Wende im Dominion-Krieg

Das beste an jedem Krieg ist sein Ende

Nach den umwälzenden Ereignissen in der Schlussepisode von Staffel 6 ist zunächst offen geblieben, ob es überhaupt eine siebte Staffel geben wird: Im Dominion-Krieg ist die entscheidende Wende eingetreten, das Wurmloch ist verschwunden, Jadzia ist tot und Ben Sisko hat die Sternenflotte verlassen. Nun ist zunächst ein 'kleiner Pilotfilm' zur Neuordnung der der Situation erforderlich.
Kira Nerys, in der Staffelpause zu Colonel befördert, erscheint mit neuem Image. Sie ist nun endgültig eine harte, desillusionierte Bürokratin, die kaum noch etwas gemein hat mit der impulsiven, vor Lebenskraft überschäumenden Kämpferin vom Beginn der Serie. Erst gegen Schluss darf sie (teilweise) zu ihren ursprünglichen Qualitäten zurückkehren.
Offensichtlich hat man gar nicht erst in Erwägung gezogen, für den Rest der Serie ohne Dax auszukommen, obwohl das durchaus ein gangbarer Weg gewesen wäre. Die höchst zerbrechliche und von Selbstzweifeln zerissene 'Ezri' (Nicole deBoer, *1970) liefert nicht mehr als eine peinliche Karikatur von Dax. Auch unabhängig von Jadzia's 'viel zu großen Stiefeln' bleibt sie der darstellerische Schwachpunkt der Staffel. Und was wird aus dem leidgeprüften Worf, besteht sein Leben von nun an nur noch aus Sarkasmus und Gewalt?
Wie auch immer, diese Schluss-Staffel hat keine Chance, an den 'Höhenflug' der sechsten Staffel anzuknüpfen, die Serie geht einfach nur noch 'zu Ende'.
151.-152. Image In The Sand
("Das Abbild im Sand")
Shadows And Symbols
Das Gesicht im Sand - Schatten und Symbole
EB 151     oo               EB 152     Θ *
Irgendwie muss das einmal begonnene 'Geistermärchen' ohne größere logische Risse zu Ende gebracht werden. Es bleibt glanzlos, abgesehen von dem großartigen Bezug zu 138 (137) im zweiten Teil, in der nun auch Damar seinen Platz im 'Russel-Universum' bekommt: Er ist 'Irrenarzt'.
Wir erfahren Sisko's Geburtsjahr: 2332; er ist also jetzt 43 Jahre alt, sieben Jahre jünger als Darsteller Avery Brooks. Ensign Ezri Dax agiert hier zunächst als 'verkleinertes Abbild' von Jadzia und damit noch einigermaßen glaubwürdig.
Grotesker Synchronfehler in 152: Jadzia's Freunde lösen die Zerstörung die Dominion-Werft mit einem "EM−pulse" aus; in der deutschen Version (wie üblich weiß keiner im Synchronteam, worum es geht) wollen sie das Ziel mit dem "Impulsantrieb bewerfen"...
Schließlich wird die Fantasterei gekrönt mit der Unterstellung, dass Benjamin Sisko gar kein echter Mensch sei, sondern ein Abkömmling der 'Propheten'(!). Ein schon beinahe blasphemisch zu nennender Bezug zum christlichen Messias Jesus...
Die romulanische Senatorin 'Cretak' (Megan Cole) kennen wir aus einer ähnlich unangenehmen Rolle in TNG 117.
Wiedersehen mit Jake und Joseph Sisko, Martok, Admiral Ross, Damar und Weyoun; im ersten Teil außerdem Nog und Vic Fontaine.
"Dienstfrei" in 152: Morn
153. Afterimage
Nachempfindung   EB
oo
Diese Episode hat praktisch keine Handlung, sie dient lediglich dazu, die neue 'Dax' in das Ensemble einzuordnen. Der oft so brillante Schneider-Spion Garak erleidet einen undankbaren Part als dramaturgischer 'Lückenfüller' in einer einfallslosen Inszenierung.
Ezri Dax wird Lieutenant junior grade und Stationscounselor; damit beginnt für diese Figur ein - erbärmliches - Eigenleben. Schier unglaublich, dass die 27−jährige Nicole deBoer vor STAR TREK bereits mehr als dreißig(!) größere Rollen bewältigt hat ...
Hauptrolle für Garak, Wiedersehen mit Jake


154. Take Me Out To The Holosuite
("Führ mich aus in die Holosuite")
Wettkampf in der Holosuite   EB
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Das sollte wohl witzig werden, bringt aber beim internationalen Publikum eher verständnisloses Kopfschütteln. Die Chance, den Zuschauern das außerhalb der USA kaum bekannte Baseball-Spiel näherzubringen, wurde vertan. Zum einzigen Lichtblick gerät schließlich die Erinnerung an den Schlussgag aus TNG 47: Die 'Niners' haben den blasierten Vulkanier zwar nicht besiegt, aber sie haben ihn  fertiggemacht !
Wiedersehen mit Rom, Leeta, Nog, Jake und Kasidy Yates
155. Chrysalis (latein: "Insektenpuppe")
Sarina (Eigenname)   EB
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Mit einem Augenzwinkern wird gezeigt, dass man in einer falschen Sternenflottenuniform noch viel weniger können muss als der legendäre "Hauptmann von Köpenick". Doch die psychopathischen 'Mutanten' sind wieder genau so unrealistisch dargestellt wie schon in 133. Auch das weitere ist krass realitätsfern, bis hin zu Bashir's unglaublichem Mangel an Professionalität. Brillant hingegen ist die professionelle Gesangseinlage, die man der soeben 'erwachten' Sarina mit ihren genetisch verbesserten Sinnen durchaus abnimmt.
Die Darstellerin der lasziven 'Lauren' führt bei ihrem dritten Auftritt wieder einen veränderten Künstlernamen: Sie heißt diesmal Hilary Shepard Turner (ohne Bindestrich im Doppelnamen).
Nebenrolle für Nog, "dienstfrei": Worf
156. Treachery, Faith and the Great River
Verrat, Glaube und gewaltiger Fluß   EB
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Eine Episode, so bunt wie das Leben auf der Station. Mit der Nachricht, dass eine tödliche Krankheit die 'Gründer' bedroht, werden die Weichen gestellt für das endgültige Ende des Krieges. Und der Serie.
Beim Einfliegen in die Spalte des Eis-Asteroiden darf Odo als erstklassiger Pilot brillieren. Der 'Gewaltige Fluss' ('The Great River') ist eine weitere Grundlage der Ferengi-Mythologie. Weiterer unbegreiflicher Fehler im deutschen Synchrontext: Aus "across the galaxy" ("[quer] durch die [ganze] Galaxie") wird ein "Kreuzfeuer-Lauf", was immer das sein mag ...
Hauptrollen für Nog und Weyoun (Doppelrolle!); Nebenrollen für Rom, Martok, Damar und die 'Gründerin'
"Dienstfrei": Morn
157. Once More Unto The Breach
("Ein weiteres Mal in die Bresche")
Der Dahar-Meister   EB
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Für eine Story um Klingonenehre ist dies eine durchaus sehenswerte Episode. Die hier berichtete Biografie des legendären Dahar-Meisters (John Colicos) erklärt nun auch das anmaßende Verhalten des jungen Kor in Classic 27 (26). Seit dieser Episode sind fast 32 Jahre vergangen, damit übertrifft Colicos' STAR TREK-Präsenz (rein zeitlich) sogar die von Majel Barret (vergleiche STAR TREK - Eine Bilanz). Er ist inzwischen fast 70 und steht hier, 1½ Jahre vor seinem Tod, zum letzten Mal überhaupt vor der Kamera.
Wir erfahren, dass General Martok aus der entlegenen Ketha-Provinz kommt, aus der vor ihm noch nie ein Offizier hervorging, geschweige denn ein Führer des Hohen Rates (vergleiche 172). Es ist just der selbe Ort, an dem mehr als hundert Jahre zuvor (und auf einer anderen Zeitlinie) 'Khan Noonien Singh' gefangen genommen wird (ST12).
Der Originaltitel ist ein populäres Zitat aus dem Shakespeare-Drama "Henry V" ("Heinrich V.").
Hauptrolle für Martok, kurzer Auftritt von Jake.
158. The Siege Of AR−558
Die Belagerung von AR−558   EB
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Die schonungslos-offene Anti-Kriegs-Darstellung gehört traditionell zu den großen Stärken von STAR TREK, vergleiche auch TNG 63. In der übernächsten Episode wird dann 'noch ein's draufgesetzt' ...
Die Bezeichnung 'Houdinis' für die im Subraum getarnten Minen ist ein sarkastischer Bezug auf den im frühen 20. Jahrhundert weltberühmten Zauberkünstler gleichen Namens, von dem es heißt, er habe nicht weniger als lebende Elefanten auf offener Szene verschwinden lassen.
Föderationssoldat 'Reese' (Patrick Kilpatrick) ist identisch mit dem Kazon-Führer 'Razik' in Voy 21 (18), wo 'Nog'-Darsteller Aron Eisenberg ebenfalls eine Hauptrolle hat.
Wahrscheinlich fehlten wieder einmal Sendeminuten, die unsinnige und völlig losgelöste Szene um Rom's Holodeck-Gesang ist anders kaum zu zu erklären.
Hauptrolle für Nog, Auftritte von Rom und Vic Fontaine.
"Dienstfrei": Morn
159. Covenant ("Der Bund")
Entscheidung auf Empok Nor   EB
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Eine schwer durchzuhaltende Geschichte, angefüllt mit plattem spiritistischem Unfug; erst gegen Ende wird die Episode etwas besser. Positiv: Die harsche Totalitarismus-Kritik. Dennoch ist das ganze bis zur völligen Unglaubwürdigkeit überzogen.
Hauptrolle für Dukat, "dienstfrei": Morn





161. Prodigal Daughter
Die verlorene Tochter   EB
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Diese Episode hat kaum etwas mit STAR TREK zu tun, sie ist eine reine Seifenoper, und selbst dafür noch ausgesprochen platt. Hat sich schon einmal jemand gefragt, wieso der stark lädierte Chief nicht medizinisch versorgt wird? Nach etwas 'Toilette' und einem guten Essen ist er sofort wieder so gut wie neu ...
Ezri wird von ihrem Bruder mit dem Kose-Kürzel 'Zee' angesprochen.
"Dienstfrei": Worf, Quark, Morn


160. It's Only A Paper Moon
("Es ist nur ein Papier-Mond" [Mond-Lampion])
Leben in der Holosuite   EB
ΘΘΘΘΘ Λ
Überaus wertvolle Fortschreibung der vorletzten Episode: Fähnrich Nog, der im Kampf ein Bein verloren hat, muss nach der problemlosen medizinischen Wiederherstellung nunmehr die allzu oft vergessene psychische Rehabilitation bewältigen. Die Darstellung ist nicht nur glaubwürdig, sondern geradezu brillant.
Der Original-Titel bezeichnete ursprünglich eines von Vic Fontaine's Liedern, ein sehr populärer Hit um die Mitte des 20. Jahrhunderts. (1973 gab es auch einen gleichnamigen Film, bei dem das Lied als Titelmusik verwendet wurde.)
Vic erhält endgültig den Status einer künstlichen Lebensform. Kleiner Lapsus: Beim Verlassen der Holosuite trägt Nog seinen holografischen Smoking. Der sich nicht auflöst. Jake's Bar-Begleiterin 'Kesha' (Tami-Adrian George) ist der einer der wenigen negriden Bajoraner in der Serie.
Hauptrollen für Nog und Vic Fontaine, Nebenrollen für Jake, Rom und Leeta
"Dienstfrei": Morn
162. The Emperor's New Cloak ("Des Kaisers neuer Umhang")
Die Tarnvorrichtung   EB
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Nach fast drei Jahren wird doch noch einmal das dramaturgisch längst verbrauchte 'Spiegel-Universum' bemüht. Vorwand und Rechtfertigung ist die offizielle Widmung der Episode an den neun Monate zuvor verstorbenen Drehbuch-Autor Jerome Bixby : Er hatte gut dreißig Jahre zuvor die zu ihrer Zeit erstklassige Episode Classic39 (33) verfasst und damit die ganze Spiegelei quasi 'erfunden'.
Die Rückkehr auf die 'andere Seite' markiert erneut einen 'Absturz' bei der Qualität der Drehbücher. Während der Zuschauer sich noch wundert, woher plötzlich ein 'Anti-Fontaine' kommt, der kein Hologramm und auch kein Sänger, sondern ein gewalttätiger Mensch (oder vielleicht gar ein Android?) ist, versinkt die Handlung zunehmend im Chaos.
Die 28−jährige Nicole deBoer ist mit der Rolle der militant-lesbischen 'Anti-Ezri' völlig überfordert, die Kuss-Szene mit Nana Visitor fällt ihr sichtlich schwer, und auch die Gewaltausbrüche geraten nur halbherzig. Was für Verwandlungen haben wir dagegen dagegen von 'Kes' auf der "Voyager" gesehen! Und 'Kes'-Darstellerin Jennifer Lien ist zu dieser Zeit gerade erst 21! Für die Figur des 'Anti-Garak' hingegen scheint es überhaupt kein Rollenprofil zu geben, und falls doch, dann hat man es Andrew Robinson nicht verraten.
Das beste an dieser Episode sind zwei groteske Einfälle:
Zum einen ist es die Idee, das gestohlene Tarngerät zu 'tarnen', damit schleppen Quark und Rom, in bester Slapstick-Manier, weiter nichts als ein gewaltiges 'Nichts' durch die Gänge der Station.
Zum anderen der Originaltitel, er verballhornt den englischen Namen des Andersen-Märchens "Des Kaisers neue Kleider". 'Cloak' bedeutet im englischen nicht nur 'Umhang', sondern auch 'Verhüllung'. Oder eben 'Tarnung'. (In Hans Christian Andersen's Geschichte geht es allerdings nicht um eine verbergende Umhüllung, sondern um Kleider, die angeblich unsichtbar sind, so dass der Kaiser unbekleidet herumläuft.)
Wesentliche Rollen für Rom, Zek (mit Diener), Brunt und Garak, außerdem dabei: Martok, Leeta und Vic Fontaine (nicht creditiert).

163. Field Of Fire ("Schussfeld")
Freies Schußfeld   EB
ΘΘ
Der ehemalige Script-Editor R. H. Wolfe (er schied mit Ende der fünften Staffel aus) ist hier 'Gast-Autor'. Gegen die anhaltende Schwäche der Drehbücher hat es nicht viel gebracht, denn statt die schwächelnde Ezri aufzubauen, wird sie in dieser Episode weiter verschlissen, was weder Nicole deBoer noch der Serie gut tut.
Wir erfahren, dass auf Deep Space Nine mehr als 900 Sternenflottenoffiziere stationiert sind.
In der deutschen Fassung finden sich zwei Übersetzungsfehler: Am Anfang wird der soeben ermordete Lt. Ilaro 'posthum' zum Fähnrich degradiert, und dann spricht der Doktor von 'tin frying pans' ('Blechbratpfannen'), daraus werden im deutschen 'Zinnbratpfannen'; frohes Anbraten...

164. Chimera (Fabelwesen)
Das Hirngespinst   EB
Keine Wertung
Diese Episode ruft durchweg gegensätzliche Reaktionen hervor, einerseits völliges Unverständnis, andererseits die Bewertung 'brillant'. Insofern entzieht sie sich der Beurteilung durch die 'Randglossen'. Auf jeden Fall sollte kein Kenner die Geschichte um den fremden Wechselbalg 'Laas' versäumen, schon um sich ein eigenes Bild zu machen.
Laas wird dargestellt von J. G. Hertzler (hier unter dem Namen Garman Hertzler), den wir sonst als 'General Martok' kennen.
165. Inter Arma Enim Silent Leges
(latein, gesendet als 166.**)
Unter den Waffen schweigen die Gesetze   EB
ΘΘΘΘΘ Λ
Eine brillant-beängstigende Episode mit überaus beeindruckender Regieleistung: Auf den Zuschauer wirkt das ganze wie ein Albtraum von Dr. Bashir. Der Titel ist ein Zitat des römischen Staatsmannes Cicero, der damit die militante Vormachtpolitik seines politischen Gegners Julius Caesar verurteilte.
'Tal Shiar'-Chef Koval nimmt Bezug auf die Ereignisse in 95 (96). Darsteller John Fleck sehen wir unter anderem mehrmals in "Enterprise" in der Rolle des Suliban 'Silik'. William Sadler verkörpert erneut den fiesen Geheimdienstler 'Sloan', wir sahen ihn bereits in 142. Die merkwürdigen weiß-goldenen Diplomatenuniformen der Förderaton kennen wir aus dem kurz zuvor veröffentlichten neunten Kinofilm.
Die "U.S.S. Bellerophon" trägt den Namen jenes mythischen Helden, der das geflügelte Pferd 'Pegasus' ritt. Sie ist ein Kampfschiff der 'Intrepid-Klasse', äußerlich identisch mit der "Voyager".
Hauptrolle für 'Sloan' (Sektion 31), außerdem dabei: Garak und Admiral Ross
"Dienstfrei": Quark, Morn
Ein Freund ist ein Freund ist ein Freund
Und ist er gleich ein Hologramm - er ist ein Freund
166. Badda-Bing Badda-Bang (gesendet als 165.)
Badda-Bing, Badda-Bang   EB
ΘΘΘΘΘ
Anfangs glaubt, man, den Autoren sei schon wieder mal nichts eingefallen, aber dann dann erleben wir eine gewaltige Steigerung, die diese Episode an die stärksten Highlights der Serie heranbringt : Die 'Glorreichen Acht' marschieren auf, um Vic Fontaine zu retten, ein Mal mehr ein Bekenntnis zu seinem Status als Lebensform. Es ist einfach meisterhaft, wie Bashir und Ezri improvisieren, und mit einem Augenzwinkern lässt man den Doktor den Drink seines ewig ungenannten Superhelden bestellen, allerdings nimmt Bashir ihn 'gerührt, nicht geschüttelt'.
In Sisko's Vorbehalten kommt zur Sprache, dass den Holodeck-Figuren des 20. Jahrhunderts der seinerzeit vorherrschende Rassismus einfach 'weg­programmiert' wurde (vergleiche auch ST 8).
Der von Ezri überlistete Aushilfskassierer ist als Bobby Reilly creditiert, es ist Robert O'Reilly, den wir als Klingonenführer 'Gowron' kennen. Und auch er ist ohne seine Klingonenmaske kaum zu erkennen. Ähnlich 'unkenntlich' sehen wir ihn auch in einer Kleinrolle in TNG 13 (12). Der inzwischen 89−jährige Altstar Marc Lawrence (Mafia-Boss 'Zeemo') gibt hier seine zweite STAR TREK-Gastrolle nach TNG 57.
Achtet auf die Musik: Während der 'verfälschten' Holodeckhandlung werden auf der Bühne grotesk-'verswingte' Versionen des DS9-Titelthemas gespielt. Nach dem Sieg über die Gangster kehrt der 'Fontaine-Sound' von 1962 zurück; Die gemeinsame Gesangsnummer von Sisko und Fontaine bildet den krönenden Abschluss dieser brillanten Episode.
Hauptrollen für Vic Fontaine, Nog und Kasidy Yates
Im Wesentlichen ist die Serie an dieser Stelle zu Ende. Was nun noch folgt, ist der verkrampfte Versuch, den Dominion-Krieg und damit die Gesamthandlung irgendwie zu einem nachvollziehbaren Abschluss zu bringen. In den verbleibenden acht Episoden setzen sich mehrere parallele Handlungsstränge fort, um schließlich im doppeltlangen Schlussfilm zu münden. Sie bilden eine durchgehende Handlung, die schnell unverständlich wird, wenn man dazwischen eine Episode versäumt. Wegen der breiten Handlung sehen wir durchweg eine große Besetzung mit vielen Nebenfiguren. Dennoch bleibt der Rest der Serie zum größten Teil unter dem gewohnten STAR TREK-Niveau, und die insgesamt schwache siebte Staffel läuft seicht aus.
167.-168.-169. Penumbra ("Halbschatten", verdunkeltes Gebiet)
'Til Death Do Us Part
Strange Bedfellows ("Sonderbare Bettgenossen")
Im Ungewissen - Bis daß der Tod uns scheide - Eine sonderbare Kombination
EB 167     Θ               EB 168     oo               EB 169     ΘΘ Λ
Diese langatmige dreiteilige Super-Seifenoper liefert uns drei Handlungsstränge, die sich wechselseitig an Banalität 'unterbieten'. Einziger Lichtblick ist die zwar überraschende, aber nachvollziehbar und glaubwürdig dargestellte Wandlung von Damar, eine reife Leistung von Darsteller Casey Biggs !
Auch der friedfertigste Gewaltgegner empfindet es als erlösenden Befreiungsschlag, als Worf in 169 dem unerträglich arroganten Weyoun 7 endlich den Hals umdreht.
Genial: Dukat, getarnt als Bajoraner 'Anjohl'. Kai Winn liefert ein Musterbild des typischen Polit-Verbrechers, der seine Machtgier mit 'Überzeugung' bemäntelt. In 168 erfahren wir ihren vollständigen Namen: 'Winn Adami'.
"Strange Bedfellows" ist auch der Titel einer seichten, jedoch einst sehr populären Komödie mit Rock Hudson und Gina Lollobrigida aus dem Jahr 1965.
In 167, während des Shuttlefluges, haben die Kostümbilder aus Ezri Dax für kurze Zeit einen 'Lieutenant' gemacht (eigentlich ist sie erst 'Lieutenant junior grade'). Ben Sisko's Braut heißt von nun an Kasidy 'Danielle' Yates.
Auftritte für Kasidy, Dukat, Damar, Weyoun und die 'Gründerin' (in allen drei Episoden),
Jake (in 167 und 168), Winn (in 168 und 169),
sowie Nog und Admiral Ross (168), Martok (169).
"Dienstfei": Odo in 169, Morn in 168 und 169

170. The Changing Face Of Evil
("Das wechselnde Antlitz des Bösen")
Im Angesicht des Bösen   EB
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Es wird nicht viel besser, aber was ist schon 'gut', wenn man einen Krieg zu Ende bringen muss. Zunächst ist da wieder der spiritistische Unfug um Dukat und Winn. Dann zieht die "Defiant" in den Kampf. Mit einer reichlich überlangen Startsequenz − offenbar musste man Sendeminuten 'schinden'. Die neue Waffe der 'Breen' (die "Defiant" wird vernichtet!) soll noch einmal Spannung in die Sache bringen. Doch Damar's beachtliches Aufbegehren gegen die Besatzer gibt den weiteren Verlauf klar vor. (Nicht sehr glaubwürdig, dass er die 'Flucht' von Dax und Worf überlebt hat.)
Hauptrollen für Damar, Dukat und Winn; Nebenrollen für Kasidy, Martok, Ross, Nog, Weyoun und die 'Gründerin'.
"Dienstfrei": Morn
171. When It Rains ... ("Wenn es regnet ...")
Ein Unglück kommt selten allein   EB
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Noch einmal sehen wir neue Verwicklungen, die Spannung und Action versprechen. Hinzu kommt eine bemerkenswerte Breitseite gegen die aktuelle Politik: Gowron setzt das Überleben des gesamten Alpha-Quadranten auf's Spiel für seine persönlichen Machtinteressen. Noch härter sind die Machenschaften von "Sektion 31" dargestellt.
Kira tritt für ihre spezielle Aufgabe 'pro forma' in die Sternenflotte ein und wird auf Anhieb Commander(!). Der Originaltitel bezieht sich auf das Sprichwort "When it rains, it pours" ("Wenn es regnet, dann gießt es"), die deutsche Umsetzung ist gut getroffen.
Wesentliche Rollen für Damar, Garak, Winn, Dukat, Martok, Gowron und Admiral Ross
"Dienstfrei": Morn
172. Tacking Into The Wind
(Sich gegen den Wind stellen, sprichwörtlich: "Gegen den Wind segeln")
Kampf mit allen Mitteln   EB
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Wie nach der vorigen Episode zu erwarten, erfährt die Serie hier noch eine letzte Steigerung. Schon allein die Handlung um das Kapern des Jem'Hadar-Schiffes mit der im Einbau befindlichen Geheimwaffe hätte für einen handfesten Thriller ausgereich: Einfach brillant, wie Odo die Brückenbesatzung überlistet, indem er die Gestalt der 'Gründerin' annimmt.
Doch auch in den anderen Strängen herrscht 'Hochspannung'!
Nebenbei muss Damar einen bösen Seitenhieb einstecken: Nachdem das Dominion, quasi an seiner Stelle, seine Familie ermordet hat, kann Kira nicht umhin, ihn an ähnliche Verbrechen der Cardassianer damals auf Bajor zu erinnern. Doch das bestärkt ihn nur noch mehr darin, unaufhörlich weiter über sich hinauszuwachsen.
Als Vorta-Frau 'Luaran' sehen wir zum zweiten Mal Kitty Swink, die Frau von 'Quark'-Darsteller Armin Shimerman.
In der anfänglichen Diskussion um Kira und den aufmüpfigen Cardassianer 'Rusot' findet sich ein verwirrender Synchronfehler: Der 'deutsche' Damar ergreift Partei für Kira, im Original unterstützt er Rusot. Das löst sich erst auf, als er sich am Ende gezwungen sieht, Rusot zu töten.
Auch bei den Klingonen heißt es 'Sterben für den Endsieg': Worf fordert erneut Gowron heraus, und er bringt es diesmal tatsächlich zu Ende (vergleiche Ep. 99). Ein letztes Mal warnt Worf den Tod mit einem gewaltigen Urschrei (vergleiche TNG 20).
Hauptrollen für Damar und Gowron, Nebenrollen für Garak, Martok, Weyoun und die 'Gründerin'
"Dienstfrei": Quark, Morn
173. Extreme Measures
Extreme Maßnahmen   EB
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Diese Episode reduziert sich auf eine Frage:
Was soll das?
Am Anfang fragt man sich noch, wieso Odo Schmerzen haben kann, wo er doch gar keine Nervenbahnen besitzt. Aber später fragt man sich nur noch, warum man sich fragt: Sisko deckt Bashir's harte Gesetzesverstöße, O'Brien bastelt dem Doktor mal schnell eine 'Frankenstein'-artige Höllenmaschine zum Hirn-Auslesen, der 'Tal Shiar' hätte seine helle Freude. Da ist es dann schon fast egal, wenn in der deutschen Fassung aus 'Alpha-Hirnwellen' plötzlich 'Alphastrahlen' werden, das nennt man dann wohl 'natürliche Radioaktivität'... Zu alledem gibt es Null Spannung, dafür fließt der 'Schmalz' in Strömen. Die Wendung mit dem noch nicht ausgelesenen Buch (das wieder von vorn beginnt) ist ein Abklatsch der 'Traum-im-Traum-Geschichte aus Voy 82 (81).
Zu allem Überfluss führt dieser völlig absurde Schwachsinn am Ende auch noch zum Erfolg: Im 'Bewusstsein' des praktisch toten Sloan findet sich das Heilmittel für Odo. Konnte Bashir es nicht einfach 'erraten'?? Das wäre auf jeden Fall glaubwürdiger gewesen ...
Auftritt von Garak und Sloan (Sektion 31)
"Diensrfrei": Quark, Morn
174. The Dogs Of War
("Die Hunde des Krieges", nach Shakespeare, Forsyth)
In den Wirren des Krieges   EB
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Abgesehen vom Handlungsstrang um Damar ist diese Episode voll und ganz verzichtbar. Die Selbstzerstörung des Ferengi-Finanzimperiums ist absurd und auch dramaturgisch völlig daneben! Unklar ist auch, wozu Sisko so kurz vor Toresschluss, noch eine neue "Defiant" braucht. Hatte man da womöglich an eine Fortschreibung gedacht, ähnlich wie bei der "Enterprise−A"? Bei dieser totgelaufenen Serie wäre das eine allzu abwegige Idee gewesen ...
Damar verliert seine 'Rebellen'-Armee, dafür gewinnt er ein ganzes Volk. Unklar ist, wie die Jem'Hadar es schaffen alle achtzehn Stützpunkte der 'Rebellen' in kürzester Zeit zu orten und gleichzeitig zu zerstören. Verwandlungsgenie Jeffrey Combs erscheint diesmal abwechselnd als 'Weyoun' und als schleimiger Ferengi 'Brunt'. Dies ist die einzige echte Doppelrolle in STAR TREK, abgesehen von Brent Spiner's Borg-Auftritt in TNG 42. Der Originaltitel ist auch ein Roman von Frederick Forsyth, der seinerseits auf eine Stelle in Shakespeare's "Julius Caesar" zurückgeht.
Der kleine Ferengi-Kellner 'Broik' (David B. Levinson) hat diesmal eine Sprechrolle. Und er ist -zum einzigen Mal überhaupt- im Schlusstitel creditiert. Ohnehin sehen wir die größte Besetzung aller Zeiten: Mit den Hauptdarstellern sowie Kasidy, Garak, Damar, Admiral Ross, Martok, Rom, Leeta, Nog, Ishka, Zek (mit Diener), Brunt, Weyoun und der 'Gründerin' sehen wir nicht weniger als 23 permanente Charaktere, lediglich Jake und die Familie des Chief sowie Winn und Dukat fehlen.
TragödieNachkriegszeit
Oft tragischer als der Krieg selbst
175.-176. What You Leave Behind (Doppel-Länge, PC 749)
Das, was du zurückläßt   EB 175   EB 176
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Natürlich ist dieser Schlussfilm langfristig vorbereitet worden und von entsprechender Qualität. Nach dem gemeinsamen Erwachen des 'frischgebackenen' Liebespaares Ezri - Julian sehen wir viel Action und großes Weltraum-Kino. Beim finalen Angriff auf das Dominion steht die "Enterprise−E" wieder mit in vorderster Front. Damar's Heldentod kommt ebenso erwartungsgemäß wie die Vernichtung von Winn und Dukat. Dagegen kommt der Seitenwechsel der cardassianischen Streitkräfte etwas überraschend, obwohl er als Reaktion auf die 'Bestrafung' der Zivilbevölkerung durchaus nachvollziehbar ist. Als das Blutvergießen endlich gestoppt ist, gerät die Geschichte überreichlich emotional, um so mehr da durch den Weggang von O'Brien, Odo, Worf und Sisko das Figurenensemble weitgehend aufgelöst wird. Auf der Station zurück bleibt das frisch­verliebte Paar Dax−Bashir, eine einsame Kira und ein eben so einsamer Quark als letzter Außenposten der echten Ferengi. Und, nicht zu vergessen, die einsame Kasidy, zusammen mit Stiefsohn Jake und dem neuen kleinen Sisko im Leib, was dem Episodentitel in gewisser Weise einen beißenden Sarkasmus verleiht ! Für Ben Sisko ist es nicht ganz leicht, seiner Frau klar zu machen, dass er nun so etwas wie ein "Gott" ist. Für die zweigeteilte Deutschland-Premiere ist ein Umschnitt erfolgt, um die Sendezeit besser ausnutzen zu können; dem Handlungsverlauf schadet das nicht. Um so mehr jedoch die unsinnigen Fehler im deutschen Synchrontext.
Unter den Gästen in Vic's Bar sind die Drehbuchautoren Ira Steven Behr, Hans Beimler und Ronald D. Moore.
Ganz am Anfang kurzes Wiedersehen mit Keiko und den O'Brien-Kindern.
In beiden Teilen dabei:
Kasidy, Jake, Nog, Admiral Ross, Vic Fontaine, Dukat, Winn, Damar (stirbt in der SAT1-Version bereits in Teil 1), Garak, Martok, Weyoun und die 'Gründerin'.