„Eigentlich hatten wir ein ganz anderes Ziel“

Die „Voyager“   ·   Verschollen in der Ewigkeit

Die erste Voyager-Staffel ist mit nur sechzehn Episoden und einem Sendezeitraum von wenig mehr als vier Monaten die kürzeste aller STAR TREK-Staffeln (abgesehen von den "Animated Adventures" mit ihren Halb-Episoden). Das belegt die Unsicherheit, mit der das Team des drei Jahre zuvor verstorbenen GENE RODDENBERRY sich anschickt, erneut in 'unerforschte Welten' aufzubrechen.
Hinzu kommt, dass zu Beginn der Dreharbeiten die bis dahin noch weitgehend unbekannte Synchronsprecherin und wenig erfolgreiche Kleindarstellerin Kate Mulgrew als 'zweite Wahl' auf einer Provinzbühne steht, Geneviève Bujold als Captain Janewaywährend am "Voyager"-Set Weltstar Geneviève Bujold (*1942) 'Dienst tut'. Doch die Grand Dame, die schon mehrfach Königinnen dargestellt hat, findet den Job in einer Serie zu stressig, so dass sie am zweiten Drehtag 'das Handtuch wirft'. Für die 39−jährige Kate Mulgrew ist der überstürzte Einstieg bei "Voyager" die große Chance ihres Lebens.
−Zum Glück für STAR TREK− möchte man meinen. Dennoch gehören die wenigen erhaltenen Aufnahmen der 52−jährigen 'anderen Janeway' zu den gesuchtesten Raritäten für die 'Fans', ein Teil davon ist in der DVD-Version enthalten.
Schließlich wird ein Teil der Einstellungen gar noch ein drittes Mal gedreht, weil Kate Mulgrew's anfängliche Langhaarfrisur im Ergebnis geradezu unmöglich aussieht. Auch die ursprünglich viel 'klingonischere' Maske der cholerischen Halb-Klingonin B'Elanna Torres wird im Vorfeld gegensätzlich diskutiert und immer wieder verändert, beinahe so oft wie die des Formwandlers 'Odo' in "Deep Space Nine". Durch all das verzögert sich der Serienstart um Monate.
B'Elanna's Darstellerin führt zu dieser Zeit noch den Namen ihres prominenten Ex-Mannes Casey Biggs ('Gul Damar' in "Deep Space Nine"), obwohl sie bereit seit fast einem Jahr mit dem vier Jahre jüngeren Casting Director Eric Dawson verheiratet ist. Erst ab der dritten Staffel heißt sie schlicht Roxann Dawson.

1.-2. Caretaker (Doppel-Länge, PC 721)
Der Fürsorger   EB 1   EB 2
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Es beginnt mitten im gewohnten Umfeld: Der Verfolger von Chakotay's Schiff ist kein geringerer als Ober-Maquisjäger 'Gul Evek' (Richard Poe), wir kennen ihn seit DS9 37, dies hier ist sein sechster und letzter Auftritt. Von Anfang an agiert in Hintergrund der beinahe allgegenwärtige Maquis-Statist 'Ayala' (Tarik Ergin, STZ zählt nicht weniger als 111(!) Auftritte). Die "Voyager" startet über "Deep Space Nine"; im 'Quark's' werden auch die Weichen gestellt für die Freundschaft zwischen Ex-Sträfling Tom Paris und 'Greenhorn' Harry Kim. Für die Außenansicht der Station sind Aufnahmen aus dem DS9-Pilotfilm wiederverwendet, nur am oberen rechten Pylon sehen wir statt des Abbildes der "Enterprise" das der "Voyager".
Mit Dienstgraden und Rangabzeichen nimmt man es zunächst nicht so ganz genau: 'Lieutenant' Tuvok, mit 2½ 'Knöpfen' an Kragen sollte eigentlich mit 'Commander' angesprochen werden.
Der junge 'Lieutenant' Rollins, der die im Orbit liegende "Voyager" kommandiert, hat das Rangabzeichen eines 'Ensign', wir hören nie wieder von ihm. (Darsteller Scott MacDonald spielt unter anderem die Hauptrolle in DS9 6 und erhält eine permanente Rolle in der dritten Staffel von "Enterprise".)
Neelix erfährt von Tuvok, dass eine Vielzahl von Spezies auf dem Schiff dient, dieser bekräftigt das mit dem Beispiel: 'Ich bin Vulkanier'. Neelix missversteht das als Name und spricht ihn fortan mit 'Mister Vulkanier' ('Mr Vulcan') an, das zieht sich als 'ewiger Gag' durch die gesamte Serie. Seine Maske wurde inspiriert von einer freundlichen Trickfigur aus Disney's "Lion King". In der Badewannenszene reicht sie bis weit über die Schultern herunter, Generalprobe für die Ganzkörpermaske von Quark's Mutter 'Ishka' in DS9 69. Bei der Gestaltung der Kazon-Masken standen (laut Chef-Maskenbildner Michael Westmore) Geier und Truthähne Pate.
Den Darsteller des Ocampa-Arztes, Bruce French, kennen wir aus TNG 95, er gehört dort zum Gefolge der überdrehten Admiralin Satie; es folgen zwei weitere Nebenrollen in ST 9 und in Ent 7.
Unter Maske des Kazon-Führers 'Jabin' ist das eigentlich typische Antlitz von Gavan O'Herlihy kaum erkennbar, um so mehr, da er hier eine für ihn völlig untypische Rolle gibt: Wir kennen ihn eher im Fach des grotesken Feiglings, u.a. im alternativen Bond-Thriller "Never Say Never Again"* (1983).
Chakotay's 'Kamikaze'-Angriff auf das Kazon-Schiff ist mit dem Geräusch eines Sturzkampfbombers aus dem Zweiten Weltkrieg unterlegt, logisch zwar völlig unsinnig, aber dramaturgisch sehr effektiv ...
Kes erscheint erst im zweiten Teil der Doppelepisode.
Nebenrollen für Gul Evek und Ingenieur Carey.
Gäste in 1.: Quark, Morn.

3. Parallax
Die Parallaxe   EB
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Die (ehemaligen) Leute des 'Maquis' tragen zwar Sternenflottenuniformen, haben aber seltsam-eigenwillige Rangabzeichen (auf Maquis-Schiffen gibt es keine Rangabzeichen). Das ist für die Handlung widersprüchlich und kann nur einen Sinn haben: Der Zuschauer soll auf den ersten Blick erkennen, ob er einen 'Sternenflotte' oder einen 'Maquis' vor sich hat ...
Chakotay zeigt hervorragende Führungsqualitäten, er schafft sogar die cholerische Torres. Nach ihrem (unbestätigten) schattenhaften Hintergrundauftritt zu Beginn des Pilotfilms wird nun die bajoranisch aussehende Maquis-Frau 'Seska' (hier noch ohne Namen) als permanenter Charakter eingeführt. Darstellerin Martha Hackett (*1961) ist kurz zuvor als romulanischer Verbindungsoffizier T'Rul in DS9 47 (48) zu sehen.
Am Ende blicken Janeway und Chakotay in den Maschinenraum hinunter wie 'Götter vom Olymp' und beobachten voller Freude, wie B'Elanna's älterer (und ranghöherer) Konkurrent Carey schier überquillt vor Unterstützung und Kameradschaft. 'Es lebe die überlegene Moralität der Sternenflotte' − welch ein unglaublicher Traum... Carey's Darsteller Josh Clark (*1955) sehen wir auch in TNG 9 (8) am Steuer der "Enterprise−D".
Einführung von 'Seska', Wiedersehen mit Lt. Carey.
4. Time And Again
("Einmal und noch einmal" ["Wieder und wieder"])
Subraumspalten   EB
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Diese Story ist spannend, unterhaltsam und −trotz diverser Raum-Zeit-Phänomene− in sich logisch. Einziger 'Wermutstropfen': Die Zeitmesser der Fremden tragen sehr irdische, nämlich die hier und heute üblichen arabischen Ziffern. Sollte sich das Osmanische Reich im Mittelalter bis in den Deltaquadranten ausgedehnt haben? ...
Als Janeway und Paris in der fremden Welt 'gestrandet' sind, geben sie ihre 'Heimat' als "Kalto-Provinz" an. Unter dem Namen "Kal-Toh" begegnen wir in der dritten Staffel einem hoch-geistigen Logik-Spiel der Vulkanier.
Tom Paris schwärmt zum ersten Mal für die zauberhaften 'Delaney'-Schwestern. Doch wir sehen sie erst in 102 (103).


5. Phage (griechisch: "Fresszelle")
Transplantationen   EB
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Schmerzlich wird uns bewußt, dass Neelix die wichtigste Grundlage eines Offiziers fehlt: Disziplin. Ohne es eigentlich zu beabsichtigen, tut der Doktor das einzig richtige: Er gewinnt Zeit. Janeway nimmt auf ihrer Außenmission drei Sicherheitsteams mit, dennoch ist es immer wieder sie selbst, die als erste in den nächsten Raum vordringt, das ist unlogisch! Dafür erleben wir einen der seltenen Fälle, in denen die überlegene Moralität der Föderation wirklich glaubwürdig herüberkommt.
Kes beschließt, Krankenschwester zu werden. 'Seska' trägt nun die goldgelbe Kluft der Techniker, bei ihrer Einführung in Episode 3 war sie Wissenschafts-Offizierin (blaue Uniform).
Nebenrolle für Seska.
6. The Cloud ("Die Wolke")
Der mysteriöse Nebel   EB
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Es beginnt mit einem markigen und dennoch voll aus dem Leben gegriffenen Spruch: 'In diesem Nebel gibt es Kaffee!' ('There is coffee in that nebula!'). Auch der Einblick in die indianische Spiritualität ist sehenswert. Doch dann folgt eine nicht sehr glaubwürdige Geschichte um Respekt vor dem Leben und karitativen Beistand, in der Janeway das Schiff viel zu großen Risiken aussetzt. Auch der Schluss-Gag um Janeway's überraschenden Mords-Stoß beim Billard kommt eher fade herüber. Anders als im Pilotfilm schaffen es der deutsche Synchron-Autor diesmal nicht, die Abkürzung 'A.U.' ('astronomical unit') in 'AE' ('Astronomische Einheit') zu übersetzen. Insgesamt ist das zweifellos die bisher schwächste Leistung von "Voyager".
Zum ersten Mal sehen wir Tom Paris' Billard-Hologramm 'Gaunt Gary' ('Hagerer Gary', Larry A. Hankin, *1940).
7. Eye Of The Needle
Das Nadelöhr   EB
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Eine interessante und spannende Handlung, man vergisst fast, dass der Transport durch das Wurmloch von vornherein zum Scheitern verurteilt sein muss, denn ein Erfolg hätte ja das Ende der Serie bedeutet. Captain Janeway macht sich Gedanken um die Persönlichkeitsrechte des Doktor, wieso eigentlich? Wurden doch die Rechte künstlicher Lebensformen sechs Jahre zuvor eindeutig definiert und erst vor einem Jahr ausdrücklich auf Hologramme erweitert (TNG 35 und DS9 36)!
Wem der starke Augenausdruck des Romulaner-Captains bekannt vorkommt, der hat sicher bereits die fünfte Serie "Enterprise" gesehen. Dort hat Darsteller Vaughn Armstrong eine permanente Rolle: Er ist 'Admiral Forrest', seinerzeit Kommandeur der jungen Sternenflotte. Dem gestressten Patienten 'Lt. Baxter' (Tom Virtue, *1957) begegnen wir noch einmal in 19 (22).
"Dienstfrei": Neelix
8. Ex Post Facto
(latein: "Von der Tat aus zurück")
Die Augen des Toten   EB
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Manche Völker haben wirklich eine unerhörte Schnelljustiz. Tom Paris wird verhaftet, angeklagt, verurteilt und das Urteil vollstreckt, und das alles derart schnell, dass es schon vorüber ist, bevor man auf der "Voyager" davon erfährt. (Ein ähnliches Schicksal widerfährt Chief O'Brien in DS9 91.) Die STAR TREK-Macher 'ziehen einige Register', um dem Zuschauer (der allzu oft unter der Langwierigkeit unserer heutigen Gerichtsbarkeit stöhnt,) die Untragbarkeit eines solchen Rechtssystems vor Augen zu führen. Der Schlüssel dazu ist jedoch nicht das Tempo, sondern das Prinzip 'ex post facto'. Doch leider ist der (Original-)Titel unglücklich gewählt, denn man muss in Rechtsgeschichte bewandert sein, um etwas damit anfangen zu können. Zudem ist nicht nur diese Bezeichnung, sondern auch das veraltete Rechtsprinzip an sich für den Zuschauer derart fremdartig, dass er nur schwer nachvollziehen kann, was die tatsächliche Ursache für Tom's Dilemma ist. So geht das eigentliche Anliegen der Episode, ein Plädoyer für die Rechtsstaatlichkeit, in Verwirrung unter. Schade.
Grotesk: Neelix, der sich in Ep. 6 selbst zum 'Moraloffizier' ernannt hat, thront auf der Brücke auf dem Platz des Counselors.
9. Emanations ("Aussendungen")
Das Unvorstellbare   EB
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Diese Geschichte um den Tod und darüber hinaus erinnert ein wenig an TNG 96. Leider wird Janeway's Schlussmonolog im deutschen Sychrondialog zur Sinnlosigkeit entstellt: 'Was wir über den Tod nicht wissen, ist viel unvorstellbarer, als das was wir wissen!' Welch eine Binsenweisheit! Im Originaldialog steht statt 'unvorstellbarer' das Wort 'greater', also 'bedeutender', 'umfangreicher'. (Genau so 'unvorstellbar' ist der deutsche Titel!)
Wir erfahren, dass die Wissenschaft der Föderation im 24. Jahrhundert 246 chemische Elemente kennt (aktuell etwa 115). Der Name von Seska wird zum ersten Mal erwähnt. Brillante Maske: Die Vhnori haben vier Nasenlöcher. Darunter ist Darsteller Jerry Hardin (Dr. Neria) echt nicht wiederzuerkennen: Er ist nicht nur der Aldeanerführer 'Radue' in TNG 18 (17), sondern auch Samuel Clemens alias Mark Twain in TNG 126−127.
"Dienstfrei": Neelix, Nebenrolle für Seska
10. Prime Factors
("Grundlegende Faktoren")
Das oberste Gesetz   EB
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Auch diesmal wieder scheint die "Voyager" nahe am Ziel, aber es kann nicht klappen, die Serie hat ja eben erst begonnen. Danach folgen derartige 'Beinahe-Rettungen' auf lange Sicht nicht mehr, man gewöhnt sich an den Gedanken, dauerhaft fernab der Heimat zu operieren. Doch hier gerät der Rettungsversuch zu einer enormen Zerreißprobe für die moralischen Werte der Sternenflotte. Besonders zu beachten ist Tuvok's Argumentation, der sich gezwungen sieht, die Vorschriften zu brechen, um die Vorschriften zu schützen. Ein schwer verdaulicher logischer Winkelzug!
Die Anlagen auf dem Spaß-Planeten "Sikaris" erinnern an die 'Markthalle' der "Farpoint Station" im TNG-Pilotfilm.
Zum zweiten Mal werden die -offenbar bildschönen- 'Delaney'-Zwillinge erwähnt. Nebenrollen für Seska und Ingenieur Carey
"Dienstfrei": der Doktor
11. State Of Flux
("Fluss-Zustand" ["Im Fluss befindlich"])
Der Verrat   EB
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Seska spielt ihre falsche Bajoraner-Rolle auffallend gut, als sie ein Stoßgebet an die 'Propheten' schickt. Mit den 'Nistrim' wird die "Voyager" mit einer zweiten, höchst aggressiven Kazonsekte und deren 'Maje' Culluh (Anthony De Longis) konfrontiert.
Bei der Untersuchung um das verschobene Bauteil nennt Chakotay den Chefermittler Tuvok scherzhaft 'Chief Inspector', eine Reminiszens an klassische Kriminalfilme.
Als ersichtlich wird, dass Seska eine cardassianische Spionin auf seinem Schiff war, platzt Chakotay der Kragen: Tuvok für die Föderation, Seska für die Cardassianer, 'Hat denn überhaupt jemand auf diesem Schiff für mich gearbeitet?!' Nun, zumindest bei Tuvok hätte er sofort Verdacht schöpfen müssen: Ein Vulkanier beim Maquis, das ist doch wohl ein Widerspruch in sich ...
Und so schwer es Captain Janeway fällt, sie wird der abtrünnigen Seska recht geben müssen: Ohne Verbündete kann die "Voyager" auf die Dauer nicht überleben.
Einstieg für 'Maje Culluh', vorerst letzter Auftritt von Seska, Nebenrolle für Ingenieur Carey
Mythos und Heldentum
Der Holo-Doc auf dem Holo-Deck
12. Heroes And Demons
Helden und Dämonen   EB
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Eine faszinierende Story, die gekonnt an der Grenze zwischen Science Fiction und Fantasy balanciert. Zum ersten Mal kommen die ganz besonderen Eigenheiten des Doktor zum Tragen. In 81 (82) erfahren wir, dass er in dieser Nacht tatsächlich mit der Holo-Kriegerin 'Freya' zusammen gekommen ist. Und dies bleibt nicht seine einzige erotische Erfahrung ... Der Doktor beschreibt exakt die Vergiftungssymptome des Pilzes 'Amanita muscaria', der jedoch wesentlich weiter verbreitet ist als nur im subpolaren Bereich: Es handelt sich um den gewöhnlichen Fliegenpilz. Und was immer der Doktor da in den Händen hält, auf keinen Fall sind es Fliegenpilze!
"Dienstfrei": Neelix

13. Cathexis
(Freudscher Begriff für neurale Energie )
Bewußtseinsverlust   EB
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Auch diese Geschichte beginnt mystisch: B'Elanna benutzt Chakotay's 'Medizinrad' für eine rituelle Heilung; und eigentlich ist es nicht wirklich überraschend, dass der Doktor auch über diese Therapieform bestens informiert ist. Jedoch, ganz anders als in der vorigen Episode, versinkt diesmal die Handlung in Wirrwarr. Das ist weder 'Science' noch 'Fiction', für eine Horrorgeschichte nicht schauerlich genug, für einen Krimi fehlt ein gutes Stück logische Präzision. Und die Story geht eigentlich nicht zu Ende, sie hört einfach auf.
Tuvok's Rangabzeichen wechselt hier mehrfach, um schließlich dauerhaft seiner Rolle als 'Lieutenant' zu entsprechen (vergleiche 1−2). Auch Ex-Sträfling Tom Paris büßt im Laufe dieser Episode einen 'halben Knopf' ein und ist fortan nur noch 'Lieutenant junior grade'.
Ingenieur 'Durst' (Brian Markinson) wird als "Kurzstarter" neu eingeführt, um die folgende Episode... -nicht zu überleben. Der ewige Statist 'Ayala' rückt zum erstem Mal seit dem Pilotfilm wieder in's Blickfeld, er wird vom Captain direkt angesprochen.
Zum ersten Mal sehen wir den Captain als 'Mrs. Davenport' in einem Holoroman. Das unwirsche Hologramm 'Mrs. Templeton' kehrt zurück in Ep. 24; Darstellerin Carolyn Seymour kennen wir aus brillanten Alien-Rollen in TNG 37, TNG 89 und TNG 140.
14. Faces ("Gesichter")
Von Angesicht zu Angesicht   EB
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Trotz des spannungsgeladenen Starts − der 'Zerlegung' von B'Elanna Torres in ihre klingonische und ihre menschliche Hälfte − kommt die Story nur schleppend in Gang. Zum ersten Mal (seit dem Beginn der Heimreise) verliert die "Voyager" ein Besatzungsmitglied. Nach den Ereignissen von Ep. 5 hat Captain Janeway nun keine Wahl mehr, sie muss den Vidiianern den Krieg erklären. Doch die "Voyager" trifft nur noch ein Mal so richtig auf sie... Kritisch: Die klingonische B'Elanna ist mit der Fresszelle infiziert worden. Auch wenn sie selbst immun ist, würde sie die Seuche an Bord bringen und die Besatzung gefährden. Entsprechende Vorkehrungen werden nicht einmal erwähnt.
Roxann Biggs-Dawson brilliert in ihrer höchst gegensätzlichen Doppelrolle als klingonische und menschliche Seite von B'Elanna. Der Vergleich mit dem theatralischen Auftreten von William Shatner als 'zerlegter' Kirk in Classic 5 macht den Wandel des Zeitgeschmacks deutlich. Brian Markinson spielt sowohl den getöteten Offizier als auch dessen Mörder. Wir kennen ihn aus TNG 165 als jungen Chronisten, eine Hauptrolle in DS9 123 folgt.
Erster von drei Einsätzen für Rob LaBelle, wir sehen ihn wieder in 44 (47) und 169.
15. Jetrel (Eigenname)
Dr. Jetrels Experiment   EB
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Überaus beachtenswerte Episode um einen weiteren dunklen Punkt in der amerikanischen Geschichte: Das Hiroshima-Trauma wird überzeugend und kritisch nachempfunden. Leider wagt man beim Thema 'Kriegsdienstverweigerung' keine erkennbare Stellungnahme. Der Wissenschaftler, der 'nur geforscht' hat, lehnt auch hier jede Verantwortung ab, sieht sich sogar selbst als 'Opfer'. Ein Mal mehr wird uns die Endgültigkeit des Todes vor Augen geführt.
Neelix erwähnt eine Entfernung von 10 'parsecs'. Es ist erstaunlich wie schnell er sich mit der Wissenschaft der Föderation vertraut gemacht hat ... (Die interstellare Längeneinheit 'ParSec' wird von den Experten in der astrophysikalischen Forschung benutzt, sie ist reichlich drei Mal so groß wie das populäre 'Lichtjahr'.)
Der stechende Blick von Jetrel's Darsteller James Sloyan begegnet uns auch bei 'Admiral Jarok' (TNG 58), Odos 'Mentor' Mora Pol (DS9 32 und DS9 110) und dem gealterten Alexander (Sohn von Worf) in TNG 173. Bei seinem zweiten Auftritt gibt das Billard-Hologramm 'Gaunt Gary' seinem 'Meister' Paris den Spitznamen "Tom, das Schlitzohr" (eigentlich "Tom Terrific", ("Mordskerl") nach einer frühen Cartoonfigur). Gary's Darsteller ist diesmal als 'Larry Hankin' creditiert (ohne das 'A.' des mittleren Namens).
16. Learning Curve
(["Der mühsame Weg des Lernens"])
Erfahrungswerte   EB
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Brillante Story um das Zusammenraufen scheinbar unversöhnlicher Gegensätze. Denn nicht nur die disziplinlosen Maquis müssen lernen, auch der ach so korrekte Vulkanier Tuvok erhält eine mächtige Lektion;: und es wird nicht seine letzte sein... (In 45 (44) erfahren wir, dass er bereits über hundert Jahre alt ist.) Mächtig ist auch Chakotay's 'Linker Haken', einfach so im Sitzen, (fast) ohne auszuholen.
Schwester Kes kann sich erneut auszeichnen: Sie hat den rettenden Einfall bei der Diagnose der Gelpack-Infektion. Als dann das Schiff überhitzt werden muss, kreieren die Maskenbildner eine Kes, die (wie alle anderen) in Schweißströmen 'zerfließt', und neben ihr arbeitet der Doktor, frisch und munter; er war sicher nie zuvor derart froh, ein Hologramm zu sein. (Selbst Tuvok beginnt ab 77°C zu schwitzen, vergleiche 145.)
Der Begriff 'nacelle control' ('Steuerung der Warpgondeln') überfordert den deutschen Synchronautor, in allen anderen Sprachen erhalten wir plausible Übersetzungen.
Janeway versucht sich in Ep. 24 erneut als 'Mrs. Davenport', sie bleibt erfolglos. Kinderstar Lindsey Haun (*1984) ('Beatrice Burleigh') sehen wir noch einmal als 'Belle, Tochter des Doktors' in Ep. 64; ihr Bruder 'Henry', Thomas (Alexander) Dekker (*1987) ist auch Captain Picard's Nexus-Sohn in ST7