„Voyager“ weiter auf Kurs

Die ‚Altlasten‘ bleiben zurück

Der Beginn der dritten Staffel markiert einen Schnitt in Verlauf der Serie: Nachdem wir in Ep. 41 zum letzten Mal von den berüchtigten Vidiianern gehört haben, löst sich in der Startepisode nicht nur das Spannungsfeld um die Veräterin Seska und die Kazon auf, auch dem psychopathischen Killer Lon Suder wird ein STAR TREK-typisches positives Ende zuteil.
Befreit von diesen 'Altlasten' fliegt die "Voyager" einer Staffel voller neuer Welten entgegen, völlig unbelastet vom Dominion-Krieg im fernen Alphaquadranten, der in "Deep Space Nine" endgültig in seine 'heiße Phase' übergeht. Und auch nicht ahnend, dass gerade in diesen Wochen die Borg einen neuen Großangriff auf die Erde starten und nur unter großen Opfern von der "Enterprise−E" gestoppt werden können: Wenige Wochen nach Staffelstart hat der achte Kinofilm Premiere.
Doch auch im Deltaquadranten lauern nicht nur Gefahren, sondern auch Elend und Kriminalität. Waren diese Themen noch in "The Next Generation" die Ausnahme, so greift STAR TREK sie nun immer öfter auf. Später, in "Enterprise", sehen wir noch so manche Tragik in den Weiten des Weltraums.
Im DVD-Bonusmaterial zu dieser Staffel zitiert Paramount aus "The Original STAR TREK: Voyager Bible", die einen frühen Stand der Planung wiedergibt. Danach sollte Tuvok bei Serienstart nicht 107, sondern bereits 160 Jahre alt sein, und der Vorname von Captain Janeway ist 'Elisabeth' ...
Die einzigen 'Delta-Aliens', die den Flug der "Voyager" auch weiterhin begleiten, sind die Talaxianer, das Volk von 'Moraloffizier' Neelix, das offenbar sehr weit herumkommt. Am Ende dieser Staffel soll dann gar das Unmögliche wahr werden: Eine Allianz mit den Borg ...
43. Sacred Ground
("Geweihter Boden", gesendet als 49.**)
Das Ritual   EB
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Seit der Classic-Serie ist keine Episode mehr so lange 'in der Schublade' zurückgehalten worden wie diese, und das aus gutem Grund: Wir sehen eine über-fantasierende Psycho-Fantasy-Story, bei der 'STAR TREK draufsteht, aber nicht STAR TREK drin ist'. Im Gegenteil, dieses Drehbuch stellt alles in Frage, was SciFi ausmacht.
Dazu kommt ein Mal mehr eine völlig missratene Nacktszene: Wegen der perversen Zensurpraktiken des US-Fernsehens ist Kate Mulgrew gezwungen, sich krampfhaft mit den Armen zu bedecken. Doch das Ablegen der Uniform soll ja gerade das Zurücklassen aller weltlichen Zwänge symbolisieren.
Dadurch verkehrt sich der dramaturgische Sinn des Nacktseins in's Gegenteil. Amerikas Fernsehmacher sollten der Zensur mit Konsequenz begegnen und auf so etwas völlig verzichten. (Siehe auch Ep. 25, 110 (111), 111 (109) und TNG 142.)
Der gebürtige Bayer Harry Groener ('Magistrat von Nechani') ist auch Gaststar in TNG 68, wir sehen ihn wieder kurz vor dem Schluss von "Enterprise".
Am Ende ist es fast noch ein Lichtblick, dass Regie-Neuling Robert Duncan O'Neill in weiser Selbstbeschränkung fast gar nicht erscheint.
Der 'wartende alte Mann' spricht mit der deutschen 'Garak'-Stimme von Friedrich Beckhaus.
44. False Profits
("Falsche Profite", gesendet als 47.)
Das Wurmloch   EB
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Geniale Fortschreibung von TNG 56. Der Originaltitel ist wieder einmal ein Wortspiel: 'False Profits' klingt im Englischen praktisch genau so wie 'False Prophets' ('Falsche Propheten'). Ein besonderes Bonmot ist der unermüdliche 'Barde' mit seinem 'Lied der Weisen', es klingt im Original genau so überspitzt grotesk wie im Deutschen. Darsteller Michael Ensign sehen wir auch als verblendeten Politiker in TNG 89, als vulkanischen Botschafter in DS9 17 und als vulkanischen Arzt in Ent 40.
Der 'geringere Weise' Kol ist für diese Fortschreibung umbesetzt worden. Den cleveren Diener 'Kafar' (Rob LaBelle, *?) sehen wir in Ep. 14 und 169 als Talaxianer. In der Folgezeit wächst seine Popularität weiter durch vielfältige Serienrollen, u.a. in "Smallville" (2003), "Da Vinci's Inquest" (2003/04) und "The 4400" (2005/06).
Nur minimaler Alibi-Auftritt für Kes und den Doktor.
30 Jahre STAR TREK · Revival zum Ersten
45. Flashback ("Die Rückblende", gesendet als 44.)
Tuvoks Flashback   EB
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Dieser erste Revival-Versuch geht ziemlich daneben. Es genügt eben nicht, ein paar alte Charaktere 'auszugraben', einen Vulkanier endlos meditieren und einen Captain in 'Wild-West-Romantik' schwelgen zu lassen, man benötigt auch eine Story! Wie's gemacht, wird sehen wir sechs Wochen später in DS9 103 (104).
Tuvok's Verwirrtheit beginnt damit, dass er den Sitz seinen Hirnwellen-Monitors (seitlich am Hals) mit 'am Scheitelbein' (in der deutschen Version sogar 'Scheitellappen') bezeichnet, aber das scheint niemand zu registrieren. Erst als er gegen Klingonen kämpfen will, werden seine Gesprächspartner stutzig. Dann sehen wir drei Figuren aus ST 6 wieder, darunter zwei 'ganz alte STAR TREK-Hasen' ...
Da die Dreharbeiten zu diesem Film erst fünf Jahre zurückliegen, ist es kein Problem, George Takei (Sulu), Grace Lee Whitney (Rand) und Jeremy Roberts (Valtane) in ihre alten Kostüme schlüpfen zu lassen. Damit verliert Captain Kirk den Rang des 'langlebigsten Hauptcharakters', Sulu und Rand haben ihn überholt, sie halten diesen Rekord bis 2009 (vergleiche 'STAR TREK - Eine Bilanz'). Außerdem holt Grace Lee Whitney (inzwischen 66 Jahre) die Krone der 'ältesten STAR TREK-Frau', Majel Barrett ist bei ihrem letzten Auftritt in DS9 93 "erst" 64.
Nach Quellenangabe sind George Takei -und vor allem Grace Lee Whitney- von der Mitarbeit an dieser Episode so sehr begeistert, dass sie am liebsten mit der "Excelsior" in eine eigene Serie gestartet wären. Doch die Idee, ein altes Schiff mit einem alten Captain (der Sulu-Darsteller ist beinahe 60) in ein ein neues STAR TREK-Abenteuer zu schicken, ist für die Macher gar zu abenteuerlich.
Völlig missraten ist die Maske von Klingonen-Commander Kang (Michael Ansara), er hat kaum noch Ähnlichkeit mit seinem nur 25 Jahre jüngeren Ich in Classic 66 (62), sieht sogar noch 'zerfurchter' aus als der 77 Jahre ältere Kang in DS9 39.
Einige Szenen aus dem sechsten Kinofilm sind mit dem aktuellen Team neu gedreht worden, andere hat man unverändert übernommen, zum Beispiel Sulu's zerschellende Teetasse. Und natürlich die teuren Spezialeffekte. Die klingonische Heimatwelt heißt hier 'Kronos', genau wie im Film; auf die inzwischen verbreitete klingonische Lautumschrift "Qo'noS" wird verzichtet.
Wir erfahren, dass Tuvok 109 Jahre alt ist und nach seinem ersten Einsatz, mit 29 Jahren, die Sternenflotte verließ, um nach mehr als 50 Jahren zurückzukehren. B'Elanna und Tom Paris haben nur winzige Alibi-Auftritte, Tom nicht einmal Text.

46. Basics, Part II
("Grundlagen", gesendet als 43.)
Der Kampf ums Dasein, Teil 2   EB
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Genau wie in der parallelel laufenden fünften "Deep Space Nine"-Staffel hat man die relativ stressarme Zeit vor dem Staffelstart gut genutzt: Als die Startepisode in Angriff genommen wird, sind bereits drei Folgen fertig. Schließlich ist das erfolgreiche Abdrehen der "Basics"-Fortsetzung eher Formsache, denn die Story ist in Teil 1 klar vorgezeichnet worden. Da diesmal auch das Autorenteam komplett erhalten geblieben ist, wirken die beiden Teile vollständig 'aus einem Guss'.
Brad Dourif setzt die psychischen Qualen des Gewalttäters Suder brillant in Szene, und durch seinen Heldentod wird Suder vollständig rehabilitiert; eine gekonnte Auflösung für diese komplizierte Figur. Mit dem Tod von Seska (Martha Hackett) schwindet auch die Konfrontation mit den Kazon, Maje Culluh (Anthony De Longis) sehen wir zum fünften und letzten Mal. Die Serie verliert an dieser Stelle drei permanente Charaktere durch 'Tod auf offener Szene': Neben Seska und Suder hat auch Ingenieur Hogan (Simon Billig) seinen siebten und letzten Auftritt. Alle drei sind ehemalige 'Maquis'.
Zum ersten Mal seit ihrer Geburt sehen wir die nunmehr sechs Monate alte Naomi wieder, und zum letzten Mal wird sie von einem namenlosen Säugling verkörpert; bei ihr ist ihre Mutter Samantha Wildman.
47. The Chute
("Die Rutsche", gesendet als 45.)
Das Hochsicherheitsgefängnis   EB
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Schwer verdauliche Kost zum Thema 'Menschenrechte' und 'Haftbedingungen', die Situation erinnert an F. J. Schaffner's Meisterwerk "Papillon" von 1973. Leider wird der Faden um den intellektuellen Gefangenen 'Zio' (Don R. McManus) nicht weiterverfolgt, statt dessen setzt man bei der Lösung auf Action, diesmal recht effektvoll und auch glaubwürdig. Doch das ist nichts für Harry Kim: Für einen Sternenflottenoffizier kämpft er unglaublich schwach, er schlägt um sich wie ein verzweifeltes Mädchen ...
Roxann Biggs-Dawson hat den Namen ihres Ex-Mannes endlich abgelegt und heißt von nun an Roxann Dawson. Als akritirianischen Botschafter sehen wir Robert Pine, den Vater des späteren 'Kirk'-Darstellers Chris Pine. Er hatt eine zweite Gastrolle in Ent 17.

48. Remember
Das Erinnern   EB
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Die Situation erinnert uns sofort an TNG 112; erst nach und nach wird sichtbar, dass man nicht die Absicht hatte, ein 'Remake' zu produzieren (es wäre ja nicht das erste Mal ...). Statt dessen schwenkt die Story auf eine überaus schwache Holocaust-Kritik über, bei der am Ende der Völkermord sogar noch als 'innere Angelegenheit' des fremden Volkes geduldet werden muss. Zwar findet B'Elanna am Ende doch noch einen Weg, das Große Vergessen zu hemmen... Dennoch: Ein allzu leiser Aufschrei!
49. The Swarm
(gesendet als 46.)
Der Schwarm   EB
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Die Haupthandlung um die ominösen Insekten-Wesen verkommt zur Farce, um so mehr, da am Ende kein Kontakt erfolgt, statt dessen werden sie einfach verjagt. Viel interessanter ist der Faden um die plötzliche 'Erkrankung' des Doktor. Ein Mal mehr sehen wir eine großartige Kes, die sich voller Hingabe um ihn sorgt, zugleich erschüttert vom Grauen vor seiner Demenz. Leider ist diese Handlung über weite Strecken unlogisch, vor allem in der Auflösung: Man hätte das Diagnoseprogramm für das Overlay nicht opfern müssen, es hätte genügt, es einfach zu kopieren. Es ist auch unverständlich, dass ein Persönlichkeitsspeicher von vergleichweise lächerlichen '15.000 GigaQuads' (120 Terrabytes) derartige Probleme bereitet, die medizinische Datenbank des MHN ist mehr als 3000 Mal so groß! (vergleiche Ep. 36 (35)) In der deutschen Version wird das noch verstärkt durch Zimmerman's horrendes Technik-Kauderwelsch. Als dieser gar dem gestörten Hologramm die Intelligenz eines Wurzelgemüses zuspricht, versagen die Synchronautoren völlig: Sie lassen für 'Pastinake' einfach den englischen Begriff 'parsnip' stehen.
50.-51. Future's End
("Das Ende der Zukunft")
Vor dem Ende der Zukunft   EB 50   EB 51
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Eine sehenswerte Zeitreisegeschichte mit hervorragender Gastbesetzung und ein echter Lichtblick in der bis jetzt eher schwächelnden dritten Staffel. Der Auftritt der Stamm-Crew in Zivilkleidung des Jahres 1996 erinnert ein wenig an die Zeitreise der Classic-Besatzung in ST 4. Allerdings: Die rasante Computerentwicklung am Ende des 20. Jahrhunderts als Ergebnis einer Zukunftstechnologie darzustellen, ist schlichtweg aberwitzig! Zwangsläufig geraten die weiteren Ergebnisse des 'Zeit-Transfers' etwas verworren. Dafür fällt als 'Souvenir' aus dem 29. Jahrhundert der mobile Emitter des Doktor ab (zum Glück hat Captain Braxton (Alan G. Royal, *1944) ihn am Ende übersehen ...).
Dass der Regisseur für den zweiten Teil wechselte, fällt nicht auf. Insgesamt verläuft die Handlung in beiden Teilen zu langatmig, doch für einen Einteiler wäre es auf jeden Fall zu viel gewesen. Tom Paris wäre am Ende allzu gerne geblieben und bei der süßen Astronomin (Sarah Silverman) eingezogen, aber er zeigt Stärke: Die Zeitlinie muss geschützt werden. Doch welcher Erdling des 20. Jahrhunderts gibt einem Mädchen den Namen 'Rain' ('Regen')??
52. Warlord
Der Kriegsherr   EB
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Nicht unbedingt die originellste Story, aber hervorragend umgesetzt. Bereits zum fünften Mal sehen wir Kes in einer tollen Paraderolle, die Autoren haben wohl 'einen Narren gefressen' an diesem so klein und zart wirkenden Geschöpf. (Vergleiche Episoden 16, 17 (19), 24, 26 und 49 (46).) Und die erst 22−jährige Jennifer Lien revanchiert sich mit einer kaum zu übertreffenden Darstellung des 'Warlord'. Ein Übriges tun die Maskenbildner: Es ist von horrender Brillanz, wie dem gequälten Ilariianer das Blut aus den Öffnungen der Maske dringt.
Zwar geht am Ende alles 'gut aus', doch Janeway bringt die bittere Erkenntnis auf dem Punkt: Wenn man im Krieg war, ist danach die Welt nie wieder so wie zuvor.
Die überaus hörige 'Gefährtin' des 'Warlord' (Galyn Görg, *1964) ist identisch mit der fiktiven Ehefrau des erwachsenen Jake Sisko in DS9 76 (75).
53. The Q And The Grey (Wortspiel)
Die Q-Krise   EB
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Eine langatmige und in ihrer Aussage schwer nachvollziehbare Geschichte. Selbst Suzie Plakson (*1958) bleibt als bildschöne Q-Frau erstaunlich blass, von ihr sind wir mehr gewohnt: Sie ist unter anderem in "The Next Generation" Worf's halbklingonische Jugendfreundin K'Ehleyr, die Mutter seines Sohnes Alexander. Um so schriller klingt uns Q's Ruf nach einer 'neuen Rasse' und einem 'Führer' in den Ohren, eine Vorstellung, die man im 'Kontinuum' eigentlich überwunden haben sollte. Aber "unbegrenzte Macht ..."
Wir sehen Neelix' Holo-Programm des talaxianischen Vergnügungscenters 'Paxau' wieder, das in der vorigen Episode kreiert und von der Besatzung sofort 'weiterentwickelt' worden ist. Der Originaltitel verballhornt die Wendung 'The Blue And The Grey': Blau und Grau waren die Farben der Unionsuniformen im amerikanischen Bürgerkrieg (1861−65). Allerdings sehen sie in dieser Episode eher schwarz und grünlich aus.
54. Macrocosm
Makrokosmos   EB
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Die Entstehung der 'Makroviren' ist zwar genetisch nicht so ganz schlüssig, doch das schadet der sehenswerten Horror-Fiction-Story kaum. Doch wo, um alles in der Welt, genoss Janeway ihr Überlebens- und Kampftraining?? Erst legt sie in der Hitze die Uniform ab (fehlender Verdunstungsschutz !), dann betritt sie einen ungesicherten Raum rückwärts !! Sicher, Kate Mulgrew war nie ein Freund von Actionfilmen, doch die Regie ...
Von grotesker Brillanz ist der Einsatz von Neelix als Körpersprache-Dolmetscher. Erneut kommt sein Spaßprogramm 'Paxau' zur Anwendung, es wird effektiv eingesetzt, um die Bekämpfung der 'Viren' zu unterstützen.

Zwei Wochen nach "Deep Space Nine" legt nun auch "Voyager" eine Pause ein, zugunsten des kürzlich angelaufenen achten Kinofilms.
55. Alter Ego
(latein: "Das andere Ich", gesendet als 56.)
Das andere Ego   EB
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Obwohl sich der Zuschauer schon bald fragt, wer die (vermeintliche) Holofigur des 'Paxau'-Programms so plötzlich auf die 'Kragenweite' von Tuvok umprogrammiert hat, bleibt die Geschichte bis zum Ende enttäuschend seicht.
Wir lernen das hochlogische vulkanische Spiel 'kal−toh' kennen, quasi die vulkanische Entsprechung zu Schach, natürlich auf vulkanischem Niveau (in Ep. 4 heißt ein geografischer Ort fast genau so). Und wir erleben einen krassen Tabubruch: Seit dreißig STAR TREK-Jahren gilt es als unmöglich, bei aktiviertem Schutzschild zu beamen, in dieser Episode wird Tuvok ohne weiteres durch den Schild gebeamt! Unklar bleibt auch der Bezug des Titels.
Den neuen vulkanischen Ingenieur 'Vorik' kennen wir aus TNG 167, allerdings heißt er dort 'Taurik'. Darsteller Alexander Enberg hat auch eine Nebenrolle in TNG 127. Vorik's Synchronsprecher Thomas Nero Wolf ist u.a. auch die deutsche Stimme von 'Damar' (Casey Biggs) in "Deep Space Nine".
56. Fair Trade
("Ehrlicher Handel", gesendet als 55.)
Das Wagnis   EB
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Spannende Kriminal-Milieu-Studie mit überzeugender Moral: Ja, wer in Wohlstand lebt, kann leicht ein 'ehrlicher Bürger' sein. Doch was ist mit denen, die es nicht so gut getroffen haben: Die Not macht sie hart. Und wer hat schon das Glück, mit einem derartigen 'Husarenstück' aus dem kriminellen Milieu freizukommen. Für Neelix wäre die Verbannung von der "Voyager" fast so schlimm wie ein Abgang aus dem 'Nexus'. Nie hat sich jemand mit größerer Freude auf eine 'Strafarbeit' gestürzt.
Da diese Geschichte bei der Sendefolge vorgezogen wird, sehen wir zum ersten Mal den in der vorigen Episode eingeführten 'Fähnrich Vorik'
"Dienstfrei": Harry Kim
57. Blood Fever ("Blutfieber", gesendet als 58.)
Pon Farr (vulkanisch: "Blutfieber")   EB
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Für STAR TREK-Neulinge ein erfrischender Crashkurs in außerirdischer Sexualität. Doch wieso hat 'Vorik' erst jetzt sein erstes 'Pon Farr'? Seit ST3 wissen wir, dass Vulkanier konsequent aller sieben Jahre das 'Blutfieber' durchleben, die rasant wachsende Spock-Wiedergeburt trifft es mit voller Wucht, als sie das Stadium eines Siebenjährigen durchlebt.
Endlich hat auch der Letzte bemerkt, dass Tom und B'Elanna eigentlich zusammengehören, wahrscheinlich sogar die beiden selbst. Ein nettes Bonmot liefert der Doktor: Er kann mit vulkanischen Argumenten genau so treffsicher umgehen wie mit menschlichen.
Dagegen ist das Auffinden der verwesten Überreste eines Borg-Drohns ein völliger Reinfall: Der im Vorfeld beschriebene Angriff auf den Planeten widerspricht voll und ganz allem, was wir über die Borg wissen: Sie hätten die gesamte Kultur, Lebewesen und Bebauung, nicht zerstört, sondern 'assimiliert', also die Bewohner (sofern erreichbar) in Drohnen umgewandelt und als neuen Bestandteil ihres 'Borg-Kollektivs' zurückgelassen. Nur wenn sich das nicht lohnte, hätten sie die Siedlung zerstört, dann allerdings restlos! Außerdem lassen die Borg niemals tote Drohnen zurück.
Wesentliche Rolle für Fähnrich Vorik.
58. Coda
(italienisch: "Schluss-Akkord"
[in der Musik], gesendet als 57.)
Der Wille   EB
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Die anhaltende Schwäche der dritten Staffel durchleidet hier ihren erschreckenden Tiefpunkt. Es scheint, als hätte der Autor am Ende vergessen, was er am Anfang geschrieben hatte, denn die 'déjà vu'-Erlebnisse zu Beginn haben keinen Bezug zum weiteren Verlauf der ohnehin kaum erkennbaren 'Handlung'. Diese Episode ist ein zweite Top-Favorit bei der Wahl des absoluten Tiefpunkts der Serie (neben 32 (31)).
"Dienstfrei": Harry Kim
59. Unity ("Eintracht")
Die Kooperative   EB
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Behutsam wird dem Zuschauer nahegebracht, dass es im Deltaquadanten mächtigere Wesen als die Borg gibt. Damit beginnt ein völlig neuer Handlungsstrang, der sich bis zum Ende der Serie hinzieht. Bereits in TNG 152−153 begegneten wir ehemaligen Borg-Drohnen, die sich aus dem 'Kollektiv' befreien konnten, doch diesmal haben sie sich auf ihre ursprüngliche Herkunft besonnen und die Merkmale ihrer (eigentlichen) Rassen teilweise zurückgewonnen. Dennoch sehnen sie das vermeintlich positive ihres Borg-Daseins zurück: Das ordnende Kollektivbewusstsein. Dabei ignorieren sie völlig, dass das auch eine perfekte totalitäre Gleichschaltung bedeutet.
Bereits in Classic 52 (50) hat RODDENBERRY unmissverständlich vor der Vorstellung gewarnt, man könne ein totalitäres System auf seine 'erstrebenswerten' Bestandteile begrenzen. In dieser Episode scheint es zunächst zu gelingen. Aber Chakotay's warnende Worte zum Schluss sind nur allzu berechtigt ...
60. Rise
("Das Aufsteigen", gesendet als 61.)
Die Asteroiden   EB
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Es geht wieder aufwärts mit "Voyager": Dies ist eine in mehrfacher Hinsicht brillante Episode, einerseits ein sehenswerter Agentenkrimi, andererseits eine gekonnte 'Mr. Vulkanier'-Geschichte. Ein Mal mehr darf Neelix brillieren, während der allglatte Tuvok lernen muss. So erfährt das ungewöhnliche Verhältnis zwischen den beiden erneut eine Weiterentwicklung. Unverkennbar sind die Parallelen zu der drei Monate zurückliegenden Episode DS9 107.
Zum zweiten Mal beamt die "Voyager" Personen durch den aktiven Schutzschild. Die hier gezeigte Technologie einer 'Seilbahn' in den Orbit basiert auf realen Plänen der NASA.


61. Darkling
("Düsternis", gesendet als 60.)
Charakterelemente   EB
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Der Doktor will sich wieder einmal vervollkommnen, das Ergebnis ist eine beängstigende 'Docyll & Hyde'-Vision. Eine hervorragende Geschichte, gespickt mit unterschwelligem Horror. Zum ersten Mal wird das bevorstehende Ausscheiden der brillanten Kes angedeutet. Selten: Beide Handlungsstränge münden in eine gemeinsame Auflösung.
Beim Showdown stürzen Kes und der Doctor in eine Schlucht; im haltlos trudelnden Fall erfasst sie der rettende Beamstrahl. Und sie landen aufrecht stehend und weich auf der Transporterplattform...
Neben den realen Philosophen Sokrates, Lord Byron und Mahatma Gandhi erscheint auch die vulkanische Über-Denkerin T'Pau aus Classic 34 (30) auf dem Holodeck. Am Ende zitiert der wieder hergestellte Doktor einige Bruchstücke des 'Hippokratischen Eides', die den antiquierten Text unangemessen glorifizieren.
Den 'Garn-spinnenden' Wirt Nakahn (Stephen Davies) sehen wir auch im DS9-Pilotfilm und -als Jem'Hadar- in DS9 75 (76).
62. Favorite Son
("Der Lieblingssohn")
Die neue Identität   EB
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Natürlich ist es für Genetiker immer wieder ein Alptraum, wenn in Science Fiction-Geschichten die (an sich völlig unmögliche) Komplett-Mutation eines Erwachsenen beschrieben wird. (Vergleiche auch die nahezu zeitgleich produzierte Episode DS9 114.) Doch abgesehen davon ist diese Episode spannend und durchaus sehenswert, nicht zuletzt wegen des 'Elfenreigens' ausgesuchter Schönheit.
Ein Mal mehr erleben wir Harry Kim in der Rolle des (eher unfreiwilligen) 'Womenizer', das ist im amerikanischen Fernsehen für einen Asiaten noch immer sehr ungewöhnlich. In dieser Episode kommt es zum ersten (und wiederum von den amerikanischen Medien vielbeachteten) TV-Kuss zwischen einem Asiaten und einer negriden Frau. (Vergleiche Classic 67 (65), 1969 und DS9 78, 1995).
Die Anführerin des 'Reigens', Deborah May, ist 3½ Jahre zuvor in DS9 30 als Führerin der heimatlosen 'Skrreea' zu sehen. Mit dabei ist auch die rothaarige Patricia Tallman (*1957): Dies ist ihre siebte Kleinrolle (drei in TNG, drei in DS9), wesentlich häufiger (über-)sehen wir sie als Stunt-Double für Duras-Schwester B'Etor, Beverly Crusher und Kira Nerys. Für die 17−jährige Kristanna S. Loken (hier als Super-Blondine 'Malia') ist dies erst der zweite TV-Auftritt, sechs Jahre später spielt sie die Hauptrolle in "Terminator 3", ein weiteres Jahr danach ist sie 'Brunnhild' in "Ring Of The Nibelungs" ("Die Nibelungen").
63. Before And After
("Vorher und nachher")
Temporale Sprünge   EB
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Eine Reise, vorwärts und rückwärts durch die Zeit, da ergeben sich zwangsläufig Parallelen zum TNG-Schlussfilm. Hier wie dort erleben wir eine mögliche Variante der Zukunft (grotesk: Harry wird Tom's Schwiegersohn). Da jedoch das von Kes mit zurückgebrachte Wissen diese Zukunft ändert, wird dann wohl doch alles ganz anders ...
Deshalb werden die in dieser Episode genannten künftigen Fakten und Daten bei nachfolgenden Drehbüchern kaum eingearbeitet, das fällt besonders auf im Bezug zu 76−77, sicher ist nur, dass dieses grauenvolle Jahr, wie auch immer, am Ende nie stattgefunden haben wird. Doch auch in der Vergangenheit sind bekannte Dinge merkwürdig verändert, zum Beispiel trug Kes bisher nie langes Haar ... Kes' zukünftige Tochter ist zweifellos Angehörige der Sternenflotte. Wieso trägt sie dann kein Rangabzeichen?
64. Real Life
Das wirkliche Leben   EB
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Die brillant groteske Geschichte um die anfangs peinlich 'schräge' Familie des Doktor lässt die eigentliche SciFi-Handlung fast vergessen: Mit Tom's unfreiwilligem Flug durch den Subraum werden wir wieder ein Stück näher herangeführt an die bald folgende haarsträubende Entdeckung, die eine Allianz mit dem bisher tödlichsten Feind, den Borg, ermöglichen wird.
Ebenfalls "schräg" ist die neue Zöpfchen-Frisur von B'Elanna... die man zum Glück gleich wieder aufgibt.
Die 'Tochter des Doktors' (Lindsey Haun, *1984) ist identisch mit der holografischen 'Beatrice Burleigh' in Ep. 16 und Ep. 24.


65. Distant Origin
Herkunft aus der Ferne   EB
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Eine brillante Idee: Man benutzt eine Fabel, in der die "Voyager" quasi 'von außen' betrachtet wird und nur eine Nebenrolle spielt. Entsprechend ist die Darstellung in bester Fabel-Tradition sehr realistisch und kritisch. Einzig störend ist Janeway's Schlussmonolog mit dem penetranten 'How-The-West-Was-Won'-Hintergrund.
66. Displaced
("Am falschen Ort")
Translokalisation   EB
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In dieser Episode kommt auf erfrischende Weise das beste von Kirk und Picard zusammen. Nach der originellen Ausgangssituation in eine verzweifelte Lage gebracht, zeigt die Crew Wagemut, Entschlossenheit und jenes faszinierende Uhrwerk-artige Zusammenspiel, das für Picard's Team typisch ist. Im Gegensatz zu ihm darf die Dame Janeway die Peiniger sogar ein wenig foltern. Ihr Anführer heißt 'Dammar', also beinahe genau so, wie die 'rechte Hand' von Cardassianer-Chef Dukat in "Deep Space Nine". Zum zweiten Mal, nach Ep. 57 (58) agiert auf der Brücke 'Ensign Lang' (Deborah Levin, *?); wir sehen sie ein drittes Mal in Ep. 76.
Für B'Elanna und Tom ist es ein verdammt schwerer Weg zueinander...
67. Worst Case Scenario
("Super−GAU")
Rebellion Alpha   EB
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Zunächst glauben wir uns völlig 'im falschen Film'! Der kundige Zuschauer kommt in's Stutzen, als Maquis-Lieutenant B'Elanna Torres plötzlich als Sternenflotten-Fähnrich dasteht. Als dann 'Seska' auftaucht (sie ist seit über zwei Jahren von Bord und seit acht Monaten tot), wird die Sache klar: Wir sind in einer Holosimulation. Mit der Frage nach dem Urheber und der Fortschreibung des Programms könnte die Geschichte im Stil einer beschaulichen Seifenoper ausklingen.
Aber weit gefehlt: Eine aktionsreiche Wendung lässt die bis hierher schon überdurchschnittliche Episode zu brillanter Hochform auflaufen. Am Ende ist es wieder einmal der stoische Vulkanier, der den 'Schwarzen Peter' hat. Diesmal wird Tuvok 'um ein Haar' zum Opfer seiner eigenen Sicherheitsparanoia.
68. Scorpion
Skorpion, Teil 1   EB
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Diese Episode ist allererste Wahl für Freunde aktionsreicher Science Fiction, jedoch − mit Bergen von Leichen und Strömen von Blut − nicht so ganz STAR TREK-typisch (obwohl ähnliches bereits in Classic 73 gezeigt worden ist).
Endlich kommen sie zum Vorschein, diese Überwesen, vor denen sogar die Borg flüchten. 'Spezies 8472' ist derart aggessiv, dass es angebracht scheint, sich mit den Borg gegen sie zu verbünden. Doch wie so oft wird alles ganz anders kommen ... Ein groteskes Detail: Zum Darstellen der Borg-Leichenberge dienen Plastik-Spielfiguren aus dem Fan-Shop, die einfach in Stücke gehackt und mit etwas Kleber zu einem Haufen loser Glieder zusammengefügt worden sind.
Als Janeway Captain Picard zitiert, merkt Chakotay an, dass sie dabei unwillkürlich dessen Sprechweise nachgeahmt hat, leider ist das nur in der Originalfassung zu hören. Zum ersten Mal sehen wir die Simulation von Leonardo Da Vinci.
Gaststar John Rhys-Davies hat als 'Simulation von Leonardo da Vinci ' so viel Spaß, dass man ihm wenig später die Hauptrolle in einer speziellen 'Da Vinci '-Episode auf den Leib schreibt.