Zwölfter Film
STAR TREK Into Darkness ("Hinein in die Dunkelheit")
2. Mai 2013 (UK)   16. Mai 2013 (USA)   FB
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Nach dem unerwartet gutem Erfolg des elften Kinofilms hat der nächste 'Schlag' von Star-Regisseur J. J. Abrams unerwartet lange auf sich warten lassen. Am 2. Mai 2013, fünfzehn Tage vor dem geplanten Termin, hat "Into Darkness" in London Premiere. Die Berichte in der Weltpresse überschlagen sich. Doch die Kinogänger müssen noch eine Woche - in den USA sogar zwei Wochen - warten, bis der Film in die Kinos kommt. Womit in den USA, der ursprünglich geplante Start-Termin, 17. Mai, letztendlich beinahe eingehalten wird. Vor der US-Premiere ist der Film bereits in 34(!) Ländern angelaufen.

Es sind vor allem zwei Dinge, die diesen 'zweiten Versuch' aufwerten:
• Ein darstellerisch wesentlich besserer Chris 'Kirk' Pine !
• Ein STAR TREK-würdiges Drehbuch: Es ist weitgehend in sich logisch.
Während Zachary 'Spock' Quinto ein weiteres Mal zur Hochform aufläuft, ist der nervig-hibbelige 'Pavel Chekov' nicht mehr so vordergründig. Dennoch hat er, genau wie Uhura und Sulu, wenige, aber sehr starke Auftritte.
Simon 'Scotty' Pegg sieht zwar äußerlich ausgesprochen 'leidend' aus (brutal versagende Maske!), doch er hat an seinem 'schottisch' gearbeitet: Im vorigen Film klingt er (im Original-Ton), als ob ein Amerikaner versucht, schottisch zu imitieren... jetzt klingt er tatsächlich eher wie ein Schotte, der versucht, englisch zu sprechen... Der Doktor bleibt der 'dritte Mann an Bord' und seinem Charakter als 'Gewissen des Schiffes' treu. Auch 'Admiral Pike' liefert wieder seinen brillanten Part - so lange das Drehbuch ihn lässt.
Der Haupt-Fiesling des Filmes, 'Adm. Marcus', gibt eine geradezu beängstigende Vorstellung davon, was geschieht, wenn sich Machtgier mit dem Tunnelblick des Militaristen vereint: Es entsteht ein Monster, das zu keiner menschlichen Einsicht mehr fähig ist. Darsteller Peter Weller (*1947) hat eine ähnlich negative Rolle in Ent 96−97.
In den Medien wird vielfach bemängelt, dass auch dieser Film wieder überfließt von sinnloser Gewalt. STZ muss das relativieren: Anders als früher* verkommt diesmal all die Ballerei und Prügelei nicht zum Selbstzweck; vielmehr wirken die Kampfszenen stets dramaturgisch gerechtfertigt, zum Teil sogar notwendig.






Der Engländer Benedict Cumberbatch (*1976), der ab 2010 mit seiner brillanten neuzeitlichen Interpretation des 'Sherlock Holmes'-Charakters einen wahrlich kometenhaften Aufstieg hingelegt hatte, erhielt sehr viel 'Vorschuss-Lorbeer' in den Medien. Gemessen daran -und an seinen geradezu als 'genial' zu bezeichneten bisherigen Leistungen- bleibt er in diesem Film unerwartet blass und vor allem eindimensional: Dieser 'John Harrison' alias 'Khan Noonien Singh' ist einfach nur abgrundtief böse und grenzenlos brutal, da bleibt für den Darsteller wenig Spielraum. Im Unterschied zu Richardo Montalban's legendärem Kultcharakter von 1967 steht er von vornherein als 'Bösewicht' fest, hat also auch nicht die Möglichkeit zur Täuschung und Intrige.
In der deutschen Fassung kommt die geradezu unmöglich tönende Synchronstimme von Sascha Rotermund hinzu. Wenngleich Benedict Cumberbatch im Original-Ton eher tief spricht, klingt die deutsche Stimme hier völlig unwirklich, sie gehört einfach nicht zu dieser feingliedrigen Gestalt! Man stelle sich vor, "Sherlock" wäre mit dieser Stimme im deutschen Fernsehen erschienen! Wie viele Zuschauer hätten in wohl schon gleich im Pilotfilm weg-gezappt...







Kirk und Spock müssen sich wegen ihrer Verstöße gegen die 'Oberste Direktive' verantworten. Doch: Dieses überaus strenge Regelwerk gibt es im Jahr 2259 praktisch noch gar nicht! In der ursprünglichen Zeitlinie wird es eben erst eingeführt, unter wesentlicher Mitwirkung von James Kirk (vergleiche Classic 45 (48)). Nach der Veränderung der Zeitlinie im Jahr 2233 - und der Zerstörung des Planeten Vulkan - hat die Sternenflotte erst recht anderes zu tun, als sich um den Schutz außerirdischer 'Naturvölker' zu sorgen...
Die Masken der Klingonen sind völlig missraten:
Seit den Ereignissen von 2154 (Ent 91−92) sehen die Klingonen völlig anders aus, sehr viel menschenähnlicher. Und diese Veränderung geschah lange vor der 'Abzweigung' der Zeitlinie! Erst am Ende des 23. Jahrhunderts gewinnen sie nach und nach ihr normales, klingonisches Äußeres zurück, wie wir es seit "The Next Generation" kennen.
Ein Detail, an das man sich nicht gewöhnen kann, sind die neuen, grauen Stabsuniformen der Sternenflotte! Streng militant, mit überdimensionalen steifen Schirmmützen und riesigen Schulterstücken lehnen sie sich stark an die weltweit verbreiteten Militär-Kluften des 20. Jahrhunderts an, und diese asoziieren allzu oft Totalitarismus und Militarismus. Ein fataler Fehlgriff!














Der Film ist geradezu 'gespickt' mit angenehm grotesken Bezügen und 'Querverweisen' zu GENE RODDENBERRY's ursprünglicher STAR TREK-Welt:
• Da Chekov im Maschinenraum verschwindet, schaffen es die 'Macher' tatsächlich, eine persönliche Begegnung zwischen ihm und dem 'Khan' zu vermeiden... 1967, als der 'Khan' die Ur-"Enterprise" heimsucht, ist das auch so... weil es den Charakter 'Pavel Chekov' zu dieser Zeit noch nicht gibt... was später riesige Irritation nach sich zieht.
• Dr. McCoy benutzt für seine Blut-Tests ein Exemplar der allerkultigsten STAR TREK-Spezies: einen 'Tribble'.
• In der ursprünglichen Zeitlinie muss 'Carol Marcus' (Bibi Besch, *1940) mit 19 eine 'Affäre' mit dem über zehn Jahre älteren James Kirk gehabt haben. Jahrzehnte später, in ST2, tritt sie als Mutter des gemeinsamen Sohnes 'David' in das Leben des 52−jährigen Admirals. Die 'neue' Carol Marcus (Alice Eve, *1982) hat eine völlig andere Biografie... und sie ist nur unwesentlich jünger als der Captain.
• Den Todeskampf in der verstrahlten Reaktorkammer haben wir schon einmal gesehen, allerdings mit vertauschten Rollen: In ST2 ist es der Captain gewesen, der hilflos vor der Glaswand steht, während sein Freund und Kamerad Spock dahinter verendet. Und auch Spock ist wiederbelebt worden, wenn auch mit völlig anderen, noch fantastischeren Mitteln. Das hat damals einen ganzen weiteren Film gefüllt!
• Nach Quellenangabe gibt es einen uncreditierten Darsteller mit dem (Künstler-)Namen 'Gary-7', benannt nach einem Gastcharakter von 1968 (Classic 55).
• 'Khan Harrison' flüchtet in die abgeschiedene klingonische Ketha-Provinz. Aus DS9 157 wissen wir, dass es sich um eine ländliche Region mit wenigen, bescheiden lebenden Bewohnern handelt.





Etwas überraschend kommt der Auftritt des uralten Botschafters Spock aus der Zukunft, um so mehr, da in diesem Film die übliche Creditierung der Hauptdarsteller im Anfangstitel verzichtet wird. Immerhin hatte Altstar Leonard Nimoy (1931-2015) schon 1½ Jahre zuvor seinen endgültigen und vollständigen Rückzug aus dem Showgeschäft bekanntgegeben...
Wieder mit an Bord ist der kraftstrotzende Mann, den der junge Kirk einst bei einer Auseinandersetzung mit "Schnuppelchen", im Original "Cupcake" ("Zuckertörtchen"), betitelt hatte (Jason Matthew Smith, *1972). Er ist hier tatsächlich mit dem Rollennamen "Cupcake" creditiert. Der Captain jedoch spricht ihn diesmal mit 'Mister Hendorff ' an. Ab dem 13. Film wird er dann unter diesem Namen -nicht- creditiert. Bereits in Classic 38 (34) sehen wir ein "Rothemd" namens 'Hendorff' nach exakt zwei Minuten tot umfallen.
Ebenfalls creditiert sind die Eltern von James Kirk (Jennifer Morrison, Chris Hemsworth). Sie treten jedoch nicht auf, lediglich ihre Stimmen sind zu hören, und auch das nur in einer akustischen 'Rückblende' in den vorigen Film. 'Winona Kirk' hat auch hier die deutsche Stimme der brillanten 'Leeta' aus "Deep Space Nine".
Zachary 'Spock' Quinto spricht wieder mit der brillanten deutschen Stimme von Timmo Niesner. Der 'YoungStar' unter den deutschen Sprechern synchronisierte bereits als Elfjähriger die Hauptrolle in "E.T. − Der Außerirdische"; bestens bekannt ist seine 'Vertonung' des "Haupt-Hobbits" 'Frodo Beutlin' (Elijah Wood) in "Der Herr der Ringe". Auch 'James Kirk' konnte seinen Synchronsprecher behalten: Es ist wiederum die bekannte 'Harry Potter'-Stimme von Nico Sablik. Mindestens eben so populär ist die Stimme von Frank Glaubrecht*, der den korrupten 'Admiral Marcus' synchronisiert.
Nach dem eher etwas 'gewöhnungsbedürftigen' Einstieg von 2009 kann es nun keinen Zweifel mehr geben: Regisseur J.J. Abrams und sein Stab sind im STAR TREK-Universum angekommen! Die "Enterprise" ist erneut unterwegs, um in unendliche Weiten vorzudringen, und wir dürfen weitere brillante und spannende Abenteuer erwarten.