Späte Rache der Eugeniker

STAR TREK II: The Wrath Of Khan
STAR TREK II - Der Zorn des Khan
4. Juni 1982   FB
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Dies ist die Fortschreibung von Classic 24 (22), einer der gelungensten Episoden der Classic-Serie.

Der zweite Kinofilm ist ein Werk allererster Klasse. Da verzeiht der Zuschauer sogar den Lapsus bei der Begegnung zwischen dem 'Khan' und Pavel Chekov: Beide erkennen einander sofort wieder, obwohl sie sich nie begegnet sind. Denn Chekov ist erst zu Beginn der zweiten Staffel auf die "Enterprise" gekommen, in der Ausgangsepisode ist er noch gar nicht an Bord. Und Khan's Verbannung liegt nicht fünfzehn, sondern bereits achtzehn Jahre zurück. Paramount reagiert darauf später mit der 'Festlegung', dass Chekov bereits 2063, also drei Jahre vor dem Beginn der Serie, als Kadett(!), unter Kirk auf der "Enterprise" gedient hat. (Allerdings, zu dieser Zeit hatte Kirk das Schiff noch gar nicht ...) Wie auch immer: Pavel ist während des ersten 'Khan'-Zwischenfalls sehr wohl an Bord gewesen, wir haben ihn nur nicht gesehen ...
Die Handlung des zweiten Kinofilms ist etwa zehn Jahre nach ST 1 angesiedelt, das gibt den Hauptcharakteren Gelegenheit, das reale Alter ihrer Darsteller wieder einzuholen. James Kirk ist nun 52 und damit sogar etwas älter als Darsteller William Shatner. Dieser läuft zur Hochform auf in der Darstellung des noch selbstgerechter und überheblicher gewordenen Kirk. Für die deutsprachigen Zuschauer kommt hinzu, dass Kirk eine andere Synchronstimme erhalten hat: Stammsprecher Gerd Günther Hoffmann wird in diesem und im nächsten Film vertreten durch den nicht minder überzeugenden Klaus Sonnenschein.
Kirks logischer Gegenspieler ist hier die Vulkanierin Saavik (Kirstie Alley), während Spock eher eine Mittler-Rolle zufällt. Als Saavik zum ersten Mal ein reales Raumschiff aus einem realen Raumdock steuern muss, geht sie gleich mit "einem Viertel Impuls" zur Sache (Beschleunigung auf 75.000 Kilometer pro Sekunde!). Einige Filme später erntet Super-Draufgänger Kirk(!) für exakt dieses Husaren-Manöver ein entsetztes Kopfschütteln seiner Führungsoffiziere ...
Außer dem 'Khan' selbst (Ricardo Montalban, 1920-2009) ist seine gesamte Gruppe umbesetzt worden mit jüngeren Darstellern; seine Gefährtin 'Marla McGyvers', eine ehemalige "Enterprise"-Offizierin, die seinerzeit übergelaufen war, ist unter den 21 Toten, die der 'Übermensch inzwischen zu beklagen hat.
Seinen glücklosen Adjudanten 'Joachim' (Judson Scott, *1952) sehen wir, zusammen mit Kirk's Sohn 'David' (Merritt Butrick, 1959-1989), in TNG 23 (22). Erneut hören wir einige Floskeln in lautmalendem Kauderwelsch: Diesmal klingt die 'vulkanische Sprache' deutlich anders als im ersten Kinofilm.
Nach übereinstimmenden Quellen sollte dieser Film eigentlich "The Vengeance Of Khan" ("Die Rache des Khan") heißen, das ist geändert worden, um eine Verwechslung mit dem zu dieser Zeit vorbereiteten dritten "Star Wars"-Film zu vermeiden, der ursprünglich "The Revenge Of The Jedi" ("Die Rache der Jedi") heißen soll. Bekanntlich wird daraus dann "The Return Of The Jedi" ("Die Rückkehr der Jedi").
Mehrmals zitiert 'Khan' Worte von 'Captain Ahab' aus Herman Melville's Roman "Moby Dick", besonders am Ende, nachdem er tödlich getroffen ist. Ein überraschender Paukenschlag ist schließlich der Tod von Spock. Er stirbt, wie er gelebt hat: Absolut logisch. Leonard Nimoy beeilt sich, erneut vor der Presse zu betonen, dass nun endgültig Schluss sei mit der ungeliebten Vulkanier-Rolle. Doch die Umstände seines Film-Todes belegen deutlich, dass die 'Auferstehung' von Spock in einem dritten Film von vornherein geplant worden ist. Offensichtlich falsch ist auch Leonard Nimoy's Behauptung, die 'Gedankenverschmelzung' mit McCoy sei ihm 'spontan' eingefallen, während die Szene gedreht wurde, vielmehr erfolgt diese in einer extra Szene, die einen Umbau der Kamera erfordert. Hinzu kommt Kirk's Schluss-Monolog, in dem er klar erklärt, dass er nach 'Genesis' zurückkommen wird.

Trotz - oder gerade wegen - seiner STAR TREK-untypischen Härte und Gewalt-Action wird "STAR TREK II - The Wrath Of Khan" zum bis dahin erfolgreichsten Film aller Zeiten und trägt wesentlich zum schier unaufhaltsamen Erfolg des STAR TREK-Universums bei.
Die erneute Wiederbelebung des 'Khan'-Charakters im zwölften Kinofilm löst zunächst heftige Diskussionen aus. Doch nach dreißig Jahren ist vieles anders geworden ...