Auf halbem Weg: Korrektur Richtung Erfolgskurs

Borg an Bord und Haupdarstellerin schwanger - Was kann da noch schief gehen !

Die sensationelle Entwicklung aus dem ersten Teil des Cliffhanger's wird tatsächlich weiterverfolgt: Eine bisher für undenkbar gehaltene Allianz mit den Borg, kommt zustande. Dabei kommt die Borg-Drohne 'Seven of Nine' an Bord. Mit Jeri Ryan (*1968) wird nach über drei Jahrzehnten zum zweiten Mal ein Hauptcharakter mit einem vordergründigen Sexsymbol besetzt. Der Vergleich zwischen der harmlosen, schutzbedürftigen 'Janice Rand' von 1966 und der walkürenhaften Über-Frau 'Seven of Nine' spricht Bände über den gesellschaftlichen Wandel, der weit über eine Frage des Zeitgeschmacks hinausgeht. Die überragende 'Kes' (Jennifer Lien) wird nun als Gastcharakter geführt, sie geht kurz nach Staffelstart von Bord. Für Regie und Kamera wird es eine Herausforderung der 'besonderen Art', dass Roxann Dawson schwanger ist und noch vor Ablauf der Staffel ein Kind zur Welt bringen wird. Der zwei Jahre zuvor gelungene Geniestreich, Nana Visitor's Schwangerschaft glaubhaft in die Rolle von (Single-Frau !) Kira Nerys zu integrieren, läßt sich nicht wiederholen. B'Elanna's Freund Tom Paris zum Vater zu machen, kommt ebenfalls nicht in Frage, eine 'Familienidylle' hätte wohl auch den Rahmen der Serie gesprengt. So bleibt nur der Weg, die Schwangeschaft so gut wie möglich zu verbergen. Wir sehen Roxann Dawson's Babybauch nur ein Mal 'in voller Schönheit', in 86−87.
69. Scorpion, Part II
Skorpion, Teil 2   EB
ΘΘΘΘΘ Λ *
Das Energie-Feuerwerk des abschaltenden Borg-Alkovens gibt 'Seven of Nine' einen nahezu sensationellen Einstieg. Selbst unter der überaus entstellenden Borg-Maskierung ist sofort klar, dass hier ein Sexsymbol auf uns zukommt. Leider wird der starke Auftritt geschmälert durch einen krassen Dialogfehler: Sie stellt sich vor mit den Worten:
'Ich spreche für die Borg.' ('I speak for the Borg.') Synchronsprecherin Anke Reitzenstein verstärkt den Fehler noch, indem sie das 'Ich' besonders betont. Dabei ist uns wohl bekannt, dass die Borg den Begriff "Ich" praktisch nicht kennen. (Zum Beispiel fällt dem Drohn in TNG 123 das Verständnis des 'Ich 'unerhört schwer, was in die groteske Formulierung: "Wir sind Hugh" mündet.) Im weiteren Verlauf wird nachgebessert: 'Seven of Nine' bezeichnet sich selbst als 'diese Drohne'.
Ein brillanter Schachzug, wie Janeway plötzlich ihren (angeblich 'weggeschlossenen') Ersten Offizier als 'Trumpf aus dem Ärmel' holt. Obwohl der Zuschauer dabei sicher weit weniger überrascht wird als die Borg.
Die (hier nicht creditierte) Familie der kleinen 'Annika Hansen' sehen wir noch einmal in Ep. 74. Kes, inzwischen zur Super-Empathin ausgewachsen, hat während der Auseinandersetzung mit Spezies 8472 den Platz des Councelor's inne; für 'Moraloffizier' Neelix bleibt nur ein Alibi-Auftritt.
70. The Gift (auch: "Das Geschenk")
Die Gabe   EB
ΘΘ
Ganz ähnlich wie zu Beginn der vierten Staffel von "The Next Generation" (TNG 78 (76)) folgt auf den Cliffhanger eine eher besinnliche Episode, die den Umbruch der Ereignisse reflektiert und gewissermaßen 'glättet'. Erst mit den hier gezeigten ersten Schritten zur Eingliederung von Seven of Nine und dem Abgang von Kes ist die dritte Staffel wirklich abgeschlossen, und noch mehr als seinerzeit bei 'Locutus-Picard' wird der Rückverwandlung von Seven in einen Menschen künftig so mancher Stolperstein im Wege liegen.
Leider fehlt dem Handlungsstrang um Kes jeder logische Sinn, so dass ihr Abgang reichlich seifenoprig gerät.
Der ewige Statist 'Lt. Ayala' hat eine seiner seltenen Sprechrollen. Niemand weiß, warum er im Moment nur Ensign ist.
Vorerst letzter Auftritt von Kes.


71. Nemesis (gesendet als 72.**)
Nemesis   EB
ΘΘ
In dieser Episode wagt sich STAR TREK an das heikle Thema 'Propaganda' und 'Gehirnwäsche'. Leider muss man sehr genau mitdenken, um zu verstehen, dass die 'Guten', in diesem Fall die Nausikaaner-ähnlichen 'Kredin', auch mit propagandistischen Mitteln arbeiten. Damit schießt die Geschichte exakt am Ziel vorbei, denn die wesentliche Aussage bleibt für die große Masse der Zuschauer unverständlich. Schade.
"Dienstfrei": Seven Of Nine
72. Day Of Honor
(gesendet als 71.)
Tag der Ehre   EB
ΘΘΘΘΘ Λ
Brillante Story um eine völlig entnervte Chefingenieurin, für die der rituelle klingonische Ehrentag zum schwärzesten Tag ihres Lebens wird. Bis hin zur Schlusssequenz, die trotz unendlicher Romantik weitgehend ohne 'Schmalz' auskommt, stimmt hier (fast) alles. Der tricktechnische Geniestreich, die rettende "Voyager" im Spiegelbild von B'Elanna's Helmscheibe aufkommen zu lassen, wird zum krönenden Abschluss.
In einem Interview berichtet Roxann Dawson, dass sie (wegen der Auswirkungen ihrer Frühschwangerschaft) mit dem geschlossenen Helm des Raumanzugs enorme Probleme hatte.
Ungereimt im Detail: Wieso steht Tom Paris im Rang über B'Elanna? Beide sind 'Lieutenant junior grade'. Das hier gezeigte Shuttle heißt "Cochrane"; zum allerersten Mal trägt ein Schiff diesen Namen. Die Schreibweise wurde korrigiert*.
Wiedersehen mit Fähnrich Vorik.
"Dienstfrei": Der Doktor
73. Revulsion
("Ekel")
Der Isomorph   EB
ΘΘΘΘ
Nach seiner 'stillschweigenden Degradierung' in Ep. 13 erhält Tuvok endlich die überfällige Beförderung zum Lieutenant Commander. Damit gibt es nun einen dritten Offizier mit Kommandobefähigung. Zum ersten Mal beobachten wir bei Seven Of Nine so etwas wie eine emotionale Regung: Bei der gemeinsamen Arbeit hat sie für Harry einen Anflug von freundlichem Lächeln. Der dem armen Kerl prompt heimliches 'Herzrasen' beschert ...
Nach zwei Kleinrollen (eine weitere folgt in "Enterprise") spielt LeLand Orser (*1960) hier die Hauptrolle.
Die Idee eines 'psychopathischen Hologramms' ist selbst für STAR TREK recht verwegen, doch die Umsetzung ist sehenswert. Eine gute Episode mit zwei nahezu gleichwertigen Handlungssträngen.
74. The Raven
("Der Rabe", hier [auch] Eigenname des Schiffs)
Der schwarze Vogel   EB
ΘΘ
An und für sich wäre das eine sehenswerte Episode um die weitere Integration der überaus bemerkenswerten Seven Of Nine geworden. Schon Jeri Ryan's Mimik bei den ersten Ess-Versuchen der 'entwöhnten' Borg-Drohne ist unschlagbar.
Aber die Geschichte steckt voller logischer Fehler. Was war denn der "Raven"? Er gehörte wohl nicht der Sternenflotte an, deshalb steht auf der Typentafel auch einfach "The Raven". Schon in Ep. 70 ist deutlich geworden, dass die Hansons kritisch zur Sternenflotte standen. An der Außenhülle des Wracks lesen wir zwar "U.S.S. Raven NAR−32450", am Computermodell des Schiffes (Nur im DVD-Bonusmaterial sichtbar) steht jedoch "Raven NCC 1812" (ohne 'U.S.S.').
Dass sich das Schiff namens "The Raven" in Seven's Flashbacks als lebender Vogel manifestiert, ist hanebüchener Unsinn! Und wie konnte der "Raven" zwanzig Jahre zuvor in den Deltaquadranten gelangen? Dazu gibt es zwar in 111 (109) den Versuch einer Erklärung, doch der bleibt unglaubwürdig.
75. Scientific Method
("Wissenschaftliche Methode")
Verwerfliche Experimente   EB
ΘΘΘΘ
Zwar nicht so ganz STAR TREK-typisch (Captain Picard hätte wohl mit den Fremden verhandelt und eine Übereinkunft erzielt), aber aktionsreiche, spannende Science Fiction. Hinzu kommt ein ganzer Reigen kleiner Bonmots: Die brillante Aufnahme von Janeway's Gesicht auf der Massageliege, die Maske des gealterten Chakotay, der in die 'Leonardo'-Umgebung integrierte Replikator (mit 'Eimer-Ausgabe') und nicht zuletzt Tuvok's vulkanisch-trockene Rückfrage 'Soll ich sie eventuell auch auspeitschen?' ('Shall I flog them as well?') ...
Eine bessere Fachberatung hätte der Maske der gepeinigten Frau angestanden: Wenn ihr Blutdruck so hoch wird, dass das Blut flächig durch die Gesichtshaut dringt, sind längst die Adern in den Schleimhäuten geplatzt, so dass ihr das Blut in Strömen aus sämtlichen Körperöffnungen rinnt, ganz zu schweigen von Inneren des Hirns.
Die 'Da Vinci'-Simulation aus Ep. 68, die bereits in der vorigen Episode erneut gezeigt wurde, spielt hier eine wesentliche Rolle. 'Leonardo' selbst muss jedoch noch sieben Wochen auf seinen zweiten -gewaltigen- Einsatz warten..
Zeitreise durch die Hölle
76.-77. Year Of Hell
Ein Jahr Hölle
EB 76     ΘΘΘΘ               EB 77     ΘΘΘΘΘ
Rasantes Raum-Zeit-Spektakel mit beachtlicher logischer Stimmigkeit in der Haupthandlung. Und eine weitere eindringliche Warnung vor Experimenten mit der Zeitlinie. Der in Ep. 63 vorweggenommene Bezug wird nicht wieder aufgenommen, inzwischen ist ja einiges geschehen und Kes hat die "Voyager" verlassen...
Es ist mehr als bedauerlich, dass sich bei aller Präzision in einem Nebendetail ein logischer Fehler eingeschlichen hat: Seven Of Nine berichtet vom Start der "Phoenix" im Jahre 2063 (ST 8). Sie behauptet, davon Kenntnis zu haben, weil die Borg damals dabei gewesen sind, als Zefram Cochrane seinen Erstflug unternahm. Das ist zwar richtig, jedoch ist den Borg 2063 kein Kontakt zu ihrem Volk gelungen (unvergesslich: Worf's Schlachtruf 'Assimilate this! '), sie haben also ihr Wissen um die "Phoenix" mit in den Tod genommen.
Neben einer Paradesituation für den Holo-Doktor (er schlägt zwei Crewmen die rettende Luke vor der Nase zu, weil dies exakt zu diesem Zeitpunkt objektiv erforderlich ist, um den Rest zu retten,) erleben wir ein Feuerwerk wohl durchdachter Bezüge, auch über STAR TREK hinaus:
Zunächst fällt auf, dass Captain Janeway zu einer 'Action-Frisur' zurückgekehrt ist. Dann wird ein Bezug zur seinerzeit fortschrittlichen Technik des historischen Seeschiffes "Titanic" hergestellt. Zwar ist die "Titanic" dennoch gesunken, doch im Unterschied zu den damaligen Seeoffizieren, die glaubten, ein Studium der neuen Technik nicht nötig zu haben, sind Sternenflottenoffiziere ja geradezu berühmt für ihren unermüdlichen Drang nach Vervollkommnung. (Es ist erwiesen, dass die "Titanic" tatsächlich nicht gesunken wäre, wenn der Kommandant nicht wegen seiner Unwissenheit und Ignoranz bezüglich der neuen Technik versagt hätte.)
Tuvok ist nach Waffeneinwirkung erblindet, genau wie einst Mr. Spock in Classic 29. Der Name des Zeit-pfuschenden 'Wissenschaflers', Annorax, ist angelehnt an 'Aronnax', die zentrale Figur in Jules Verne's "Vingt mille lieues sous les mers" ("20.000 Meilen unter dem Meer"). Darsteller Kurtwood Smith (*1943) sehen wir u.a. in ST 6 als Föderationspräsident.
Chakotay ist inzwischen so stark von seiner Rolle als Führungsoffizier 'aufgesogen', dass er sich von Annorax vereinnahmen läßt, während Tom Paris instinktiv klaren Kopf behält. Am Ende wird die Raum-Zeit-Waffe vernichtet, die "Voyager" setzt ihren Weg unangefochten fort, und das 'Year Of Hell' hat niemals stattgefunden.
SAT1 fügt die Doppelepisode für die Erstausstrahlung zu einem Stück zusammen, im Original beginnt mit 'Tag 133' der zweite Teil.

78. Random Thoughts
("Die Gedanken sind frei")
Gewalttätige Gedanken   EB
ΘΘΘΘΘ
Irgendwie erinnert die Situation zunächst an TNG 9 (8). Beeindruckend: Der über hundert Jahre alte Tuvok ist den drei Angreifern zwar körperlich nicht gewachsen, aber sein Geist ...
Ein Mal mehr packt STAR TREK ein überaus heißes Thema an, und es wird sehr realistisch gezeigt, dass Gewaltverherrlichung (genau wie Kinderpornografie und Drogen und ...) durch staatliche Reglementierungen keineswegs beseitigt werden kann, dass dadurch letztendlich nur ein Schwarzmarkt gefördert wird. Als Chefermittlerin Nimira sehen wir Gwynyth Walsh: Ohne ihre Klingonenmaske ist die Darstellerin von Duras-Schwester B'Etor kaum zu erkennen; deren unrühmliches Ende liegt inzwischen drei Jahre zurück.
Zu Beginn der Episode, auf den Marktplatz, sehen wir B'Elanna Torres zum vorerst letzten Mal in voller Größe, ihr Babybauch ist kaum noch zu übersehen. Von nun an ist für Monate nur noch ihr Oberkörper im Bild.
79. Concerning Flight
("Das Fliegen betreffend")
Apropos Fliegen   EB
ΘΘΘ
Diese aktionsreiche Story ist ganz und gar Gaststar John Rhys-Davies 'auf den Leib geschrieben'. Dabei verblasst die "Voyager" und ihre Besatzung zu Statisten, nur Captain Janeway darf an der Seite des Meisters mitspielen. Jedoch ist ihr 'Leonardo' ein Hologramm, und den Bericht von Captain Kirk, der seinerzeit dem echten da Vinci begegnet sein will, betrachtet sie sehr skeptisch (vergleiche Classic 76 (74)). Unter seinen Entwürfen befindet sich hier auch das Modell eines Fahrrades - sehr umstritten.
Leonardo bezeichnet seinen neuen Dienstherrn als "as ruthless as a Borgia" ("so rücksichtslos wie ein Borgia"); in der deutschen Fassung wird dieser Vergleich verweiblicht und damit auf ein Mitglied der für ihre Machtgier berüchtigten Borgia-Familie beschränkt: Die heute als schuldlos geltende Lucrezia Borgia.
John Rhys-Davies ist zu dieser Zeit längst weltberühmt, vor allem durch seine Auftritte in "Indiana Jones"- und "007"-Filmen. Ab 2001 gibt er den Zwergenkrieger 'Gimli' in der Fantasy-Trilogie "The Lord Of The Rings" ("Der Herr der Ringe").
80. Mortal Coil ("Mühsal des Irdischen")
Leben nach dem Tod   EB
ΘΘΘΘ
Fragen der Spiritualität und des Glaubens sind von jeher eben so wichtig wie umstritten. Auch diesmal verhilft uns der gekonnte Einsatz von SciFi-Mitteln zu einer Sichtweise, wie sie 'nie zuvor ein Mensch gesehen hat'. Damit steht diese Episode in einer Reihe mit TNG 35 und TNG 117.
Zum ersten Mal seit dem Säuglingsalter sehen wir die kleine Naomi Wildman, hier noch in sicherer Obhut ihrer Mutter Samantha. Sie ist für ihre reichlich 1½ Jahre nicht nur unerhört groß, sondern auch recht aufgeweckt. Sicher liegt das im Erbe ihres ktarianischen Vaters, denn ein Jahr später wird sie bereits von einer Zehnjährigen verkörpert. Bei einem Kind, das im fünfzehnten Schwangerschaftsmonat geboren wurde, gelten wohl etwas andere Maßstäbe ...
Fast erfüllt es uns ein wenig mit Genugtuung, dass die Kazon (Spezies 329) nicht wert sind, von den Borg assimiliert zu werden. Chakotay liefert eine schwache Führungsleistung, als er zulässt, dass Neelix auf dem Holodeck noch einmal Zeuge seines eigenen Todes wird. Dafür präsentiert er sein brillantes 'akoonah' (es geht eben auch ohne Drehköper ...)
Die kleine Brooke Stephens (für dieses eine Mal 'Naomi Wildman') liefert hier die erste ihrer insgesamt drei TV-Rollen, die Karriere als 'Kinderstar' ist kurz, ihr reales Alter leider nicht bekannt.
Neelix ist (nach Spock und Worf) der dritte Charakter, der von den Toten zurückkehrt.
Wiedersehen mit Samantha und Naomi Wildman
Endlich: „Voyager“ meldet sich
81. Message In A Bottle (gesendet als 82.)
Flaschenpost   EB
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Dies ist zweifellos eine der besten STAR TREK-Episoden überhaupt. Nicht nur, dass durch den holografischen Fernkontakt mit der Heimat neue Perspektiven voller Hoffnung eröffnet werden, ohne zugleich den Fortbestand der Serie in Frage zu stellen, auch die groteske Interaktion der beiden MHNs ist ein Geniestreich. Behandelt sie doch auf ebenso ernsthafte wie humorvolle Weise nichts anderes als den ewigen Konflikt der Generationen. In einem Bezug zur Classic-Serie erfahren wir, dass Leonard McCoy's "Vergleichende Anatomie" im 24. Jahrhundert ein medizinisches Standardwerk ist. Und wir erleben 'Science Fiction in Science Fiction': Der experimentelle Prototyp "Prometheus" (sehr wohl als 'NX' bezeichnet, vergleiche Einführung zu "Enterprise") ist aus Sicht der "Voyager"-Crew 'Zukunftsmusik'. Da sieht der Liebhaber leicht über gewisse logische Schwächen hinweg, zum Beispiel, dass ein 100.000 Jahre altes Kommunikationsnetz erstens, überhaupt noch funktioniert, und zweitens, ohne jede Anpassung kompatibel zur Holo-Matrix des Doktor ist.
Kaum erkennbar hinter der Maske des Romulaner-Captain steckt Scott Hudson, wir kennen ihn als menschlichen 'Blondling' aus ST 2 und TNG 23 (22).
Auch der Darsteller des Hirogen-Captain ist uns wohl bekannt, vergleiche (über-)nächste Episode.
Die deutsche Fassung enthält einen überaus dummen Synchronfehler: Der romulanische Commander will die "Prometheus" dem 'Volk der Tal Shiar'(!) übergeben. Ist es möglich, dass im gesamten Synchronstudio nicht einer ein bisschen Ahnung von STAR TREK hat? Ist denn tatsächlich niemandem aufgefallen, dass 'Tal Shiar' kein Volk, sondern der berüchtigte romulanische Geheimdienst ist? (Vergleiche TNG 140.) In den folgenden Episoden häufen sich weitere Übersetzungsfehler, in einer Weise, wie es das seit der Classic-Serie nicht mehr gab.

82. Waking Moments
(gesendet als 81.)
Wache Momente   EB
Θ
Die Geschichte beginnt vielversprechend, Mehrfach-Verwirrungen bürgen in der Regel für Spannung. Obwohl der Verlauf durchaus logisch zusammenpasst, bleiben die Autoren einige Erklärungen schuldig, vor allem ist nicht nachvollziehbar, was die 'Schläfer' mit der eroberten "Voyager" anfangen wollten, ganz zu schweigen davon, was ihre Körper physisch am Leben erhält.
B'Elanna trägt von nun an über ihrer Uniform ein 'Tarnmäntelchen', um den wachsenden Baby-Bauch zu kaschieren.
83. Hunters
Jäger   EB
oo Λ
In dieser Episode geschieht nicht allzu viel, sie dient in erster Linie zur Aufarbeitung der sensationellen Ereignisse aus 81 (82). Nachdem der Doktor die Nachricht vom Dominion-Krieg mitgebracht hat, liefern nun die Briefe der Angehörigen weitere, zum Teil tragische Einzelheiten: Der Maquis ist völlig vernichtet, Janeway's Verlobter hat eine andere geheiratet... Hinzu kommt der Kontakt mit den überaus aggressiven 'Hirogen'. All das erfordert eine Neuausrichtung des weiteren Handlungsverlaufs. Es mutet wie ein Witz an, wenn die Sternenflotte offen in ihre Botschaft schreibt, dass weitere Informationen darin versteckt sind, das wäre ja geradezu eine Aufforderung für potentielle 'Hacker'! Doch das geschieht nur in der deutschen Fassung, ein weiterer peinlicher Fehler im Synchrondialog ...
Der Alpha-Hirogen erscheint auch in 81 (82), Darsteller Tiny Ron kennen wir aus "Deep Space Nine", er hat dort eine permanente Nebenrolle als Diener des Groß-Nagus.
84. Prey
Beute   (DVD-Version: Die Beute)   EB
ΘΘΘ
Es ist schon hart für Tom, als er, nichts Böses ahnend, einen Hirogen-Helm vom Boden aufhebt, um entsetzt festzustellen, dass der Kopf noch drin ist. Mit einem Exemplar der Subraum-Spezies 8472 (vergleiche 68−69) haben die Hirogen ihre Beute 'eine Nummer zu groß' gewählt.
Durchaus realistisch, dass die Crew bei der Integration von Seven Of Nine auf Probleme stößt und auch Rückschläge hinnehmen muss. Beim Disput um Seven's Disziplinverstöße wird Janeway's Befehl "As you were!" übersetzt mit "Befehl aufgehoben!". Eine viel kritisierte Übersetzung, die sich bei tieferer Recherche jedoch als korrekt erweist! Eine echte Sinnentstellung gibt es dagegen nach dem Ende der Schlacht mit den Hirogen: Janeway trägt in ihr Logbuch ein: 'Es ist zwölf Uhr' Das ist nicht nur völlig unüblich, sondern Unsinn. Im Originaltext heißt es: 'It's been twelve hours', also 'Es sind zwölf Stunden vergangen'.
Als Alpha-Hirogen sehen wir diesmal Tony Todd, den Darsteller von Worf's Bruder 'Kurn'.
85. Retrospect
("Der Rückblick")
Im Rückblick   EB
ΘΘΘ
Die Sternenflotte vergibt schnell: Noch vor einer Woche die härtesten Worte, und schon stellt Janeway fest, Seven Of Nine habe sich 'in letzter Zeit gut benommen'. Was bleibt, sind die fortgesetzten Textfehler in der deutschen Fassung, diesmal wird eine Absaugpumpe mit Überdruck betrieben, und aus Seven's Borg-Assimilationsröhrchen werden "Simulationsröhrchen".
Dennoch, die Episode schildert eindrucksvoll, was geschehen kann, wenn man eine Untersuchung mit Übereifer und (unbewusster) Voreingenommenheit angeht. Dass ausgerechnet der holografische Doktor einem Irrtum aufsitzt, verstärkt die Aussage noch (und lässt ihn erneut sehr menschlich aussehen...). Der Darsteller des Waffenhändlers Kovin, Michael Horton, 'dient' im achten und neunten Kinofilm als Sicherheitsoffizier auf der "Enterprise−E".
"Dienstfrei": Neelix
SS-Besatzer auf dem Holodeck
Janeway verschenkt Holo-Technologie
86.-87. The Killing Game
The Killing Game, Part II
Das Tötungsspiel (Geteilte Doppelfolge)   EB 86   EB 87
ΘΘΘΘΘ Λ
Ein Meisterstück, das dem amerikanischen Publikum den Alltag im besetzten Paris der NS−Zeit mit erschreckendem Realismus nahebringt. Und nun, fünf Jahre nach "Schindler's Liste", wagt es niemand mehr, diese Doppelepisode dem deutschen Fernsehpublikum vorzuenthalten. (Bis zur deutschen Erstausstrahlung von Classic 52 (50) vergingen fast dreißig Jahre.) Dazu trägt auch bei, dass historische NS-Symbole nur sehr sparsam und verfremdet gezeigt werden.
Leider mündet das in einen willkürlichen Wirrwar von Uniformen und Rangabzeichen; zum Beispiel waltet in dieser Fiktion des besetzten Paris nicht die gewöhnliche 'Wehrmacht', sondern die deutlich Regime-nähere 'SS'. Und dann ist es auch noch die "falsche SS".
Seven's 'Künstlername' auf dem Holo-Deck ist 'Mademoiselle de Neuf', also 'Fräulein von Neun' ('Miss of Nine'). Dieses eine Mal darf sich Roxann Dawson zu ihrem Baby-Bauch bekennen.
In einer zweiten Simulation muss Ethan Phillips zusätzlich zu seiner 'Neelix'-Maske noch die Maske eines Klingonen (er−)tragen, und wir erfahren, dass klingonischer Blutwein doppelt so stark ist wie Whisky.
Neu und beunruhigend: Bisher hat sich Captain Janeway stets entschieden dagegen verwahrt, fremden Spezies aus dem Deltaquadranten Föderationstechnologie zu überlassen. Doch nun gibt sie die holografische Technik an die Hirogen weiter, sie drängt sie ihnen förmlich auf!
Nach dieser Doppelepisode macht die "Voyager" fünf Wochen Pause; Zeit, die Roxann Dawson für sich und ihr Baby braucht. Danach geht es mit gewohntem (B')Elan(na) weiter. Am Set nutzt man die Zeit für zeitraubende 'Nebenarbeiten', zum Beispiel entstehen schon jetzt die Spezialeffekte für den zehn Wochen später gesendeten Staffelabschluss Ep. 94. Zeitgleich pausiert auch "Deep Space Nine".
88. Vis A Vis
(französisch: "Gegenüber")
Vis à Vis   EB
ΘΘΘ
Eine interessante Ansammlung alter Relikte. Nicht nur, dass der charmante Gast irgendwie gleich an Captain Kirk erinnert, bald darauf erkennen wir Parallelen zu Classic 79. Nun ja, und auch Tom's Leidenschaft für 'altertümliche Vehikel' ist hinreichend bekannt. Wie auch immer, nach der fortwährenden Härte der letzten Episoden sehen wir zwar spannende, aber angenehm 'leichte Kost', bei der auch endlich die Beziehung zwischen Tom und B'Elanna wieder zu ihrem Recht kommt.





90. Unforgettable ("Unvergesslich")
Unvergessen   EB
oo
Eine voll und ganz überflüssige Episode auf unterstem Seifenoper-Niveau. Unfreiwillig grotesk kommt da noch die Aussage herüber, dass das alles nach zwei Tagen wieder vergessen sein würde ...
Dritte und... allerletzte STAR TREK-Regieleistung von Andrew 'Garak' Robinson...
"Dienstfrei": B'Elanna Torres


89. The Omega Directive
Die Omega-Direktive   EB
Θ
Der Versuch, das heikle Thema 'verantwortungsvolle Forschung' zu behandeln, ist nicht so recht geglückt. Gar zu viele Widersprüche und offene Fragen überschatten die Episode. Die Quintessenz ist Janeway's Feststellung, dass es an der 'letzten Grenze' ('final frontier') eine Linie gibt, die niemals überschritten werden sollte. Sie stellt die Entdeckung der 'Omega'-Super-Energie in eine Reihe mit Albert Einstein's Mitarbeit an der Atombombe und Dr. Marcus' gewaltig fehlgeschlagenem 'Genesis'-Projekt (ST 2 und ST 3). Eine weitere Besonderheit ist Seven's (Wieder-)Entdeckung ihrer Spiritualität.
Die kuriose Szene, in der Seven Of Nine ihr erstes Kommando führt und 'der Effizienz halber' ihren Unterstellten Borg-Nummern verpasst, wird durch Chakotay's augenzwinkernde 'Zustimmung' zusätzlich verschärft.
Wir sehen einen Teil der 'da Vinci'-Simulation wieder. Neelix hat nur einen winzigen Alibi-Auftritt. 'Fähnrich Wildman' wird noch einmal erwähnt, sieben Monate später scheidet sie aus der Serie aus.
91. Living Witness
Der Zeitzeuge   EB
ΘΘΘΘΘ
Wir erleben eine brillante Abhandlung des Themas Geschichtsschreibung und Geschichtsfälschung. Wie viel Phantasie war nötig, um die Museumsdarstellung der "Voyager"-Crew dermaßen grotesk zu verfälschen! (Bis hin zum Einsatz eines Kazon-Sicherheitsoffiziers!) Der kritische Unterton gegen den Missbrauch der verfälschten Geschichte für Propagandazwecke ist wirksam getroffen. Und am Ende werden wir dann noch darauf gestoßen, dass auch eine wohlmeinende Darstellung allzu leicht in den Unsinn führt: Der Doktor habe aus lauter 'Sehnsucht' ein kleines Schiff bestiegen und sei der "Voyager" nachgereist. Wie hätte das möglich sein können, für ein Hologramm ...
In seiner falschen Darstellung als Android(!) trägt der Doktor die markanten gelben Augen von Mr. Data. Für deutsche Zuschauer schwer nachvollziehbar: Der nach 700 Jahren reaktivierte echte Doktor vergleicht sich mit 'Rip Van Winkle', das ist die Titelgestalt einer in Deutschland kaum bekannten Novelle von W. Irving aus dem Jahr 1819. Der Darsteller von Botschafter Daleth, Rod Arrants, hat in TNG 45 als holografischer Barkeeper 'Rex' eine höchst groteske Affäre mit Lwaxana Troi.
"Dienstfrei": B'Elanna Torres
92. Demon
Dämon   EB
ΘΘΘΘ
Dies ist 'klassische Science Fiction' im besten Sinne, Altmeister Stanisław Lem hatte sicher seine Freude daran. Aber irgendwie hat der Drehbuchautor da einiges verwechselt: Deuterium (schwerer Wasserstoff) ist ein flüchtiges Gas, es kann nicht so einfach unterirdisch 'gefunden' und dann kiloweise 'gesammelt' werden. Außerdem ist Deuterium der bevorzugte Energieträger für Kernfusionsreaktoren, und jeder Kenner weiß doch, dass die Schiffe der Sternenflotte von jeher die wesentlich effizienteren Materie-Antimaterie-Reaktoren als Hauptenergiequelle benutzen. War es dem Autor zu banal, die gängige fiktive Bezeichnung 'Dilithium' zu verwenden?
Erneut wird erwähnt, dass die "Voyager" 15 Decks hat (Picard's "Enterprise−D" hatte 39). Zum zweiten Mal agiert die "Voyager"-Besatzung in Raumanzügen. Für den deutschen Sprachgebrauch mutet es grotesk an, wenn die Besatzung für den Landeanflug 'Zustand blau' herstellt, doch anders lässt sich 'condition blue' kaum übersetzen.
Wiedersehen mit Fähnrich Vorik.
93. One
Eine   EB
ΘΘΘΘΘ
Erstklassiges Psycho-Drama und ein großer Höhepunkt der gesamten Serie. Seven Of Nine hat nun endgültig verinnerlicht, dass sie zum Menschsein zurückkehren will und wird. Mit ungeheurer Willensstärke setzt sie ihre überlegene Borg-Physiologie ein, um Schiff und Besatzung zu retten, eine Leistung, die an den übermächtigen Einsatz von Kes in Ep. 24 heranreicht. Die Story ist so stark, dass man sich sechs Jahre später ein 'Remake' leistet, und obwohl es dort nur zu einem banalen 'Abklatsch' reicht, ist Ent 68 allemal sehenswert.
Cpt. Janeway's ausgeplusterte Fön-Frisur ist nach den ersten Hieben des Nebels völlig zusammengesackt. Doch auf dem eiligen Weg von Seven zum Maschinenraum muss sie wohl beim Friseur gewesen sein... denn als sie dort ankommt, ist die Fönwelle wieder voll intakt.
Für Kenner gibt es ein herzerfrischendes Classic-Zitat: Auf den 'kleinen Witz' des Doktor folgt ein verbaler Schlagabtausch mit Seven, den wir im gleichen Wortlaut von Chekov und Spock kennen, und zwar am Beginn von Classic 42 (44). Es ist besonders grotesk, dass das Hologramm dabei nicht den Part des 'eiskalten' Mr. Spock übernimmt, der bleibt für Seven.
94. Hope And Fear ("Hoffnung und Angst")
In Furcht und Hoffnung   EB
ΘΘΘ
Wollte man dem Publikum hier das Ende der Serie vorgaukeln? Wie auch immer, die Episode ist spannend. Janeway wandelt erneut auf den Spuren von Lem, als sie betont, wie wichtig die Begegnung mit der Erde ist, für Menschen, die im fernen Weltall aufgewachsen sind. Seven hat ein weiteres Mal die Möglichkeit, zu den Borg zurückzukehren. Und entscheidet sich wieder für die Menschen, diesmal endgültig ...
Die falsche "U.S.S. Dauntless" führt die Bezeichnung 'NX−01A', damit wäre sie der direkte Abkömmling von Captain Archer's Schiff aus "Enterprise", aber das kann zu diesem Zeitpunkt noch keiner ahnen.
Der kahlköpfige Alien 'Arturis' (Ray Wise) ist identisch mit dem Mintakaner 'Liko' in TNG 52. Und wir sehen Admiral Hayes (Jack Shearer) aus ST 8 wieder.
Deutsch ist eine der wenigen Sprachen, in der man keine Übersetzung für 'slipstream' (in etwa 'Saugstrom') zuwege gebracht hat. In der ersten Szene ('Velocity'-Spiel) ist das Wort 'wits' mit 'Verstand' übersetzt, das ist zwar nicht völlig verkehrt, verfälscht aber den Sinn. Denn damit würde Janeway die geistigen Fähigkeiten von Seven Of Nine in Frage stellen. Es geht um 'Intuition', 'Cleverness'. Außerdem werden wir wieder mit 'Kauderwelsch' bombardiert. Was, zum Beispiel, soll die Verwendung einer 'trinären Syntax' bewirken, aus Sicht des Informatikers völliger Humbug. Und wie ist das mit den 'KiloQuads'? Im Originalton sind es 17, in der deutschen Fassung 68, in den DVD-Untertiteln steht etwas von 'einer Menge Daten'. In anderen Episoden spricht man dagegen von 'GigaQuads' ...
Die vierte Staffel ist voller Gegensätze, wahrscheinlich haben wir hier 'die beste aller Episoden und die schlechteste aller Episoden' gesehen. Doch damit ist sie sicher spannender, als die meist schwächlich vor sich hin dämmernde Staffel 3. Und "Voyager" kann noch 'einen Zahn zulegen' ...