Urzeit der interstellaren Raumfahrt

„Enterprise NX−01“ - Die „Nautilus“ unter den Warp-Schiffen

Als Tribut an die Rückdatierung ist die Zahl der Hauptcharaktere wieder auf sieben reduziert worden (in "The Next Generation" und "Deep Space Nine" sind es teilweise acht, in "Voyager" sogar neun Hauptcharaktere). Unter ihnen sind diesmal vier Amerikaner (sonst höchstens drei). Der Vertraute des Captain ist nicht der Arzt, sondern der Chefingenieur. Der Erste Offizier ist auch hier vulkanisch, dazu noch weiblich und im Umgang mit Menschen völlig unerfahren, so dass das Spannungsfeld (im Vergleich zu Spock) noch wesentlich größer ist. Doch vorerst zeigt sich T 'Pol, wenn auch oft auf ihre sehr eigene Art, hundertprozentig loyal. Gegenüber der Classic-Serie haben Funker und Steuermann zwar nicht das Geschlecht, aber die Rasse getauscht; allerdings ist Uhura in erster Linie Kommunikationstechniker, Hoshi Sato dagegen Experte für Fremdsprachen, denn der 'Universalübersetzer' steckt noch in den 'Kinderschuhen'.
Eine Besonderheit ist der Arzt 'Phlox' vom Planeten 'Denobula', der im Rahmen eines interstellaren Austauschprogrammes auf der "Enterprise" dient. Er gehört einem fortgeschrittenen Volk mit ergiebiger Weltraum-Erfahrung an und wohl gerade deshalb schwört er auf 'Naturmedizin' als (im vollen Wortsinn) Allheilmittel.
Die Uniformen dieser ersten 'Warp'-Besatzung sind einheitlich blau, jedoch erkennen wir schmale Farbstreifen, die genau den Hemdfarben der Classic-Besatzung entsprechen: Rot für Techniker, blau für Wissenschaftler, goldfarben für nautische Offiziere. Dagegen gleichen die Rangabzeichen im wesentlichen denen, die wir seit "The Next Generation" kennen, in der Classic-Serie sehen sie völlig anders aus.
In Captain Archer's Quartier steht ein handliches Abbild des Cochrane-Denkmals, das Geordi La Forge in ST 8 beschrieben hat.
Nach einer Vielzahl von Gastauftritten bekommt Vaughn Armstrong endlich eine permanente Rolle als Chef der jungen Sternenflotte, Admiral Forrest, 'nebenbei' spielt er auch weiterhin alle erdenklichen Aliens. Der Name 'Forrest' ist eine Reminiszenz an den 1999 verstorbenen Altstar DeForest Kelley (Dr. McCoy). Auch Gary Graham hat nach jahrelangem Vorsprech-Marathon eine feste Rolle ergattert: Er ist der vulkanische Botschafter 'Spitzohr' Soval. (Unter anderem hatte er vorgesprochen für 'Commander Sisko' und 'Captain Janeway' - deren Geschlecht nicht von Anfang an feststand.) Doch zum heimlichen achten Hauptcharakter avanciert wohl 'Porthos', der treue Hund des Captain, der in 41 der insgesamt 98 Episoden dabei ist.
1.-2. Broken Bow
("Gebrochener Bogen", hier geografischer Name, Doppel-Länge, PC 721)
Aufbruch ins Unbekannte   EB 1   EB 2
ΘΘΘΘ *
Das fade Auslaufen der Vorgänger-Serie "Voyager" liegt erst ein halbes Jahr zurück und auch das schwache Ende von "Deep Space Nine" zwei Jahre zuvor ist den meisten Zuschauern noch in fataler Erinnerung. So tritt "Enterprise" ein ungewohnt schweres Erbe an, und der Pilotfilm muss diesmal wieder seine eigentliche Funktion erfüllen und mächtig die Werbetrommel für die Serie rühren. Er tut das recht ordentlich. Dieser 'Aufbruch', fast ein Jahrhundert nach der Kontaktaufnahme durch die Vulkanier (vergleiche ST 8) ist glaubwürdig und bringt dem Kenner ein gutes Stück Nostalgie.
Doch die reale Zeitgeist-Entwicklung in 35 STAR TREK-Jahren hinterlässt ihre Spuren. Das bemerken wir außer an Dr. Phlox' Vorliebe für 'Naturheilkunde' auch in der Entseuchungsszene mit Tucker und T 'Pol, dort kommt in 2½ Minuten mehr Erotik herüber als in der gesamten Classic-Serie.
Wir erfahren, dass jedes Schiff in seiner künstlichen Schwerkraft einen toten Punkt hat, den 'sweet spot', an dem völlig neue Körper-Erfahrungen möglich sind. 'Trip' Tucker taumelt genau so hilflos umher, wie seinerzeit Julian Bashir in DS9 26. Auf der Brücke der "Enterprise NX−01" gibt es bereits eine 'Wissenschaftsstation' mit dem bekannten 'Guckkasten', den Mr: Spock in der Classic-Serie regelmäßig benutzt. Wir sehen das erste Modell der völlig neuartigen 'Phaser-Pistolen', und Captain Archer ist - notgedrungen - der erste Mensch, der jemals 'gebeamt' wird.
Die 'Suliban', die schon seit dem 19. Jahrhundert (auch) auf der Erde leben, sind völlig neu in STAR TREK, spätere Besatzungen hören nichts mehr von ihnen; ihr Verbleib ist unbekannt.
Die Klingonen sehen 2151 so aus, wie wir sie aus dem 24. Jahrhundert kennen. Dass sie im 23. Jahrhundert (Classic-Serie) keine Stirnwülste haben (und auch sonst viel menschenähnlicher aussehen) fällt noch wesentlich mehr auf in DS9 103, wo man sich recht unbeholfen um eine Erklärung gedrückt hat. (Worf merkt nur an, dass die Klingonen 'nicht mit Außenstehenden darüber sprechen'...) Die Antwort auf diese Frage bekommen wir erst kurz vor Toresschluss in Ep. 92.
Am Anfang begegnen wir Admiral Forrest und Botschafter 'Spitzohr' Soval. Und es gibt ein Wiedersehen mit (einer Aufzeichnung von) Zefram Cochran(e) (James Cromwell).
Zu guter letzt kann die "Enterprise" ihre Mission erfüllen und den Klingonen ihren Mann zurückbringen. Damit verläuft der erste Kontakt mit diesem Volk durchaus erfolgreich, ganz anders als im Bericht von Captain Picard in TNG 89. Der klingonische Schmuggel von Geheiminformationen, die in der DNA-Struktur eines Boten versteckt sind, wird auch gezeigt in TNG 95. Hier sieht das Blut des Boten aus wie Menschenblut, ganz anders als das hell-purpurne Klingonenblut, das wir in ST 6 sehen. Der alte Klingonenführer 'dankt' Archer in einem bisher eher unbekannten 'Dialekt', der Wortlaut ist in etwa: 'Verschwinde mit vollem Schub oder stirb auf der Stelle!' - Für einen Klingonen von 2151 schon fast der Gipfel der Freundlichkeit ...
Erster Auftritt von 'Porthos'

3. Fight Or Flight
("Kampf oder Flucht")
(medizinischer Fachbegriff für Stress-Reaktionen)
Freund oder Feind   EB
ΘΘ
Kein schlechter Start, so aus SciFi-Sicht. Die Situation ist vielversprechend und die Aussage nachvollziehbar. Dabei ist die Konfrontation mit einer Verwertungsanlage für frisch geschlachtete Humnoide nicht nur für Hoshi Sato ziemlich 'starker Tobak'; eine gewaltige Bewährungsprobe für das zarte Sprach-Genie.
Leider gerät die Umsetzung zu cartoonhaft, einerseits wegen des 'bösen' spinnenförmigen Killer-Schiffes, und andererseits, weil kein Kontakt zu den 'Bösewichten' erfolgt, denn sie tauchen gar nicht erst auf.
T'Pol gewährt uns in dieser Episode einen ganz besonderen Einblick: Zum (fast*) ersten Mal erhaschen wir einen Blick auf die Anzeige in Spock's 'Guckkasten'.
Wiedersehen mit Porthos
4. Strange New World
("Seltsame neue Welt")
Geistergeschichten   EB
ΘΘΘΘ
Es ist gut, dass die 'Geister'-Erscheinungen am Ende ihre natürliche Erklärung finden. Die beiden 'RedShirts' dürfen überleben (wenn auch mit knapper Not); wiederum ein Indiz für den Wandel des Zeitgeistes? Vielleicht, doch andererseits sehen wir die Insekten-Expertin 'Elizabeth Cutler' noch mehrfach...
In dieser Episode hören wir zum ersten Mal längere Dialoge auf vulkanisch. Wir erfahren, dass der Begriff 'M−Klasse' (für Planeten, auf denen Menschen im Freien leben und atmen können) von der vulkanischen Bezeichnung 'Minshara' herrührt, und dass die "Enterprise NX−01" (außer T'Pol noch) 82 Besatzungsmitglieder an Bord hat.
Bei der Landung des Shuttles wird das zentrale STAR TREK-Motto persifliert: Als Porthos munter zum erstbesten Baum springt, bemerkt 'Trip' Tucker: 'Wo nie ein Hund zuvor gewesen ist...' ('Where no dog has gone before...').
5. Unexpected ("Unerwartet")
In guter Hoffnung   EB
ΘΘΘΘ
Der Reigen erstklassiger Stories setzt sich fort. Für einen kleinen Moment fühlt man sich erinnert an TNG 43, doch die Episode entwickelt schnell ihr 'Eigenleben'. Besondere Beachtung verdient die rundum stimmige Darstellung der Klingonen (vergleiche TNG 34). Schade, dass für die deutsche Version der sehr treffende Titel nicht einfach übersetzt wurde.
Auf der "NX−01" wird noch gekocht, doch es gibt bereits einfache 'Protein-Umwandler', eine Vorstufe der 'Replikatoren'. Die 'Xyrillianer' dagegen besitzen schon eine Art 'Holodeck', eine Technologie, die in der Sternenflotte erst runde hundert Jahre später eingeführt wird (siehe Ani 21 (19)). Die 'Mutter' von Trip's 'Kind' (Julianne Christie) ist identisch mit der neuen Gefährtin von Neelix in Voy 169.
Wiedersehen mit Porthos
6. Terra Nova
(latein: "Neuland")
Terra Nova   EB
oo
Nun, er musste irgendwann kommen, der erste Einbruch. Scheint schon die Ausgangssituation ziemlich 'weit hergeholt', so versinkt die Story immer mehr in überzogenem Pathos, das in einem unglaublichen 'Friede-Freude-Eierkuchen'-Ende gipfelt. Vor allem die Umsiedlung auf einen anderen (nicht verstrahlten!?!) Kontinent des selben Planeten ist völlig unglaubwürdig...
Nicht unglaubwürdig, sondern schlicht unmöglich:
Die "S.S. Canestoga" hat 20 Lichtjahre in neun Jahren zurückgelegt, muss also bei ihrem Start im Jahr 2066 bereits schneller als Warp 2 gewesen sein! (Vergleiche Ep. 10 und Ep. 50)
7. The Andorian Incident
("Der Andorianer-Zwischenfall")
Doppeltes Spiel   EB
ΘΘΘΘΘ Λ
Dieser erstklassige Science Fiction Politthriller zeigt uns den ersten 'Erstkontakt' der jungen "Enterprise"-Besatzung: Die Andorianer. Ihr hart-aggressiver, aber sehr ehrenhafter Commander 'Shran' begleitet uns als permanenter Gastcharakter durch (fast) die gesamte Serie. Für Schurken-Genie Jeffrey Combs ist dies die sympathischste seiner sechs STAR TREK-Rollen. Die Menschen werden mit dem Spott-Namen "Pinky" ("pink skin" - "rosige Haut") belegt; bald wird daraus ein wohlwollender Spitzname von Shran für seinen Ehren-Gegner Archer.
Den vulkanischen Ordensmeister (Bruce French) kennen wir aus TNG 95 sowie als Ocampa-Arzt aus dem "Voyager"-Pilotfilm. Vom Kloster 'P'Jem' hören wir später mehr.
Erster Auftritt von Shran
8. Breaking The Ice
Das Eis bricht   EB
ΘΘ
Von erzählerischen Standpunkt aus wiederum eine hervorragende Geschichte, und der Titel hat hier sogar einen Dreifach-Sinn: Neben dem Eis des Kometen beginnt auch das emotionale Eis zu brechen, und zwar zwischen Menschen und Vulkaniern im allgemeinen und speziell auch zwischen T 'Pol und (zunächst) einem Menschen von der Besatzung.
Leider wird das ganze von einem horrenden physikalischen Fehler überschattet, und es ist schier unvorstellbar, dass das von einem ganzen Stab übersehen wurde, von dem jeder einzelne gewohnt ist, in 'Warp'-Kategorien zu denken! Wenn nämlich der Komet nur reichlich 80 km Durchmesser hat, so ist seine Schwerkraft kaum spürbar. Auf keinen Fall könnten Menschen so einfach darauf herumlaufen, und noch viel weniger könnte das Shuttle in der gezeigten Art einsinken! Es sei denn, die Dichte des Kometen wäre millionenfach größer als die der uns bekannten Himmelskörper. Doch selbst wenn wir das als 'vorstellbar' unterstellen: Ein derart dichter Körper hätte von vornherein völlig andere Eigenschaften und könnte keinesfalls auf diese Weise untersucht werden. Dies ist der mit Abstand gröbste wissenschaftliche Unfug, der in vier Jahrzehnten STAR TREK inszeniert worden ist, vor allem auch, weil es der einzige Fehler ist, der nicht im Science Fiction-Bereich liegt.
Zu Beginn fragt man sich, wie die Kinderzeichnungen von der Erde auf das Schiff gelangt sind; sie konnten weder "durch den Subraum gebeamt" werden, noch wurden sie von einem super-schnellen "Postschiff" gebracht...
9. Civilisation
("Zivilisation")
Die Saat   EB
ΘΘΘ
Auch diese Episode ist überaus sehenswert, sowohl spannend als auch unterhaltsam und von einem angemessenen moralischem Anspruch. Etwas unpassend erscheint die 'Schmuserei' des Captain mit der attraktiven Alien-Frau 'Riann'.
Überhaupt werden die 'Alkaali' von Anfang an viel zu menschlich dargestellt: Dr. Phlox gibt sich große Mühe, seine Leute optisch an die Bewohner des Planeten anzugleichen, hat aber keinerlei Information darüber, wie die Alkaali sich selbst wahrnehmen, sie könnten einander ja ebenso gut am Geruch erkennen, um nur ein Beispiel zu nennen ...   Außerdem verwenden sie die bei uns üblichen Zahlen und Maße wie etwa "Meter" und "Liter"; allerdings sind diese europäischen Maße in den USA eher unüblich. Gelten die Europäer in Hollywood bereits als "Aliens" ?
Dies ist nicht die einzige Episode, bei der auffällt, dass die Außerirdischen immer menschenähnlicher aussehen; man gewinnt den Eindruck, bei den Alien-Masken herrsche - im Vergleich zu den Serien der 1990er Jahre - ein gewaltiger Sparzwang.
10. Fortunate Son
("Glückskind", hier auch "Sohn der 'Fortunate'")
Familienbande   EB
ΘΘ
Eine Story um gewalttätige Konflikte ist zwangsläufig etwas 'schwerer verdaulich'. Ensign Travis Mayweather liefert eine brillante Vorstellung als sachkundiger 'Schlichter'.
Der Name des alten Raumfrachters ist "Fortunate" (sinngemäß: 'Glückliche Fahrt'), das gibt dem Originaltitel einen Doppelsinn, der im Deutschen nicht umsetzbar ist. Doch die 'Historie' des Schiffes passt nicht: Wenn der alte Captain es bereits in dritter Generation kommandiert, ist es gute fünfzig Jahre alt. Doch Zefram Cochrane's erster Warp-Flug liegt noch nicht einmal neunzig Jahre zurück, es ist unglaubwürdig dass ein so alter Frachter mit einem Antrieb ausgestattet ist, der fast Warp 2 erreicht. Dagegen ist die Reichweite seiner Waffen unvorstellbar gering: Zehn Kilometer weit schossen reale Panzer schon in den 1950er Jahren. Und auch bei der Schwerkraft wurde wieder 'gepfuscht': Ganz am Anfang wird unter stark verminderter Schwerkraft ein Ball geworfen. Und gefangen. Vor allem letzteres ist unmöglich, ohne dass der Spieler dabei von den Beinen gerissen wird!
Dem Kenner fallen die markanten Züge von 'Mr. Shaw' auf, dem von Zweifeln geplagten Crewman des Frachters. Darsteller Kieran Mulroney haben wir 13 Jahre zuvor als Thronfolger und Bräutigam 'Benzan' gesehen in TNG 30. Kurzes Wiedersehen mit Admiral Forrest und Porthos.
11. Cold Front
Kalter Krieg   EB
ΘΘΘ Λ
Diese Episode bringt der "Enterprise" den Einstieg in einen langlebigen Handlungsfaden, der sich schon im Pilotfilm abzeichnet: Es geht um ein 'Netz' verschiedener Zeitlinien, die von einander bekämpfenden Interessengruppen verschiedener Zukunfts-Versionen unterschiedlich manipuliert werden... Für 'Gelegenheitszuschauer' ist so etwas nur schwer nachvollziehbar und gerät im Verlauf der Serie immer mehr zum Prüfstein für wirklich sattelfeste 'STAR TREK-Füchse'. Um so mehr fällt die Unmöglichkeit auf, mit der Dr. Phlox dem Angehörigen einer unbekannten Spezies 'gute Gesundheit' bescheinigt, wie kann er wissen, was bei diesem Volk 'gesund' ist? (Mehr als 200 Jahre später, in TNG 97, diagnostiziert Beverly Crusher einen 'Parasitenbefall'. Es ist der Symbiont ihres allerersten Trill-Patienten ...) Die Gesichter dieser neu entdeckten Rasse ähneln auffallend der Maske von Dr. Phlox; vergleiche auch Randglosse zu Ep. 9 (oben).
Der Suliban-Attentäter 'Silik' ist uns bereits im Pilotfilm begegnet, wir sehen ihn noch weitere fünf Mal, Darsteller John Fleck ist unter anderem auch der 'Tal Shiar'-Vorsitzende 'Koval' in DS9 165 (166).
Zum ersten Mal sehen wir den 'Zeit-Überwacher' Daniels (Matt Winston, *1970), auch er begleitet uns - in Abständen - bis zum Beginn der vierten Staffel. Daniels heißt auch ein brillanter STAR TREK-Regisseur der Classic-Serie.
Wiedersehen mit Porthos
12. Silent Enemy
Lautloser Feind   EB
Θ
Beide Handlunggstränge sind nicht eben genial: Ein Mal billigste Seifenoper um das 'Lieblingsessen' von Malcolm Reed und ein Mal billigste Science Fiction auf Comic Strip-Niveau um die phantomhaften Aliens, die schließlich einfach verjagt werden und unerkannt entkommen.
Der Angreifer zwingt die Crew, endlich ihre Bewaffnung nachzurüsten: Es werden 'Phaser-Kanonen' (eigentlich: 'Phasenkanonen') eingebaut. Beim Vertreiben des Feindes kommen antik anmutende Torpedos zum Einsatz, die in einen offenen Schacht geschoben werden, wie bei einem U−Boot des 20. Jahrhunderts. Auch Hoshi Sato scheint eine besondere Leidenschaft für altertümliche Technik zu haben: Sie hat in ihrem Quartier eine 'Kochplatte' ('hot plate'). 'Trip' Tucker erweist sich als geistiger Urahn von 'Scotty': Er kann nicht schlafen, wenn er die Vibrationen des Warp-Antriebs nicht spürt ...
'Porthos', der Beagle des Captain, ist neu besetzt worden, er ist jetzt jünger und weniger träge.
13. Dear Doctor
Lieber Doktor   EB
Θ
Ein weiteres wenig originelles Drehbuch: Es erinnert in weiten Teilen an TNG 85, ein wenig auch an TNG 44. Dass Captain Archer die Notwendigkeit der künftigen Hauptdirektive formuliert und auch bereits prompt danach handelt, ist allzu vorhersehbar, schließlich ist er ein 'amerikanischer Held'.
Wir lernen Phlox' umfangreichen 'Medizin-Zoo' kennen und sehen Elizabeth Cutler wieder, die sich nicht nur von der Insektenkundlerin zur 'Exobiologin' gemausert hat, sondern auch Lektionen in humanoider Anatomie nimmt und dabei recht offensiv mit den Doktor flirtet.
Im Bordkino der "Enterprise" sehen wir kurz Ingrid Bergman und Gary Cooper in Sam Wood's Klassiker "For Whome The Bell Tolls" ("Wem die Stunde schlägt") von 1943.
Wiedersehen mit Porthos
14. Shadows Of P'Jem
(gesendet als 15.**)
Im Schatten von P'Jem   EB
ΘΘΘΘ
Natürlich haben die Ereignisse von P'Jem in Ep. 7 ein Nachspiel. Haben sich die Vulkanier in "Enterprise" bereits von Anfang an nicht eben 'mit Ruhm bekleckert', so wird immer mehr deutlich, dass dies nicht das Gemeinwesen auf der Heimatwelt von Mr. Spock sein kann, wie wir es aus den anderen Serien und den bisherigen Kinofilmen kennen. Zu ihrer schier unerträglichen Arroganz vom Pilotfilm an kommen nun noch totalitäre Tendenzen. Erst in der vierten Staffel erfahren wir, wie sich das Volk von Vulkan schließlich zu dem entwickelt, was Spock und Tuvok verkörpern.
Dagegen sehen wir die Andorianer - von den Vulkaniern praktisch zum 'Tätervolk' erklärt - nun in einem etwas anderen Licht: Sie lassen nicht nur die "Enterprise", sondern auch sämtliche Vulkanier frei abziehen, bevor sie die Spionage-Zentrale von P'Jem vernichten ...
Zweite Glanzrolle für den Andorianer Shran, außerdem Wiedersehen mit Admiral Forrest und 'Spitzohr' Soval
15. Sleeping Dogs (gesendet als 14.)
Schlafende Hunde   EB
ΘΘΘΘΘ
Erfrischende Geschichte um eine weitere Begegnung mit den berüchtigten Klingonen. Archer hat recht schnell begriffen, in welchem Ton er mit ihnen sprechen muss, und er meistert die Situation mit Bravour. Da haben ein Jahrhundert später Kirk und Spock wesentlich mehr Probleme, als sie in Classic 27 (26) zum ersten Mal den aggressiven Kriegern begegnen.
Ein guter Teil von Archer's Erfolg ist den hervorragenden Fähigkeiten von Hoshi Sato zu verdanken, die nach wenigen Wochen nicht nur die Sprache der Klingonen spricht, sondern auch deren Schrift liest. Wie unglaublich schwer tut sich dagegen fast 150 Jahre später Kirk's erfahrene Crew, als sie einer klingonischen Patrouille antworten muss (ST 6).
Ein gelungenes Bonmot ist die Szene, in der das Außenteam auf die klingonischen Waffen stößt: Lt. Reed, der stets etwas übereifrige Waffenoffizier, ist entsetzt. Photonentorpedos! Was zum Teufel ist das?!
Unter der Maske des klingonischen Captain's verbirgt sich wieder einmal Vaughn Armstrong (sonst 'Admiral Forrest'), der hier für einen verhinderten Kollegen eingesprungen ist.
16. Shuttlepod One ("Shuttle Eins")
Allein   EB
oo
Die Geschichte war wohl als Charakterstudie gedacht, doch die wesentliche Szene in dieser Richtung ist vor der Veröffentlichung entfernt worden: Es sollte gezeigt werden, dass 'Trip' Tucker im Innersten gar nicht so gut mit dem Captain zurechtkommt, weil er meint, Archer wäre ihm über all die gemeinsamen Jahre ständig überlegen, so dass er ihn maßlos beneidet. Aber das, wie gesagt, findet nicht statt.
Was bleibt, ist eine einfalls- und spannungslose Durchhalte-Orgie mit banalem Männer-Klatsch um 'Kentucky Bourbon' und das Hinterteil von T'Pol. Mehr noch enttäuschen die allzu offensichtlichen Parallelen zu Classic 14 (16).
Zu Beginn erfahren wir, dass der etwas eigenartige Einzelgänger 'Malcolm Reed' als gebürtiger Brite die Amerikaner 'distanziert' betrachtet.
"Dienstfrei": Travis Mayweather
17. Fusion
Die Verschmelzung   EB
(DVD-Version: Verschmelzung)
Θ Λ
Diese Episode hat reine 'Brücken'-Funktion: Wir erfahren, dass es, neben der offiziellen Politik der Arroganz, auch noch 'andere' Vulkanier gibt. Damit wird der Konflikt angebahnt, der sich (viel) später beinahe bis zum Bürgerkrieg steigern und die Gesellschaft auf Vulkan von Grund auf verändern wird. Hier hingegen ist eine 'Handlung' kaum erkennbar, zudem versinkt das ganze am Ende völlig im 'Schmalz'.
Erneut lässt das Drehbuch eigene Ideen des Autors weitgehend vermissen: Zunächst fallen Parallelen auf zu Classic 75, und dann, noch viel massiver, zu TNG 112. Damit stehen auch diese 'anderen' Vulkanier ziemlich schlecht da, zunächst noch ...
Nach seiner Gastrolle in Voy 47 (45) sehen wir zum zweiten Mal Robert Pine, den Vater des späteren 'Kirk'-Darstellers Chris Pine; diesmal ist er ein vulkanischer Captain.
Wiedersehen mit Admiral Forrest
18. Rogue Planet
("Der Schurkenplanet")
Gesetze der Jagd   EB
Θ
Auch diese seichte Geschichte wäre wohl verzichtbar gewesen, doch immerhin hat sie eine einigermaßen eigenständige Story, auch wenn diese 'Jäger' wie eine 'Schmalspur-Version' der aus "Voyager" bekannten 'Hirogen' wirken. Dagegen sind die 'Phantome' ein legitimes Zitat: Ganz ähnliche gedankenlesende Formwandler finden wir bei Stanisław Lem*.
Völlig widersinnig ist die Darstellung, dass sich in der ewigen Dunkelheit des Planeten ein erdähnliches Leben entwickeln konnte, vor allem ein 'Dschungel' aus Laubpflanzen wäre dort undenkbar, und auf Erdwärme basierende Lebensformen würden völlig anders aussehen!
Als die Crewmitglieder mit ihren Nachsichtgeräten den 'Dschungel' durchstreifen, haben sie eine groteske Ähnlichkeit mit Borg-Drohnen.
Die schöne Blondinen-Gestalt des Formwandlers (Stephanie Niznik, *1967) haben wir in der Maske einer rothaarigen Trill-Frau im neunten Kinofilm gesehen, sie dient dort als 'Ensign: Perim' auf der Brücke der "Enterprise".
19. Acquisition ("Erwerb")
Raumpiraten   EB
ΘΘΘΘΘ
Eine erfrischende Episode, die sich zu dieser Zeit wohltuend abhebt. Und eine 'geballte Ladung' von großen Gaststars: Drei der vier Ferengi-Piraten sind 'alte STAR TREK-Hasen'. Bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen stellt die "NX−01" den Erstkontakt zu einer 'langlebigen' STAR TREK-Spezies her, und diesmal ist es sogar eine, die auch den Vulkaniern noch unbekannt ist. Nur dieses eine Mal hören wir Ferengi in ihrer eigenen Sprache sprechen. Sie kennen im Jahr 2152 erst 173 ihrer berühmten 'Erwerbsregeln', zwei Jahrhunderte später sind es 285!
Captain Archer und seine Crew heizen den Piraten so kräftig ein, dass sie die Menschheit für Generationen meiden: Erst nach mehr als 200 Jahren folgt der Zwischenfall mit der "U.S.S Stargazer" bei 'Maxia' (vergleiche TNG 10 (9)); weitere neun Jahre später kommt es zum 'Zweitkontakt' in TNG 7 (5). Dort benutzen die Ferengi ein weiteres Mal die hier gezeigten 'Strahlen-Peitschen'.
Die beiden Haupt-Gastrollen sind mit Ethan Phillips ('Neelix' in "Voyager") und dem vielseitigen Jeffrey Combs glänzend besetzt. (Ethan Phillips trägt wieder seine Ferengi-Maske aus Voy 44 (47), bei Jeffrey Combs ist es - natürlich - die Maske von 'Brunt' aus "Deep Space Nine".) Dazu sehen wir mit Clint Howard zum dritten und letzten Mal den bislang dienstältesten aller STAR TREK-Mimen.
Wiedersehen mit Porthos
20. Oasis ("Die Oase")
Schiff der Geister   EB
Θ
Die Ankündigung von Gaststar Rene Auberjonois ('Odo' in "Deep Space Nine") lässt auf einen gewissen Glanz hoffen, doch leider: Eine gleichmäßig vor sich dämmernde Geschichte ohne Höhepunkte. Und wieder ist das fremde Volk viel zu menschenähnlich. Eine ganz ähnliche Situation mit einzelnen Überlebenden in einer Holo-Welt kennen wir aus DS9 36. Hinweis auf den "holografischen Arzt", der 'irgendwann' programmiert werden wird.
Porthos wird mehrfach erwähnt, tritt jedoch nicht auf.


21. Detained ("Interniert")
In sicherem Gewahrsam   EB
ΘΘΘΘΘ
STAR TREK greift ein weiteres Mal ein düsteres Kapitel der amerikanischen Geschichte auf, und diesmal nicht nur mit einem SciFi-Gleichnis, sondern mit 'Name und Adresse': Es geht um die unrechtmäßige Internierung aller asiatisch-stämmigen US−Bürger während des Zweiten Weltkrieges. (Auch George Takei ('Sulu' in der Classic-Serie) berichtet vom 'Schulweg hinter Stacheldraht'.) Die spannende und interessante Umsetzung gipfelt im Auftritt von Malcolm Reed, der trotz seiner Suliban-Maske eindeutig er selbst bleibt: Dominic Keating liefert eine großartige Darstellung der fahrigen, stets etwas gestresst wirkenden Gestik des Lieutenant.
Dean Stockwell ('Colonel Grat') ist Dauer-Partner von Scott Bakula in seiner ersten großen Serie "Quantum Leap"*. Der zweite Suliban Christopher Shea hat drei weitere Alien-Rollen in DS9 127 (126) / DS9 134, Voy 114, sowie in Ep. 41.
22. Vox Sola
(latein: "Einsame Stimme")
Vox Sola   EB
Θ
So richtig will sich der Sinn dieser Story nicht erschließen, vor allem das Handeln der Alien-Kreatur ist widersprüchlich. Jedoch werden unwillkürlich Erinnerungen wach an den ersten Auftritt von "Harry Potter"-Kameradin 'Hermione Granger' sieben Monate zuvor: "Die Teufelsschlinge - Sie tötet voll Wonne, aber schmollt in der Sonne!" Sollte das vielleicht der 'Ausgleich' sein für TNG 132, wo sich "Potter"-Autorin Joan Rowling gar zu augenscheinlich von STAR TREK inspirieren ließ ?
Wir erleben einen völlig unlogischen 'Zickenkrieg' zwischen T'Pol und Hoshi und erhalten tieferen Einblick in Captain Archer's schon mehrfach erwähnte Leidenschaft für Wasserball. Erneut werden zwei 'Rothemden' eingeführt, die am Ende überleben dürfen. Der Lichtblick der Episode: Malcolm Reed erfindet eine Technologie, die sich als bahnbrechend erweisen wird und in den anderen Serien zum Standard gehört: Das Kraftfeld.
'Lt. Rostov' kehrt zurück in Ep. 25 und Ep. 44; wir kennen Darsteller Joseph Will als 'Poet Kelis' aus Voy 144 (142) und aus einer Kleinrolle in Voy 163. Vaughn Armstrong (bekannt als 'Admiral Forrest') hat eine weitere Gastrolle als Alien-Captain.
Wiedersehen mit Porthos
23. Fallen Hero
Gefallene Heldin   EB
ΘΘΘΘ
Eine gutklassige Episode um ein sehr, sehr aktuelles Thema. Die Umsetzung ist spannend und durchaus realistisch. Und auch ein groteskes Bonmot fehlt nicht: Als die "Enterprise" auf 'Warp 5' getrieben wird, ähnelt ihr Maschinenraum dem Kesselraum eines alten Dampfschiffes mit seinen lodernden Feuerluken ...
Gast-Star Fionnula Flanagan (Botschafterin V'Lar) kennen wir aus zwei großen Rollen in DS9 8 und TNG 162. Ihr 'Gegenspieler', der Mazariten-Captain, ist John Rubinstein (Sohn des polnischen Star-Pianisten Artur Rubinstein); er ist auch dabei in Voy 20 (17), viel populärer wurde er jedoch durch seine Hauptrolle in der Kriminalkomödien-Serie "Crazy Like A Fox" ("Die Fälle des Harry Fox") von 1984 - 86.
Auftritt von Admiral Forrest und Porthos.


24. Desert Crossing
Durch die Wüste   EB
ΘΘ
Auch hier wird ein heikles Thema bearbeitet. Leider ist die Umsetzung oberflächlich, gar zu sehr 'schwarz-weiß gemalt'. Kaum nachvollziehbar ist Archer's Entscheidung, am hellen Tag in die Wüste zu marschieren, aber das dient wohl der vordergründigen Effekt-Dramaturgie ...
Wiedersehen mit Porthos, "dienstfrei": Dr. Phlox
25. Two Days And Two Nights
("Zwei Tage und zwei Nächte")
Zwei Tage auf Risa   EB
ΘΘ
Endlich hat es die "NX−01" nach 'Risa' geschafft, dem traumhaften 'Urlaubs-Planeten' des zukünftigen Massentourismus. Dann aber landen alle vier 'Herren' im 'Dreck', nur die bescheidene Hoshi hat Glück und kommt zu einer gehörigen Portion 'Jamaharon'. Doch alle Handlungsstränge laufen irgendwie 'ins's Leere', brechen unvollendet ab. Die Episode wirkt wie ein 'notgeborener Lückenfüller'. Am besten ist der köstlich groteske Auftritt des winter-schlafenden Phlox.
Als Archer's bildschöne 'Nemesis' sehen wir Dey Young, sie agiert mit Geordi in TNG 113 und mit Odo in DS9 115.
Wiedersehen mit Elizabeth Cutler (die inzwischen zum 'Sanitäter' aufgestiegen ist), Lt. Rostov sowie Porthos.


26. Shockwave
Die Schockwelle, Teil 1   EB
ΘΘΘΘΘ Λ
Die Wiederaufnahme des Handlungsfadens um den 'Temporalen Kalten Krieg' bringt uns eine (Doppel−) Episode allererster Qualität. Da diese Handlung vom Pilotfilm über Ep. 11 zu dieser Episode verläuft, wird das dazwischen liegende beinahe zum 'Füllstoff' reduziert. Doch wie bereits bei Ep. 11 erwähnt, verlangt das ganze von Zuschauer ein gutes Stück 'Science Fiction-Vorbildung'.
Wiedersehen mit Admiral Forrest, 'Zeitschützer' Daniels und Porthos