Rückkehr in die ‚normale‘ Welt

Rechtzeitig für die „Enterprise“ - zu spät für STAR TREK

Zu spät kehrt sich die Serie von der quotenfeindlichen Militanz ab, die Einstellung nach nur vier Staffeln ist nicht mehr abzuwenden und markiert das Aus für STAR TREK insgesamt. Immerhin erwartet uns in dieser allerletzten Staffel noch eine Reihe bemerkenswerter Episoden, die nicht nur an das beste aus den ersten beiden "Enterprise"-Staffeln anknüpfen, sondern auch viele Bezüge zu den früheren Serien und den eigentlichen STAR TREK-Traditionen herstellen. Doch bevor die Besatzung zur Ruhe kommen kann, ist noch ein letzter Kampf auszufechten: Die "Enterprise" hat einen Zeitsprung erlitten und befindet sich mitten im Zweiten Weltkrieg. In einem fiktiven Kriegsverlauf hat die deutsche Wehrmacht wichtige Zentren im Nordosten der USA besetzt, und über dem Weißen Haus weht die Hakenkreuzfahne. Das ist der dringend benötigte 'Paukenschlag', der Amerikas STAR TREK-müdes Fernsehpublikum wachrütteln soll.
Mit polarisierter Hüllenpanzerung gegen die Wehrmacht
77.-78. Stormfront
Sturmfront   EB 77   EB 78
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Ein weiteres Mal wird die ungeheure Gefahr von Zeitreisen beschworen, sie führt hier sogar zu einem 'temporalen Krieg', der am Ende die Zeit selbst zu vernichten droht(??). Dabei ist auch eine Szene gedreht worden, die auf das Science Fiction-Verständnis der 1940er Jahre Bezug nimmt, jedoch vor der Erstausstrahlung geschnitten wurde: Archer diskutiert mit einem der 'Widerständler' das Hörspiel "Krieg der Welten" von Orson Wells, das bei seiner Ausstrahlung 1938 eine Panik unter der Bevölkerung verursacht hatte.
Die bei den Zuschauern eher unbeliebte U.S. Army wird in dieser Fiktion kaum am Rande erwähnt, statt dessen brilliert der 'amerikanische Widerstand'. Doch auch er bleibt nicht ganz ohne Seitenhieb: Man lässt durchblicken, dass sich diese Untergrund-Helden im wesentlichen aus der organisierten Kriminalität der Vorkriegszeit rekrutieren.
Ganz ähnlich wie in ST 8 kommt wieder eine negride Frau aus der Vergangenheit an Bord. Das Beamen von Menschen ist inzwischen Standard, von Problemen (noch) keine Spur (vergleiche Ep. 86). Die Crew weiß nicht, dass Archer sein Husarenstück in der vorigen Episode überlebt hat und dieser wiederum hat keine Ahnung vom Verbleib der "Enterprise". So gibt es von vornherein zwei Handlungsfäden, die erst gegen Ende des ersten Teiles zusammenlaufen.
Der Luftkampf über der City von New York zwischen der "Enterprise" und den deutschen Sturzkampfbombern ist ein Juwel der Tricktechnik. Insgesamt sehen wir in dieser Doppelepisode mehr gute Science Fiction als in so manchem Kinofilm ...
Kleiner Regiefehler zu Beginn des zweiten Teils: Der fiktive Wochenschau-Film 'News On Parade' zeigt die (aus heutiger Sicht) typischen Alterungsspuren. Das passt nicht, denn wir schreiben das Jahr 1944, und da ist dieser Film 'brandneu'. Bei der Produktion sind teilweise authentische Hitler-Aufnahmen (zum Beispiel aus dem besetzten Paris) in amerikanische Hintergründe montiert worden. Ein weit größerer Fehler folgt beim Zeitlinienverlauf: Während es im ersten Teil heißt, dass die Russen sich anschicken 'Moskau zurückzuerobern', erfahren wir im zweiten Teil, dass es in dieser Zeitlinie keine Sowjetunion und folglich auch keinen Krieg zwischen Nazideutschland und Russland gab ...
In der Schluss-Sequenz um die wieder hergestellten Zeitlinie sehen wir einen Hintergrund voller realer und fiktiver historischer Ereignisse: Nach den Auftritten vieler bekannter historischer Persönlichkeiten (u.a. mehrere US-Präsidenten) klafft ein Lücke von über hundert Jahren, hin zu Archer's allererster Shuttlereise aus dem Pilotfilm.
Es ist unglaubwürdig, dass die mit den Nazis verbündeten Zeit-Marodeure mit ihrem auffälligen Äußeren ganz offen, uniformiert als Wehrmachtsoffiziere oder SS−Führer, in den deutschen Dienststellen herumspazieren und nicht nur von hohen Offizieren, sondern auch von einer Vielzahl gewöhnlicher Soldaten gesehen werden.
Die Umsetzung zeigt eine Reihe von Parallelen zu Voy 86−87. J. Paul Boehmer, hier in seiner letzten STAR TREK-Rolle als SS−Mann, der von 'Betty Grable' schwärmt, sehen wir auch dort als fanatischen SS−Offizier; außerdem hat er die Titelrolle in Voy 96 und mehrere Nebenrollen. Der außerirdische 'Oberleutnant Grath' (Tom Wright) ist identisch mit 'Tuvix' aus der gleichnamigen Episode Voy 40. Zwei permanente Nebencharaktere, die die Serie seit der ersten Staffel begleiten, haben ebenfalls ihren letzten STAR TREK-Auftritt, sie kommen in dieser Doppelepisode zu Tode: Der Zeitreisende 'Daniels' (Matt Winston) und der Suliban 'Silik' (John Fleck).
Kurzauftritt von Porthos in 77

79. Home
Zuhause   EB
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Bei der Heimkehr der "Enterprise" am Ende der vorigen Episode ist sie von einer Vielzahl von Schiffen begrüßt worden, unter anderem von einem Schiff der 'NX'−Klasse. Nun jedoch sehen wir, dass die "Columbia" noch im Raumdock liegt, und ein drittes 'NX'−Schiff gibt es bisher nicht(?). Zum ersten Mal sehen wir Archer's vertraute Kollegin, "Columbia"-Captain Erika Hernandez (Ada Maris, * 1957).
Vergleicht man die im Raumdock liegende "Columbia" mit der Darstellung der baugleichen "Enterprise" im Pilotfilm, so zeigen sich erstaunliche Fortschritte der Tricktechnik ...
Während sich die Besatzung auf der Erde, trotz aller begeisterter Verehrung (es gibt inzwischen mehr Schulen mit dem Namen 'Jonathan Archer', als 'Zefram Cochrane'-Schulen), einem nur allzu realistischen Klima von Argwohn, Ignoranz und Fremdenhass gegenüber sieht, scheinen auf Vulkan recht merkwürdige Dinge zu geschehen; auf jeden Fall ist dieses Gemeinwesen völlig anders als die bisher gezeigte Heimatwelt von Mr. Spock.
Die bereits 59−jährige Joanna Cassidy gibt einen brillanten Einstand als T'Pol's Mutter 'T'Les'. Dieser Handlungsfaden wird in Ep. 84 wieder aufgegriffen und zu Ende geführt.
Es ist kaum zu vermeiden, dass die Heimkehr-Episode mehr oder weniger 'seifenoprig' gerät, denn nach dem Überwinden der gewaltigen Xindi-Bedrohung müssen die Konfliktfelder neu ausgerichtet werden; der Richtungswechsel ist auch hier so gewaltig, dass es wieder etwas von einem neuen Pilotfilm hat (vergleiche Ep. 52).

80.-81.-82. Borderland ("Randgebiet")
Cold Station 12 ("Kältestation 12")
The Augments ("Die Vergrößerungen" [Verbesserungen])
Borderland - Cold Station 12 - Die Augments
(DVD-Version: Grenzgebiet - ... - ...)
EB 80     ΘΘΘΘΘ               EB 81     ΘΘΘΘΘ               EB 82     ΘΘΘΘΘ
Endlich darf die "Enterprise" wieder starten. T 'Pol ist nun Commander der Sternenflotte, der Captain überreicht ihr als Begrüßungsgeschenk einen antiken Kompass, der dummerweise auch nach dem auf dem Verlassen der Erde prompt funktioniert ...
Dieser aktionsreiche Dreierpack bringt uns zum ersten Mal in "Enterprise" ein Wiedersehen mit einem früheren Hauptdarsteller: Brent Spiner (der Android 'Data' in "The Next Generation") ist hier 'Dr. Arik Soong', ein Vorfahre von Data's Erbauer. Wir erleben eine logische 'Gratwanderung' im Bezug auf die Ereignisse in Classic 24 (22). (Die 'Eugenischen Kriege' und 'Khan' Noonien* Singh werden hier nur erwähnt, in DS9 114 waren sie auf das späte 22. Jahrhundert umdatiert worden, hätten also demnach noch gar nicht stattgefunden ...)
Diesmal wird das Thema 'Genmanipulation' wesentlich brutaler behandelt als in TNG 33. Das Ergebnis ist hier wie dort eine eindringliche Warnung. Ein besonderer Geniestreich ist die Figur den 'unterentwickelten' Udar (Kaj−Erik Eriksen). Seine Unterdrückung und letztliche Ermordung führt uns drastisch vor Augen, wie unerhört dekadent diese 'Übermenschen' sind. Zugleich stellen die STAR TREK-Macher sicher, dass ihre Augment-Fiktion nicht als 'verherrlichend' missverstanden werden kann. Denn ein jedes Gemeinwesen ist nur so stark, wie es seine Schwachen behandelt! Folgerichtig sieht am Ende der Tod des Augment-Führers 'Malik' (Alec Newman) ganz ähnlich aus wie das Ende des 'Khan' im zweiten Kinofilm; Kenner sehen sogar Bezüge zu dem thematisch ähnlich gelagerten "007"-Thriller "Moonraker" von 1979. Archer's Rettung durch einen Sprung in den freien Weltraum ist so unglaublich, dass es schon wieder cool ist. Kurz darauf überlistet er ein klingonisches Patrouillenschiff mit Hoshi's Universalübersetzer. Ein Mal mehr fragt man sich, wieso 140 Jahre später Uhura an der gleichen Aufgabe scheitert (ST 6). Am Ende merkt Dr. Soong an, dass die Entwicklung einer kybernetischen Lebensform ein bis zwei Generationen dauern würde. Er verschätzt sich gewaltig: Zwischen dieser Handlung und der Konstruktion von Data liegen volle 180 Jahre, also eher vier bis sechs Generationen.
J.G. Hertzler liefert als Klingonen-Captain den letzten seiner dreißig(!) STAR TREK-Auftritte; wir kennen ihn vor allem als 'Martok' in "Deep Space Nine". Der 2,16 m große Wrestlingstar Tom Wight tritt unter seinem 'Kampfnamen' Big Show auf.

Erneuerung auf Vulkan
Was Vulkanier von Menschen lernen
83.-84.-85. The Forge ("Der Glühofen", [geografischer Name] )
Awakening ("Erwachen")
Kir'Shara (Eigenname, 'Heilige Schrift' der Vulkanier)
Der Anschlag - Zeit des Erwachens - Kir'Shara
(DVD-Version: The Forge - Erwachen - ...)
EB 83     ΘΘΘΘΘ               EB 84     ΘΘΘΘ               EB 85     ΘΘΘΘ Λ
Erneut benötigt man einen Dreiteiler, um eine völlig andere, überaus brennende Frage erschöpfend zu klären:
Wie wurden die Vulkanier zu dem, was sie sind?
Schließlich wissen wir nicht erst seit Ep. 79, dass auf Vulkan etwas 'faul' ist. Bekanntlich sehen die Vulkanier ihre Wurzeln in den Lehren des Philosophen 'Surak', der uns (als 'Kopie') in Classic 77 begegnet ist. Wenn nun eine oppositionelle Gruppe als 'Anhänger einer verfälschten Lehre' bezeichnet wird, dann riecht das nach 'Hexenjagd'.
Und plötzlich taucht, zur großen Überraschung des kundigen Zuschauers, eine junge 'Terroristin' mit dem Namen 'T'Pau' auf. Sie ist uns gut bekannt aus Classic 34 (30), dort ist sie eine betagte, eigenwillige Persönlichkeit von höchstem Rang; selbst Kirk ist von ihrer bloßen Anwesenheit tief beeindruckt. Und der 'Doktor' der "Voyager" erzeugt sogar ein T 'Pau-Hologramm, um mit der historischen Persönlichkeit interagieren zu können... Danach ist der weitere Verlauf absehbar.
Doch die geistige Revolution auf Vulkan ist schlüssig und spannend in Szene gesetzt worden. 'Nebenbei' kann kann die "Enterprise" unter dem Kommando von 'Trip' Tucker noch die stets schwierige Zusammenarbeit mit den Andorianern festigen. Unerwartet, aber nicht wirklich überraschend, erfahren wir am Ende, dass das vulkanische Oberkommando von Romulanern unterwandert war.
In der deutschen Version trägt der korrupte Administrator V'Las (Robert Foxworth) die markante Stimme von Roger Moore-Stamm-Sprecher Niels Clausnitzer. In einer Nebenrolle sehen wir wieder einmal John Rubinstein, vergleiche Ep. 23.
In 83 Heldentod für Adm. Forrest (vgl. Ep. 94−95), in 85 Wiedersehen mit Shran, "dienstfrei" in 84: Dr. Phlox

86. Daedalus
(Eigenname, mythologische Gestalt)
Daedalus   EB
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Nach aktionsreichen Ereignissen von weitreichender Bedeutung, sehen wir nun eine ruhige, aber nicht weniger tragische Episode. Wir lernen den alten 'Emory Erickson' (Bill Cobbs) kennen, den Konstrukteur des Transportersystems, und wir erfahren, dass er mit Zefram Cochrane gearbeitet hat und sich bisweilen sogar als Konkurrent verstand (Ferntransport als Alternative zum Warpantrieb). Allerdings ist er damit gescheitert und versucht nun, seinen damaligen Fehler mit einem noch größeren Fehler zu korrigieren ...
Vielleicht zum ersten Mal überhaupt in STAR TREK wird der Name einer antiken Sagengestalt so benutzt, dass der Bezug nachvollziehbar ist: Der Vordenker und Erfinder Daedalus wollte den Menschen das Fliegen ermöglichen und verlor dabei seinen Sohn Ikarus, als sich dieser bei einem Experiment zu weit vor wagte.
Auftritt von Porthos
"Fast dienstfrei": Hoshi Sato und Travis Mayweather sind für kaum eine Sekunde im Bild, sie haben keinerlei Text. Dafür spielen sie in der folgenden Episode zentrale Rollen:
87. Observer Effect
Beobachtungseffekt   EB
(DVD-Version: Observer Effekt)
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Natürlich bemerken wir sofort, dass dieser 'Reed' und dieser 'Mayweather' nicht sie selbst sind. Was folgt, ist die alte Geschichte um humanistische Werte als Gradmesser des kulturellen Entwicklungsstandes (vergleiche Classic 63 (67)). Doch die Umsetzung ist diesmal überaus spannend, ja dramatisch. Allerdings, dass am Ende sogar noch die um Jahrtausende fortgeschrittenen 'Beobachter' vom Planeten 'Organia' eine Lektion in Mitgefühl und Nächstenliebe mitnehmen können, ist etwas 'sehr dick aufgetragen'. Außerdem: Wie ist das mit dem Erstkontakt in den nächsten 5000 Jahren? Bereits 112 Jahre später wissen die Föderation und auch die Klingonen von Organia, auch wenn weder die einen noch die anderen etwas vom tatsächlichen Wesen der Organier ahnen. Und: Die 'Classic'-Organier benötigen keine Wirtskörper! (Vergleiche Classic 27 (26).)
Auf der "NX−01" spielt man noch das klassische Schach, 3D−Schach, wie es ab Classic 2 (3) gezeigt wird, ist noch nicht erfunden. Nebenbei erfahren wir, dass Hoshi von der Akademie geflogen ist und eigentlich 'auf Bewährung' auf der "Enterprise" dient, weil sie für Archer unverzichtbar ist. Da kommt ein 'Hauch von Tom Paris' in's Spiel, der nicht sehr glaubwürdig wirkt.
88.-89.-90. Babel One ("Babel Eins")
United
The Aenar (Eigenname)
Babel - Vereinigt - Die Aenar
(DVD-Version: Babel One - ... - ...)
EB 88     ΘΘΘΘΘ               EB 89     ΘΘΘ               EB 90     ΘΘΘ
Dieser furiose Dreiteiler hat zunächst einen engen Bezug zu Classic 44 (39), denn auch dort geht es - mehr als hundert Jahre später - um den schier endlosen Konflikt zwischen den verfeindeten Völkern von Tellar und Andoria. Die Masken sind wesentlich verbessert worden: 1967 haben die Andorianer starre 'Antennen', die Tellariten grobe Gummimasken mit versenkten Augen und 'Schweinsnasen'. Als der Captain deren ewig destruktives Gezänk an Trip Tucker 'ausprobiert', hat Jolene Blalock sichtlich Mühe, die starre T'Pol-Mimik durchzuhalten und nicht in Gelächter auszubrechen.
Die "Columbia" von Cpt. Hernandes liegt mit Antriebsproblemen im "Trockendock"(??) - auch im Originaldialog! Ein seltsamer Ort für ein Raumschiff! Und wieso ist der nahezu tödlich verstrahlte Cmr. Tucker schon Sekunden nach seiner Rettung wieder topfit? Dem aufmerksamen Zuschauer entgeht auch nicht, dass der Eiszapfen, der Shran's Bein durchbohrt, zwar an der Oberseite mit blauem Blut benetzt ist, jedoch nach dem Herausziehen an der Unterseite sauber zum Vorschein kommt.
Zum zweiten Mal (nach Ep. 71) erleben wir, wie leicht die Atemschläuche von den Druckanzügen abfallen. Und sich fast eben so leicht wieder anstecken lassen. Das ist lächerlich! Shran's deutscher Sprecher Udo Schenk verwechselt 'Psychologie' und 'Physiologie', ganz ähnlich wie Bodo Wolf (als 'Odo') in DS9 98.
Mehr als überraschend ist die 'formale Scheidung' von T 'Pol nach nur drei Ehemonaten.
Wir erfahren, dass die Heimatwelt der Andorianer in ewigem Eis liegt und dass es auf Andoria eine blinde, hoch-empathische Rasse gibt: Die weißhäutigen Aenar. Fragwürdig ist, wie es die Aenar-Alten schaffen, allen drei 'Eiswanderen' den Ausgang zur Oberfläche zu verbergen, denn Jhamel, Shran und Archer haben völlig unterschiedliche Wege der Wahrnehmung.
Erneut scheinen der Besatzung der "NX−01" holografische Projektionen durchaus geläufig. Merkwürdig, dass dieses Wissen ein Jahrhundert später, in der Classic-Serie 'vergessen' scheint.
Obwohl wir schon im ersten Teil erfahren, dass die ferngesteuerte, formwandelnde Kampfdrohne eine weitere abgefeimte Schurkerei der Romulaner ist, bleibt der weitere Verlauf voller spannender Überraschungen. Die 'Bodygards' des romulanischen Senators sind 'Remaner' (vergleiche ST 10).
Den älteren romulanischen Wissenschaftler 'Nijil' (J. Michael Flynn) kennen wir aus Kleinrollen in Ep. 23 und TNG 59. Der militante 'Admiral Valdore' (Brian Thompson) hat größere Alien-Rollen in ST 7, DS9 27 und DS9 96 (95), er ist auch Commander Riker's klingonischer Prügel-Gegner 'Klag' in TNG 34. Noch populärer wurde er mit seiner permanenten Rolle in "The X Files"*, wo er -ebenfalls- einen Alien spielt.
Archer's "Antennen-Hieb" gegen Shran (89) ist ein dramaturgischer Geniestreich!
Wiedersehen mit Shran und seiner Gefährtin Talas, die einen dramatischen Heldentod erleidet; Auftritt von Porthos in 88


91.-92. Affliction ("Bedrängnis")
Divergence
Die Heimsuchung - Die Abweichung
(DVD-Version: Leid - Divergenz)
EB 91     ΘΘΘ               EB 92     ΘΘΘΘΘ
Die Episode steht von Anfang an unter dem Zeichen turbulenter Action. Der Paukenschlag: Es erscheinen 'neue' Klingonen, die völlig ungewohnt aussehen: Sie gleichen denen, die wir aus der Classic-Serie kennen. Endlich erfahren wir, was die Klingonen für mehrere Generationen entstellt hat (vergleiche DS9 103 (104)). Wir erfahren, dass es 2154 bei den Klingonen noch eine Kasten-Rangordnung gibt.
Das Umsteigen von Tucker bei Warp 5 ist dramaturgisch wie tricktechnisch ein Meisterstück! Und wenn der Zuschauer glaubt, es wäre geschafft, geht die Action erst richtig los. Weiterer großartiger Trickeffekt: Dem Captain wächst binnen Sekunden ein Klingonen-Stirnkamm. Beinahe Nebensache: Auch das Klingon-Targ ist nun ein Spezialeffent, und kein maskiertes Wildschwein wie in TNG 6.
Zwischen dem klingonischen General K'Vagh und Worf besteht kein Zusammenhang, ihre Ähnlichkeit ist Zufall. Weniger zufällig ist sicher das 'Weiße Nichts', in dem sich T'Pol und Trip in ihrer Meditation begegnen, wir kennen es aus "Deep Space Nine" von Ben Sisko's Begegnungen mit den 'Wurmloch-Wesen', und auch 'Q' empfängt den frisch gestorbenen Picard in dieser Umgebung (TNG 141).
Die Steuerfrau der "Columbia" wird mit 'Lieutenant' angesprochen (auch im Original!), trägt jedoch das Rangabzeichen eines Ensign (Fähnrich). Die pulsierenden 'Warp-Lauflichter' auf der "Columbia"-Brücke sind maßlos übertrieben. Lächerlich! Eben so unsinnig ist die Darstellung, dass der Computervirus auf den Monitoren der "Enterprise" klingonische Schriftzeichen aufblitzen lässt, derart stümperhaft würde kein Programmierer arbeiten.
Der finstere Geheimdienstler 'Harris' erscheint wieder in der Doppelepisode 96-97; Darsteller Eric Pierpoint (*1950) haben wir bereits vier Mal gesehen, in je einer Kleinrolle in TNG, DS9, Voy und Ent. Der klingonische Arzt 'Antaak' (John Schuck, *1940) ist u.a. identisch mit dem aggressiven klingonischen Botschafter im vierten und sechsten Kinofilm. Zu Beginn sehen wir kurz Marc Worden, wir kennen ihn als erwachsenen 'Alexander Roshenko' (Sohn von Worf) aus DS9 126 (127) und DS9 131. Hier gibt er den klingonischen Gefangenen, der in einem Test geopfert wird.
Wiedersehen mit Captain Hernandes, erster Auftritt des jungen Chefingenieurs 'Kelby' (Derek Magyar)
Kurzes Wiedersehen mit Porthos in 92.


93. Bound (auch: "Gebunden")
Verbindung   EB
(DVD-Version: Bound)
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Zum ersten Mal seit fast 40 Jahren lassen rigelianische Sklavinnen wieder ihre legendären Verführungskünste spüren, denen in "The Cage" auch Captain Pike ausgesetzt ist. Schaurig seltsam, wie aus der einzelnen Tänzerin plötzlich drei werden (unvergleichlich bei ihrem vierten und letzten STAR TREK-Auftritt: Ex-"Pussycat Doll" Cyia Batten, wir kennen sie als erste Besetzung der Halb-Cardassianerin 'Tora Ziyal' in DS9 77 und DS9 86, sowie als zentralen Gastcharakter 'Irina' in Voy 149. Daneben sehen wir William Lucking (Orion-Pirat 'Harrad-Sar') wieder, er hat eine Nebenrolle als Bajoraner in mehreren "Deep Space Nine"-Episoden.
Die Handlung ist aktionsreich und auch von dezentem Horror, aber zu vorhersehbar, um spannend zu werden.
Es wäre ja auch allzu einfach gewesen, das Problem effenktiv zu lösen, indem man die Reiz-versprühenden Orion-Grünheiten auf der Krankenstation in Quarantäne steckt, statt in die Arrestzelle.
Der eifersüchtige Chefingenieur Kelby trägt das Abzeichen eines Commander, wird jedoch mit 'Lieutenant' angesprochen. In einem Bezug zur Classic-Serie werden die 'Gorn' erwähnt, vergleiche Classic 19 (18).
Als Ende die Gefahr gebannt ist, erfahren wir den wesentlichen Unterschied zwischen den Menschen und den Rigelianern: Im Rigel-System sind die Männer Sklaven der Frauen. Auf der Erde auch.
Nur: Rigelianische Männer wissen es ....
Totalitäre Gewalt - Nur im ‚Parallel-Universum‘ ?
94.-95. In A Mirror, Darkly ("In einem Spiegel, dunkel")
Die dunkle Seite des Spiegels   EB 94   EB 95
(DVD-Version: Im finsteren Spiegel)
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2063, Bozeman in Zentral-Montana: Es werden bekannte Szenen aus ST 8 gezeigt. Doch dieser Erstkontakt verläuft völlig anders. Wir befinden uns im Parallel-Universum, dem Captain Kirk in Classic 39 (33) unfreiwillig einen Besuch abstattet. (Vergleiche auch DS9 43, DS9 66 (65) und DS9 92.) Die Situation gibt Vaughn Armstrong die Möglichkeit, noch einmal seine Rolle als 'Maximilian Forrest' aufzunehmen. Denn 'Anti-Forrest' ist nicht beim Schutz des vulkanischen Botschafters gestorben, er ist Captain der Anti-"Enterprise", Archer nur Erster Offizier.
Wehe dem Zuschauer, der ausgerechnet hier den "Erstkontakt" mit STAR TREK erlebt. Denn was nun folgt, ist der perfekte Aberwitz. Die Vorstellung von einem absolut bösartigen Führer-Imperium voller Gewalt und Korruption ist derart überspitzt dargestellt, dass es beim Zuschauer ähnliche Beklemmungen hervorruft wie TNG 63. Das steigert sich bis zum völligen ad absurdum, als die imperiale Macht am Ende durch Hoshi Sato(!) übernommen wird. Die dafür auch nichts weiter tun muss, als sich skrupellos durch die Machtpositionen zu prostituieren und schließlich ihren Vorgänger zu ermorden.
Als einzige einigermaßen sie selbst sind T'Pol und Soval; offenbar eine Besonderheit der vulkanischen Natur, denn auch in Classic 39 (33) wird 'Anti-Spock' als Ehrenmann dargestellt. Und die Episode liefert eine Vielzahl weiterer Bezüge zur Classic-Serie, die das Herz des STAR TREK-Liebhabers höher schlagen lassen, trotz des negativen Hintergrunds. So sehen wir das Volk der Tholianer wieder, diesmal sogar aus der Nähe. Und die alte "Defiant" (NCC−1764), die in Classic 64 in einer Raum-Zeit-Spalte verschwindet, taucht nun hier, ein Jahrhundert früher, im Paralleluniversum auf, um Anti-Archer als die Superwaffe aus der Zukunft in die Hände zu fallen. (Sie ist baugleich mit Kirk's "Enterprise" und nicht zu verwechseln mit der neuen "Defiant" (NX−74205) aus "Deep Space Nine".) Dass Archer und seine Leute die an Bord vorgefundenen Uniformen des 22. Jahrhunderts tragen ('Anti-Archer' erscheint im altbekannten Kostüm von Captain Kirk), verstärkt noch das Unheimliche dieser Horrorvision. Doch der bisherige Besitzer der "Defiant" gibt nicht so leicht auf: Es ist ein Gorn, und er sieht er wesentlich 'lebendiger' aus als sein Vorbild in Classic 19 (18). Auch die Tholianer agieren unerhört flink, in der Classic-Serie benötigen sie endlose Minuten, um ihr Verteidigungsnetz zu vollenden.
Die NX−02, das Schwesterschiff der "Enterprise", heißt hier nicht "Columbia", sondern "Avenger" ("Rächer") ...
Dem Computer der "Defiant" fehlt das typische Relais-Rattern, das in der Classic-Serie jede Eingabe von Mr. Spock bestätigt. Vielmehr haben seine Terminals Monitor-Bildschirme nach der Art heutiger PCs, so etwas gibt es zu Kirk's Zeiten eigentlich nicht. In der Datenbank ist vermerkt, dass die 'echte' Hoshi mit Ende Dreißig die Matrix des Universalübersetzers geschaffen hat; doch diese ist auf der "Enterprise" längst in Betrieb.. und Darstellerin Linda Park ist eben erst Mitte Zwanzig.
Es ist fragwürdig, wie die es Anti-Archer's Besatzung schafft, diese aus ihrer Sicht extrem futuristische Technologie unter Kontrolle zu bringen, um so mehr, da sie die "Defiant" teilweise zerlegt vorgefunden haben. Als man versucht, das angedockte Schiff loszurütteln, verkündet Archer: "Ich feuere auf die Achtertriebwerke!" Selbstverstümmelung? Mitnichten: Böser Synchronfehler. Es heißt: "Ich zünde die Achtertriebwerke!"
Zum Höhepunkt des Wahnsinns gerät die 'Führerrede' von 'Anti-Archer', die allerdings bereits vor der Erstausstrahlung entschärft worden ist, indem man den 'härtesten' Teil herausschnitt (enthalten im Bonusmaterial der DVD-Version). Für die weitere "Weichspülung" sorgt der deutsche Sprecher Gudo Hoegel: Im Originalton wird schaurig deutlich, das Scott Bakula für diesen Part die hinterhältige Redeweise des ehemaligen deutschen Möchtergern-"Führers" studiert hat... Extra-Biss am Rande: 'Anti-Porthos' ist ein höchst aggressiver Dobermann.
Die Eingangssequenz mit dem Erstkontakt 'der anderen Art' stammt zum größten Teil direkt aus dem achten Kinofilm (die Hauptakteure James Cromwell* und Cully Fredricksen* haben freundlich die Einwilligung zu dieser 'Verfälschung' ihrer Rollen gegeben), die Kulisse des gelandeten Vulkanier-Schiffes hatte im Fundus die Jahre überdauert. Auch einige Brückenteile der "Defiant" sind aus früheren Episoden 'recycled': TNG 130 und DS9 103 (104).
Das ganze ist eine eindringliche Warnung vor dem Verlust demokratischer Werte und steht somit in bester Tradition. So manchem 'guten Amerikaner' dürfte dabei die Erinnerung an den großen Chaplin ein flaues Gefühl verursachen, der seinerzeit wegen seines Filmes "Der große Diktator" aus den USA ausgewiesen wurde, weil er zwar Hitler angriff, aber zugleich die amerikanische Realität nicht deutlich von der Kritik ausschloss ...

96.-97. Demons - Terra Prime (hier sinngemäß: "Erde über alles")
Dämonen - Terra Prime
EB 96     ΘΘ               EB 97     ΘΘΘ
Wir sind zurück aus dem Paralleluniversum, aber der Horror reißt nicht ab: Auf der Erde hat sich eine Gruppe fanatischer Isolationisten gebildet, die alle Nicht-Menschen aus dem Sonnensystem vertreiben wollen. In der Folge dauert es weitere sechs Jahre bis endlich die Föderation zustande kommt (Ep. 98). Bis dahin haben die Menschen noch einen Konflikt mit den Romulanern, der um 2160 mit dem 'Vertrag von Algeron' und der Einführung der 'Neutralen Zone' endet (vergleiche Classic 9 (14)).
Mitte des 22. Jahrhunderts sind Mond und Mars bereits seit längerer Zeit besiedelt (seit 2103, vergleiche Voy 20 (17)). Wir sehen auf dem Mars den Landplatz der ersten wirklich erfolgreichen Marserkundung von 1997, der noch im selben Jahr dem amerikanischen Raumfahrt-Visionär Carl Sagan (1934−1996) gewidmet wurde.
Natürlich ist es bereits aus heutiger Sicht Unsinn, dass eine Frau, die nie schwanger war, keinen (biologischen) Nachkommen haben kann. Fragwürdig ist auch, woher plötzlich diese Unzahl von Kometen kommt (14 in nur 30 Monaten!), die die Marskolonien bedrohen. Und wie ist es möglich, dass die gesamte lunare Bergbau-Anlage sich in ein Warp-Schiff verwandeln kann, ohne dass die Behörden davon wissen? Sie wurde mindestens ein Jahrzehnt vor der "Enterprise NX−01" konstruiert, und frühere Flüge wären mit Sicherheit nicht verborgen geblieben.
In der deutschen Version erzählt Travis Mayweather, dass er seine Ausbildung von dem berühmten Testpiloten Chuck Yeager erhalten hat. Das ist natürlich ein unsinniger Synchronfehler: Yeager war 24 Jahre alt, als ihm 1947 der historische Durchbruch durch die Schallmauer gelang. Im Original bekundet Travis lediglich seine Hochachtung für den historischen Helden.
Fähnrich Sato(!) zeigt als amtierender Captain eine beeindruckende Führungsstärke. (Da hat später Dr. Crusher deutlich mehr Probleme. Obwohl sie (zumindest 'auf dem Papier') dafür qualifiziert ist, vergleiche TNG 153.) T'Pol's unbeholfener Umgang mit dem Baby ist ebenso brillant in Szene gesetzt, wie Travis' turbulente Shuttle-Notlandung.
Als Isolationistenführer 'Paxton' brilliert "Robocop"-Darsteller Peter Weller, wir sehen ihn wieder im zwölften Kinofilm. Harry Groener ('Nathan Samuels') kennen wir u.a. aus seiner Hauptrolle in TNG 68.
Minimalauftritt von Porthos in 97

"Terra Prime" bildet das logische Ende der Serie. Es folgt die Schlussepisode 98, die jedoch nur wenig Bezug zum bisherigen Verlauf dieser Serie hat. Sie soll einen Gesamt-Abschluss bilden für die Reisen in vierzig Jahren STAR TREK. Die 'Randglossen' dazu befinden sich auf der Seite