„Enterprise“ auf Maximum - Warp

Stabiler Flug auf höchstem Niveau

Die sechste Staffel gilt unumstritten als die beste dieser Serie, wenn nicht gar aller Serien. Völlig zu recht, denn wir erleben ein wahres Feuerwerk von brillanten Episoden und kaum echte 'Einbrüche'. Hinzu kommt ein weiteres Wiedersehen mit einem der Classic-Stars. Aus unerfindlichen Gründen wird der vor einem Jahr eingeführte neue Haupttitel wieder verworfen.

127. Time's Arrow II
("Zeitstrahl, Teil 2", auch "Pfeilschuss der Zeit")
Gefahr aus dem 19. Jahrhundert, Teil 2   EB
ΘΘΘΘΘ *
Obwohl der Drehbuchautor gewechselt hat, setzt sich die Geschichte genau so brillant fort, wie sie zehn Wochen zuvor begonnen hat. Die SciFi-Elemente werden etwas zurückgefahren zugunsten unbeschwerter Komik. Von besonderer Brillanz ist die getürkte Theaterprobe der Brückenbesatzung. Die schroffe Vermieterin ist so hingerissen vom eigenen 'Talent', sie merkt nicht einmal, dass der blinde Geordi den Text abliest. In seinem Interwiew zu Beginn erwähnt der junge Reporter (Alexander Enberg, der spätere 'Vorik' auf der "Voyager") Twain's Roman "A Connecticut Yankee In King Arthur's Court", der Urahn aller Zeitreise-Geschichten ist in dieser Zeit vier Jahre jung. Noch ahnt niemand, dass acht Jahre nach dieser Episode eine neue, stark modernisierte Verfilmung des Buches entsteht, mit der unvergleichlichen 'Guinan' Whoopi Goldberg in der Titelrolle.
Die Story endet mit einem Showdown voller Dramatik und Spannung. Doch Geordi hätte gut daran getan, an Data's leblosem Körper Schlips und Kragen zu öffnen, bevor er seinen Kopf wieder einsetzt. O'Brien erhält Transport-Befehle über die Comm, tritt aber nicht auf.
128. Realm Of Fear
("Land der Furcht")
Todesangst beim Beamen   EB
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Eine Paraderolle für den unbeholfenen Reginald Barclay (Dwight Schultz, vergleiche Ep. 69, er ist noch immer 'Lieutenant junior grade'), dessen psychische Qualen brillant in Szene gesetzt sind. Ohne diese neurotische Zerrissenheit hätte er niemals die sensationelle Entdeckung im Transporter machen können, die zur Rettung mehrerer Menschen führt.
Miles O'Brien, bisher Lieutenant, 'rutscht' gleich um drei Ränge und ist nun 'Ensign junior grade'. Und damit Barclay unterstellt. Erst in DS9 75 (76) wird er endlich 'Chief '.
Wiedersehen mit Schwester Ogawa
129. Man Of The People
("Ein Mann des Volkes")
Der unmoralische Friedensvermittler   EB
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Es ist schaurig-brillant zu beobachten, wie Deanna Troi sich nach und nach, erst psychisch-emotional, dann auch äußerlich, in eine 'Hexe' verwandelt. Und typisch für die amerikanischen "Moral"-Normen: Ihr "Abstieg" beginnt damit, dass sie sich offen zu ihrer Sexualität bekennt und diese auslebt! Der 'Bösewicht' erscheint auf einem Schiff namens "Dorian", zweifellos eine Anspielung auf Oscar Wilde's Gestalt des 'Dorian Gray', der sich ebenfalls um das Älterwerden 'gedrückt' hatte.
Es ist kaum zu glauben, dass dieses Drehbuch als eilige 'Notgeburt' aus Ideen des gesamten Stabes zusammengestückelt sein soll: Wie verlautet, sollte in dieser Woche die nachfolgende Episode "Relics" gedreht werden, doch es kommt zu einer unerwarteten Verschiebung.
Wiedersehen mit Schwester Ogawa


130. Relics
("Reliquien" ['heilige Überreste'])
Besuch von der alten Enterprise   EB
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Der aus seiner Zeit geschleuderte Scotty überwindet auf beeindruckende Weise seinen Anachronismus und macht sich erneut unentbehrlich. Allerdings hätte er hinter seiner Rettung auf keinen Fall Captain Kirk vermuten können, denn er ist ja dabei gewesen, als Kirk im Nexus verschwand und muss ihn für tot halten. (Vergleiche ST 7.)
Da die Brückenkulisse der Classic-Serie längst nicht mehr zur Verfügung steht und ein Nachbau aus Kostengründen nicht in Frage kommt, benutzt man für Scotty's Holosimulation alte Aufnahmen aus Classic 25 (24) und Classic 72 (71). Nur die Stelle, an der Scotty sitzt, ist ein Stück reale Kulisse, und die geht zwölf Jahre später ein in die neu zu bauende Brücke der alten "Defiant" (Ent 94−95). Die Trickkulisse der 'Dyson-Sphäre' sehen wir wieder in Voy 22 (21)).
Deanna Troi hat nur einen winzigen Alibi-Auftritt in der Schlussszene.
131. Schisms
("Schismen" [psychische Spaltungen])
In den Subraum entführt   EB
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Begegnung, einmal anders herum: Die Forscher werden zu Erforschten. Eindringlinge, auch anders herum: Die Angreifer kommen nicht an Bord, sondern holen ihre Opfer zu sich. Seltsam, dass die fatale "Subraum-Störung" sich am Ende als "Energiemasse" manifestiert und das Schiff sichtbar verlässt.
Das Holodeck macht sich nützlich beim Erstellen eines kriminalistisch exakten 'Phantombildes'. Der Ort der Handlung heißt "Amargosa Diaspora" (Amargosa-Schwarm), den Namen "Amargosa" hat auch ein Sternensytem im siebten Kinofilm.
Data darf seine Kunstfertigkeit als Dichter versuchen, seine "Ode an Spot" ist kultig-grotesk.


132. True Q
Eine echte Q   EB
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Diese Geschichte lebt von den Tricks der beiden 'Q', allenfalls bleibt das Bekenntnis, dass letztlich jeder das bleiben muss, was er ist. Aus moderner Sicht fällt auf, dass die Vorschichte von Amanda und ihrer Familie viele Parallelen zur Kindheit von Joanne Rowling's späterem Helden 'Harry Potter' hat. Deutlich zu viele, wenn man bedenkt, dass die 'Potter'-Figur zu eben dieser Zeit ihre endgültigen Züge annimmt. Vergleiche auch Ent 22. In der deutschen Fassung hat die Titelheldin eine der bekanntesten Stimmen dieser Serie.
Wir erfahren, dass der Antrieb der "Enterprise" aktuell 12,75 Milliarden Gigawatt erzeugt, dass ist tausendfach mehr als der derzeitige Gesamt-Energiebedarf der Erde.
Schwester Ogawa wird erwähnt,
Wiedersehen mit dem 'Q'.
133. Rascals
("Rangen", "Rabauken", "Halunken")
Erwachsene Kinder   EB
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Der Originaltitel ist doppelsinnig; Er bezeichnet sowohl die 'verkleinerten' Besatzungsmitglieder als auch die piratenhaften Ferengi. Der Darsteller des kindlichen Picard, David Tristan Birkin, gibt zwei Jahre zuvor den Neffen des Captain in 78 (76). Er kopiert Patrick Stewart mit einer Brillanz, wie es nur ein 'eingefleischter' Picard-Fan vermag. In der deutschen Version hören wir diesmal die Stimme von Fabian Schwab, der auch 'Nog' in DS9 synchronisiert. Die Interaktion der 'falschen' und echten Kinder (allen voran Worf's Sohn Alexander) ist ebenso brillant wie 'Pokerface'-Riker's "technische Einweisung" für den dümmlich-überheblichen Ferengi-Ingenieur. Dessen Darsteller Michael Snyder kennen wir aus Gastrollen in ST 4, ST 6 und in 121.
Während der Captain seine wiedergewonnene Haarpracht als das einzig Positive an der Situation bewertet, entdeckt Ro Laren (mit Guinan's Hilfe) ihre verlorene Kindheit neu. Erster Einsatz der kleinen Hana Hatae als 'Molly O'Brien', allerdings ist Molly erst reichlich ein Jahr alt, die Darstellerin bereits vier. Sie behält die Rolle für fast sieben Jahre. Letzter Auftritt der O'Briens in dieser Serie, der Chief wird wenige Wochen später Chefingenieur auf DS9. Erste Regiearbeit von Adam Nimoy (Sohn von Leonard 'Spock' Nimoy).
Da Ro Laren nun doch nicht Verbindungsoffizier auf Deep Space Nine wird, scheidet sie an dieser Stelle aus; es folgt nur noch ein einziger -furioser- Schluss-Auftritt in 176.
Wesentliche Rollen für Familie O'Brien, Ro Laren, Guinan und Alexander Roshenko
134. A Fistfull Of Datas
Eine Handvoll Datas   EB
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Das anhaltend hohe Niveau der Serie erhebt sich hier zu einem vorläufigen Höhepunkt. Brent Spiner zeigt einen herrlichen 'fehlprogrammierten' Data und brilliert auf dem Holodeck in drei weiteren Rollen. Interessant: Unter den 'Cowboy-spielenden' Besatzungsmitgliedern ist kein Mensch von der Erde. Der Titel persifliert Sergio Leone's Western "A Fistfull Of Dollars" von 1967. Der kultige 'Lt. Barclay' (Ep. 69, 93, 128...) wird als Mit-Autor des Holoprogrammes benannt.
In der Originalversion spricht man nicht vom 'Wilden Westen', dort heißt es 'Ancient West', also 'Alter (historischer) Westen'. "Hilfssheriff" Alexander erwähnt die damals noch sehr junge Stadt 'Bozeman', den Geburtsort von Produzent und Autor Brannon Braga (vergleiche auch TNG 118 und Ent 94).
'Sheriff Worf' kann sich gegen die Revolverkugeln seines holografischen Gegners mit einem einfachen Kraftfeld schützen; wesentlich schlechter stehen die Borg-Drohnen in ST 8 da: Sie fallen um 'wie die Fliegen', als Captain Picard sie mit einer holografischen Maschinenpistole beschießt...
STAR TREK lässt in dieser brillanten Parodie nicht ein Western-Klischee aus. Als die Gefahr endlich gebannt ist, löst sich die Spannung in einer ganzen Salve sich steigernder Schlussgags, als Krönung geht am Ende das gesamte Schiff ab in Richtung 'Sonnenuntergang'.
Wesentliche Rolle für Alexander Roshenko
135. The Quality Of Life
(hier: "Die Eigenschaft,
lebend zu sein")
Datas Hypothese   EB
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Eine Episode, die gegenüber dem vorherigen Brillanz-Feuerwerk etwas abfällt, sie ist 'nur' sehr gelungen.
In logischer Fortsetzung von Ep. 35 und Ep. 64 ist es nun Data, der eine zufällig entstandene kybernetische Lebensform als solche erkennt und bei der Verteidigung ihrer Rechte seine eigene Existenz riskiert. Picard nennt dies 'die menschlichste seiner Entscheidungen'. Hochspannung bis zum Schluss, als der Captain und Geordi durch die Kooperation mit eben diesen Technik-Wesen gerettet werden.
Die anfängliche Pokerrunde mit der offenen Bart-Haar-Wette ist nur wegen fehlender Sendeminuten gedreht worden, daran wird nie angeknüpft.
136.-137. Chain Of Command ("Kommandokette")
Geheime Mission auf Celtris III   EB 136   EB 137
ΘΘΘΘ ΛΛ
Diese enorm actiongeladene, spannende Doppelepisode ist ein echtes Kriegsdrama. Es ist eindrucksvoll und sehr realistisch, wie Riker durch den bloßen Wechsel seines Chefs vom besten zum schlechtesten Mann in seinem Job wird. Nach seiner Suspendierung trägt Data rot, er ist also nun Erster Offizier. Doch der widerliche Captain Edward Jellico (Ronny Cox, *1938) erweist sich in seiner Position als der 'richtige Mann am richtigen Platz'. Leider wird nicht gezeigt, wie Commander Riker die lauernde Cardassianerflotte klammheimlich vermint, weil für die erforderlichen Spezialeffekte das Geld fehlt. Dagegen gehen die wissenschaftlichen 'Fehlschüsse' in der Dramatik der Handlung nahezu unter:
Unklug ist es, einen Felsdurchbruch mit Phaserfeuer zu erzeugen, denn danach würde die Felswand glühen, so dass man keinesfalls hindurchkriechen könnte.
Die beschriebene 'biogenetische Waffe' hätte nicht nur die Menschen, sondern die gesamte Biosphäre einschließlich aller Mikroben vernichtet, das hätte den betroffenen Planeten für Jahrtausende unbewohnbar gemacht.
Patrick Stewart liefert eine brillante Darstellung der Folterungen, er hat dafür Videos von 'Amnesty International' studiert. Seinen Peiniger 'Gul Madred' verkörpert Superstar David Warner, wir kennen ihn aus dem fünften und sechsten Kinofilm als 'Föderationskonsul' bzw. als Klingonenführer 'Gorkon'. Die deutschen Zuschauer irritiert jedoch die allzu bekannte Stimme von Tilo Schmitz, der auch 'Gul Dukat' in "Deep Space Nine" synchronisiert.
In 136 Einstieg für Vizeadmiralin 'Nechayev' (Natalija Nogulich, *1950), die in ihren ersten beiden Auftritten 'Necheyev' heißt (Quelle: DVD-Untertitel)
Nachdem nun die Cardassianer zum Abzug von 'Bajor' gezwungen worden sind, steht der Errichtung des Föderationskommandos auf "Deep Space Nine" nichts mehr im Weg. Es folgt eine zehnwöchige Pause, in der die neue Serie startet.
Für die deutschen Zuschauer geht dieser Zusammenhang jedoch verloren: Als sie die Befreiung von Bajor endlich zu sehen bekommen, ist die gesamte erste "Deep Space Nine"-Staffel im deutschen Fernsehen bereits gelaufen!

138. Ship In A Bottle
Das Schiff in der Flasche   EB
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Nach jahrelangem juristischem Tauziehen mit den Erben von Sir Arthur Conan Doyle darf der höchst gefährliche 'Moriarty' aus Ep. 29 endlich zurückkehren. Es ist der unglückliche Reginald Barclay (vergleiche Ep. 69), der bei einer technischen Wartung nichtsahnend den 'bösen Geist' befreit. Nach einem brillanten Mehrfach-Verwirrspiel kommt man schließlich zu einer gelungenen, weil glaubwürdigen Lösung.
Der englische Serien-Superstar Stephanie Beacham ('Countess Barthalomew') gibt mit fast 46 Jahren noch immer das "Püppchen". Ihren -nur ein Jahr(!) älteren- "Dynasty"*-Partner Daniel Davis ('Moriarty') kennen wir bereits aus Ep. 29.
139. Aquiel
(Eigenname)
Aquiel   EB
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Eine völlig andere, irgendwie auch spannende Geschichte, diesmal wieder von klassischen Science Fiction- und Horrorelementen getragen. Hinzu kommt eine La Forge-typische Romanze der tragischen Art. Doch der Verlauf ist allzu ebenmäßig und absehbar.
Das Drehbuch heißt ursprünglich "Murder, My Pet", was - an sich - wenig Sinn macht: Es ist eine Verballhornung des kultigen 'Miss Marple'-Films "Murder, She Said" mit der legendären Margaret Rutherford (1961, deutscher Titel: "16:50 Uhr ab Paddington ").
Bei diesen beiden Episode fehlt ein Teil des deutschen Textes im Haupttitel ('Der Weltraum, unendliche Weiten...'").
140. Face Of The Enemy
Das Gesicht des Feindes   EB
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Die gesamte Story ist von vorn bis hinten unglaubwürdig: Die in 107−108 eingeführte romulanische Untergrundbewegung hätte niemals einen Sternenflottenoffizier entführt und verstümmelt für ihre Ziele. Dennoch ist bewundernswert, mit welch einer Stärke Deanna Troi die Situation in die Hand nimmt und die Mission durchzieht, wobei sie sich in der deutschen Version (Übersetzungsfehler*) mehr als nötig mit der romulanischen Kommandeurin anlegt. Doch das ganze ist von so vielen Zufällen und Opfern überschattet, dass es keinesfalls als wiederholbare Option in Betracht gezogen werden kann. Die Drehbuch-Idee, dass sich Spock unter den Flüchtlingen befinden und dabei umkommen soll, ist verworfen worden. Bei der Bezeichung des romulanischen Geheimdienstes wechseln die deutschen Synchronsprecher mehrfach zwischen "der Tal Shiar" und "die Tal Shiar". Diese Bezeichnung entstammt ursprünglich der Classic-Serie: In Classic 44 (39) bezeichnet dieser Begriff eine antike vulkanische Hinrichtungsmethode.
Carolyn Seymour (Cmd. Toreth) hat hier ihre zweite Hauptrolle nach Ep. 89; schon in Ep. 37 hat sie ein romulanisches Schiff kommandiert. Wir sehen sie noch einmal in einer Kleinrolle auf dem Holodeck der "Voyager" (Voy 13 und Voy 24).
141. Tapestry
("Gobelin" ["Bilderteppich"])
Willkommen im Leben nach dem Tode   EB
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Dies ist (neben Ep. 63) vielleicht die beste der rund 700 STAR TREK-Episoden: Picard ist tot und Q ist Gott, welch eine krass gespannte Ausgangssituation! Wenn auch mit völlig anderen Mitteln realisiert, ähnelt die Aussage der von Classic 5: Jeder kann und soll seine eigenen Stärken mögen, aber man muss auch mit seinen schwachen Seiten leben, sonst verliert man zwangsläufig seine Identität. Picard, der sich wünscht, in seiner Jugend weniger draufgängerisch gewesen zu sein, muss er schmerzlich erfahren, dass er es auf diese Weise niemals zur Führungspersönlichkeit gebracht hätte. Dennoch ist unglaubwürdig, dass der 'andere Picard', bei all seiner Unentschlossenheit, in mehr als vierzig(!) Dienstjahren nur ein einziges Mal befördert würde, immerhin ist er ein sehr zuverlässiger und disziplinierter Offizier ...
Die Uniform von 'Fähnrich Picard' sieht aus wie die auf der "Enterprise−C" im Jahr 2344 (Ep. 63). Doch da der Verlust von Picard's natürlichem Herz zweifellos in das Jahr 2327 zu datieren ist, liegt er nicht dreißig, sondern mehr als vierzig Jahre zurück. Offensichtlich wurde hier das Alter von Darsteller und Charakter verwechselt, vergleiche 114.
Fähnrich Picard's Bar-Verabredung 'Penny' gibt an, vom Rigel zu kommen, doch ihr fehlt die typische grüne Hautfarbe der Rigelianer. Für die deutschen Zuschauer ist schwer nachvollziehbar, wie heftig sie reagiert, als er sie eine 'ansehnliche Frau' nennt. (Sie schleudert ihm ihren Drink in's Gesicht.) In der Originalversion bezeichnet er sie jedoch als 'handsome woman', 'liebenswürdige Frau', also als eine Art 'liebe Tante' ...
142.-143. Birthright ("Geburtsrecht")
Der Moment der Erkenntnis
EB 142     Θ               EB 143     oo
Zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen ist die "Enterprise" auf "Deep Space Nine", und wie schon im "Deep Space Nine"-Pilotfilm liegt sie wieder am rechten oberen Pylon, es gibt nur diese eine Aufnahme. (Vom selben Platz startet später auch die "Voyager".)
Da Data nach einem Technikunfall Visionen seines Schöpfer-Vaters erlebt und Worf undeutliche Informationen über seinen Vater erhält (auf beide Stränge bezieht sich der Originaltitel), wäre ein spirituell-besinnlicher, fast philosophischer Handlungsverlauf zu erwarten gewesen. Es erweist sich jedoch als fatal, für den zweiten Teil Regisseur und Drehbuchautor zu wechseln, da es offenbar keine Gesamtkonzeption gibt.
Abgesehen davon, dass der Handlungsstrang um Data's Tagtraum-Visionen im zweiten Teil untergeht, hat der Autor auch keine Vorstellung, wie Worf aus diesem vertrackten Handlungsknoten befreit werden könnte. Seine 'Lösung' ist nicht nur unglaubwürdig, sie ist schlicht unmöglich: Die romulanischen Behörden hätten die Klingonen eher hingerichtet als sie ziehen zu lassen! Dass sie auch noch einen 'Warbird' zum Rendezvous mit der "Enterprise" schicken, ist nach den jüngsten Ereignissen in 140 völlig undenkbar! Dies ist sicher nicht die allerschlechteste Episode (die haben wir mit Ep. 48 am Ende der zweiten Staffel erlitten), doch genau wie dort erleben wir einen unerhört steilen Absturz. Worf's Informant ist ein Yridianer (hier gespielt von James Cromwell, dem späteren 'Zefram Cochrane' im achten Kinofilm), wir sehen Vertreter dieser Rasse in ähnlichen Situationen wieder in 156−157 und in 173.
Das hinter Gebüsch versteckte 'Nackt-Bad' der jungen Klingonin Ba'el (Jennifer Gatti) ruft bereits während der Dreharbeiten Amerikas 'Sittenwächter' auf den Plan. Die Szene muss vernichtet und noch einmal neu gedreht werden, nachdem die Maskenbildner die ohnehin nicht erkennbaren Brustwarzen der Darstellerin, zusätzlich zur braunen Klingonen-Schminke, mit Klebeband überdeckt haben ...
Gäste in 142: Dr. Bashir, Morn
"Dienstfrei" in 143: Troi

144. Starship Mine
("Geliebtes Raumschiff")
In der Hand von Terroristen   EB
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Wieder in Höchstform! Data's Studien in Sachen 'Small Talk' sind einfach unvergleichlich, Worf dagegen gelingt es als einzigem, sich von dem nervigen Stehempfang "abzuseilen", einer der raren Momente, wo wir ihn (sehr schadenfroh) lächeln sehen.
Captain Picard agiert sehr erfindungsreich als unfreiwilliger 'Undercover Agent'. Im Gegensatz zu Erz-Macho 'James Bond' lässt sich Picard nicht davon abhalten, einen Verbrecher handgreiflich zu bekämpfen, nur weil es eine Frau ist. Immerhin gibt man dem 63−jährigen Captain gleich zwei gut trainierte Gegnerinnen. Hochspannung bis zum Schluss.
Als Pirat 'Devor' sehen wir mit Tim Russ den dritten späteren "Voyager"-Hauptdarsteller, er hat auch Gastauftritte in "Deep Space Nine". Allround-Stuntfrau Patricia Tallman (vergleiche Voy 62) hat hier als 'Kiros' ihre erste eigene Sprechrolle in STAR TREK. Auch von den übrigen Piraten sehen wir die meisten in späteren Serien wieder.
Kleiner Regiefehler am Ende: Die "Enterprise" wird von der 'Druckwelle' des explodierenden Fluchtshuttles erschüttert. Doch im leeren Weltraum gibt es keine Druckwelle, das Schiff müsste schon von Trümmern getroffen werden, und das gäbe im Raumdock ernste Probleme ...
145. Lessons ("Lektionen")
Der Feuersturm   EB
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Zum zweiten Mal darf sich Picard verlieben, und diesmal in eine Frau, die ihm an Charakterstärke gewachsen ist. Neben den brillanten Musik-'Lektionen' erhält er auch 'Lektionen' über das bisher stets verdrängte Verhältnis zwischen Dienstpflicht und Privatleben. So sehen wir nach sechs Jahren zum ersten Mal einen Picard, der den Prozess nicht selbst anführt, sondern seinerseits eine Weiterentwicklung erfährt. Natürlich darf die Liebesgeschichte nicht andauern, denn ein TV-Held ist ein "einsamer Wolf", sonst ist er kein TV-Held ...
Picard ist begeistert, als seine Freundin ihr "Science-Fiction-Taschenklavier" ausrollt, schon zehn Jahre nach dieser Episode ist so etwas alltäglich... Wer genau hinsieht, bemerkt, dass die Klavierspielenden Hände von 'Nella Daren' (Wendy Hughes, 1952-2014) gekonnt gedoubelt sind.
Geordi schlägt vor, eine "Feuerwand" als Schutz gegen den Sturm einzusetzen; diese Übersetzung ist notwendig, weil das Wort "Firewall" erst Jahre später, mit der Ausbreitung des Internet, in Deutschland allgemein verständlich wird. Die junge Frau am Transporterpult ist 'Fähnrich' (auch im Original), sie trägt jedoch die Rangabzeichen eines Lieutenant.
Die Deutschlandpremiere dieser Episode fällt einer Programmänderung zum Opfer und wird erst viel später, nach Abschluss der Serie, nachgeholt.
146. The Chase
("Die Jagd")
Das fehlende Fragment   EB
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Science Fiction trifft Urgeschichte, eine hoch interessante Konstellation. Der Mord an seinem alten Lehrer treibt Picard fast zur Besessenheit und lässt ihn die spannende 'Jagd' nach dessen Entdeckung aufnehmen. Zum ersten Mal sehen wir vier mehr oder weniger verfeindete Rassen zur Zusammenarbeit gezwungen. Die Lösung ist etwas überraschend und dennoch schlüssig.
Unter der Cardassianer-Maske von 'Gul Ocett' kaum erkennbar: Die dynamische Linda Thorson, die 25 Jahre zuvor als "Avengers"-Heldin an der Seite von 'John Steed'* viel Schönheit einbrachte. Die Projektion des Alt-Humanoiden wird dargestellt von Salome Jens, in einer ganz ähnlichen Maske übernimmt sie im Folgejahr die permanente Rolle der führenden 'Gründerin' in "Deep Space Nine".


147. Frame Of Mind
("Geistige Verfassung", "Gemütszustand")
Phantasie oder Wahrheit   EB
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Eine höchst gelungene Verwirr-Geschichte um psychopathische Tendenzen, wie sie in jedem von uns schlummern, um beim Zusammentreffen widriger Umstände plötzlich herauszubrechen. Für 'Unbedarfte' etwas schwer verdaulich, weil sehr realistisch in Szene gesetzt. Und von Jonathan Frakes brillant dargestellt.
Als Riker's Mitgefangene 'Jaya Bloom' sehen wir die zweite kleine Rolle von Susanna Thompson, die später in DS9 78 Fernsehgeschichte schreibt und schließlich zur zweiten 'Borg-Queen' mutiert.
148. Suspicions
Verdächtigungen   EB
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Dr. Crusher muss vor's Kriegsgericht, weil sie entgegen diplomatischer Einwände Ermittlungen in zwei Mordfällen aufgenommen hat, was ist das für eine Welt ...   Nun muss Guinan zu ihrem berühmten 'Tritt in den Hintern' ausholen und Beverly klarmachen, dass sie die Sache durchziehen muss, da sie nichts mehr zu verlieren hat. Eine spannende Geschichte und eine überraschend brillante Lösung.
Dies ist erst Guinan's dritter Auftritt in dieser Staffel und ihr letzter überhaupt in der Serie. (In der fünften Staffel waren es immerhin noch fünf.) Whoopi Goldberg hat in dieser Zeit den Gipfel ihrer weltweiten Popularität erreicht als 'Sister Mary Clarence' in den beiden "Sister Act"-Filmen. Als 'Guinan' kehrt sie zurück im siebten Kinofilm, der unmittelbar nach Abschluss der Serie gedreht wird, sowie zu einem Kurzauftritt in ST 10.
Das für den Testflug umgerüstete Shuttle heißt "Justman": Produzent Robert H. Justman (1926-2008) wirkt von "The Cage" an bei sämtlichen Classic-Episoden sowie an der kompletten ersten TNG-Staffel mit.
Die Klingonin 'Turak' wird dargestellt von Tricia O'Neil ('Captain Garrett' in Ep. 63, weitere Rolle in DS9 55). Der glücklose Ferengi 'Dr. Reyga' (Peter Slutsker, *1957) hat auch kleine Ferengi-Rollen in Ep. 72 und 174. Wir sehen ihn auch in Voy 76−77.
Wesentliche Rollen für Guinan und Schwester Ogawa
149. Rightfull Heir
Der rechtmäßige Erbe   EB
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Ein weiteres Klingonen-Rührstück ohne rechten SciFi-Bezug. Immerhin hat sich die Figur des 'Kahless' im Laufe der Jahrzehnte so weit entwickelt, dass sie nichts mehr gemein hat mit dem in Classic 77 eingeführten 'Oberschurken'. Doch in der ursprünglichen Fassung des Drehbuches ähnelt der Charakter dieses 'neuen' Kahless gar zu sehr der Überlieferung, die wir von Jesus haben; mit Rücksicht auf die etablierte christliche Religion ist das bei der Umsetzung wesentlich abgeschwächt worden.
Erste von drei Kleinrollen für Allan Oppenheimer, wir sehen ihn wieder als Sternenflotten-Captain in DS9 46 und als Alien-Diplomat in Voy 60 (61).
Wiedersehen mit Klingonenführer 'Gowron'
"Dienstfrei": Troi, Geordi
150. Second Chances
("Erneute Gelegenheiten")
Riker : 2 = ?   EB
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Eine hoch interessante Geschichte, gelungen umgesetzt. Plötzlich mit sich selbst konfrontiert zu sein, ist für Commander Riker kaum zu ertragen; eine brillant realistische Darstellung von Jonathan Frakes. Der 'andere' Riker pflegt seine ungebrochene Zuneigung zu Deanna Troi, allerdings leiden seine Liebesverse -zwangsläufig- schwer unter der deutschen Übersetzung. Am Anfang hören wir, nach diversen 'Ansätzen' in mehreren Episoden, Riker's erstes wirklich gelungenes Posaunensolo.
Der deutsche Titel ist hanebüchen, um so mehr da der selbe Titel schon einmal in Zusammenhang mit Kirk benutzt worden ist und dort ebenso wenig taugt (Classic 5).
Mit Transporterchief 'Palmer' sehen wir den einzigen echten Raumfahrer in STAR TREK: Darstellerin Dr. Mae Jemison hat 1992 an einer Space Shuttle-Mission teilgenommen.
151. Timescape
("Seen[landschaft] der Zeit")
Gefangen in einem temporären Fragment
ΘΘΘΘΘ   EB
Eine Geschichte um Gebiete veränderter Zeit, das ist Science Fiction vom feinsten. Schon die Darstellung von Picard's plötzlich um Wochen gealterter Hand ist höchst bemerkenswert. Als einer der 'eingefrorenen' Romulaner sich plötzlich bewegt, glaubt man sich an 124 erinnert, doch dann geht es in eine völlig andere Richtung. Die Handlung ist bis zum Schluss spannend und, trotz unzähliger temporaler Phänomene, vollkommen schlüssig. Die Technik des "Zeit-Schildes" wurde bereits in 126 benutzt.
Fehler in der deutschen Version:
Hier ist unentwegt von "temporären" Phänomenen die Rede, also zeitweiligen, vorübergehenden Erscheinungen; gemeint sind jedoch "temporale" Effekte, also solche, die mit Abweichungen im Verlauf der Zeit zu tun haben. Der Fehler zieht sich dieses Mal sogar bis in die DVD-Untertitel.
Allerhöchste Prominenz am Set
Prof. Stephen Hawking in STAR TREK
152. Descent, Part I
("Niedergang", "Abstammung", "Überfall")
Angriff der Borg, Teil 1   EB
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Die Episode beginnt mit einem Paukenschlag der besonderen Art: In Data's Holodeck-Pokerrunde mit berühmten Physikern der Geschichte sehen wir neben Darstellungen von Newton und Einstein den schwerbehinderten Physikprofessor Stephen Hawking, der sich selbst spielt. Vorausgegangen ist ein (touristischer) Besuch* des Professors am Set, bei dem das völlig gelähmte Wissenschaftsgenie darum bat, in den Stuhl des Captains gesetzt zu werden ...
Doch wie üblich hat die Pokerrunde, und damit auch die Person des Professors, keinen Bezug zur eigentlichen Handlung.
Das Führungsschiff der Admiralin heißt "U.S.S. Gorkon", nach dem historischen Klingonenführer aus dem 18 Monate zuvor gestarteten sechsten Kinofilm. Sein Märtyrertod liegt 81 STAR TREK-Jahre zurück.
Als die Besatzung mit einer völlig veränderten Art individuell handelnder Borg konfrontiert wird, denkt der kundige Zuschauer sofort an das in 123 geschaffene Borg-Individuum (was im zweiten Teil bestätigt wird). Die individualisierten Borg bezeichnen ihren Führer 'Lore' als "Die/Der Eins", im Original "The One", also eigentlich "Der Eine".
Im Unterschied zur vorigen Episode wird der Begriff 'temporär' diesmal von den Synchronautoren korrekt angewendet.
Zum ersten Mal fliegt die "Enterprise" mit einer Notbesatzung unter dem Kommando von Beverly Crusher, über deren etwas wacklige Kommandobefähigung wir in 168 mehr erfahren.
Einmalig: Der Episodentitel liegt hier vor dem Haupttitel.
Wiedersehen mit Alynna Nechayev (hier noch 'Necheyev'), die inzwischen zum Admiral befördert wurde.