Zeit der Düsternis

Die „Enterprise“ auf Feindfahrt

Nach der grundlegenden Neu-Ausrichtung am Ende der zweiten Staffel ist der weitere Weg vorgezeichnet: Die Helden müssen hinaus in die feindliche Welt, den unbekannten Gegner stellen und bezwingen. Wir erleben auf drastische Weise, wie die Umstände die Menschen verändern. Der einst so lebenslustige Tucker wird zum verbissenen Fanatiker, der besonnene Archer zum sadistischen Zyniker. Solche Veränderungen sind schon einmal thematisiert worden in der brillanten Episode TNG 63. Doch unter der Federführung von GENE RODDENBERRY hat man den Krieg als fatalen Fehler dargestellt, der um jeden Preis vermieden werden muss. Hier dagegen stehen die Kampfhandlungen als unausweichliche Gegebenheit da, und jeder muss dafür (nicht dagegen !) sein bestes geben. Die Xindi-Führer 'Jannar' (Rick Worthy), sein Primaner-Kollege (Tucker Smallwood), Reptilianer-Commander 'Dolim' (Scott MacDonald) und Waffenentwickler 'Degra' (Randy Oglesby) begleiten uns durch beinahe die gesamte dritte Staffel. Dagegen wird die zur 'Verstärkung' an Bord gekommene militärischen Elite-Einheit "MACO" eher zurückhaltend eingesetzt, ihr Kommandeur 'Major Hayes' (Steven Culp) erscheint in ganzen fünf Episoden. Sie sorgen zwar für einige sehenswerte Action-Szenen, vor allem jedoch zelebriert man dem Zuschauer ein Loblied auf die 'ganz harten Jungs' (pro forma ist hier auch ein 'hartes Mädchen' dabei).
Die 'Xindi' sind nicht zu verwechseln mit den ebenso aggressiven 'Kzinti', denen die Classic-Besatzung begegnet in Ani 11 (14).
53. The Xindi (Eigenname)
Die Xindi   EB
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Wir tauchen voll ein in die düstere Atmosphäre dieses 'Himmelfahrt-Kommandos'. Der Verlauf ist über weite Strecken vorhersehbar, aber doch sehenswert umgesetzt. Action-Fans haben sicher ihre Freunde an der professionellen Präzision, mit der die 'MACO'-Einheit zur Sache geht.
Eine augenfällige Veränderung betrifft das Äußere von T'Pol: Jolene Blalock ist während der Sommerpause so stark abgemagert, dass ihre Kostümierung umgestellt werden muss. Auch die Frisur ist verändert, so dass die spitzen Vulkanier-Ohren nun stärker zur Geltung kommen. Gaststar Richard Lineback (Xindi-Sklave 'Kessik') haben wir u.a. gesehen an der Seite von Merritt Butrick in TNG 23 (22).
Zum ersten Mal sehen wir den 'Rat der Xindi', deren führende Mitglieder im Verlauf dieser Staffel immer wieder auftauchen. Alle vier Darsteller haben bereits STAR TREK-Erfahrung aus Gastrollen in anderen Serien bzw. Kinofilmen.
Erster Auftritt von Steven Culp als 'Major Hayes'
54. Anomaly
Die Anomalie   EB
(DVD-Version: Anomalie)
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'Man kommt leicht hinein, aber kaum wieder heraus. Und drinnen lauern die Räuber.' Das haben wir unlängst schon einmal gesehen, in Voy 161. Beim Kampf gegen die Piraten verliert Captain Archer zum ersten Mal ein Besatzungsmitglied.
Regiefehler in der Eingangssequenz: Die 'Anomalie' lässt alle Gegenstände zur Decke steigen... In der Messe schwebt jedoch nur das Geschirr hoch, die Speisen klatschen zurück auf die Tische.
Die metallene Kugel erinnert nur oberflächlich an die 'Dyson-Sphäre' aus TNG 130, letztere ist mehr als zehn Millionen mal größer und enthält ein ganzes Sonnensystem, dagegen ist das hier eigentlich nur eine übergroße Raumstation. Dennoch: Dieser getarnte Schlupfwinkel ist ein brillanter Drehbuch-Einfall, und seine Entdeckung durch pure Deduktion ist fast noch besser. Dafür geht das Tor der Sphäre erstaunlich einfach auf; waren sich die Piraten ihrer Tarnung allzu sicher?
Als grotesker Bezug werden wieder einmal die mysteriösen 'Schaftbolzen' erwähnt (in DS9 15 hat selbst der erfahrene Chief O'Brien keinerlei Ahnung, was das sein könnte ...).
Wiedersehen mit Porthos
55. Extinction
Transformation   EB
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Seit DS9 6 ist wohl einige Dutzend Mal 'gejagt' worden, mit der Zeit gerät das zum Überdruss. Eine weitere Dauerschwäche des gesamten SciFi-Genres haben wir in STAR TREK auch schon ein paar Mal zu oft gesehen: Den penetrant wiederholten Unsinn einer 'genetischen Transformation'. Wer auch nur ein wenig über Genetik weiß, bekommt 'Hirnsausen' bei dieser Darstellung! Denn genetische Veränderungen wirken sich niemals auf lebende Wesen aus, sondern stets nur auf deren spätere Nachkommen. Vergleiche auch DS9 114. Allerdings sehen wir bei dieser unsinnigen 'Verwandlung' brillante Masken, die die Darsteller völlig verfremden, aber dennoch erkennbar lassen.
Das tödliche 'mutagene Virus' hat den Status einer biologischen Waffe und hätte auf jeden Fall zerstört werden müssen! Es als 'Überleben' einer alten Kultur zu 'bewahren' ist eine krasse Fehlentscheidung, denn dieses Volk ist bereits ausgestorben, und zwar seit sehr langer Zeit!
Der Schlusstitel beginnt mit einer Widmung an den zehn Tage vor der Erstausstrahlung verstorbenen Co-Regisseur Jerry Fleck, der ab Beginn der sechsten Staffel von "The Next Generation" an mehr als dreißig STAR TREK-Produktionen mitgewirkt hat.
56. Rajiin (Eigenname)
Rajiin   EB
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Die geflohene Sklavin 'Rajiin', eine eben so sehr schutzbedürftig wie aufreizend wirkende Frau, erweist sich als Geheimagentin der Xindi. Und ihre Methoden sind 'nicht von dieser Welt'!
Diese Episode steht bei vielen Zuschauern in der Kritik wegen der vordergründig wirkenden Sex-Symbolik. Doch sie ist spannend und bringt die Gesamthandlung wesentlich voran. Es kommt zur ersten unmittelbaren Konfrontation mit den Xindi. Malcolm wird von einem 'Insektoiden' angeschossen, was ihm später Alpträume beschert. Beim Handgemenge mit den Xindi benutzt einer der MACO-Soldaten eine Waffe, die große Ähnlichkeit mit den klingonischen Schmerzstöcken aus TNG 40 (aber eine sehr viel stärkere Wirkung) hat.
Wir erfahren, dass der Transporter der "NX-01" bereits eine Reichweite von zehntausend(!) Kilometern hat. Die Maske des Sklavenhändlers 'Zjod' hat auffällende Ähnlichkeit mit der des takaranischen Wissenschaftlers 'Jo'Bril', der Beverly Crusher das Leben schwer macht in TNG 148. Ob Zjod und Jo'Bril verwandten Rassen angehören?
Wiedersehen mit Porthos
57. Impulse ("Der Impuls")
Impulsiv   EB
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Eine der wenigen Geschichten, in denen die sonst so überlegenen Vulkanier verlieren. Die Handlung ist spannend und schlüssig − zumindest für Stammzuschauer, die wissen, dass die Vulkanier ursprünglich aggressive Bestien waren, bevor sie ihre Logik entwickelten. Doch bei der Flucht durch das zerfallende Schiff ist dramatisches Potential verschenkt worden. Es fehlt immer wieder die Präzision im Detail, selbst bei der brillanten Szene mit dem Balance-Akt über den schmalen Träger. Das Ganze mutet an wie 'mit sehr heißer Nadel genäht'.
Die Mimik von T'Pol in der Schluss-Sequenz ist eine Glanzleistung von Jolene Blalock. Und ein Mal mehr darf ein 'Rothemd' (trotz ernster Verletzung) überleben.
58. Exile
Exil   EB
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Der Telepath 'Tarquin' erinnert zunächst etwas an Kirk's Gegenspieler 'Trelane' in Classic 18 (17). Doch dann entwickelt er sich zu einer sehr einfühlsamen und bis zum Schluss höchst realistischen Darstellung eines einfach nur einsamen Mannes. Eine Episode an der so ziemlich alles stimmt. Außer vielleicht Hoshi's allzu knappes Kostüm, das nicht so recht zu ihrem zarten, von 'Mutter Natur' nicht eben mit Überfluss bedachten Körper passen will. Die kleine großartige Frau wirkt in diesem 'Fummel' eher grotesk als 'sexy'.
Ein erstklassiger Gag ist die Szene mit dem sich selbständig machenden Triebwerk: Archer und Tucker sind gezwungen, ihr eigenes Shuttle abzuschießen. Angenehm realistisch, dass sie es aus ihrer Lage nicht auf Anhieb treffen.
59. The Shipment
("Die Verschiffung")
Die Ladung   EB
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Der erste echte Kontakt mit den Xindi verläuft überraschend kooperativ. Zumindest ein Teil von ihnen ist empfänglich für Vernunft und teilt wesentliche Moral- und Wertvorstellungen der Menschen.
Zwar ist die Handlung über weite Strecken vorhersehbar, doch da 'Gralik', der führende Xindi-Wissenschaftler, immer wieder neu entscheiden muss, ob seine Moral- und Vernunftgründe den Verrat an den anders denkenden Rassen seines Volkes rechtfertigen, bleibt es bis zum Schluss spannend.
Zweiter Auftritt von Major Hayes
60. Twilight ("Zwielicht")
Dämmerung   EB
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Diese brillante Zeitlinien-Story ist zweifellos in der engeren Auswahl für den Titel 'Beste Episode der gesamten Serie'.
Wir erleben nicht nur erstklassige Science Fiction mit völlig intakter temporaler Logik, sondern auch noch eine Vielzahl von Bezügen und Parallelen zu späteren Ereignissen in den altbekannten Serien, von Classic 24 (22), Classic 39 (33) hin zu TNG 63, TNG 82 ...
Wir erfahren, dass die 'polarisierte Hüllenpanzerung' innerhalb der nächsten zehn-zwölf Jahre durch effektive Schutzschilde ersetzt wird. Und wir sehen eine brillant-fantastische Maske des gealterten Phlox. In Ermanglung einer Waffe erledigt Archer den eindringenden Reptilianer mit seiner Cochrane-Statue.
Es ist unwahrscheinlich, dass in den 2150er Jahren bereits eine 'Vega-Kolonie' existiert, die Reise dahin dauert mit Warp 2 mehr als zwei Jahre. Auch dass die Überlebenden der Menschheit bereits nach einem Jahr Alpha Ceti erreichen, ist übertrieben, denn dazu müssten alle ihre Schiffe dauerhaft mit Warp 5,5 fliegen.
Nach langer Zeit sehen wir wieder einen der grotesken 'Yridianer', seine deutsche Synchronstimme ist Michael Pan (u.a. 'Data').
Wiedersehen mit Botschafter 'Spitzohr' Soval und Porthos.
61. North Star
("Nordstern", hier: Geografischer Name)
Faustrecht   EB
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In einer weiteren überaus sehenswerten Episode erleben wir gute Science Fiction in einer genialen Verbindung mit Western-Motiven und ernsten Bezügen zur realen amerikanischen Geschichte. Scott Bakula gibt einen 'Cowboy' ab, der den großen Helden dieses Rollenfachs kaum nachsteht. Der Kontrast zur Technik des 22. Jahrhunderts ergibt einen besonderen Reiz, als Ober-Bandit 'Bennings' T'Pol als Geisel nimmt und Malcolm schießt sie ihm einfach aus den Armen: Phaser auf 'Betäubung'. Etwas gewöhnungsbedürftig ist der (mehr oder weniger unfreiwillige) Seitenhieb auf die berüchtigte amerikanische TV−Zensur: In der Krankenstation liegt die schwer verletzte Lehrerin auf dem Operationstisch in einem grotesken 'Alibi-Kostüm', das den größten Teil ihres Körpers nackt läßt. Ein reales Op.−Laken jedoch hüllt den Körper weitgehend ein und lässt nur die zu behandelnde Stelle frei ...
Der Originaltitel bezieht sich auf die gleichnamige Stadt im Norden von Delaware. Dieses Gebiet war im 18. Jahrhundert ein Zentrum der 'Einfuhr' von Afrikanern für die Versklavung, spielte aber dann später eine Vorreiterrolle bei der Überwindung der Sklaverei.
Für Glenn Morshower (Sheriff 'MacReady') ist das die fünfte, letzte und wohl auch bedeutendste STAR TREK-Gastrolle, wir kennen ihn seit TNG 47. Emily Bergl ('Bethany', die Lehrerin) hat eine Hauptrolle in Steven Spielberg's "Taken".
62. Similitude
Ebenbild   EB
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Hanebüchene Geschichte um einen künstlich aufgebauschten, völlig 'an den Haaren herbeigezogenen' ethischen Konflikt:
Ein qualifizierter Arzt hätte den ohnehin kurzlebigen Klon für diese wenigen Tage im Koma gehalten, um ihn dann in Ruhe absterben zu lassen. So wäre unter keinen Umständen eine schutzwürdige Persönlichkeit entstanden, und der 'Konflikt' (und damit das gesamte Drehbuch) würde sich in Wohlgefallen auflösen. Um dem Schwachsinn die Krone aufzusetzen, gibt man dem Klon auch noch die Erinnerungen und Erfahrungen von Trip mit. Doch bekanntlich werden Erinnerungen nicht vererbt, sie sind nicht Bestandteil der DNA!! Und können deshalb auf keinen Fall auf einen Klon übergehen!
Einziger Lichtblick in dieser mehr als wirren Episode ist die brillante Leistung von Connor Trinneer bei der Darstellung von Trip's Klon.
Wir sehen das Raumgleitermodell wieder, das der junge Archer zu Beginn des Pilotfilms gebaut hat. Der zehnjährige Adam Taylor Gordon (der achtjährige Klon) ist auch in Ep. 53 als kindlicher Trip Tucker zu sehen.
Wiedersehen mit Porthos; er ist in der aktuellen Besetzung auffallend klein, fast noch ein Welpe.
63. Carpenter Street
(Eigenname)
Carpenter Street   EB
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Wir müssen weiter auf den Fortgang der eigentlichen Handlung warten, diese Geschichte ist eher fader, actionüberladener 'Füllstoff'. Und außerdem eine Spar-Episode, in der ein Großteil der Hauptcharaktere fehlt. Dafür sehen wir Gaststar Leland Orser wieder, seine Auftritte sind selten, aber immer wieder großartig, er hat u.a. die Hauptrolle in Voy 73. Außerdem erscheint nach mehr als einem Jahr wieder einmal der Zeitreisende Daniels.
Wiedersehen mit Porthos
"Dienstfrei": Mayweather, Reed, Sato, Phlox

An dieser Stelle (26. 11 2003) gönnt sich das Team einen siebenwöchigen 'Weihnachts-Urlaub'. So manche Staffelpause ist auch nicht viel länger gewesen! Aber auch danach geht es eher 'seltsam' weiter:
64. Chosen Realm
Das auserwählte Reich   EB
Θ
Diese Story verfolgt sicher ein sehr ernstes Anliegen, doch die Umsetzung ist eine kaum genießbare Mischung aus früheren Terror-Szenarien wie etwa Classic 24 (22), Classic 75 und schließlich Classic 70. Einzig neu, dem 'Zeitgeist' angepasst, ist der Einsatz von Selbstmord-Attentätern. Besonders bedauerlich ist, dass die Macher dieser Episode jede eigene Stellungnahme zu Fanatismus und Terrorismus schuldig bleiben. Mehr noch, der Chef-Terrorist und Haupt-Kriegverbrecher 'D'Jamat' muss sich am Ende lediglich vor seinem eigenen Gewissen verantworten. Damit wird er de facto als legitimer 'Führer' anerkannt! Schließlich rettet nur die originelle und aktionsreiche Rück-Eroberung der "Enterprise" den Punkt.
Die Masken der Terroristen erinnern seltsam an die der Bajoraner, ihr Anführer D'Jamat hat eine groteske Ähnlichkeit mit 'Kai Winn'. Darsteller Conor O'Farrel ist auch der UFO-Wissenschaftler 'Jeff Carlson' in DS9 80.
Wiedersehen mit Porthos
65. Proving Ground
Testgebiet   EB
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Endlich nach fast drei Monaten, geht die Serienhandlung weiter. Mit einem Paukenschlag, der 'Shran' heißt. Wir erfahren, dass unter der blauen Haut der Andorianer dunkelblaues Blut fließt, und wir lernen Shran's Vertraute 'Talas' (Molly Brink, *?) kennen, die wir in der vierten Staffel wiedersehen - bei ihrem Heldentod. Archer vergleicht das Testgebiet der Xindi sehr treffend mit dem irdischen Bikini-Atoll.
Kurz nach dem Haupttitel sitzt T'Pol an ihrem 'Guckkasten' und kommandiert: 'Hart Steuerbord!' Schnitt auf die Außenansicht: Das Schiff dreht - nach Backbord. Peinlicher Fehler in der Übersetzung! Im Originalton (und in den deutschen DVD-Untertiteln) ist es richtig ...
"Dienstrei": Phlox

66. Stratagem ("List")
Kriegslist   EB
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Eigentlich dürfen nur die 'Bösen' clevere und hinterlistige Tricks anwenden. Aber diesmal nicht. Archer macht sich großartig als Mischung aus 'Robin Hood' und 'Thadiun Okona'! (TNG 30.) Die Handlung ist zwar durchaus in sich schlüssig, wirkt aber in der Umsetzung seltsam 'chaotisch'. Archer's 'finaler Streich' erinnert an TNG 138. Zum ersten Mal hören wir den Namen der Xindi-Waffenschmiede: 'Azati Prime'.
67. Harbinger
Der Vorbote   EB
Θ
Diese Geschichte lässt sich in einem einzigen Satz zusammenfassen: Es gibt einen weiteren, noch unbekannten Feind, der noch viel bedrohlicher ist als die Xindi!
Der Rest ist Seifenoper. Trip's Gespielin Amanda, ist für eine Soldatin allzu feminin, sie repräsentiert vielmehr den 'Typ Vollweib', an dem der bedauernswerte Commander Riker immer wieder knapp 'vorbeischrammt'. Und Darstellerin Noa Tishby wirkt auffallend 'reif' für ihre kaum 27 Jahre. Jolene Blalock's brillante Darstellung von T'Pol's Eifersucht ist der Höhepunkt der Episode.
Hinzu kommen einige Ungereimtheiten. Zum einen brüstet sich Malcolm Reed beim Prügeln mit dem Major mit einem 'Klingonen-Griff'. Doch er hat noch nie Klingonen kämpfen sehen, geschweige denn selbst bekämpft! Zum anderen fragt man sich, wieso der Fremde zwar locker durch Wände geht, jedoch nicht durch den Fußboden sinkt. Aber dieses 'Phänomen' sehen wir nicht zum ersten Mal ...
Für Thomas Kopache (der sich auflösende Fremde) ist dies der letzte in einer ganzen Reihe von STAR TREK-Auftritten. Er wirkt in vier Serien und einem Kinofilm mit, unter anderem als Vater von Kira Nerys in "Deep Space Nine".
Wiedersehen mit Major Hayes
68. Doctor's Orders
(auch: "Kommando des Arztes")
Auf ärztliche Anweisung   EB
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Wenig überzeugendes Remake von Voy 93. Wieso stutzt der Doktor nicht, als plötzlich T'Pol auftaucht? Hat er nicht alle in Tiefschlaf versetzt? Und es ist geradezu unglaublich, dass er in all seiner Panik den rüttelnden, schüttelnden Warp-Antrieb in den Griff bekommt! Unter diesen Umständen hätte wohl selbst 'Scotty' so seine Probleme gehabt! Letztlich sorgt vor allem die hohe Qualität der Vorlage aus "Voyager" dafür, dass dieser 'Abklatsch' halbwegs sehenswert bleibt. Auch die Schluss-Szene entschädigt den Kenner für so manche 'Plattheit': Als Phlox schließlich feststellt, dass seine Begleiterin T'Pol auch nur eine Haluzination war, 'hört' man in seiner Mimik förmlich 'Pille' McCoy: 'Dieser verdammte grünblütige Hundesohn...!'
Der groteske Filmausschnitt im Bord-Kino kann hier problemlos gezeigt werden, weil der Filmklassiker "The Court Jester" ("Der Hofnarr") 1955 ebenfalls bei Paramount produziert wurde. Wir sehen eine ausnahmweise gelungene, weil völlig natürliche Nackt-Szene mit Phlox in Ganzkörper-Maske.
Der Originaltitel hat einen Doppelsinn, da das Schiff in dieser Episode unter dem Kommando des Arztes steht. Wir erfahren, dass die "NX−01" sieben Decks (A bis G) besitzt.
Wiedersehen mit Porthos
69. Hatchery
Brutstätte   EB
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Die Vereinnahmung eines Führungsoffiziers durch eine biochemische Vergiftung ist ein viel strapaziertes Thema in SciFi-Werken aller Art, insofern ist diese Story nichts besonderes. Besonders ärgerlich jedoch ist der höchst unrealistische Schluss: Archer kann sich nicht einfach mit Tucker darauf einigen, 'das ganze zu vergessen'. Da Meuterei ein nicht zu entschuldigendes Vergehen ist, müssen vielmehr die Umstände und Hintergründe offengelegt und vor allem die Führungsoffiziere vor der Crew rehabilitiert werden. Sonst könnte ja jeder auf die Idee kommen, seinen Vorgesetzten mal schnell niederzuschießen ...
Regie-Neuling Michael Grossman ist wohl auch nicht eben ein STAR TREK-Kenner, sonst wüsste er, dass die "NX−01" weit davon entfernt ist, 'holografisches Training' zu ermöglichen.
Wesentliche Rolle für Major Hayes (Steven Culp), Wiedersehen mit Porthos
70. Azati Prime (Eigenname des Planeten)
71. Damage ("Havarie", "Schaden")
Azati Prime - Beschädigungen
EB 70     ΘΘΘ               EB 71     ΘΘΘ
Diese Doppelepisode ist ein Wendepunkt in der Gesamthandlung: Die "Enterprise" hat die Waffen-Werft gefunden.
Zwar misslingt die Zerstörung der fast fertigen Waffe, aber dafür eröffnen sich diplomatische Möglichkeiten. Dass der ursprünglich hochintegre Archer zum Piraten werden muss, um seine Friedensmission vollenden zu können, ist kritisch. Vielleicht ist es ein Versuch, uns die 'gräßliche Fratze des Krieges' sichtbar zu machen.
Erneut vollbringt Hoshi Sato einen unglaublichen Geniestreich, der die Generationen später angesiedelte Uhura einigermaßen 'minderbemittelt' aussehen lässt: Nicht nur dass sie die hochkomplexe 'Sprache' der Insektoiden binnen weniger Stunden entschlüsselt und erlernt, sie liefert gleich noch eine effektive Matrix für den Universalübersetzer. (Kein Vergleich zu Uhura's hilflosen Klingonisch-Versuchen in ST 6.
Eben so unglaubwürdig: Der locker abfallende (und ganz einfach wieder anzusteckende) Atemschlauch an T'Pol's Raumanzug wirkt geradzu lächerlich; wir sehen diesen 'Technik-Pfusch' wieder in Ep. 88.
Insgesamt ist die Handlung mit allzu vielen Strängen 'überfrachtet', zum Beispiel wäre die fatale Story um T'Pol's Drogensucht verzichtbar gewesen. Immerhin beschert sie uns eine geniale Kombination aus Mimik und verfremdender (Trick−) Kameraführung. Auch die realistische Darstellung der frischen Hüllenbrüche (inclusive wegtreibender Menschenkörper) ist bemerkenswert.
Die Vertreterin der 'Sphärenbauer' (Josette DiCarlo) begleitet uns bis zum Ende der Staffel. Casey Biggs (der Illyrianer-Captain) ist in bester Erinnerung als cardassianischer Held 'Damar' in "Deep Space Nine".
Wiedersehen mit Porthos

72. The Forgotten
Die Vergessenen   EB
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Eine seltsam geradlinige Episode, in der eigentlich nichts passiert. Außer dass die Handlung in den vorgezeichenten Bahnen weiterläuft. Insofern kann man diese Geschichte noch nicht einmal als 'verzichtbar' bezeichnen. Doch es gibt weder überraschende Wendungen noch besonders sehenswerte Regielösungen. Fast so, als habe 'Geordi'-Darsteller LeVar Burton seine 27. (in Worten: siebenundzwanzigste) STAR TREK-Regie im 'Halbschlaf' hingelegt. Doch es ist wohl eher die große 'Ruhe vor dem Sturm', der in der übernächsten Episode beginnt ...
Es bleibt unklar, wer die 'Vergessenen' sind. Sollte die Geschichte nicht eher 'Die Unvergessenen' heißen?
73.
E²   EB
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Eine Zeitschleifen-Geschichte der besonderen Art: Die "Enterprise" trifft auf sich selbst. Interessant: Die zurückversetzte Besatzung hat es inzwischen geschafft, aus eigener Kraft einen Traktoremitter zu entwickeln.
Am Ende bekommt Archer (und der Zuschauer) von T'Pol eine kleine Lektion in temporaler Logik: Nachdem der Zeitsprung verhindert wurde, hat alles, was damit zusammenhängt, niemals stattgefunden, also kann es auch keine Erinnerung daran geben.
Und endlich erfahren wir, was ein 'Spulenspanner' ist (DS9 88): Es ist eine Fehlübersetzung von 'coil spanner', also ein 'Spulen-(Schrauben−)­Schlüssel'.
Rasanter Showdown im Kampf für den Frieden
74.-75.-76. The Council - Countdown - Zero Hour
Der Rat - Countdown - Stunde Null
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In diesem rasanten, spannenden Dreiteiler wird nicht eine Sendeminute verschenkt; er erreicht schon fast Kinofilm-Niveau (von ST 10 nicht zu sprechen...). Nicht nur aktionsreich, sondern ebenso voller Fantasie und Logik, ist er die nahezu perfekte Mischung für SciFi-Freunde aller Art ...
Dramaturgisch besonders effektiv ist die Entführung von Hoshi Sato. Obwohl ihre Folterung durch die Reptilianer ziemlich 'starker Tobak' ist, kommt sie stimmig und glaubwürdig herüber. Die brillante Leidensmaske, die Linda Park glatt dreißig Jahre älter aussehen lässt, tut ein übriges. Major Hayes opfert sein Leben für die Rettung von Hoshi, ein glänzender Abgang für diesen eher fragwürdigen Charakter ...
Leider kommt es dann doch zu Unstimmigkeiten: Hayes wird deutlich zu spät getroffen, er schwebt bereits aufgelöst im Beamstrahl, als ihn der tödliche Schuss erreicht. Das widerspricht jeder anderen Darstellung, die wir von solchen Situationen kennen. Im Pilotfilm, als zum ersten Mal überhaupt ein Mensch gebeamt wird, geht das Waffenfeuer wirkungslos durch Archer's sich auslösenden Körper hindurch. Viele andere Darstellungen in den Serien und Filmen verlaufen entsprechend. In TNG 62 sehen wir einen noch weiter gehenden Effekt: Beim Mordanschlag auf Will Riker prallt das Phaserfeuer vom eben entstehenden Beamstrahl ab und findet ein anderes Ziel ... Als Archer die Zerstörung der Xindi-Waffe einleitet, muss er dazu 'Leuchtstäbe' in einer bestimmten Reihenfolge umdrehen, die dann die Farbe ändern... Das ist hanebüchener Unsinn und dabei noch nicht einmal besonders dramatisch oder spannend !
Das rettende Eingreifen der Andorianer unter Commander Shran ist nicht glaubwürdig, denn bei ihrer letzten Begegnung in in Ep. 65 haben sich Shran und Archer als Feinde getrennt. Aber vielleicht ist Shran klargeworden, dass Archer in Begriff ist, nicht nur die Menschheit, sondern das gesamte Universum zu retten ...
Fünfter und finaler Auftritt von Major Hayes in 75, in allen drei Episoden dabei: Porthos.
Dass sich die "NX−01" nach vollbrachter Tat im Zweiten Weltkrieg wiederfindet, schafft Spannung für Amerika's STAR TREK-müdes Publikum, denn im Verlauf der dritten Staffel sind die Einschaltquoten in's Bodenlose gefallen, der Bestand der Serie steht in Frage.
Was die Besatzung noch nicht weiß: Auch der totgeglaubte Captain hat es in's 20. Jahrhundert geschafft, er kommt schwer verletzt in ein Lararett unter der Hakenkreuzflagge. Doch da ist noch jemand anders ...