Die „Voyager“ hat Fahrt aufgenommen

Das STAR TREK Universum - Unendliche Triumphe


Die zweite Staffel setzt sich so interessant und spannend fort, wie die erste endet. Das Anknüpfen an die besten Traditionen der Spitzen-Serie "STAR TREK - The Next Generation" ("Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert") ist hundertprozentig gelungen. Von nun an werden die üblichen 26 Episoden pro Staffel produziert. Doch die 'Probezeit' für die "Voyager" ist vorbei, die Zukunft bringt einen harten Überlebenskampf ...
17. Projections
("Projektionen", gesendet als 19.**)
Das Holo-Syndrom   EB
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Gute Story für Freunde einer gepflegten Mehrfach-Verwirrung und grotesker Charaktere (der Doktor und Lt. Barclay bestreiten die Episode fast allein). Wenn auch nicht ganz so gelungen wie TNG 82. Das Verwirrprinzip vom Holodeck im Holodeck ist aus TNG 138 entlehnt. Es ist einfach sehenswert, wie Kes das eine Mal als Mensch und dann wieder als Ocampa auftritt, das eine Mal als Ehefrau des Doktor, dann wieder als seine Schwesternschülerin. Hinzu kommen herrlich groteske 'Flashbacks' in den Pilotfilm. Am Ende macht der Doktor die Probe auf's Exempel und reckt seinen Arm aus der Tür der Krankenstation; der Arm verschwindet sofort. In TNG 13 (12) ist das anders: Als dort eine Holofigur durch den Ausgang tritt, dauert es fast 10 Sekunden bis sie sich aufzulösen beginnt, und dann ... ganz ... langsam ...
Gast: Lt. Reginald Barclay (Dwight Schultz) aus "The Next Generation"
18. Elogium
(latein: "Grabinschrift", [Gedenkschrift],
gesendet als 20.)
Elogium   EB
oo
Es wird wohl für immer ein Geheimnis von Paramount bleiben, was der Begriff 'Elogium' mit der Fortplanzung der Ocampa zu tun hat. Auch sonst, eine eher gewöhnungsbedürftige Episode um Sexualität und Fortpflanzung unter extremen Bedingungen. Außerdem: Wenn jede Ocampa-Frau nur einmal in ihrem Leben ein Kind empfängt, wie schafft es dieses Volk dann, zu überleben??
Gerade rechtzeitig zu den ersten Diskussionen über eine Generationen-Besatzung begegnen wir der Wissenschaftsoffizierein 'Samantha Wildman' (Nancy Hower), die noch vor dem Start der "Voyager" schwanger wurde. Ihre Tochter 'Naomi' wird in den späteren Staffeln noch so manche Episode bereichern ...
Einstieg für Ensign Wildman
19. Twisted
("Verdreht", "Verdrillt", gesendet als 22.)
Die Raumverzerrung   EB
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Eine höchst interessante und vielversprechende Ausgangssituation, doch die Umsetzung schwächelt, die Handlung erscheint künstlich gedehnt. Erst wird mit der ewig gleichen Suche nach 'dem Weg' jegliche Spannung begraben, dann fällt der Captain aus und Tuvok(!) stellt Chakotay's Autorität in Frage. Schließlich versinkt die Darstellung in penetranter Theatralik, vor allem die 'Koma-Vision' der schwer verletzten Janeway ist hanebüchen.
Der 'Showdown' glänzt durch endlose Langeweile. Allein die sehenswerten Spezialeffekte mildern das Dilemma. Aus gutem Grund lag diese Episode wochenlang 'auf Eis', bis sie schließlich doch noch gesendet wurde.
Schwester Kes liefert einen weiteren Beleg ihres Könnens, als sie mit professionellem Griff den Kopf der bewußtlosen Janeway stützt.
'Lt. Ayala' ist zwar nach Quellenangabe in dieser Episode beteiligt, er wird auch mehrfach erwähnt, ist jedoch auf der Brücke (so gut wie) nicht zu sehen. Dritter und letzter Auftritt von 'Gaunt Gary' (hier wieder als Larry A. Hankin creditiert). Den ewig gestressten 'Lt. Baxter' sehen wir (nach Ep. 7) zum zweiten und letzten Mal, Darsteller Tom Virtue erscheint in einer Alienrolle in der Doppelfolge 163-163.
20. The 37's
(gesendet als 17.)
Die 37er   EB
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Eine etwas andere, nicht ganz logische Geschichte. Nach Classic 24 (22) und TNG 26 lässt man zum dritten Mal Menschen des 20. Jahrhunderts auferstehen. Erstmals wird die Heimkehr der "Voyager" generell in Frage gestellt, wahrscheinlich ist die Ausstrahlung als Staffelstart von Anfang an geplant. Das Auffinden des alten LKW mitten im freien Raum ist ein köstlich grotesker Auftakt, der Spannung und Witz verspricht. Zum ersten Mal sehen wir ein Großraumschiff regulär landen und starten.
Tom Paris erklärt, dass 'Warp 9.9' so viel ist wie 4 Mrd mps, das sind etwa 6,5 Mrd km/s, mehr als das 20000fache der Lichtgeschwindigkeit und etwa 20 Mal so viel wie Picard's Rekord von 'Warp 9.7' in TNG 1. Das aktuelle Jahr ist 2371, das stimmt mit der Angabe in TNG 26 überein. Wir erfahren, dass der Mars ab 2103 besiedelt wird. Die Figur der Pilotin 'Amelia Earhart' hat (abgesehen von Kostüm und Frisur) keinerlei Ähnlichkeit mit der realen Amelia Earhart, wie sie im Haupttitel von "Enterprise" zu sehen ist. Ein grober Fehlgriff ist bei der Übersetzung von Amelia's Bericht unterlaufen: Die idiomatische Wendung  'it stopped dead ' ('es stand plötzlich still ') wird zu  'es stoppte, tot ' verballhornt.
21. Initiations
("Initiation" [Mannbarkeitsritual], gesendet als 18.)
Der Namenlose   EB
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Faszinierend realistische Geschichte um den pubertierenden Jungen, der sich um jeden Preis bewähren will. Wer anders käme für diese Rolle in Frage als Spezialist Aron Eisenberg (*1969) ('Nog' in "Deep Space Nine"). Für Captain Janeway ist es völlig selbstverständlich, das indianische Totenritual ihres Ersten Offiziers zu unterstützen, ein Bekenntnis zur multikulturellen Gemeinschaft.
Chakotay's Ausweichmanöver bleiben ohne jede Wirkung, die Ogla verfehlen sein Shuttle nicht ein einziges Mal.


22. Non Sequitur
(latein: "Daraus folgt nicht...", gesendet als 21.)
Der Zeitstrom   EB
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Hoch interessante Story um eine alternative Zeitlinie, das ist Science Fiction vom Feinsten. Für den erwachseneren Zuschauer ist es nicht ganz leicht, Harry's Zerrissenheit nachzuvollziehen, diesen Idealismus, den nur die Jugend hat, bis er ihr von den Ohrfeigen des Lebens herausgeprügelt wird. Aber aus der Sicht eines jungen Fähnrichs auf seiner ersten Mission erscheint es logisch, das nahezu perfekte Leben auf der Erde zu opfern, einfach nur weil es 'nicht richtig' ist. Dagegen ist es für den abgeklärten Tom Paris reiner Zweckpessimismus: Er ist überzeugt, nichts mehr zu verlieren zu haben. Mit tödlicher Konsequenz tauscht er sein sinnloses Leben auf der Erde ein für die Chance, auf die ferne "Voyager" zu kommen.
Dramaturgisch bedingt fehlen diesmal gleich drei Hauptcharaktere, dafür gibt es eine Reihe von Gästen. Harry's Verlobte 'Libby' (Jennifer Gatti (*1968)) ist identisch mit der Klingonin Ba'el aus TNG 142−143. Das Tor des Hangars, durch das Tom mit dem Shuttle schlüpft, kennen wir aus TNG 130; es ist dort der Ausgang aus der 'Dyson-Sphäre'.
"Dienstfrei": Kes, Neelix, der Doktor
23. Parturition
(medizinisch: "Geburtsvorgang")
Der Höllenplanet   EB
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Eine hervorragende Geschichte. In einem dramatischen und doch realistischen Geschehen wird aus Eifersucht und Männerstolz schließlich Kameradschaft und Männerfreundschaft. Dazu die brillante Trickfigur des kleinen Reptils, die perfekt das irdische 'Kindchen-Schema' bedient. Mit dieser (zweifellos intelligenten) Rasse werden ein wenig die 'Reptilianer' vorweggenommen (vergleiche "Enterprise", Staffel 3).
Unglaubwürdig: Tuvok analysiert das völlig unbekannte Schiff der fremden Spezies mit einer Klarheit, als hätte er deren Technologie in der Grundschule gelernt. Zum ersten Mal spielt Harry Kim seine geliebte Klarinette.



24. Persistence Of Vision
("[Hartnäckiges] Andauern einer Vision")
Rätselhafte Visionen   EB
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Die Episode ist von Anfang an interessant und sehr spannend. Bis Sie am Ende überraschend einbricht. Schade.
Zum dritten Mal sehen wir den Captain als 'Gouvernante' in ihrem Holo-Roman, doch dieser Faden wird nicht weiter verfolgt, wir hören nie wieder von 'Mrs. Davenport'. Auch Gaststar Carolyn Seymour (hier wieder das unwirsche Hologramm der 'Mrs.Templeton') sehen wir zum fünften und letzten Mal nach TNG 37, TNG 89, TNG 140 und Ep. 13.
Die Sternenflottenmoral wirkt wieder einmal schwer überzogen: Janeway steckt etliche Schläge weg, ohne sich zu verteidigen. Erst nachdem ihr blutende Wunden zugefügt wurden, schlägt sie zurück. Für die anglistische Wendung 'Es läuft jemand über mein Grab' gibt es keine deutsche Entsprechung, außer vielleicht: 'Es läuft mir eiskalt den Rücken hinunter'.
In Tuvok's 'Vision' sehen wir die vulkanische Laute wieder, die wir von Mr. Spock kennen (Classic 8 (2) (in der ZDF-Version geschnitten) und Classic 75).
Als die gesamte Crew neutralisiert ist, steht Kes allein und kämpft mit ungeheurer Courage weiter. Einfach unübertrefflich! Um so enttäuschender dann das Ende: Der Eindringling ist gar nicht da. Er wurde zwar bekämpft und auch verletzt, aber eigentlich gibt es ihn gar nicht ...
Premiere für 'Admiral Paris', Vater von Tom Paris
25. Tattoo
Tattoo   EB
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Ein für das internationale Publikum schwer nachvollziehbarer Exkurs in die indianische Mythologie, letztendlich aber wohl nicht 'merkwürdiger' als Ben Sisko's Ausflüge zu den 'Propheten'. Interessanter ist die Nebenhandlung um die (programmierte) Krankheitserfahrung des Doktor. (Brillante Maske !)
Der junge Chakotay berichtet von seiner Empfehlung für die Akademie: Durch 'Captain Sulu'... Nun, welcher 'Sulu'? Hikaru Sulu, der frühere Steuermann der "Enterprise", zählt in der fraglichen Zeit bereits deutlich über hundert Jahre, und falls er noch im Dienst ist, dann keinesfalls als 'Captain'! Oder seine Tochter 'Demora'*? Sie wäre ungefähr 70...
Die 'Sittenwächter' des amerikanischen Fernsehens haben wieder einmal zugeschlagen: Das scheinbar nackte Hinterteil von Chakotay (augenscheinlich ohnehin ein Double) wird von einer fleischfarbenen 'Alibi-Hose' verdeckt.
Kurzes Wiedersehen mit Fähnrich Wildman.
26. Cold Fire
("Kaltes Feuer")
Suspiria (Eigenname)   EB
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Als endlich die Partnerin des Fürsorgers gefunden wird, glaubt wohl von vornherein niemand mehr an eine Rettung, die Serie muss ja weitergehen. Statt dessen gibt es schwachen Psycho-Horror, zu schlecht gemacht zum Gruseln. Allein Jennifer Lien besticht ein weiteres Mal mit einer brillanten Darstellung der überragenden Kes. Der wirkliche Grusel sitzt tiefer: Die 'Argumente' des agressiven Ocampa 'Tanis' gegenüber Kes sind so totalitär, dass sie schon fast nach NS-Propaganda klingen...
Die sehr erwachsene Stimme des kindlich aussehenden bösen Geistes 'Suspiria' wird im Originalton von "Mrs. Star Trek" Majel Barrett gesprochen. Erste Gastrolle für den 'ewigen Vorsprecher' Gary Graham; er stand (nach unbestätigter Quelle) in der engeren Auswahl für die Rollen der Captains' Sisko und Janeway (bis letzterer dann doch weiblich wurde). Erst in "Enterprise" wird ihm eine größere und dauerhafte Rolle vergönnt sein.
27. Maneuvers
("Die Manöver")
Das Signal   EB
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Die Rückkehr von 'Störfaktor' Seska war absehbar. Ihr Manipulationsgespräch mit Culluh gerät sehr theatralisch. Zum zweiten Mal (nach Ep. 10) sieht Janeway sich gezwungen, einen Führungsoffizier 'zusammenzustauchen'.
Die Masken der Kazon-Majes erinnern an Popstars der 1970er Jahre ...
Wiedersehen mit Seska und Culluh.


28. Resistance
(auch: "Widerstand")
Die Resistance   EB
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Eine solche Handlung liegt fern ab von jedem Scifi-Thema. So gut die Absicht auch immer sei, das ist nichts für STAR TREK.
Seltsam: Obwohl das Volk von Alsaurian die Transportertechnologie nicht kennt, weiß der junge Widerständler zu berichten, dass Neelix 'gebeamt' wurde.
Der Darsteller des fiesen 'Ober-Bullen' Augris, Alan Scarfe, ist zu dieser Zeit mit Barbara March verheitratet (Duras-Schwester 'Lursa'), er wird weltweit populär durch seine Hauptrolle in der Kultserie "Seven Days" (" − Das Tor zur Zeit").
"Dienstfrei": Kes, der Doktor
29. Prototype
Prototyp   EB
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Unweigerlich werden Erinnerungen wach an Geordi's Schicksal in TNG 43. B'Elanna verstößt aus lauter Barmherzigkeit gegen die Hauptdirektive, und das rächt sich bitter ...
Scotty, der 'Wunderknabe' hätte bei Captain Janeway schlechte Karten: Sie kürzt die veranschlagte Reparaturzeit gleich mal um ein Drittel.


30. Death Wish (gesendet als 34.)
Todessehnsucht   EB
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Wer ist der einzige, der die "Voyager" im Deltaquadranten besuchen kann? Natürlich 'Q' (John de Lancie). Man hat lange gezögert, diese überragende Figur zum Einsatz zu bringen, zwei weitere Auftritte folgen. Dies ist eine der wenigen 'Q'-Episoden ohne Wortspiel im Originaltitel. Als lebensmüden 'Q2' sehen wir Gerrit Graham (*1949).
Die Episode wird nach dem Abdrehen wochenlang zurückgehalten, was auf heiße Diskussionen hinweist; denn mit dem 'Recht auf Selbstmord' wird ein brisantes Thema aufgegriffen. Doch trotz der eher 'unangepassten' Auflösung wirkt die Episode schwach, sie ist einfach gar zu langatmig inzeniert.
Weiterer Gast: Commander Riker aus "The Next Generation"
31. Alliances (gesendet als 30.)
Allianzen   EB
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Chakotay hat völlig recht mit seiner Forderung nach einem Bündnis. Dass der Verlauf der Story ihn widerlegt, ist unglaubwürdig! Ein Mal mehr wird der Geist den strahlenden Amerika in einer Welt von Verderbnis beschworen ...
Die Figur des 'Maje Culluh' entwickelt Parallelen zu 'Gul Dukat' ("Deep Space Nine"). Erster von sieben Kurzauftritten für Ingenieur 'Hogan' (Simon Billig). Ebenfalls neu: Ingenieur 'Michael Jonas' (Raphael Sbarge): Er verrät die "Voyager" an Seska und bezahlt das fünf Folgen später mit seinem Leben.


32. Threshold (gesendet als 31.)
Die Schwelle   EB
oo
Das ist nicht mehr als eine Aneinanderreihung chaotischer Fiktionen, eine Geschichte ohne jeden erkennbaren Sinn! Die 'Verwandlung' von Paris und Janeway ist genau so unglaublich, wie die Entscheidung, ihre 'Nachkommen' auf dem öden Planeten zurückzulassen. Und wenn so die Zukunft der Menschheit aussehen soll: GENE RODDENBERRY würde 'im Grab rotieren'!
Tom's Warp 10-Shuttle heißt "Cochrane", nach dem wegweisenden Konstrukteur des Warpantriebes, der in Classic 31 (38) eingeführt worden ist. Zum ersten Mal trägt ein Schiff diesen Namen. Noch im selben Jahr wird dem fiktiven Wissenschaftler ein überragender Kinofilm gewidmet.
33. Meld
("Verschmelzung", gesendet als 32.)
Gewalt   EB
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Nach der letzten Episode kann es eigentlich nur besser werden. Dennoch, die Figur des 'Suder' (Brad Dourif, *1950) ist nicht glaubwürdig dargestellt, hier hat kompetente Fachberatung gefehlt (vergleiche Ep. 42); immer wieder werden antiquierte Klischees vom 'Verrückten' bedient, als Tiefpunkt wird Tuvok mit einer 'Weiterentwicklung' der archaischen Elektroschock-'Therapie' behandelt. Von horrender Brillanz ist die Szene, in der Tuvok Neelix erwürgt. Großes Aufatmen: Es war nur eine Holosimulation.
Im Nachhinein fragt sich der 'Kenner', ob der Psychpath 'Suder' nicht eine Paraderolle für Verwandlungsgenie Jeffrey Combs gewesen wäre, doch der ist zu dieser Zeit voll und ganz damit beschäftigt, sich in "Deep Space Nine" als 'Brunt' und 'Weyoun' zu etablieren. Und nicht zuletzt gilt Brad Dourif als 'Spezialist': Auch Jahrzehnte nach seinem brillanten Filmdebüt in Milos Foreman's "Kuckucksnest"* ist er noch immer auf "Psychopathen"-Rollen 'abonniert'. Seine Rolle in "The Lord of the Rings" ("Der Herr der Ringe", 2002-03) geht ebenfalls in diese Richtung.
Die Betätigung als betrügerischer Buchmacher ist einfach typisch für Tom Paris: Er kann's nicht lassen... Der Kommentar des Doktor zu Tuvok's wiederhergestelltem Seelenleben ist ein köstlicher Bezug zum grotesken 'Spock': "Sie sind auf dem Weg, wieder normal zu werden. Obwohl ich nicht weiß, ob das Wort 'normal' auf eine Spezies, die alle Emotionen unterdrückt, zutrifft."
34. Dreadnought
("Das Schlachtschiff", gesendet als 33.)
Der Flugkörper   EB
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Ein genauestens durchdachtes Drehbuch, brillant und spannend umgesetzt, unerwartete Wendungen inklusive, so macht man beste Science Fiction. Und ein Mal mehr eine überragende B'Elanna Torres. Exakt dargestellt: Die Monitore und Konsolen im Flugkörper sehen genau so aus, wie wir sie von "Deep Space Nine" kennen: Sie sind cardassianisch. Hinzu kommt die cardassianische Computerstimme des Dreadnought, es ist die von Gul Dukat. Wir hören von einem Vertrag zwischen der Föderation und Cardassia: Seit 2367 bekämpft man gemeinsam terroristische Aktionen im Grenzgebiet, vergleiche TNG 86. Allerdings ist damit eher das Gegenteil erreicht worden: 2370 wird der 'Maquis' gegründet.
Tuvok untertreibt gewaltig, was die Zerstörungskraft des "Dreadnought" betrifft.
In einem kurzen Wiedersehen mit Samantha Wildman werden wir daran erinnert, dass es bald Nachwuchs gibt auf der "Voyager".
35. Investigations
("Ermittlungen", gesendet als 36.)
Der Verräter   EB
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Neelix macht seine Aufnahmen mit einem enorm futuristischen 'Rund-um-Scanner', dessen 'Sucherbild' jedoch sieht genau so aus wie in einem Camcorder der 1990er Jahre. Zum wiederholten Mal fällt auf, wie unglaublich schnell und umfassend er sich Technik und Methoden der Föderation angeeignet hat. Er zeigt nicht nur überlegene Körperkräfte, sondern auch ein Maß an technischer Sachkenntnis, für das Sternenflottenoffiziere über Jahre studieren. Die Krönung ist, dass der Computer Neelix' Stimme als Autorisation anerkennt, nur weil er zufällig den richtigen Code aufgeschnappt hat! Es ist auch unglaubwürdig, dass Chakotay in den getürkten Abgang von Tom Paris nicht eingeweiht war. (Dieser Handlungsstrang kommt aus der folgenden Episode, deren Handlung vorher angelegt ist. Die Sternzeit allerdings liegt später ...)
Tom Paris zeigt in dieser Geheimmission Qualitäten, die eines '007' würdig wären! 'Michael Jonas' (Raphael Sbarge) kommt in dieser Episode zu Tode, er tritt in der vorher gezeigten Folgeepisode zum fünften und letzten Mal auf.
Weiterer Auftritt von Seska
36. Lifesigns
(gesendet als 35.)
Lebensanzeichen   EB
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Paris zu Chakotay: 'Mein Problem sind Sie!' Ganz ähnlich äußert sich Reg Barclay zu Geordi, aber das Problem ist wohl doch ein anderes. (Vergleiche TNG 69.) Allerdings geht Chakotay bei der 'Rempelei' auf der Brücke gar zu bereitwillig zu Boden ...
Das Programm des Doktors umfasst "50 Mio GigaQuads" (400.000 Terrabytes), auch zwanzig Jahre später noch eine fantastische Datenmenge; und vier Mal so viel wie der Gesamtspeicher von Mr. Data!. Er verwendet eine Operationsmethode, die von einem gewissen 'Leonard McCoy' im Jahr 2253 entwickelt wurde, also lange bevor dieser auf die "Enterprise" kam.
Mit Danara's holografischem Körper erlebt der Doktor zum zweiten Mal eine intime Beziehung. (Vergleiche Ep. 12.) Darstellerin Susan Diol sehen wir auch als Riker's Beinahe-Geliebte 'Carmen' in TNG 104.
In einem Kurzauftritt kündigt Seska die bevorstehende Übernahme der "Voyager" an.
37. Deadlock
("[gegenseitige] Blockierung", "Patt")
Die Verdopplung   EB
Θ Λ
Eine interessante und effektvoll umgesetzte Geschichte. Man kann jedoch kaum behaupten, die Handlung hätte 'logische Risse'. Denn in dieser Handlung gibt es keinerlei Logik! Die Voraussetzung, dass, wodurch auch immer, die gesamte Materie des Schiffes verdoppelt wird, die Antimaterie des Antriebs jedoch nicht(!), ist an Widersprüchlichkeit kaum zu überbieten!
Wie auch immer: Dies ist ein entscheidender Schlag gegen die berüchtigten Vidiianer. Und wir erleben die - überaus schwierige - Geburt des 'Voyager-Baby's' Naomi Wildman; ein tragischer Part für ihre Mutter Samantha.

38. Innocence
Unschuld   EB
Θ
Seichte Fantasy-Story um ein interkulturelles Missverständnis. Das graubraune Gesicht der kleinen Tressa lässt von Anfang an erahnen, daß dies nicht wirklich Kinder sind. 'Prälat Alcia' verbirgt ihr höchst faltenreiches Gesicht unter einem eleganten Schleier. Die volle Wirkung von Marnie McPhail's horror-strotzender Mimik erleben wir erst in ST 8, dort hat sie eine kleine Rolle als Besatzungsmitglied, das von den Borg assimilliert wird.
39. The Thaw
("Das Auftauen", "Tauwetter")
Das Ultimatum   EB
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Eine gewöhnungsbedürftige Story. Vor allem ist dies keine akzeptable Abbildung von 'Angst'. Angst existiert nicht zu ihrem eigenen Vergnügen und findet sich selbst auch keinesfalls 'lustig'! Dieser graue 'Angst-Clown' ist eine blasse Nachahmung des 'Q'. Dennoch: Trotz des aberwitzigen Inhalts ist die Handlung schlüssig. Und bis zum Schluß ausgesprochen spannend, besonders deshalb, weil man es diesmal vermieden hat, die Pläne des Captain's 'im Beisein' des Zuschauers zu diskutieren. (Vergleiche DS9 67.)
Garrett Wang gibt sich am Anfang echt Mühe, seine Klarinette unsauber klingen zu lassen (weil Harry doch noch üben muss...)
Das "Männergespräch" zwischen Harry und Tom verläuft im Original noch um einiges 'deftiger', so bekennt Tom Paris, dass er die attraktive, aber unnahbare 'Lt. Susan Nicoletti' volle sechs Monate lang "bejagt" hat - ohne Erfolg... Wenig später warnt der Doktor davor, den 'Schläfern' einfach "den Stöpsel zu ziehen"; er meint natürlich 'den Stecker' (im Original 'unplug' - 'abstecken').
Unter der Maske des 'Riesengeistes' verbirgt sich Carel Struycken, der Darsteller von 'Mr. Homn' (fünf Auftritte in TNG). Mit 2,13m Lebendlänge ist er fast einen vollem Meter größer als die 60−jährige Ballerina Patty Maloney.
40. Tuvix
(Eigenname)
Tuvix   EB
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Die Vermischung von derart gegensätzlichen Figuren ist eine interessante Idee, und das Mischwesen 'Tuvix' wird von Tom Wright brillant verkörpert. Beachtlich: Selbst die Kleidung von Neelix ist mit der von Tuvok vermischt.
Doch dann wird die Frage nach der Wiederherstellung der beiden zu einer 'ethischen Diskussion' aufgebauscht und völlig über­dramatisiert. Selbstverständlich muss, so weit gefahrlos möglich, die Rückkehr zum Normalzustand erfolgen, auch wenn es das Ende für die zufällig entstandene Tuvix-Kreatur bedeutet! Die einzigen, die ein moralisches Recht gehabt hätten, dies in Zweifel zu ziehen, lässt man nicht zu Wort kommen: Neelix und Tuvok selbst hätten nach ihrer Wiederherstellung klärende Worte sprechen müssen. Doch da heißt es: 'Happy End - Abjeblend't '. Ein fataler Schluss!
41. Resolutions ("Beschlüsse")
Entscheidungen   EB
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Nach dem bisherigen Verhältnis zwischen der warmherzigen Janeway und Chakotay ist klar, dass in der Abgeschiedenheit sehr schnell eine intime Freundschaft entsteht. Deshalb will beim Zuschauer auch nicht so recht Erleichterung aufkommen, als die beiden am Ende wieder die Uniformen anziehen und ihren 'Garten Eden' verlassen für einen tristen Alltag an Bord. Doch Tuvok als amtierender Captain legt eine Rettungsaktion hin, beinahe vergleichbar mit der von Will Riker in TNG 75.
Natürlich fürchtet Janeway für ihre Tomaten die höchst schädlichen Kartoffelkäfer (in Amerika auch bekannt als 'Colorado beetles') und nicht 'Tomatenkäfer' ('tomato bugs'), letztere sind ein Leckerbissen aus der Rubrik 'Kochen mit Kindern'.
Niemals sonst sehen wir einen Captain beim Baden ...
42. Basics, Part I
("Grundlagen")
Der Kampf ums Dasein, Teil 1   EB
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Ultimativer Höhepunkt des Konfliktes mit der Verräterin Seska und den Kazon. Es kommt zum Äußersten: Die "Voyager" geht verloren. Eine brillante Dramaturgie stellt die Weichen für die zwingend logische Rettung.
Der Psychopath Suder ist hier, im Gegensatz zu seiner Einführung in 33 (32), überaus sachkundig und glaubwürdig dargestellt. Doch das ist nur ein hervorragendes Detail in einer Doppelepisode, bei der von Anfang bis Ende alles stimmt. (Außer vielleicht, dass sie einer der berüchtigten Cliffhanger ist ...)
Chakotay's Vater 'Kolopak' kennen wir bereits aus Ep. 19, Darsteller Henry Darrow gibt in TNG 25 einen vulkanischen Admiral. Selbstmord-Attentäter 'Teirna' (John Gegenhuber) sehen wir auch in Ep. 27 und in Ep. 31 (30); dort heißt er allerdings 'Kelat'.
Wesentliche Rollen für Seska, Culluh und Suder.