fragwürdiges 'Vergnügen'. Und wir bekommen zu sehen, was Julian Bashir schon immer wissen wollte, aber erst in der Schluss-Episode erfährt: Die Flecken eines Trill ziehen sich bis zu den Knöcheln hinunter ...
"Dienstfrei": Odo
141. Wrongs Darker Than Dead Or Night
("Unrecht, dunkler als Tod oder Nacht")
Tiefes Unrecht   EB
oo
Nach der vorigen Episode hätte es eigentlich besser werden sollen. Aber nicht diesmal: Wir erleiden ein hochgradig moralisierendes Rührstück auf 'Heimatflim'-Niveau, in dem jeder Science Fiction-Bezug fehlt. Ein Grund dafür liegt wohl darin, dass Nana Visitor die ursprüngliche Drehbuch-Version sehr energisch 'in der Luft zerfetzte'. (Kira sollte Dukat 'vergeben', und dann eine 'romantische Beziehung' mit ihm haben.) So wurde das Drehbuch massiv umgeschrieben Oder wohl eher: Aus den Resten zusammengestückelt.
Kira benutzt den Sprengstoff 'Ultricium', der bereits in TNG 45 erwähnt wird. Wiedersehen mit Kira's Vater 'Taban', Darsteller Thomas Kopache hat insgesamt sieben kleine Rollen in STAR TREK. Tim deZarn (hier der kompromisslose Widerständler 'Halb') kennen wir aus TNG 144 und Voy 21 (18), dazu kommt eine Rolle in Voy 159.
Auftritt für Dukat
142. Inquisition
(romanisch: "Untersuchung", "Ermittlung", "Befragung")
Inquisition   EB
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Zwar gelingt die Bearbeitung des überaus heiklen Themas zunächst nur halbherzig, jedoch scheint damit der kurzzeitige Einbruch überwunden. Von der geheimen Un-Organisation 'Sektion 31' hören wir bald mehr. Ihr "Deputy Director" ("Vizedirektor") 'Luther Sloan' (William Sadler, *1950) trägt ein merkmürdig fremdes, nirgendwo dokumentiertes Rangabzeichen, das dem eines Captain ähnelt.
Da es nicht so recht gelingen will, dem Zuschauer die enorme Gefahr zu verdeutlichen, die einer jeden Demokratie von derart unkontrolliert verselbständigten Geheimdienst-Aktivitäten droht, werden antiquierte Negativ-Klischees ausgegraben. Schon das Erscheinungsbild der beiden Wachleute spricht Bände: Sie entsprechen exakt jenen Typen, die beim Durchschnittsamerikaner - auch nach Jahren der Vernunft - noch immer negative Emotionen hervorholen: Der 'Nigger' und das 'Russenweib'. Das Bedienen solcher Klischees ist zwar dramaturgisch wirksam, aber aus humanistischer Sicht nicht zu akzeptieren!
In der Diskussion um Dr. Bashir's Beitritt zu 'Sektion 31' erfolgt ein weiterer Bezug zu dessen "007"−Spielen auf dem Holodeck. (Vergleiche Ep. 82.) Wir erfahren die Lage von Worf's Quartier: Level 3, Section 27, Room 19.
143. In The Pale Moonlight
In fahlem Mondlicht   EB
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Das ist sie, die häßliche Fratze des Krieges! Der Captain hat keine Wahl, er muss tun, was notwendig ist, Ehre hin, Gewissen her. Schon in TNG 86 haben wir gehört, dass der Hass eigentlich nicht dem Feind gilt, sondern dem Krieg (damals ist es Gemütsmensch O'Brien, der das feststellt). Sisko ist sehr gut bedient, da er in Garak einen brillanten Wurm hat, der ihm die Drecksarbeit abnimmt und dann auch noch Prügel einsteckt. Die Erzählweise in Form von Rückblenden ist gewöhnungsbedürftig, wird aber dem Anliegen der Episode gut gerecht.
Nachdem das Dominion den Planeten 'Betazed' besetzt hat, führt der weitere Weg über 'Vulkan', 'Andor', 'Tellar' und 'Alpha Centauri' direkt zur Erde: Es ist exakt der umgekehrte Weg, den die Sternenflotte einst bei ihren ersten Forschungsreisen nahm...
Wesentliche Rolle für Garak, kurze Auftritte von Weyoun und Damar (als Hologramme)
"Dienstfrei": O'Brien, Morn
144. His Way
Auf seine Art   EB
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Wir erleben einen weiteren herzerfrischenden 'Lichtblick', so mitten im Krieg. Dass Kira und Odo zusammenkommen, ist seit fast einem Jahr absehbar. Der (Original-)Titel bezieht sich auf Frank Sinatra's** Welthit "My Way", weitere Bezüge zu Liedern dieser Zeit folgen, bis hin zum augenzwinkernden Zitat aus dem Elvis-Klassiker "Devil In Disguise": "She walks like Kira, she talks like Kira...".
In der Kleidung von Kira fällt auf, dass Nana Visitor in dem halben Jahr seit ihrer Niederkunft entsetzlich abgemagert ist. Bei ihrem Show-Auftritt (Willie John's viel gecovertes Stück "Fever") bekennt sie sich zu ihren Wurzeln: Sie kommt von der Musikbühne. Und: Als 'Kira-Hologramm' der 1960er Jahre sehen wir nach langer Zeit wieder einmal einen STAR TREK-Darsteller rauchen. Leider wird die Wirkung des letzten Liedes von der schrill einsetzenden Musik des Schlusstitels geschmälert.
Vic's deutschen Sprecher K. Dieter Klebsch hören wir häufig in STAR TREK, er synchronisiert meist 'Bösewichte', u.a. die cardassianischen Hardliner 'Lemec' (DS9136−137) und 'Evek' (DS9 37 bis Voy 1).
Logischer Fehler: Vic kann Kira's holografisches Bild nicht aus 'einem von Julian's Agentenprogrammen' haben, in Ep. 82 gerät es zwar durch einen Unfall hinein, wird aber umgehend wieder entfernt.
Einführung des singenden Hologramms 'Vic Fontaine' (James Darren, *1936)
145. The Reckoning ("Die Abrechnung")
Zeit der Abrechnung   EB
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Die Story beginnt eingermaßen harmlos bei der Ausgrabung alt-bajoranischer Artefakte. Doch dann wird daraus ein kaum verdaulicher Fantasy-Ausflug, gekrönt durch das Total-Versagen von Kai Winn (die das 'Böse' entkommen lässt, um ihren Rang und Titel zu schützen, wie seifenoprig!). Aber es soll noch schlimmer kommen ...
Die Entdeckung der Ruinenstadt "B'hala" geschah in 108, liegt also schon deutlich länger als "ein Jahr" zurück.
Wiedersehen mit Jake und Kai Winn, "dienstfrei": O'Brien

146. Valiant
("tapfer", hier: Eigenname des Schiffes)
Valiant   EB
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Dieses Schiff voller fanatisierter Kinder ist eine beißende Abrechnung mit 'Hitlerjugend', 'Volkssturm'... mit dem 'Führerkult' schlechthin. (Beachtet den fanatischen Schluss-Monolog der überlebenden "Heldin" 'Dorian Collins'!) Besonders schwer dürfte dem 'guten Amerikaner' im Magen liegen, dass es diesmal kein Problem der deutschen Geschichte ist. Der große Chaplin war seinerzeit wegen etwas ähnlichem aus den USA ausgwiesen worden ... Die Eliteeinheit 'Red Squad' verkörpert so etwas wie die 'Waffen−SS' der Akademie, wir kennen ihr dunkles Wirken bereits aus 83−84, wo auch Steuermann Shepard (David Drew Gallagher) zu sehen ist. Der kindliche 'Captain' Watters wird vom 24−jährigen Paul Popovich dargestellt, dagegen ist sein 'Erster Offizier' Farris (Courtney Peldon) tatsächlich eben erst 17 geworden. Watters' deutsche Stimme gehört Gerrit Schmidt-Foß, dem Stammsprecher von Leonardo DiCaprio. Doch was ist ein überforderter Möchtegern-Captain gegen einen echten, gestandenen Fähnrich: Nog schlägt sich hervorragend. Dass er aber als 'Lieutenant Commander' das Rangabzeichen eines 'Lieutenant junior grade' trägt, liegt wohl kaum an seiner Bescheidenheit. Fraglich auch, wenn am Ende auf der "Valiant" alle Energiereserven ausfallen, wieso das Kraftfeld an Jake's Arrestzelle noch hält ...
Hauptrollen für Nog und Jake
"Dienstfrei": O'Brien
147. Profit And Lace ("Profit 'mit Schuss' ")
Die Beraterin   EB
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Erneut eine herzerfrischende Ferengi-Story, wenn auch nicht so ganz schlüssig. Und eine riesige Glanzleistung von Quark-Darsteller Armin Shimerman: Altmeister Billy Wilder hatte bestimmt seine helle Freude an der grotesken Überspitzung von "Some Like It Hot" ("Manche mögen's heiß").
Wiedersehen mit Nog, Rom, Leeta, Ishka, Zek (mit Diener) und Brunt, "dienstfrei": O'Brien
148. Time's Orphan ("Eine Waise der Zeit")
Das Zeitportal   EB
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Dies ist ein SciFi-Story der 'ganz anderen Art', aber nicht weniger sehenswert, es muss nicht immer wirres Technik-Kauderwelsch sein.
Am Ende sieht es fast so aus, als käme die temporale Logik in's Wanken, doch es fügt sich. Nur der reichlich dick aufgetragene Emotions-Schmalz ist wohl nicht jedermanns Sache.
Die 'achtjährige' Molly wirkt etwas zurückgeblieben, aber genaugenommen ist sie ja auch erst 6½ (geboren in TNG 105. Vergleiche auch Ep. 45). Darstellerin Hana Hatae dagegen ist schon fast zehn, sie spielt diese Rolle seit knapp sechs Jahren. Die artistisch begabte Michelle Krusiec (*1974), Darstellerin der 18−jährigen Molly, ist real bereits 23. Wieso wird Worf's Eignung zur Vaterschaft in Frage gestellt? Immerhin hat er Alexander großgezogen, Molly O'Brien auf die Welt geholfen und war als einziger in der Lage, den kleinen Kirayoshi zu beruhigen (116).
Wir sehen Kater 'Chester' wieder, den der Chief in 139 'geerbt' hat. Kirayoshi O'Brien ist nun etwa ein Jahr alt, außerdem Wiedersehen mit Keiko und Molly.

149. The Sound Of Her Voice
Der Klang ihrer Stimme   EB
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Das ist nicht eben der 'große Wurf'. Die seichte, vorhersehbare Handlung wirkt wie ein 'Lückenfüller', der die Zeit bis zum Staffelschluss überbrücken muss. Da hebt sich bereits das Geplänkel zwischen Quark und dem unglaublich gnädig gestimmten Odo positiv ab.
Fehler im deutschen Dialog: Aus 'junior officer' ('junger Offizier') ist 'Unteroffizier' geworden. (Etwas vergleichbares bei der Sternenflotte wäre ein 'petty officer' wie Miles O'Brien.)
Nebenrollen für Kasidy und Jake
150. Tears Of The Prophets
Tränen der Propheten   EB
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Irgendwie muss man heraus aus dem festgefahrenen Stellungskrieg, aber eine solch geballte Ladung ungenießbarer Phantasterei wäre verzichtbar gewesen. Vor allem hätte die großartige Jadzia ein würdigeres Ende verdient, als einfach nur zufällig 'zur falschen Zeit am falschen Ort' zu sein.
Captain Sisko bekommt den 'Christopher Pike'-Tapferkeitsorden.
Im riesigen Kampfverband der Föderation sehen wir erneut ein baugleiches Schwesterschiff von Cpt. Picard's "Enterprise".
Zum Staffel-Schluss noch einmal großes Aufgebot: Jake, Nog, Admiral Ross, Martok, Garak, Damar, Dukat, Weyoun, sowie das singende Hologramm 'Vic Fontaine'.
Nach Quellenangaben sind für diese Serie ursprünglich nur sechs Staffeln geplant worden, so dass die Verträge der Hauptdarsteller zu diesem Zeitpunkt auslaufen. Terry Farrell ist die einzige, die ihren Vertrag nicht verlängert, weil sie inzwischen anderweitige Verpflichtungen hat: Sie wechselt unmittelbar in eine Hauptrolle der neuen Serie "Becker". Deshalb wird sie in "Deep Space Nine" 'herausgeschrieben', und Jadzia muss sterben. Aber bei einem Trill-Charakter bedeutet das ja nicht auch zwangsläufig das Ende für 'Dax' ...