„Enterprise“ nimmt volle Fahrt auf

Der Erfolg war noch nie so groß - und wächst weiter

Die Rückkehr von Dr. Crusher kommt überraschend, aber nachvollziehbar, denn Dr. Pulaski's enorm starke Persönlichkeit ist zu einem ernsten Störfaktor im Figurenensemble geworden (vergleiche Ep. 33). Nach spezialisierter Quelle hat GENE RODDENBERRY persönlich bei Gates McFadden vorgesprochen, um sie zur Rückkehr in's Team zu bewegen. Das erweist sich auf lange Sicht als großer Gewinn für die Serie.
La Forge hat sich als Chefingenieur schnell auszeichnen können, er ist jetzt bereits Lieutenant Commander. Auch Sicherheitschef Worf ist endlich befördert worden - zum Lieutenant.
Mit Beginn der dritten Staffel werden schrittweise neue Uniformen eingeführt. Während sich die Damen zunächst auch weiterhin in enge Overalls zwängen müssen, tragen die Herren nun bequeme Hose-Pullover-Kombinationen. Was Patrick Stewart dazu verführt, sich übertrieben häufig den Hüftbund seines Pullovers herunter zu ziehen. Diese auffallende Geste wird vom Publikum liebevoll verballhornt als 'Das Picard-Manöver', benannt nach dem gleichnamigen Lehrbuch-Kampfmanöver des jungen Captain, seinerzeit auf der "Stargazer" (siehe Ep. 10 (9)). Hin und wieder taucht in den Dialogen die Bezeichnung 'Blechmann' ('Tin Man') auf, meist als Abwertung gegen Data. Sie bezieht sich auf eine Figur aus dem in Amerika sehr populären Kinderbuch "The Wizard Of Oz" von L. F. Baum. Es gibt in der amerikanischen Umgangssprache eine Vielzahl von Wendungen, die ursprünglich diesem Buch entstammen; auch in STAR TREK kommt immer wieder einmal etwas davon vor.
'Tin Man' ist identisch mit der (in Ostdeutschland bekannten) Figur des 'Eisernen Holzfällers' in Volkov's russischem Remake "Der Zauberer der Smaragdenstadt".
49. The Ensigns Of Command
("Die Herrschaftszeichen", gesendet als 50.**)
Macht der Paragraphen   EB
ΘΘΘ *
Interessante, aber etwas langatmige Geschichte mit einem über sich hinaus wachsenden Data. Der überhebliche Führer der planetaren Kolonie zitiert zur Bekräftigung seiner Sturheit rein gewohnheitsmäßig aus der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten, ein Seitenhieb auf den üblichen Populismus bei öffentlichen Auftritten von Politikern.
Data's Shuttle heißt "Onizuka" nach einem Opfer der "Challenger"-Katastrophe von 1986. Erstmals spielt Data im Streichquartett. Einsatz für O'Brien am Cello


50. Evolution ("Evolution", gesendet als 49.)
Die Macht der Naniten   EB
ΘΘΘΘ
Dies ist die eigentliche Startepisode und sie geht auch als erste auf Sendung: Dr. Crusher kehrt nach einem Jahr auf das Schiff zurück und ist höchst irritiert wegen der unvermeidlichen Veränderungen bei ihrem 17-jährigen Sohn. Wesley tritt hier noch einmal als 'Trouble Maker' auf, um so mehr, da er sein Missgeschick zunächst zu verschleiern versucht. Guinan vergleicht ihn mit ihrem 'alten Bekannten' Dr. Frankenstein, der auch 'nur der Forschung diente'. Auch Dr. Crusher gegenüber erwähnt sie 'Jahrhunderte' der Kindererziehung; das macht uns deutlich, wie biblisch alt sie bereits ist.
Auftritt von Guinan
51. The Survivers
("Die Überlebenden")
Die Überlebenden auf Rana-vier   EB
Θ
Das schwer nachvollziehbare Verwirrspiel der Handlung gleitet zum Teil in's Chaotische ab. Und mündet in eine wenig aussagekräftige Nicht-Lösung. Sehr befremdlich ist auch, dass Captain Pichard die Sache im geistigen Alleingang löst. Er behandelt seinen Ersten Offizier wie ein 'Hündchen', das er an der Leine hinter sich her zerrt.


52. Who Watches The Watchers?
("Wer überwacht die Überwacher?")
Der Gott der Mintakaner   EB
ΘΘΘ
Picard, durch eine Verkettung unglücklicher Umstände plötzlich zur "Gottheit" eines jungsteinzeitlichen Volkes geworden, hat alle Hände voll zu tun, um die Angelegenheit im Sinne der Hauptdirektive zu bereinigen, letztlich riskiert er dafür sogar sein Leben.
Wenig glaubwürdig: Die junge Mintakanerin Oji zeigt einen viel zu scharfen Verstand für einen Menschen dieser Entwicklungsstufe, um so mehr, da sie mehrmals zwischen völliger Logik und völliger Verwirrung hin- und herpendelt.
Die gleiche Ausgangssituation, das heimliche Beobachten eines fremden Volkes, kehrt wieder in ST 9, sie wird auch dort zum Auslöser ernster Probleme ...
"Dienstfrei": Wesley Crusher
53. The Bonding
("Die Bindung")
Mutterliebe   EB
oo
Kitschig-seifenoprig! Es hätte der Handlung gut getan, dem ursprünglichen Drehbuch zu folgen, das die 'Auferstehung' von Jeremys toter Mutter auf das Holodeck verlegt und so auf die Gefahren dieser Technologie zu verweist. Mit dem "R'uustai" (der 'Bindung') wird ein neues, völlig überflüssiges klingonisches Ritual eingeführt. Und auch gleich wieder vergessen: Wir hören nie wieder etwas davon, dass Worf von nun an einen 'Blutsbruder' an Bord hat. In der Originalversion ist Jeremy's Katze (rein grammatisch) männlich, wie im Englischen üblich. Das veranlasst den deutschen Synchronautor, einen Kater daraus zu machen. Doch Kater sind niemals dreifarbig!
Nebenrolle für O'Brien


54. Booby Trap
("Die Minenfalle")
Die Energiefalle   EB
ΘΘΘΘ
Eine Geschichte voller Spannung und Dramatik. Und voller Einsamkeit für Geordi. Er ahnt gar nicht, wie sehr er das Holodeck missbraucht, als er die Simulation von Leah Brahms -beinahe unbewusst- nach seinen eigenen Wünschen manipuliert. Eineinhalb Jahre später wird er dafür schmerzlich 'abgewatscht', als die echte Leah Brahms (Susan Gibney, *1961) an Bord kommt und sein 'Werk' entdeckt (Ep. 90). Immerhin wird er demnächst von seiner realen Angebeteten 'Christy' erhört (Ep. 73).
Nebenrollen für Guinan und O'Brien
55. The Enemy ("Der Feind")
Auf schmalem Grat   EB
ΘΘΘΘ
Geordi muss den sturen 'Feind' regelrecht zur Koopration zwingen, um ihrer beider Leben zu retten: 'Sternenflotte' vom feinsten. Nur Worf kann sich nicht entschließen zu melden, dass nicht er, sondern der verletzte Romulaner es war, der die rettende Bluttransfusion verweigert hat. Damit bleibt in den Augen des Captains dessen fataler Tod an Worf hängen.
Erster von drei Auftritten des aggressiven Romulaners Tomalak. Darsteller Andreas Katsulas hat später eine Hauptrolle in der Soap Fiction-Serie "Babylon 5". Dr. Crushers leuchtend rote Haarpracht ist in dieser Episode wesentlich länger als davor und danach, also eine nahezu perfekte Perücke.
Nebenrolle für O'Brien


56. The Price ("Der Preis")
Der Barzanhandel   EB
ΘΘΘΘ
Nach den peinlich-komischen Unterstellungen von Lwaxana Troi (vergleiche z.B. 5 (11)) wird es diesmal echt ernst mit dem Missbrauch empathicher Fähigkeiten, und Deanna muss eine harte Entscheidung treffen.
Wieder einmal bringen sich die Ferengi durch ihre dümmliche Überheblichkeit in arge Bedrängnis. Wie die beiden im Deltaquadranten Gestrandeten damit fertig werden, erfahren wir gut sechs Jahre später in Voy 44 (47). Die von Data angegebene Abweichung des Wurmloch-Ausgangs ("200 Lichtjahre") ist viel zu gering, Paramount korrigiert in späteren Veröffentlichungen auf "etwa 20.000 Lichtjahre".
Chief O'Brien ist in dieser Episode creditiert, tritt aber nicht auf. Seine Präsenz beschränkt sich auf ein "Aye Sir" aus der Comm.
57. The Vengeance Factor
("Der Rachekomplex")
Yuta, die letzte ihres Clans   EB
ΘΘΘΘ
Es ist überaus beeindruckend, mit welcher Brillanz Picard am Verhandlungstisch zwischen den verfeindeten Parteien vermittelt. Dagegen erreicht Rikers ewig vom Pech verfolgtes Liebesleben einen fatalen Höhepunkt: Er muss seine Geliebte töten, um sie am Morden zu hindern.
Das Mordopfer 'Volnoth' wird von dem fast 80−jährigen Altmeister Marc Lawrence dargestellt, u.a. bekannt aus diversen Gangster-Rollen, u.a. in mehreren "007"-Filmen der 70er Jahre. Er hat einen weiteren Gastauftritt im Alter von 89 Jahren in DS9 166 (165) und ist damit der älteste STAR TREK-Mime aller Zeiten.
58. The Defector ("Der Abtrünnige")
Der Überläufer   EB
ΘΘ
Es ist eine traurige Wahrheit: Und seien die Gründe noch so ehrenhaft, wer überläuft, hat fortan beide Seiten zum Feind. Der neue 'Verbündete' wird zwar seinen Nutzen ziehen, aber den Überläufer dennoch für immer verachten und ihm keinesfalls trauen ...
Um dem Menschsein weiter näher zu kommen, lässt sich Data in klassische Shakespeare-Rollen einweisen. Er erwähnt einen Mimen namens 'Branagh' (Synchronsprecher Michael Pan spricht den Namen furchtbar falsch aus).
Als Bonmot spielt Patrick Stewart (nicht Captain Picard!) die kleine Rolle einer Holodeck-Figur, er ist unter der Maske des historischen Soldaten kaum zu erkennen, den Zuschauern der Originalversion fällt jedoch die unverkennbare Stimme auf.
Erste von vier großen (Alien-)Gastrollen für James Sloyan (*1940), wir sehen ihn wieder in der letzten Staffel (Ep. 173), in DS9 32 und DS9 110, sowie in der Titelrolle von Voy 15.
'Commander Tomalak' (Andreas Katsulas), sonst vom späteren 'Garak'-Sprecher Friedrich Beckhaus synchronisiert, hat dieser Episode die Stimme von Ernst Meinke, der ab Ep. 84 Captain Picard spricht.
"Dienstfrei": Wesley Crusher
59. The Hunted ("Die Gejagten")
Die Verfemten   EB
ΘΘΘΘ
Aus dem Konflikt spricht das Erbe der Vietnam-Veteranen, mit dem Amerika bis heute zu ringen hat. Besonders schrill klingt es uns dabei in den Ohren, wenn der Premierminister (James Cromwell, der spätere 'Zefram Cochrane') mehrfach betont, dass die Verbannung der Kämpfer vor allem aus Kostengründen erfolgte, einfach weil das billiger gewesen sei, als eine psychische Heilung in Angriff zu nehmen. Eine Wahrheit, die inzwischen auch Deutschland längst eingeholt hat. Besonders pervers überspitzt sich das in der Bemerkung, dass man die Verbannten 'ja vielleicht irgendwann noch einmal brauchen' könnte.
Einsatz für Chief O'Brien


60. The High Ground
("Der höhere Beweggrund" ["Der Zweck heiligt die Mittel"])
Terror auf Rutia-Vier   EB
ΘΘΘΘ
Man gewinnt zunächst fast den Eindruck, dass Gewalt, als letztes Mittel, zum Erlangen höherer Ziele, prinzipiell zu rechtfertigen sei. Doch am Ende steht die Erkenntnis, dass Gewalt immer wieder nur neue Gewalt erzeugt. Diese Episode ist in Großbritannien über viele Jahre ablehnend diskutiert worden wegen der offensichtlichen Parallelen zum (ab 1998 schrittweise beigelegten) Nordirlandkonflikt.
In der deutschen Version gibt Picard Transporterbefehle an 'O'Brien', doch die Antwort aus der Comm hat nicht die Stimme des Chief.
61. Deja Q
(Verballhornung von 'Déjà vu')
Noch einmal Q   EB
ΘΘΘΘ
Beachtlich, aber nicht verwunderlich: Der entmachtete Q ist selbst Data menschlich klar unterlegen. Das beweist er einmal mehr, als er am Schluss die Brückenbesatzung mit seiner Vorstellung von 'Spaß' nervt. Einzig lustig ist ganz am Ende die Zigarre, die überraschend in Picard's 'Engage!'-Geste platzt.
Auftritt für Guinan.
"Dienstfrei": Wesley Crusher


62. A Matter Of Perspektive
("Eine Frage des Blickwinkels")
Riker unter Verdacht   EB
ΘΘΘΘΘ
Sehenswerte Mischung aus einem klassischen Krimi à la 'Hercule Poirot' und feinster Science Fiction. Typisch in dieser Situation: Die Witwe des Opfers lügt ohne Täuschungsabsicht, weil sie die für sie beschämende Wahrheit verdrängt hat. Wieder einmal fasziniert das reibungslose Zusammenspiel der Besatzung.
Zum zweiten (und letzten) Mal - nach Ep. 59 - hat Miles O'Brien eine abweichende deutsche Stimme, bei seinem nächsten Einsatz in Ep. 68 wird er wieder von Jörg Döring synchronisiert.
Nur minimaler 'Alibi-Auftritt' für Dr. Crusher
Nebenrolle für O'Brien
Die Perversion des Daseins: Krieg
63. Yesterday's Enterprise ("Die gestrige Enterprise")
Die alte Enterprise   EB
ΘΘΘΘΘ
Diese höchst brillante Episode lebt von der Beklemmung, ausgelöst durch den direkten Gegensatz von Frieden und Krieg. Vor allem Picard wirkt beängstigend, da er ständig mit Riker streitet, denn normalerweise ist die Verschiedenheit der beiden hochproduktiv. Es ist geradezu erlösend, als nach der Korrektur der Zeitlinie endlich Worf wieder auf der Brücke erscheint.
Guinan besticht in beiden Zeitlinien mit ihren beinahe mystisch anmutenden Raum−Zeit-Wahrnehmungen: "Es ist nicht richtig!"; "Wir sollten nicht hier sein!" "Wir dürften uns überhaupt nicht kennen!" In ihrem wohl stärksten Auftritt überhaupt verlässt sie - einmalig - die rein beratende Position und setzt sich aktiv gegen die irrende Schiffsführung durch.
Die Versetzung von Tasha Yar auf die "Enterprise−C" bringt ein verwirrendes Zeitlinien-Phänomen in Gang, dessen temporale Logik jedoch stimmig ist. Erste von 26(!) ST−Synchronrollen für die starke Stimme von Viola Sauer als 'Cpt. Garrett'.
Am Anfang setzt Worf einen echt trockenen Klingonen-Gag, als ihm Johannisbeersaft angeboten wird, und er ihn salbungsvoll beurteilt als ' Ein Getränk für Krieger! '. (Bereits in 78 (76) ist es - wie im Original - herber Pflaumensaft ('prune juice'). Dort erfahren wir auch, dass er in seiner Kindheit auf der Erde niemals menschliche Nahrung akzeptiert hat.)
Eine Episode der allerersten Wahl, die zum Kreis der besten STAR TREK-Episoden überhaupt gehört.
Wesentliche Rolle für Guinan.

64. The Offspring ("Der Abkömmling")
Datas Nachkomme   EB
ΘΘ
Eindeutige Aussage: Persönlichkeitsrechte kann man nicht per Gesetz erlassen: Zwar sind in Ep. 35 Data's Rechte als Person eindeutig definiert worden, doch in der praktischen Konsequenz scheiden sich die Geister. Der Tod von Data's Tochter Lal löst das Problem nicht, er schiebt es nur auf. Ein unbefriedigendes Ende der ansonsten gelungenen Episode.
Nur winziger 'Alibi-Auftritt' für Worf

65. The Sins Of The Father
Die Sünden des Vaters   EB
ΘΘΘΘ Λ
Wir erhalten den bisher tiefsten Einblick in die klingonische Kultur. Bemerkenswert und für uns fast unfassbar: Da sich Worf schuldig bekennt, darf er gehen, denn als Entehrter ist er es nicht wert, hingerichtet zu werden. Mit diesem Ereignis beginnt ein Handlungsfaden, der sich bis in die fünfte Staffel dieser Serie, letztendlich sogar bis zum Ende von "Deep Space Nine" zieht.
66. Allegiance
("Treuepflicht")
Versuchskaninchen   EB
ΘΘΘΘ
Dass sich der ausgetauschte Picard auf dem Schiff nicht halten kann, ist von vornherein klar, dazu verhält er sich gar zu auffällig. Der echte Captain zeigt enorme Charakterstärke und löst die Frage nach dem Schuldigen in Sherlock-Holmes-Manier. Am Ende beeindruckt das wortlose Verstehen der Besatzung, mit dem die Fremden überrumpelt werden.
Unter der Maske des wilden 'Esoqq' verbirgt sich der deutsche Liedermacher Reiner Schöne. Das Trinklied des falschen Captain ist "Hearts of Oak", eine Komposition aus dem Jahr 1770, von keinem Geringeren als William Boyce, der als 'der britische Händel' gilt.
67. Captain's Holiday
("Die Ferien des Captains")
Picard macht Urlaub   EB
ΘΘΘΘ
Zum ersten Mal sehen wir 'Risa', den paradiesischen Urlaubsplaneten, der nur aus purer Sinnenfreude zu bestehen scheint; ein harter Seitenhieb auf die pervertierte Tourismuswirtschaft. Der Darsteller des überdrehten Ferengi 'Sovak', Max Grodénchik, wird in "Deep Space Nine" der liebenswürdigste aller Ferengi: Quark's Bruder 'Rom'. Auch Picard's Urlaubsflirt 'Vash' (Jennifer Hetrick) sehen wir nicht zum letzten Mal.
In Ep. 63 haben wir erfahren, dass die "Enterprise−D" 42 Decks hat. Hier spricht Riker von 'Deck 39', um einen der fernsten Winkel des Schiffs zu bezeichnen.
"Dienstfrei": Geordi, Wesley

An dieser Stelle schließt das ZDF die 'zweite Staffel' der deutschen Version ab (Febr-Nov 92). Fortsetzung folgt... in neun Monaten: Im August 1993 werden weitere 16 Episoden gesendet, von nun an täglich.
68. Tin Man
("Blechmann", vergleiche Anmerkung ganz oben rechts)
Der Telepath   EB
Θ
'Tin Man' ist in der Originalversion die Bezeichnung für das riesige Weltraumwesen. In der deutschen Fassung wird es als 'das fremde Wesen' synchronisiert, aus gutem Grund, denn der Bezug dieses 'Tin Man' zur gleichnamigen Figur aus "The Wizard Of Oz" ist sehr 'weit hergeholt'. Auch sonst: Eine fade Episode, vor allem für Gaststar Harry Groener (der Telepath 'Tam Elbrun'), denn er gerät auch bei seinem zweiten Gastauftritt (Voy 43 (49)) in eine ähnlich schwache Vorstellung. Um 15 Jahre gereift sehen wir ihn dann noch einmal am Schluss von "Enterprise".
Die "Enterprise" wird von 'Tin Man' binnen Sekunden um 3,8 Milliarden Kilometer in die Tiefe des Raumes gesschleudert. Das ist ganz wesentlich zu weit: Abgesehen davon, dass damit Warp 10 überschritten sein dürfte, würde das Licht ziemlich genau 3,5 Stunden(!) für diese Entfernung benötigen. Also dürfte das Erstrahlen der Supernova erst Stunden später vom Schiff aus zu sehen sein ...
Gastrolle für O'Brien
69. Hollow Pursuits
("Leeres Streben")
Der schüchterne Reginald   EB
ΘΘΘΘΘ Λ
Mit Lieutenant junior grade 'Reginald Barclay' (Dwight Schultz) wird eine überaus kultige Figur eingeführt, die nach weiteren Gastauftritten geradezu schreit. Und sie auch bekommt. Seine welt-entrückten Holodeck-Szenarien sind an Tragikomik kaum zu überbieten. Es ist schön, aber leider weltfremd, wie der Captain gegen alle Widerstände seiner Führungsoffiziere die Integration des schwierigen Crewmitglieds durchsetzt.
Kenner der Technik-Geschichte sehen in Gestalt und Auftreten des neuen Gastcharakters eine Hommage an den genialen, aber umstrittenen britischen Informatik-Pionier Alan Turing (1912-1954)*.
Dr. Crusher erscheint nur als 'Hologramm' in Barclay's Phantasien.
Gastrollen für Guinan und O'Brien.
70. The Most Toys ("Spielzeug vom feinsten")
Der Sammler   EB
ΘΘΘΘΘ
Der 'Sammler' Fajo wird bisweilen mit dem Classic-Charakter 'Harry Mudd' verglichen, er ähnelt aber wohl eher 'Squire Trelane' aus Classic 18 (17). Data muss mit zwingender Logik entscheiden, ihn zu töten, um weiteres Morden zu verhindern, nur das rechtzeitige Wegbeamen verhindert die Vollendung. In Ep. 57 steht Riker vor einem vergleichbaren Problem.
Das von Data geflogene Shuttle trägt den Namen "Pike" nach dem früheren Captain aus Classic 1, vergleiche auch ST 11 und ST 12.
Nebenrolle für O'Brien.

71. Sarek (Eigenname)
Botschafter Sarek   EB
ΘΘΘΘ Λ
Endlich wird der Mythos der geistig total überlegenen Vulkanier entzaubert, sie sind letztendlich 'auch nur Menschen'. Die rettende Geistesverschmelzung zwischen Sarek und Picard ist brillant.
Erst zum zweiten Mal wird ein Charakter aus der Classic-Serie wiederbelebt. Diese Zurückhaltung tut der Serie eher gut, verschärft aber die Differenzen zwischen den Fan-Gruppen.
Nebenrolle für O'Brien.
72. Ménage à Troi ("Flotter Troier")
Die Damen Troi   EB
ΘΘΘΘΘ
Für Wesley ist die Rettung seiner Kameraden derart wichtig, dass er dafür den Aufnahmetermin an der Akademie sausen lässt und noch ein weiteres Jahr an Bord bleiben muss. Dafür bekommt er eine Beförderung. Aber nicht zum 'Lieutenant' - wie das ZDF fabulierte - sondern aus dem 'Acting Ensign' ('Amtierenden Fähnrich') wird ein 'richtiger' Ensign. Damit ist Wesley für die weitere Zeit auf der "Enterprise" ein vollwertiger Offizier. Voller Stolz erscheint er mit Uniform und Rangabzeichen, und das ist nicht das einzige Privileg ...
Als Picard dem Ferengi Eifersucht vorspielen muss, fällt ihm weiter nichts ein, als aus einem Liebesdrama seines Shakespeare zu zitieren. Der fiese Feigling 'Tog' (Frank Corsentino) ist identisch mit dem noch fieseren 'Bok' in 10 (9). Sein Adjutant 'Farek' ist Ethan Phillips, der spätere 'Neelix' auf der "Voyager".
73. Transfigurations
("Umformungen")
Wer ist John?   EB
ΘΘ
Unter dem geistigen Einfluss des unbekannten Verletzten läuft Geordi zur Hochform auf und kommt nun −endlich− mit 'Christy' zusammen, bei der er in Ep. 54 so schmerzlich abgeblitzt ist. Sie mutet jedoch erstaunlich unreif, fast kindlich an, immerhin ist sie Offizier, hat also bereits die Sternenflottenakademie absolviert.
Worf findet hier zum ersten Mal den Tod, um alsbald auf wundersame Weise aufzuerstehen.
In der Shuttlerampe steht das Shuttle Nr. 5 "El-Baz", benannt nach dem amerikanischen Geologen Farouk El-Baz, der wesentlich an der Astronautenausbildung für die allererste Mondmission beteiligt war (Apollo 11, 1969).
Nebenrolle für O'Brien.
74. The Best Of Both Worlds I
("Das Beste aus beiden Welten, Teil 1")
In den Händen der Borg   EB
ΘΘΘ Λ
Im direkten Vergleich mit dem Original wirkt die Karrieresüchtige 'Lieutenant Commander Shelby' (Elisabeth Dennehy) in der deutschen Fassung noch kaltschnäuziger und aggressiver. Es ist bemerkenswert, wie stark die Stimme die Erscheinung eines Charakters beeinflusst. Riker lehnt zum dritten Mal ein eigenes Kommando ab, damit ist sein Schicksal besiegelt, in der 'zweiten Reihe' alt zu werden.
Die (wenig erfolgreiche) Verteidigung gegen die Borg wird geleitet von 'Admiral J.P. Hanson' (George Murdock). Es spricht einiges für die Vermutung, dass dieser Erst-Kämpfer gegen die Borg der Großvater von 'Annika Hanson' ist, die zu diesem Zeitpunkt schon seit Jahren die Bezeichnung "Seven of Nine" trägt ... (Vergleiche Voy 69, Voy 74 und Voy 111 (109).
Die Autoren des ZDF-Synchrontextes laufen zur Negativ-Form auf: Seltsam, dass der Klingone Worf den 'Sektor 001' als "Unser Sonnensystem" bezeichnet, im Original sagt er "The Terran System" ("Das Irdische System"). Dort bleibt unklar, ob damit das gesamte Sonnensystem gemeint ist, oder nur die Erde (eventuell mit Mond).
Riker ruft gleich einmal "alle Offiziere" auf die Brücke... das gäbe ein Gedränge! Im Originaldialog ruft er die "senior officers" ("Führungsoffiziere"). Ensign Crusher wird ein weiteres Mal als 'Lieutenant' bezeichnet (vergleiche Ep. 72 und 83). Dieser Fehlerreigen setzt sich im zweiten Teil fort ...
In der Hintergrundmusik klingen bekannte Themen aus der Classic-Serie an, auffallend zum Beispiel bei Zeitindex 40:30...
Wesentliche Rolle für Guinan, Nebenrolle für O'Brien.
Ein Cliffhanger in der Tradition minderwertiger Seifenopern steht STAR TREK schlecht zu Gesicht und ist bei dem enormen Erfolg der Serie keinesfalls sinnvoll. Dennoch enden auch alle weiteren Staffeln mit 'Fortsetzung folgt'.