Elfter Film
STAR TREK
7./6. April 2009   FB
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Was lange währte, ist am Ende doch noch irgendwie "gut" geworden, der elfte Film mit dem alles und nichts sagenden Titel "STAR TREK" ist, zumindest kommerziell, ein Erfolg. Es ist ein völlig anderer, sehr gewöhnungsbedürftiger STAR TREK-Film. Doch man kann und sollte sich daran gewöhnen. Gerade die vielen langjährigen STAR TREK-Liebhaber, die mit Nimoy und Spiner ergraut sind, tun gut daran, sich diesen Film ein zweites und drittes Mal anzuschauen!
Der Kunstgriff um die alternative Zeitlinie führt uns in ein neues, abweichendes STAR-TREK-Universum und eröffnet einigen Spielraum für Details, die nicht so ganz Serien-konform sind. Insofern ist Regisseur J. J. Abrams seinem Vorhaben, "STAR TREK neu zu erfinden" in gewisser Weise gerecht geworden. Auf jeden Fall ist ihm ein brillanter 'Spagat' gelungen zwischen dem Bezug zur 45 Jahre alten Serie und dem Anspruch an ein erfolgreiches Science Fiction-Werk des 21. Jahrhunderts. Denn, wie alle STAR TREK Editionen, ist auch dieser Film ein bleibendes Abbild seiner Zeit, unserer Zeit.
In der 'geänderten Realität' gilt eine andere Sternzeit-Skala: Die Sternzeit besteht nun einfach aus der heute üblichen (Gregorianischen) Jahreszahl, die um entsprechende Bruchteile des Sonnenjahres ergänzt wird: 'Sternzeit 2233.04' liegt also nun Anfang 2233, dem Jahr von Kirk's Geburt. Doch es gibt Abweichungen, die nicht durch das Zeitlinien-Phänomen erklärt werden können.
• In der Handlung klafft ein 'Zeit-Loch': Im Jahr 2258, in dem der größte Teil der Handlung verläuft, ist Pavel Chekov erst 13 Jahre alt und nicht 17! Und selbst wenn, wieso ist er in diesem Alter schon Offizier? Hat er sein Abitur in der Grundschule gemacht?
• Auf der ursprünglichen Zeitlinie wird die "U.S.S. Enterprise" bereits 2244 in Dienst gestellt. Es ist kaum vorstellbar, dass die Präsenz der zeitreisenden Romulaner den Bau um volle vierzehn(!) Jahre verzögert, eher im Gegenteil... Außerdem liegt bei dieser "Enterprise" die Brücke nicht ganz oben auf Deck 1 (wie bei der Sternenflotte üblich), sondern mehrere Decks darunter. Allerdings hat auch die "Enterprise−A" im fünften Kinofilm eine abweichende Deck-Zählung.
• Scotty will in einem Tierversuch 'Porthos', den Hund von Jonathan Archer, gebeamt haben. Doch Archer wäre hier um die 150 Jahre alt, von Porthos ganz zu schweigen...
• Der Sportwagen von James Kirk's Stiefvater stürzt in eine Schlucht, unmittelbar zuvor wird der Junge herausgeschleudert. Allerdings nach der (physikalisch) falschen Richtung! Die von seinem rasanten Abfang-Manöver verursachte Fliehkraft würde Kirk nach der Kurven-Außenseite, also in Richtung des Abgrundes (und damit in den sicheren Tod) befördern.
• Es ist mehrfach von "Klingonischen Warbirds" die Rede.
• Pike hat das Kommando bereits an Spock übergeben, da macht er noch schnell Kirk zum Ersten Offizier. Das ist jedoch nicht mehr seine Sache, für diese Ernennung ist allein der neue Captain zuständig!
Ben Cross (*1947) wirkt als 'Sarek' recht alt für einen 95−jährigen Vulkanier, sein Vorgänger in dieser Rolle, Mark Lenard (1926-1996), war seinerzeit rund 25 Jahre jünger. Zum Vergleich: Tuvok von der "Voyager" ist schon deutlich über 100. Doch Ben Cross gleicht seinen Rollenvorgänger in einem Detail: Schon bei Sarek's ersten Auftritt in Classic 44 (39) betont Mark Lenard, es sei eine "logische Entscheidung" gewesen, eine Menschen-Frau zu heiraten. Auch die -scheinbar völlig unlogischen- 'vulkanischen Raufbolde' sind ein Rückgriff auf bekanntes: Wir sehen sie bereits in Ani 3 (2).
Die 36−jährige Star-Diva Winona Ryder hat kein Problem damit, eine mehr als zehn Jahre ältere Frau dazustellen, die gelungene Altersmaske tut ein übriges. Ohnehin ist sie nur deshalb in diese Nebenrolle gecastet worden, weil im Frühjahr 2008, nach dem Abgang der ursprünglich geplanten 'Kirk'-Besetzung Robbie Williams, das gesamte Projekt "Star Trek XI" im Sand zu verlaufen drohte und man schnell einen großen, werbeträchtigen Namen im Team brauchte. Auch danach schleppt sich die Produktion zunächst weiter. Der ursprüngliche Premiere-Termin im Dezember 2008 kann nicht gehalten werden.
Beim Kinostart des Filmes ist noch ein kleines Bonmot eingebaut worden: Ein reales ' Zeit-Phänomen'. Die Weltpremiere erfolgt am Vormittag des 7. April in Sydney, Australien. Wenige Stunden später startet "STAR TREK" in den USA: In Austin, Texas. Doch wegen der Zeitzonen-Verschiebung - über die Datumsgrenze hinweg - geschieht das in Amerika am 6. April, abends. So dass die zweite Aufführung - rein vom Datum her - vor der ersten stattfindet...

Die neuen Hauptdarsteller
(Bilder in startrek.com)
Drei Volltreffer - eine totale 'Niete'
Allein Karl Urban lässt von der ersten Sekunde an keinen Zweifel aufkommen: Er ist 'Leonard McCoy', der 'Bones', den wir kennen und lieben. Auch der besonnene, fast emotionslose 'Christopher Pike', der als charakterstarker 'Über-Vater' den jungen Jim Kirk auf den rechten Weg drängt, ist mit Bruce Greenwood hervorragend besetzt, nicht nur wegen der Ähnlichkeit zu Altstar Jeffrey Hunter. Doch das eigentliche Highlight des Filmes ist der 'andere Spock' des begnadeten Zachary Quinto...
Zoë Saldana präsentiert eine 'Uhura', genauso kompetent und charakterstark wie ihr Classic-Pendant. Doch mit ihrem ausgeprägten Selbstbewusstsein ist sie voll und ganz ein Kind des 21. Jahrhunderts. Und als solches kennt sie auch keinerlei Probleme wegen ihrer Hautfarbe... Dennoch gibt es eine Abweichung: Während Nichelle Nichols in erster Linie eine Technikerin darstellt (die schon mal mit dem Lötkolben unter ihrer Konsole herumkriecht, ein 'Unding' für ein Mädchen in den 1960er Jahren), ist die 'neue' Uhura vor allem Sprach-Expertin, eher in der Tradition von 'Hoshi Sato' aus "Enterprise".
Zachary Quinto's deutlich aggressiverer 'Spock' ist unter den gezeigten Umständen durchaus glaubwürdig und nicht zuletzt ebenfalls dem Zeitgeist geschuldet. Und die zärtliche Romanze mit Uhura... Nach dem, was wir in den ersten Episoden der Classic-Serie gesehen haben - zumindest nicht undenkbar... Immerhin erfahren wir 'offiziell' Uhura's Vornamen, der schon seit Jahrzehnten als 'Gerücht' kursiert.
Auch John Cho bringt einen akzeptablen 'Sulu' herüber. Schade ist die geringe Ähnlichkeit zu Altstar George Takei. Aber da war wohl wieder einmal jemand der Ansicht, dass 'diese Schlitzaugen sowieso alle gleich aussehen'...
'Schwester Chapel' wird erwähnt, tritt aber nicht auf. Dafür nimmt Majel Barrett Roddenberry zum letzten Mal ihren langjährigen 'Stammplatz' als Computer-Stimme ein. Sie erlebt die Premiere des Filmes nicht mehr. Anton Yelchin stellt das groteske Auftreten von 'Pavel Chekov' völlig übertrieben dar, in seiner 'hyperaktiven' Fahrigkeit ist er so ganz anders als der eher träge Walter Koenig.
Der viel gescholtene Simon Pegg zeigt uns recht genau, wie er in seiner Jugend gewesen sein könnte, der altbekannte 'Montgomery Scott': Er ist ein 'Witzbold', fast ein Clown. Leider fehlt ihm völlig die charmante Liebenswürdigkeit, die für James Doohan's 'Scotty' so typisch war. Und jede Menge Haare. In der Originalversion kommt hinzu, dass der berühmte schottische Akzent bei Pegg 'aufgesetzt' und unvollkommen wirkt.
Die hundertprozentige Fehlbesetzung ist Chris Pine. Nicht nur, dass er dem jungen William Shatner äußerlich kaum ähnelt. Vor allem definiert sich der Charakter des 'James Kirk' (im Gegensatz zu seinem Vorgänger 'Christopher Pike') besonders über das komische Talent, das Shatner seinerzeit so brillant in die Rolle einbrachte. Und gerade das lässt Chris Pine voll und ganz vermissen! Auch Shatner's Fähigkeit, Sarskasmus oder Tragik auszudrücken, geht ihm völlig ab! Es ist unverzeihlich, dass ein Mann, der praktisch keinerlei Mimik besitzt, ausgerechnet als 'Kirk' besetzt wurde! Mit überdrehter Action und ständig zerschlagenem Gesicht mutet er an wie ein schwacher Aufguss von '007'. Zweifellos soll damit der "Action-orientierte" Teil des Publikums bedient werden, der STAR TREK nur vom 'Hören-Sagen' kennt und von vornherein der Ansicht ist
"James Kirk oder James Bond
- wo ist da der Unterschied?
"
Spätestens hier wird der Film wieder von seinem unfreiwilligen Leitspruch eingeholt:
"Profit ist das Ende der Vernunft"


Revival-Daten
Einordnung dieses Films und seiner wiederbelebten Charaktere in die Chronologie des STAR TREK-Universums

Nach der bisherigen STAR TREK-Zeitrechnung befinden wir uns im Jahr 2386. Die Supernova, die Romulus zerstört, findet nach dem Bericht von Botschafter Spock 2387 statt. Der von Leonard Nimoy verkörperte 'Spock' ist in dieser Zeit der einzige noch lebende Charakter der Classic-Serie, er ist fast 160 Jahre alt. Damit holt sich der 78−jährige Altstar endgültig und mit großem Abstand die "Krone" der langlebigsten STAR TREK-Präsenz zurück. William Shatner hat sich ebenfalls händeringend um einen Gastauftritt beworben, vergebens... Doch die eigentliche Handlung verläuft 129 Jahre früher, im Jahr 2258.

Besetzung Charakter Einführung des Charakters in... STAR TREK-Präsenz
dieses Charakters
Bruce Greenwood Christopher Pike Classic 1 "The Cage" 44 Jahre 
Leonard Nimoy
Zachary Quinto
Mr. Spock Classic 1 "The Cage" 44 Jahre 
Chris Pine James T. Kirk Classic 2 (3) "Where No Man Has Gone Before"
("Die Spitze des Eisberges")
43 Jahre 
Simon Pegg Montgomery Scott Classic 2 (3) "Where No Man Has Gone Before"
("Die Spitze des Eisberges")
43 Jahre 
John Cho Hikaru Sulu Classic 2 (3) "Where No Man Has Gone Before"
("Die Spitze des Eisberges")
43 Jahre 
Zoë Saldana Nyota Uhura Classic 3 (10) "The Corbomite Maneuver" ("Pokerspiele") 43 Jahre 
Karl Urban Leonard McCoy Classic 3 (10) "The Corbomite Maneuver" ("Pokerspiele") 43 Jahre 
Anton Yelchin Pavel Chekov Classic 30 (36) "Catspaw" ("Das Spukschloß im Weltraum") 42 Jahre 
Winona Ryder Amanda Grayson Classic 44 (39) "Journey To Babel" ("Reise nach Babel") 42 Jahre 
Ben Cross Sarek Classic 44 (39) "Journey To Babel" ("Reise nach Babel") 42 Jahre