Zurück in der Galaxie

„Enterprise NX−01“ darf Mission fortsetzen

Nachdem bereits nach der Hälfte der ersten Staffel die Drehbuchideen knapp geworden sind, hat sich der erstklassige Cliffhanger am Staffelende als rettender 'Befreiungsschlag' erwiesen. Es ist klar, dass der 'Temporale Kalten Krieg' noch reichlich Potenzial für unzählige weitere Episoden beinhaltet. Außerdem ist das ursprüngliche Konzept der Serie erst ansatzweise verwirklicht worden: Sie soll für alle möglichen bekannten 'Dinge', seien es nun technische oder politische Errungenschaften, die zugehörigen Ursprünge und Entwicklungen beschreiben und auf diese Weise ständig neue Bezüge zur Classic-Serie herstellen. Als Folge erwartet man ein verstärktes Interesse des jugendlichen "Enterprise"-Publikums an der 35 Jahre alten 'Serie der Väter' ...

Erstkontakt 2063 in Bozeman / Montana - Oder ?
27. Carbon Creek
('Kohlebach', geografischer Name, gesendet als 28.**)
Carbon Creek   EB
ΘΘΘΘΘ *
Ein einzigartiges 'Kammerstück' in allerbester STAR TREK-Tradition:
Die Vulkanier haben bereits die allererste Raumfahrt-Aktivität der Menschen beobachtet.
Und das in einer Zeit, als in Amerika die Angst vor der 'Großen Bombe' allgegenwärtig war. Eine Vorstellung, die die Verantwortlichen in den USA heute allzu gern verdrängen. Dass der Start des "Sputnik" bereits 1957 erfolgte, und zwar von der verfemten Sowjetunion, wird 'großzügig übergangen'. Denn Kenner wissen ohnehin bescheid, und warum soll man den 'gewöhnlichen Amerikaner' mit derart 'unglaublichen' Details verwirren. Um so mehr, da die Russen als Träger für ihre "Sputniks" auch noch abgerüstete Atomraketen benutzten!
Wir sehen nur drei Hauptdarsteller in jeweils zwei Rollen: Neben Jolene Blalock als T'Pol's Urahnin 'T'Mir' erkennt der aufmerksame Zuschauer auch Scott Bakula und Connor Trineer, und zwar als 'Statisten' zwischen den verschütteten Bergleuten. Diese Episode ist als erste der neuen Staffel produziert worden, offenbar gönnt man sich eine deftige Kostenersparnis, indem man die anderen vier Hauptdarsteller noch eine weitere Woche im Urlaub lässt...
Nebenbei erfahren wir, wo genau der STAR TREK-historisch belegte 'Erste Kontakt' zwischen Menschen und Vulkaniern stattfindet: In der kleinen Stadt Bozeman. (Im gleichnamigen achten Kinofilm wird der Erstkontakt zwar gezeigt, der Name des Ortes jedoch nicht angegeben. 'Ganz zufällig' ist Bozeman der Geburtsort von RODDENBERRY-Schüler und Mit-Produzent Brannon Braga. Schon in TNG 118 und TNG 178 begegnet uns ein Raumschiff mit dem Namen "Bozeman", es wird im siebten Kinofilm erneut erwähnt.)
Und wir erfahren, dass die Vulkanier des 20. Jahrhunderts durchaus noch in der Lage waren, zu lügen ...
Der auf der Erde bleibende Vulkanier 'Mestral' ist benannt nach dem Schweizer Ingenieur Georges de Mestral, dem Erfinder des 'Klett-Verschlusses' (der in dieser Episode von der Vulkanierin T'Mir auf die Erde gebracht wird); Darsteller J. Paul Boehmer spielt u.a. die Titelrolle in Voy 96; in Voy 86−87 sowie in 77−78 gibt er SS−Offiziere.
"Dienstfrei": Reed, Phlox, Sato, Mayweather

28. Shockwave, Part II (gesendet als 27.)
Die Schockwelle, Teil 2   EB
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Diese Fortsetzung schließt sich 'in einem Guss' an den hervorragenden ersten Teil an. Wir sehen Science Fiction vom Feinsten, als Archer tausend Jahre zurück 'telefoniert', um T'Pol zu instruieren. Für 'Schlachtfest-Freunde' gibt es endlich wieder eine dieser gräßlichen Weltraum-Ballereien.
Echt peinlich wird es, als Hoshi ihr Hemdchen verliert: Sie bleibt damit im engen Gang hängen und trifft 'oben ohne' bei Malcolm Reed ein: 'Was immer ..., ich will's nicht hören! Geben Sie mir ein Hemd!' Wenig später sehen wir sie in Malcolm's Hemd. Nicht nur, dass es der schmalen Person tadellos passt, es enthält auch noch einen 'integrierten Büstenhalter'! Bei welcher Gelegenheit Lieutenant Reed so etwas zu tragen pflegt, diese Frage bleibt der Fantasie des Zuschauers überlassen ...
Neben den 'Zeitkrieg-Gegnern' Silik und Daniels sehen wir auch die Führung der Sternenflotte wieder, u.a. Admiral Forrest und Botschafter Soval.
29. Minefield
Das Minenfeld   EB
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Die "Enterprise" stößt als erstes Schiff der Erde auf die bis dahin unbekannten 'Romulaner'. Aus der Classic-Serie und "The Next Generation" wissen wir, dass es rund fünf Jahre später zum Krieg mit dieser aggressiven Rasse kommt. Dabei werden die Romulaner auf ihr ursprüngliches Hoheitsgebiet im Beta-Quadranten zurückgedrängt und eine 'Neutrale Zone' zur Grenzsicherung eingerichtet.
Eine spannende Episode, die leider durch technische Ungereimtheiten an Güte verliert: Zum einen fragt man sich, wieso der 'angenagelte' Reed nicht einfach aus seiner misslichen Lage herausgebeamt wird. Arg 'starker Tobak' ist dann Verwendung von Shuttle-Türen als handliche 'Schilde': Diese 'Schilde' hätten die Explosion womöglich überstanden, dabei aber ihrerseits mit Sicherheit die dahinter verkrochenen Männer erschlagen. Und dabei wären ihre Körper auf Nimmerwiedersehen in den Tiefen des Raumes verschwunden!
Wir sehen ein schönes technisches Bonmot, als Travis Mayweather die Manövriertriebwerke aktiviert: Sie werden mit einem coolen 'Joystick' gesteuert.
30. A Night In Sickbay (gesendet als 31.)
Eine Nacht Krankenstation   EB
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Diese besinnliche, emotionale Geschichte gerät zur willkommenen 'Verschnaufpause' inmitten der Action und Spannung, die den Beginn der zweiten Staffel prägt.
Der Hintergrund: Eine massive Budged-Überziehung zwingt den Produzenten zu einer Spar-Episode. Zum ersten (und wahrscheinlich einzigen) Mal benutzt Phlox seine Muttersprache: Er schimpft mit der ausgebüxten Fledermaus. (Beeindruckend: Das rein Computergenerierte Tier hat ein völlig echt wirkendes 'Fell'!) Die Sequenz endet in einem geradezu köstlichen Bonmot, als Hoshi hereinkommt und das Tierchen mit einer lässigen Handbewegung auffängt. Der Captain erwähnt, dass Porthos einer von vier Brüdern eines Wurfes ist, die alle vier nach Dumas' berühmten Musketieren benannt wurden.
Leider verliert die Episode wegen der völlig überzogenen Diskussion um einen Mangel an Sexualität. Dafür bringt Archer eine Glanzleistung beim abschließenden 'Entschuldigungsritual'. Ähnlich grotesken, wenn auch weniger drastischen Sitten muss sich Captain Picard unterwerfen in TNG 13 (12) und in ST 9.
Der Wortführer der Kreetassaner ist wieder einmal Vaughn Armstrong, der 'universelle Alien' der Serie. Nur winzige Statistenauftritte für Reed und Mayweather, größerer Auftritt für Porthos.
31. Dead Stop
("Vollständiger Halt", gesendet als 30.)
Todesstation   EB
ΘΘΘ
Die Handlung schließt unmittelbar an die zuvor gesendete Episode 29 an. Wir sehen feine Science Fiction in einem gekonnt unwirklichen Szenarium. Dass die Lösung am Ende etwas nach Classic 61 (56) 'riecht', tut der Geschichte wenig Abbruch, wohl aber das über weite Strecken verschenkte Horrorpotenzial. Denn in dieser Richtung war das Drehbuch ursprünglich gemeint, dafür spricht auch die Schlussszene, in der sich die nahezu zerstörte Station wieder selbst repariert ...
Mit Archer, T'Pol und Tucker begeben sich die drei höchsten Offiziere gemeinsam in Gefahr, um das Terrain des unheimlichen Gastgebers zu erkunden; dieses fragwürdige Vorgehen ist auch in der Classic-Serie typisch. Wir erleben den 'Erstkontakt' mit einem Replikator, eine Technologie, über die auch die Vulkaniern noch nicht verfügen.
In einem Synchron-Fehler geraten die 'Manövriertriebwerke' zu einem "Manöver-Antrieb". Der englische Titel beinhaltet eine Vielzahl von Nebenbedeutungen, die im Deutschen nicht einmal annähernd erfasst werden können; insofern ist der deutsche Titel akzeptabel gewählt.
Wiedersehen mit Porthos
32. Marauders (auch: "Herumtreiber")
Marodeure   EB
ΘΘΘ
Eine sehenswerte Story um Zivilcourage und Selbstachtung, da fällt das Loblied auf den 'guten Amerikaner' gar nicht so sehr störend auf. Nur die Bezeichnung des Fördergutes ist mehr als merkwürdig: Schon bei Voy 92 berichtet die ZEITUNG, dass der Begriff 'Deuterium' in der Realität etwas völlig anderes bedeutet.
Den Anführer der Kolonisten, Larry Cedar, kennen wir u.a. aus DS9 33.





34. The Communicator
Der Kommunikator   EB
ΘΘΘ
Eine weiterer erstklassiger Thriller, diesmal voller Action und Spannung. Ganz anders als Kirk's Leute im vierten Kinofilm unternimmt die Crew alles notwendige, um eine Beeinflussung des von ihnen besuchten Volkes zu verhindern, Freitod eingeschlossen.
Leider ist wesentliches dramaturgisches Potenzial verschenkt worden in Zusammenhang mit 'Trip' Tucker's unsichtbarer Hand. Man wartet regelrecht darauf, dass er sie bei der Befreiung seiner Kameraden plötzlich und überraschend einsetzt ...
Francis Guinan, der harte 'General Gosis', fungiert auch als Gegenspieler in Voy 142 (142).
33. The Seventh
Der Siebente   EB
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Klassischer, spannender Agententhriller, gewürzt mit einem Schuss Vulkan-Verwirrung; auch so kann man Science Fiction machen. Nachdem wir im Pilotfilm zum ersten Mal die vulkanische Sprache gehört haben, können wir nun, nach mehr als 35 STAR TREK-Jahren, eine ersten Blick auf die vulkanische Schrift werfen: Sie wird von oben nach unten geschrieben, ganz ähnlich wie einige reale Schriften aus Asien.
Die einsame Außenposten ähnelt dem Schlupfwinkel der Suliban im Pilotfilm. Auch aus "The Next Generation" kennen wir ähnlich düstere Szenarien. Die Handlung selbst folgt einem einfachen, bewährten Schnittmuster. Doch T'Pol zögert viel zu lange, ehe sie den Verfolgten mit einem Fangschuss betäubt.
Das wirklich wesentliche Ergebnis dieser Episode ist das neue Verhältnis zwischen T'Pol und Archer: Es ist geprägt von Vertrauen und Einvernehmen.
Wiedersehen mit Porthos
35. Singularity
(auch: "Singularität")
Eigenarten   EB
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Das ist nicht nur gute Science Fiction, sondern vor allem auch eine Episode für echte 'Liebhaber': Sie stellt mehrere enge Bezüge her zur später angesiedelten Classic-Serie und dient insofern dem Hauptanliegen von "Enterprise". Am auffälligsten: Lieutenant Reed erfindet den 'Roten Alarm' (im Original hat diese Bezeichnung noch einen Bezug zu seinem Namen: 'Red Alert' <=> 'Reed Alert'). Auch die von Tucker erdachten Neuerungen am Stuhl des Captain gehören für James Kirk zum Standard. Zum ersten Mal benutzt T'Pol den vulkanischen 'Betäubungsgriff', der durch Mr. Spock legendär geworden ist.
Der Originaltitel ist doppeldeutig, er bezeichnet sowohl die seltsamen 'Eigenarten' im Verhalten der Besatzung als auch deren Ursache, das 'Schwarze Loch'. Unter seinem Einfluss verliert die Crew die seelische Balance, und bei jedem einzelnen kommt der 'Grund-Instinkt' hervor. Ähnlich ergeht es Ben Sisko's Leuten in DS9 18.
Wiedersehen mit Porthos
36. Vanishing Point
("Der Punkt [Moment] des Verschwindens"])
Vermisst   EB
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Über weite Strecken sehen wir spannende, gutklassige Science Fiction. Außerdem: Ein wahres Fest für die Bewunderer von Hoshi Sato! Wir bekommen eine Andeutung vom ersten Ärger mit der Transportertechnologie, die allzu oft für dramatische Entwicklungen sorgt, das zieht sich durch sämtliche Serien und Filme. Dem Kenner fällt auf, dass der (normale) Transporterzyklus auf der "NX−01" viel zu schnell abläuft, er dauert nur zwischen fünf und zehn Sekunden. Ein Jahrhundert später, als Captain Pike nach Talos IV beamt, (Classic 16 (11),) dauert das nahezu dreißig Sekunden!
Die 'geschüttelte' Hoshi erinnert ein wenig an die Ereignisse in TNG 124, wo Geordi und Ro Laren in eine ähnliche Situation 'transportiert' werden. Leider bricht die Episode am Ende nicht nur ein, sondern regelrecht zusammen! Die Gefahr verschwindet in Wohlgefallen, es war alles nur ein 'Angsttraum'. Welch schockierende Einfallslosigkeit! Ein 'Sturzflug', vergleichbar mit TNG 93.
37. Precious Cargo
Kostbare Fracht   EB
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Eine fremde, um sich schlagende Prinzessin, das ist nicht ganz neu in STAR TREK. Und die menschenraubenden Raumpiraten erinnern an so manches Ferengi-Abenteuer. Doch diesmal kann man das Verhalten und auch die Wandlung der 'Hoheit' (Padma Lakshmi) recht gut nachvollziehen, sie erweist sich als klug und vernünftig, ja beinahe weise. Dagegen machen die Entführer eine platte und eher lächerliche Figur, vor allem bei dem überaus plumpen Bluff, den Archer und T'Pol mit ihrem 'Tribunal' inszenieren.
Hinter der Maske des geblufften Alien steckt Leland Crooke, wir sehen ihn auch als 'Vorta Gelnon' in DS9 137 (138) und in DS9 139.
Als Trip das rettende Sonnensystem entdeckt, nennt er eine krass falsche Entfernung: 90 Millionen Kilometer ist viel zu kurz. Der Durchmesser unseres Sonnensystems (zum Beispiel) ist mehr als hundert Mal so groß. Wer sich bis auf 90 Millionen Kilometer 'nähern' würde, hätte die allermeisten Planeten bereits hinter sich und fast die Sonne erreicht. Es sollte wohl eher '90 Milliarden Kilometer' heißen.
"Dienstfrei": Dr. Phlox
38. The Catwalk
Der Laufsteg   EB
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Gutklassige Science Fiction in einer facettenreichen, rundum stimmigen Episode, die in Erinnerung bleibt.
Man mag sich kaum vorstellen, wie es T'Pol aushält, so auf engstem Raum mit 82 ungewaschenen Menschen und etlichen Tieren. Endlich einmal taucht der schon oft erwähnte 'Chefkoch' auf, aber auch diesmal hat er kein Gesicht, nur seine Beine sind im Bild.
Wiedersehen mit Porthos

39. Dawn
Morgengrauen   EB
(DVD-Version: Dawn)
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STAR TREK vom feinsten und ein Trip Tucker in Hochform! Seine beeindruckende Initiative gegen Gewalt übertrifft noch die von Captain Kirk in Classic 19 (18). Vielleicht wäre das ganze noch besser geworden, wenn man konsequent auf diesen Bezug gesetzt und die Aliens als 'Gorn' dargestellt hätte. Sicher sind auch Ideen eingeflossen aus TNG 55, doch dort ist die Situation völlig anders: Hier ein Erstkontakt voller Misstrauen, dort die Begegnung mit einem wohlbekannten, hinterhältigen Erzfeind. Leider gerät die Darstellung der letzten Minuten auf dem überhitzten Planeten allzu theatralisch.
Wir sehen ein zweites Mal die Anzeige in Mr. Spock's legendärem 'Guckkasten' (vergleiche Ep. 3).
40. Stigma
Stigma   EB
ΘΘΘΘΘ Λ
Eine weitere Geschichte in bester STAR TREK-Tradition. Das Ausgrenzen 'unerwünschter Randgruppen' ist einerseits ein höchst aktuelles Thema, andererseits wird ein weiteres Mal auf drastische Weise gezeigt, dass es im Gemeinwesen der Vulkanier zu dieser Zeit gewaltig 'stinkt'; dieser Handlungsfaden verläuft folgerichtig bis in die vierte Staffel. Ein zusätzliches Bonmot ist die Nebenhandlung um 'Trip' Tucker und 'Feezal', der zweiten Ehefrau von Phlox: Es persifliert auf köstliche Weise das katholische Familienbild.
Als Ursache von T'Pol's Krankheit erweist sich die (geistige) Vergewaltigung in Ep. 17. Als sie am Ende realisiert, wie wichtig sie für Archer und die Besatzung ist, entfährt ihr ein Blick, der (nach vulkanischen Maßstäben) einem Gefühlsausbruch gleichkommt.
Den Chef der vulkanischen Ärzte, Michael Ensign, kennen wir aus TNG 89, DS9 17 und aus Voy 44 (47). Der junge Arzt 'Yuris', der sich für T'Pol opfert (Jeffrey Hayenga), ist identisch mit dem bajoranischen Rebellenführer 'Orta' in TNG 103. Für Melinda Page Hamilton ('Feezal') ist dies die erste nennenswerte TV-Rolle und der Start einer steilen Karriere als Serienstar.
41. Cease Fire
(Kommando: "Feuer einstellen")
Waffenstillstand   EB
ΘΘΘ
Auch diese Geschichte ist echt STAR TREK. Dennoch fällt sie gegenüber den hochwertigen Vorgängern etwas ab, lässt den rechten 'Tiefgang' vermissen. Zum Beispiel setzt sich Shran ohne weiteres über die Opposition seiner Führungsoffiziere hinweg, das ist zu einfach. Die Vulkanier fallen erneut unangenehm auf, als sie koloniale Denkweisen deutlich machen. Doch sie dürfen - wieder einmal - lernen.
Super-Gaststar Suzie Plakson bleibt in ihrer letzten STAR TREK-Gastrolle als andorianische Offizierin eher blass. (Wir kennen sie unter anderem als Gefährtin von Worf und 'Q', jeweils als Mutter von deren Söhnen (TNG 46, TNG 81 bzw. Voy 53). Auch Christopher Shea gibt hier seine letzte Alien-Nebenrolle.
Wiedersehen mit dem andorianischen Commander Shran, Botschafter Soval und Admiral Forrest.
42. Future Tense
(grammatikalische Zeitform "Zukunft")
Die Zukunft   EB
Keine Wertung Λ
STZ betrachtet diese Episode mit Zurückhaltung: Wir erhalten eine Menge Informationen, die jedoch keinen rechten Sinn zu machen scheinen, denn mit dieser 'Brücken-Episode' wird lediglich das nächste Kapitel des 'Temporalen Kalten Krieges' vorbereitet. Captain Archer stellt einen interessanten Bezug zum Verschwinden von Zefram Cochrane her, allerdings: Der STAR TREK-Kenner weiß bereits mehr, in Classic 31 (38) ist der Verbleib des Warp-Erfinders erschöpfend behandelt worden. Zum ersten Mal begegnet die "NX−01" den 'Tholians', mit denen auch die Mannschaft von Captain Kirk in Classic 64 zu tun hat. Auch diesmal bekommen wir ihre pfeilförmigen Schiffe nur von außen zu sehen, wir erfahren jedoch, dass sie in einer heißen Umgebung (200°C) leben.
Es ist beängstigend, wie Reed und Tucker völlig ungeschützt, quasi 'mit dem Holzhammer', in das unbekannte Stück Technologie eindringen, das zudem stark beschädigt scheint. Im Showdown benötigt die "Enterprise" satte zwölf Sekunden für 400.000 Kilometer, Warp-Schiffe fliegen (mindestens!) zehn Mal schneller...
Kurzauftritt von Admiral Forrest.
43. Canamar
(Eigenname des Planeten, Strafkolonie)
Canamar   EB
ΘΘ
Ein Action-Thriller nach altbewährtem Schnittmuster, aber gut gemacht. Leider ist dabei nicht allzu viel Science Fiction enthalten, die Handlung könnte eben so gut in einem Western, einem Kriegsfilm, einem "007", ... realisiert werden. Wesentlich ist vor allem die Absage an den immer wieder einmal ertönenden Ruf nach 'Schnelljustiz' mit 'Eisernem Besen', der in einer Zeit wachsender Kriminalität und Verunsicherung allzu gern von Populisten aller Art benutzt wird.
Der Darsteller des fanatischen 'Kuroda Lor−ehn', Mark Rolston, spielt auch die Haupt-Gastrolle des 'Lt. Pierce' in TNG 170. Der Nausikaaner unterscheidet sich äußerlich recht stark von den Vertretern dieser Rasse, die wir aus den anderen Serien kennen. Unter den Mitgefangenen befindet sich einer der zwei Monate zuvor eingeführten 'Remaner' (vergleiche ST 10).
44. The Crossing
Übergang   EB
ΘΘΘΘΘ
Das ist allerfeinste Science Fiction in der Tradition von Stanisław Lem. Es ist einfach hinreißend, wie Dominic Keating den 'besessenen' Reed durch die Gänge schweben lässt wie einst Tasha Yar im Rausch (TNG 3). Natürlich ist es nicht sehr angenehm für die Crew, dass sie schon wieder in den 'Catwalk' flüchten muss (vergleiche Ep. 38). Wir erfahren, dass Dr. Plox nur über bescheidene Körperkräfte verfügt, die aber im Ernstfall enorm wachsen.
Dass man das 'CO2' in Form von Rauch sichtbar gemacht hat, ist zwar aus wissenschaftlicher Sicht grotesk, aber dramaturgisch notwendig. Am Ende wird das Schiff mit den fremden Geistes-Wesen vernichtet, eine harte, aber zwingend logische Entscheidung, zu der es keine Alternative gibt.
Lt. Rostov (John Will) hat zum Abschluss seiner STAR TREK-Laufbahn noch einmal eine etwas größere Rolle.
45. Judgement
Das Urteil   EB
Θ
Eigentlich keine schlechte Idee, aber die Umsetzung lässt Tiefgang vermissen. Auf diese Weise geraten die Zitate aus ST 6 zur Farce. Weniger auffallend sind die Zitate aus "The Next Generation": Auch dort benutzen die Klingonen Schiffe mit dem Namen "BortaS" ('Rache'). Und Worf's Erzfeind 'Duras' hat dort einen Sohn namens 'Toral'. Nach Auskunft von Paramount sind sie direkte Nachkommen, des hier gezeigten 'Duras, Sohn von Toral'. Mit dem 'Heldentod' des jungen Toral in DS9 81 sollte diese unsägliche Familie endlich ausgerottet sein. Aber halt, hat nicht Duras-Schwester 'Lursa' noch einen Sohn zur Welt gebracht, bevor ihr die "Enterprise−D" den Garaus macht... (TNG 173 und ST 7).
Gegen Ende kommt auch noch Zeitdruck auf, Archer's Rettung aus 'Rura Penthe' erfolgt allzu einfach und damit unglaubwürdig. Wir sehen J.G. Hertzler wieder (General Martok in "Deep Space Nine"), diesmal als 'Verteidiger Kolos'; auch 'Anklagevertreter Orak' (John Vickery) kennen wir aus "Deep Space Nine", er ist kurz vor Serienende 'Gul Rusot', Damar's glückloser Adjutant.
Die Kulisse von 'Rura Penthe' befindet dort, wo zehn Jahre zuvor Captain Picard's Maschinenraum war, man erkennt noch die Gittermasten, zwischen denen einst der Warpkern der "Enterprise−D" pulsierte.
46. Horizon
("Horizont" [hier: Eigename des Schiffes])
Horizon   EB
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Der verlorene Sohn kehrt heim und findet den Vater tot vor, der Bruder führt den 'Hof' verbissen und glücklos, die Mutter schaut ergeben zu. Eine Heimatfilm-Schnulze nach oft (weg−)gesehenem Schnittmuster! Menschen, die sich so etwas anschauen, haben normalerweise kein Verständnis für Science Fiction; insofern fehlt dieser Episode jedes Zielpublikum. Der Zuschauer des 21. Jahrhunderts muss sich fragen, wieso nach dem Tod des Captain nicht das erfahrenste Besatzungsmitglied das Kommando übernommen hat. Aber die Mutter als Captain, das hätte wohl kaum in das "Almbauern"-Raster dieses Drehbuchs gepasst. Einzig bemerkenswert ist zu Beginn der gekonnte Bezug zu "The Next Generation": Travis' Vision, auf Sternenflottenschiffen künftig ganze Familien einzusetzen, kontert Malcolm Reed mit der Feststellung, dass man dann einen Psychologen an Bord bräuchte ...
Travis' 'Sandkasten-Freundin' Nora (Nicole Forester) ist auch das 'Dabo-Mädchen', das in DS9 64 mit dem steinalten Dr. Bashir flirtet.
47. The Breach
("Der Bruch" [zwischenmenschlich])
Böses Blut   EB
ΘΘΘΘΘ
Diese Geschichte behandelt sehr ernsthaft und tiefgründig das Problem einer Erbfeinschaft, die durch Hass-Propaganda über Generationen am Leben erhalten wird, gerade für Deutschland ein nach wie vor aktuelles Thema. Hinzu kommen die schwierigen Fragen medizinischer Ethik, die Phlox mit seinem sarkastischen 'Schluss-Gag' auf den Punkt bringt.
Hoshi macht Bekanntschaft mit einem 'Tribble' - der als Futter für Phlox' Reptilien dient. Wir erfahren, dass Denobulaner wahre Meister im Freiklettern sind, doch sie lassen sich von Tucker's energischem Auftreten gar zu leicht beeindrucken, das ist nicht sehr glaubwürdig.
48. Cogenitor (Fiktive Bezeichnung)
Cogenitor   EB
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Eine zunächst recht 'gewöhnungsbedürftige' Story. Tucker 'überrollt' das Cogenitor mit seinen Ansichten, weil er glaubt, er wisse was für dieses Wesen gut sei, und zwar besser als dieses selbst. Diese Darstellung und die daraus folgende fatale Entwicklung zeugt von hervorragender Fachberatung und viel Fleiß im Detail. Eine gelungene Gratwanderung, die diese Episode zu unerwarteter Brillanz auflaufen lässt.
Der erfahrene Visianer-Captain 'Drennik' (Andreas Katsulas) ist uns bekannt als fieser Romulaner-Commander Tomalak in "The Next Generation". Der verhinderte werdende Vater ist F.J. Rio, wir kennen ihn unter anderem aus "Deep Space Nine" als 'Ingenieur Muñiz'.
Auf der Liste von Filmen, die Tucker dem Cogenitor zeigt, finden sich fast ausschließlich fiktive Titel, unter anderem "Dixon Hill And The Black Orchid" und "The Bride Of Chaotica" (vergleiche TNG 13 (12) und Voy 107 (106)).
Der einzige wirklich existierende Film auf dieser Liste ist der auch im Dialog erwähnte 1951er Robert Wise-Klassiker "The Day the Earth Stood Still" ("Der Tag, an dem die Erde stillstand"): Dieser Filmtitel steht zur Verfügung, weil die Rechte dafür ohnehin beschafft werden mussten, denn es wird auch ein Ausschnitt daraus gezeigt. Robert Wise ist auch der Regisseur des ersten STAR TREK-Kinofilms von 1979.
Wiedersehen mit Porthos

Widerstand ist - NICHT - zwecklos
49. Regeneration
Regeneration   EB
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Endlich: Die 'Borg'-Episode. Sie ist brillant gemacht und fügt sich nahtlos in die bekannten späteren Ereignisse um die Borg ein: Ausgangspunkt sind die Überreste der Borg-Sphäre aus dem 24. Jahrhundert, die Captain Picard im Jahr 2063 mit den Quanten­torpedos der "Enterprise−E" zerstört hat (ST 8). Dass die aufgetauten Borg-Leichen von ihren Nanosonden reanimiert werden (ein wenig lässt "Godzilla" & Co. grüßen), ist zwar erstaunlich, aber nach den Erfahrungen der "Voyager" im Delta-Quadranten nicht so ganz unmöglich.
Die Handlung ist von Anfang bis Ende von zwingend logischer Konsequenz, sie muss zwangsläufig mit der Vernichtung des neu entstandenen Borg-Kollektivs enden.
Wir erfahren, dass die Denobulaner einer Borg-Assimilation ernsthaft Widerstand leisten können, weil ihr Immunsystem die injizierten Nanosonden zu bekämpfen vermag. Offen bleibt die Frage, was mit den anderen im Polareis konservierten Borgdrohnen geschieht.
Der Begriff 'Borg' ist in dieser Zeit unbekannt und erscheint deshalb auch nicht in Archer's Bericht. Cochrane's Assistentin 'Lily Sloane' kommt zwar 2063 in Kontakt mit den Borg, aber offenbar hat sie ihr Wissen nicht geteilt. Das ist sicher die Ursache, dass trotz der Bedeutung dieser Ereignisse weder Kirk & Spock noch Picard & Riker Kenntnis davon erlangen. (Riker hat vor Dienstantritt alle Berichte über Schiffe mit dem Namen "Enterprise" gelesen (TNG 3.)
Doch die Darstellung des Erstkontakts mit den Borg in TNG 42 ist ohnehin voller Widersprüche, eine Folge des Autorenstreiks von 1988.
Wir sehen bemerkenswerte Masken mit wachsenden Implantaten, die denen vom Beginn des achten Kinofilms kaum nachstehen und einen Dr. Phlox von ungeheurer Willensstärke. Als weiterer Bezug zu "The Next Generation" werden die 'Bynars' aus TNG 16 (15) wiedererwähnt. Doch auch ein 'Lapsus' hat sich eingeschlichen: Malcolm Reed spricht von 'holografischen' (also unwirksamen) Gewehrkugeln. Aber für Holo-Technologie ist es gut hundert Jahre zu früh ...
Wiedersehen mit Admiral Forrest und dem Flottenkommando


50. First Flight
Erstflug   EB
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Nach dem Borg-Feuerwerk nun eine sparsame Rückblende-Episode mit nur vier Hauptcharakteren, die uns jedoch interessante Informationen liefert. Wir erfahren nicht nur, wie es zehn Jahre zuvor im "NX"-Programm gelaufen ist, sondern auch, dass zu dieser Zeit (also 2143) auf dem Mond bereits die Kolonie "New Berlin" existiert hat, nachdem er 2063 noch völlig unbewohnt gewesen ist (ST 8). Und wir hören, dass Tucker's Beiname 'Trip' ein Kürzel ist von 'Triple' - 'der Dritte'.
Der frühe Vorgänger der "Enterprise", die "NX−Alpha", ähnelt nicht nur äußerlich Zefram Cochrane's "Phoenix", auch die Cockpit-Kulisse ist die selbe wie in ST 8.
Schade, dass es die Maske nicht geschafft hat, die Gesichter von 'Lieutenant Tucker', 'Commander Archer' und auch 'Commodore Forrest' ein gutes Stück jünger aussehen zu lassen, das haben wir schon besser gesehen (bei 'Guinan' in TNG 126). Die 2143er Druckanzüge im 'Gagarin-Design' heben sich wohltuend ab von den Glitter-Pappe-Requisiten (mit 'Scheiben' aus Fliegengaze) in Classic 64. Ein Bonmot ist Archer's Aldrin-Gleichnis, doch die Spitze bildet T'Pol, die Archer mit ihrem Namensvorschlag voll 'eiskalt erwischt' und anschaulich demonstriert, wie gut sie die Menschen inzwischen kennt.
"Dienstfrei": Reed, Mayweather, Dr. Phlox

51. Bounty
Kopfgeld   EB
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Standardware mit Lückenfüller-Anmutung und wenig SciFi-Anteil. Mit den 'Tellariten' sehen wir eine weitere aus der Classic-Serie bekannte Rasse wieder, die nun deutlich bessere Masken und auch in der deutschen Fassung ihren richtigen Namen hat (beim ZDF heißen sie 'Tellurier'); vergleiche auch Ep. 88.
T'Pol durchlebt das 'Pon Farr'... das ist seltsam, denn bisher wurde stets gezeigt, dass nur männliche Vulkanier von diesen 'Brunft-Attacken' betroffen sind. Vergleiche vor allem ST3, aber auch Classic 34 (30) und Voy 57 (58). Außerdem: Wenn die Ehepartner unabhängig voneinander alle sieben Jahre fruchtbar werden, kommen sie praktisch nie zusammen. Wie sollte das Volk von Vulkan auf diese Weise überleben?
Bedauerlich, dass wir den zweiten Kopfgeldjäger 'Kago' nicht aus der Nähe zu sehen bekommen, so entgeht uns fast völlig der brillant stechende Blick von Robert O'Reilly, den wir aus seiner langjährigen Paraderolle als Klingonenführer 'Gowron' kennen.
52. The Expanse
Die Ausdehnung   EB
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Die populärste aller TV−Serien gerät in die Propaganda-Mühle für den zwei Monate zuvor begonnenen Irakkrieg!
Diese Episode markiert DEN entscheidenden Riss in der Serie, der das endgültige Aus für STAR TREK einleitet: Nach der Attacke durch einen fremden, gnadenlosen Feind wird das Flagschiff aufgerüstet, Malcolm Reed erhält endlich seine 'photonischen Torpedos', und die Helden ziehen in den Krieg. Der Umschwung im Charakter der Serie ist so krass, dass die Episode einem neuen Pilotfilm gleichkommt.
Als Tucker und Reed am Rand des zerstörten Abgrundes stehen, versagt die Tricktechnik: Die beiden Figürchen bewegen sich auffallend plump und ungelenk.
Es gibt zu dieser Episode eine Szene, die den eben heimgekehrten Jonathan Archer innig schmusend mit einer bisher unbekannten, aber offenbar langjährigen Freundin zeigt. Doch sie wurde noch vor der US-Premiere entfernt: Ein TV−Held ist und bleibt ein 'einsamer Wolf' , erst recht, wenn er in den Kampf zieht ...
Wiedersehen mit Soval, Forrest und Duras (Urahn von Duras)