STAR TREK · Unendliche Vielfalt

„Voyager“ - Die Balance zum Dominionkrieg

Die fünfte Staffel läuft parallel zur siebten "Deep Space Nine"-Staffel, die ursprünglich nicht geplant war und teilweise wie 'aus der Not geboren' wirkt. Zwangsläufig verstärkt sich die Differenzierung unter den Zuschauern: Die einen bevorzugen subtile Science Fiction und "Voyager", andere stehen auf Action in großen Raumschlachten und "Deep Space Nine". STAR TREK bietet zu dieser Zeit schier 'unendliche Vielfalt'.
95. Night
Nacht   EB
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Feinste Science Fiction zum Einstieg. Man führt uns auf das höchst aktuelle Problem der Umweltvermüllung, das aber dann recht eindimensional abgearbeitet wird. Vor allem bleibt unklar, was aus den strahlenverseuchten Opfern wird, erwartet man, dass sie sich von selbst regenerieren?
Die anfängliche Schwäche des Captain ist untypisch für STAR TREK, und gerade deswegen so realistisch! (Hätte nur noch gefehlt, dass Janeway in ihrem 'Refugium' die Cognackaraffe schwenkt ...)
Zum ersten Mal führt uns Tom Paris in die schwarz-weiße Holo-Welt des 'Dr. Chaotica' (Martin Rayner, *?), unter der Blechtonne des 'Robot' steckt 'Ayala'-Darsteller Tarik Ergin.
96. Drone
Die Drohne   EB
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Eine verwegene, aber dennoch sehenswerte Geschichte, die vor allem durch den engen Bezug zum Schicksal von Seven Of Nine aufgewertet wird. Die 'Drohne' ist im Original männlich, also eigentlich 'der Drohn'. Darsteller J. Paul Boehmer spielt in 86−87 einen SS−Offizier (B'Elanna's Freund), in Ent 77−78 gibt er wiederum einen SS−Mann.
Der Verlauf ist dramatisch und einigemaßen überraschend. Am Ende vermisst man einen Hinweis, wie es gelungen ist, den mobilen Emitter des Doktor aus den Überresten des Drohn zu bergen und wieder funktionfähig zu machen.
97. Extrem Risk
Extreme Risiken   EB
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Woher kommen plötzlich B'Elanna's psychische Probleme? Die Nachricht von der Vernichtung des Maquis ist vor sechs Monaten (14 Episoden) eingetroffen, und die ganze Zeit ging es ihr blendend... Außerdem sind zum Deaktivieren der Sicherheitsprotokolle stets zwei Führungsoffiziere erforderlich, aus gutem Grund! (Vergleiche TNG 152.)
Mit dem neuen "Deltaflyer" wird die Besatzung noch jede Menge 'Spaß' haben. In den ersten Entwürfen der Gestalter trägt er zunächst den Namen "Unity". Zum ersten Mal seit dem Pilotfilm sehen wir wieder Cardassianer - als Hologramme. Sicher ist es ein leichtes gewesen, sich einige 'auszuleihen', nebenan, am Set von "Deep Space Nine", stehen genug herum ...
Den Malonier Vrelk (Hamilton Camp) sehen wir in DS9 118 und in DS9 134 als Ferengi-'Eliminator' Leck.
Außerdem gibt es ein kurzes Wiedersehen mit dem vulkanischen Fähnrich Vorik.
98. In The Flesh
("Im [vollen] Fleisch")
In Fleisch und Blut   EB
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Fast schon ein Science Fiction-Roman, der aber weitgehend unverständlich bleibt, wenn der Zuschauer die Vorgeschichte(n) nicht kennt. Der 'Liebhaber' wird gleich zu Beginn (sicher mit Absicht) auf eine Unstimmigkeit gestoßen: An der falschen Akademie laufen viel zu viele Ferengi herum, der Erfolg von Nog ("Deep Space Nine") kann nicht sooo schnell sooo viele Nachahmer gefunden haben. Für Kenner eine brillante Episode mit einem überaus 'gefuchsten' Chakotay.
Wiedersehen mit dem Akademiegärtner Boothby (Ray Walston), den auch Captain Picard sehr schätzt (vergleiche TNG 119 und TNG 83). Erster STAR TREK-Einsatz für Tucker Smallwood, hier als Admiral Bullock. Er hat eine permanente Rolle in der dritten Staffel von "Enterprise".
99. Once Upon A Time
Es war einmal ...   EB
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Lockere Geschichte mit schwergewichtigem Hintergrund, die Umsetzung gefällt besonders durch den Verzicht auf jeglichen Schmalz und Schwulst. Zum ersten Mal sehen wir die knapp zehnjährige Scarlett Pomers (*1988) als 'Naomi Wildman'. Naomi ist jedoch erst 2½ Jahre alt, bei außerirdischen 15−Monate-Kindern ist eben alles etwas anders... Zugleich scheidet ihre Mutter 'Ensign Samantha Wildman', nach sieben Auftritten (und einer Erwähnung in Ep. 89), aus der Serie aus. Sie erscheint nur noch einmal in einer 'Rückblende' in 141 (143)
Schade, dass wir nicht zu sehen bekommen, wie die clevere Naomi den verdampften 'Flotter' wieder zurückholt.
Nach dem Aufschlag auf dem Geröll-Planeten ruft Tom Paris: "The Flyer has landed!" Er verballhornt damit sarkastisch Neil Armstrong's allererste Meldung von der Mondoberfläche: "The Eagle has landed!"
Hauptrolle für Naomi und Samantha Wildman
100. Nothing Human
("Nichts menschliches", gesendet als 102.**)
Inhumane Praktiken   EB
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Die verbrecherischen 'Versuche' der deutschen KZ−'Ärzte' an lebenden Menschen sind es wohl wert, thematisiert zu werden. Doch die Umsetzung ist dürftig, so dass die Episode nicht ohne Grund wochenlang zurückgehalten wird. Ein mal mehr wird das 'Bösewicht-Image' der Cardassianer beschworen, bis zu ihrer 'Läuterung' vegehen noch fünf Monate (ab DS9 169). Die 'Lösung' ist schwach und widersprüchlich. Unter den vielen fragwürdigen Entscheidungen von Captain Janeway ist diese wohl als einzige definitiv falsch! Sie setzt sich damit nicht nur über wesentliche ethische Grundsätze, sondern auch über B'Elanna's Persönlichkeitsrechte hinweg. Die allgemeine 'Unentbehrlichkeit' der Chefingenieurin ist dafür keinesfalls ausreichend, um so mehr, da sich das Schiff in keiner unmittelbaren Gefahr befindet!
Es ist unglaubwürdig, dass die Progammierung des cardassianischen Hilfschirurgen fast problemlos gelingt, in 81 (82)) hat es sich als schier unmöglich erwiesen, einen halbwegs funktionierenden Ersatz für den abwesenden Doktor zu erzeugen! Die Mittel für Spezialeffekte scheinen mächtig knapp (vergleiche folgende Episode), sonst hätte man uns wohl kaum diesen Gummitier-artigen Alien-Krebswurm zugemutet! Schaurig-interessant ist der Anblick des riesigen cardassianischen 'Skalpells'.
101. Timeless
("Zeitlos", gesendet als 100.)
Temporale Paradoxie   EB
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Über weite Strecken Science Fiction vom Feinsten. Schon die Darstellung des eingefrorenen Raumschiffs ist beeindruckend, eben so die Gestaltung der bestens erhaltenen Eis-Leichen. Die Bruchlandung der "Voyager" hat sicher den halben Trick-Etat der Staffel verschlungen. Und wie der Doktor Seven's Kopf zerlegt, so ganz ohne dabei die gängigen Ekel-Horror-Klischees zu bedienen ...
In der 'Gegenwarts'-Handlung liefert Seven mit ihrem 'Schwips' ein komisches Bonmot, irgendwo hat eben auch der Härteste seine Schwäche... obwohl, sagt man nicht, mit 'Synthehol' gäbe es keine Ausfallserscheinungen?
Schade, dass die Handlung am Ende einen Bruch der temporalen Logik erleidet: Harry bekommt die Nachricht, die niemals abgeschickt wird! Eigentlich hätte Seven jede Erinnerung (und Aufzeichnung) an die Übertragung verlieren müssen, und der Zusammenbruch des 'Slipstream' wäre ein unerklärliches Phänomen ...
Wiedersehen mit Geordi La Forge und (dem wiederentdeckten Rumpf) der "Enterprise−D": Das jahrelang verschollene Modell wurde neu lackiert und heißt jetzt "U.S.S. Challenger". (Vergleiche DS9 46.)
102. Thirty Days (gesendet als 103.)
Dreißig Tage   EB
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Tom Paris verliert seinen Rang und wird Fähnrich. Und er kommt in Arrest, wieder einmal! Doch was äußerlich wie ein fataler Rückschlag aussieht, kennzeichnet auf geniale Weise die schier unendliche Entwicklung des Ex-Sträflings. Die dramaturgisch gelungene Erzählweise in Rückblenden tut ein übriges, um diese Episode auf das höchste Niveau zu heben. Und bei alledem bleibt uns eine aalglatt-perfekte 'Saulus-Paulus-Wandlung' erspart: Denn dass Tom irgendwo im Inneren stets das 'Schlitzohr' bleibt, sehen wir zum Beispiel, als er beim dritten Liegestütz Neelix kommen hört, und sofort mit 'achtundneunzig' weiterzählt ...
Tom ist (aus dramaturgischen Gründen) bereits in der ersten Staffel stillschweigend zum 'Lieutenant junior grade' degradiert worden. Schon seit Ep. 4 schwärmt er von den 'Delaney-Schwestern', hier bekommen wir sie endlich zu sehen. Völlig zu recht diskutiert Harry die Verschiedenheit von (äußerlich) identischen Zwillingen: Die deuschstämmigen Kanadierinnen Alissa und Heidi Kramer (eigentlich Krämer) stehen hier, mit Ende Dreißig(!), zum (fast) ersten Mal vor einer Kamera: Heidi Krämer wirkte 18 Jahre zuvor in München an einem der grotesk-öbszonen 'Schulmädchen-Lederhosen'-Filme mit. Alissa studierte zu dieser Zeit an der Universität Miami Theaterwissenschaft ...
Diesmal hören wir nur die Stimme von Warren Munson als Tom's Vater 'Admiral Paris', er wird demnächst umbesetzt.
Kurzes Wiedersehen mit der schwarz-weißen 'Chaotica'-Welt
103. Infinite Regress
("Unendliche Rückabwicklung",
[endlose Rückverfolgung] gesendet als 101.)
Das Vinculum (latein: "Fessel")   EB
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Ein sehenswerter Thriller. Nie zuvor in STAR TREK sind die schauspielerischen Fähigkeiten von Jeri Ryan so stark gefordert worden. Unter den vielen 'Rollen', die Seven Of Nine in dieser Episode gibt, ist vor allem ihre 'Ferengi'-Darstellung von grotesker Brillanz.
Sehr merkwürdig ist die Ingnoranz des Doktor's: Er ist einerseits so umfassend programmiert, dass er sogar die Methode des 'indianischen Medizinrades' kennt, andererseits bezeichnet er die bewährten Geistestechniken der Vulkanier als 'Hokus-Pokus' (im Original 'mumbo jumbo').
Während der Produktion ist noch nicht bekannt, dass die Episode auf Sendeplatz 101 vorgezogen wird, denn Tom Paris trägt hier bereits das Rangabzeichen des Fähnrich, seine Degradierung sehen die Zuschauer erst zwei Wochen später. Der Originaltitel bezieht sich auf die Wirkung der von 'Spezies 6339' entwickelten Waffe, mit der die Borg Schritt-für-Schritt, Drohne-für Drohne, Kubus-für-Kubus zurückverfolgt und zerstört werden sollen.
Am Ende entkommt die "Voyager" mit 'Warp 9'... obwohl ihre Energiesysteme durch den Beschuss nahezu zerstört sind.
Wesentliche Rolle für Naomi Wildman
104. Counterpoint
Kontrapunkt   EB
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Irgendwie kommt der Verdacht auf, dass das eine Art Holocaust-Kritik sein soll, zwar völlig 'daneben', aber anders ist diese Episode wohl nicht zu erklären. Dass sie dennoch irgendwie sehenswert bleibt, liegt weniger am Sinn der Story, als an ihrer Umsetzung im Detail. Da ist die brillante Musik von Mahler und Tschaikowski und auch die gelungene Ausgewogenheit zwischen Emotionalität und Spannung. Nach langer Zeit hat man wieder einmal den Eindruck, dass die Handlung bis zum Schluss durchdacht ist und nicht 'irgendwie schnell zu Ende gebracht werden' muss. Von besonderer Brillanz ist die höchst agile Maske des Fisch-ähnlichen Wissenschaftlers 'Torat', auch die Mehrfachverwendung der aufreibenden Inspektionsszenen ist ein dramaturgisches Bonmot.
Der Kenner stutzt jedoch angesichts der fatalen Schäden, die die Transporter-Suspension hervorruft: 'Scotty' hat auf diese Weise satte 75 Jahre im Transporter überstanden (TNG 130). Außerdem ein logischer Fehler: Wenn das Ziel acht Lichtjahre entfernt liegt und die blockierende Überwachungsanlage eine Sensor-Reichweite von zehn Lichtjahren hat, ist die "Voyager" längst entdeckt ...
Kurzes Wiedersehen mit Fähnrich Vorik
105. Gravity
(gesendet als 107.)
Schwere   EB
Θ
Das ist eindeutig zu viel Fantasy und, wie schon so oft, ein widersprüchlicher Tuvok. Auch die Tricktechnik hat sich mit den ungelenken 'Riesenspinnen' nicht eben 'mit Ruhm bekleckert'. Selbst Action-Ikone Lori Petty (*1963, u.a. "Tank Girl") bleibt bei ihrem einzigen STAR TREK-Auftritt unerwartet farblos. Und dann kommt der resolute Fremde auch noch mit einem Schiff daher, das auffallend einem alten "Bird Of Prey" ähnelt, und seine Maske ist fast identisch mit denen des Angreifers aus der folgenden Episode ...
Als 'vulkanischen Meister' sehen wir mit Joseph Ruskin bereits zum sechsten (und vorletzten) Mal einen der dienstältesten STAR TREK-Darsteller: Zwischen seinem Debüt in Classic 46 (45) und dem letzten Auftritt in Ent 1−2 liegen fast 34 Jahre!
106. Latent Image
("Das unsichtbare Bild", gesendet als 105.)
Verborgene Bilder   EB
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Ein interessantes Thema, aber der Doktor ist die falsche Figur dafür: Er ist ein intelligentes Computerprogramm, dessen fuzzy logic dieses Dilemma problemlos toleriert hätte. Überhaupt agiert er in dieser Episode allzu menschlich und verliert völlig seine speziellen Eigenarten als künstliche Lebensform, das fällt besonders auf bei der gewaltsamen Festnahme durch die Sicherheit; in Ep. 12 sind die Eigenschaften seines holografischen Körpers völlig anders beschrieben. Hier geht man sogar so weit, das 'kranke Hologramm' auf 'leidend' zu schminken.
Der Originaltitel enthält einen gewitzten Bezug zum neuesten Hobby des Doktor: Es ist ein Fachbegriff aus der (herkömmlichen) Fotografie. Kleiner Lapsus: In den Rückblenden ('vor 18 Monaten') trägt Tuvok das falsche Rangabzeichen, er ist erst vor 15½ Monaten befördert worden.
Kurzauftritt von Naomi Wildman
107. Bride Of Chaotica!
(gesendet als 106.)
Chaoticas Braut   EB
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Diese Geschichte ist völlig auf die Holo-Welt des 'Dr. Chaotica' zugeschnitten und persifliert auf brillante Weise die Massenunterhaltung, einst im Kino, heute im Fernsehen. Die in den letzten Episoden etwas schwächelnde Kate Mulgrew läuft hier zur Hochform auf, ihre Mimik, sowohl in der (STAR TREK-)Realität als auch in der Holo-Simulation ist unvergleichlich. Hinzu kommen die überaus stimmigen Masken, die perfekt den speziellen Schmink-Modus für alte Schwarz-Weiß-Filme nachstellen. (Da das Filmmaterial der 1930er Jahre blau sehr hell wiedergab, gelb dagegen dunkelgrau und rot tiefschwarz, wurden damals die Gesichter der Darsteller mit hellblauer Schminke eingefärbt, ihre Lippen kräftig orange. Damit erreichte man im fertigen Film genau die Wirkung, die das Gesicht von 'Arachnia' zeigt.) Bemerkenswert an der 'Chaotica'-Simulation ist, dass auch die realen Akteure in Schwarz-Weiß erscheinen, wie dies (physikalisch) möglich sein soll, wird wohl ein Geheimnis bleiben (vergleiche Ep. 95, wo der Doktor farbig bei 'Chaotica' erscheint). Einziger Schwachpunkt dieser überaus gelungenen Episode ist die 'unendlich weit' hergeholte Rahmenhandlung um die 'photonischen Aliens' und ihre 'Subraum-Sandbank'. Die deutsche Version hat einen sinnentstellenden Übersetzungsfehler: Die "Voyager" kommt am Ende aus der Anomalie frei, weil "die Verzerrungen näher kommen". Doch 'closing' bedeutet eben nicht nur 'sich nähern', sondern vor allem auch 'schließen'. Das heißt in diesem Fall, man kommt frei, weil die störenden Verzerrungen 'sich schließen'... was ja auch ernsthaft Sinn macht.
108. The Fight
("Der Kampf", gesendet als 113.)
Der Fight   EB
Keine Wertung
Dass die Fremden eine Art 'Psycho-Lücke' in Chakotay's Verstand als Kanal zur Kontaktaufnahme benutzen, ist ziemlich 'starker Tobak', aber es ist auch ein Bekenntnis zum Unbekannten, Unbegreiflichen, insofern zum eigentlichen Anliegen von STAR TREK. Der chaotische Handlungsverlauf ist diesem Anliegen wohl angemessen, aber sicher nicht jedermanns Sache. Also dürften sich an dieser Episode wieder einmal 'die Geister scheiden' ...
Was, um alles in der Welt, soll man sich unter einem 'spatialen Abflussloch' ('spatial sinkhole') vorstellen? Ein Mal mehr eine fatale Fehlübersetzung: 'Sinkhole' hat nichts mit einem 'Abfluss' zu tun, sondern bezeichnet eine eher kleine, aber sehr tiefe Einsenkung im Gelände... quasi ein 'Senkloch'. Es geht bei diesem 'spatial sinkhole' also um eine heftige Raumverzerrung, eine Art 'Raum-Trichter'.
Chakotay's 'Großvater' (im Original eigentlich 'Urgroßvater') ist identisch mit dem alten Indianerführer in TNG 172. Darsteller Ned Romero ist -genau wie Robert 'Chakotay' Beltran- von indianischer Abstammung. Er hat drei Jahrzehnte zuvor eine kleine Klingonenrolle in Classic 45 (48). Zum zweiten Mal in dieser Staffel sehen wir den Akademiegärtner 'Boothby', der in der Erinnerung der Kadetten wohl sehr vielseitig sein muss. Der 84−jährige Ray Walston gibt hier seine 'Abschiedvorstellung', er ist gesundheitlich bereits schwer angegriffen und erlebt die 'Heimkehr' der "Voyager" nicht mehr ...
109. Bliss
("Wonne", "Glück", gesendet als 108.)
Euphorie   EB
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Das riesige Wesen mit dem bezahnten 'Moloch'-Maul zeigt sich erst bei etwas tieferer Betrachtung als beängstigendes Gleichnis auf die allgegenwärtige Massenmanipulation durch Politik und andere Werbung. Die Story ist spannend und, trotz aller Fantasy, weitgehend stimmig (Ausnahme: Wer hat sich den Brief an 'Annika Hansen' gewünscht?).
Der kampferprobte 'Qatai' William Morgan Sheppard (*1932) hat auch die Titelrolle in TNG 31 (32), und er ist der klingonische Lagerkommandant in ST 6.
Wesentliche Rolle für Naomi Wildman

110. The Desease
("Die Krankheit", gesendet als 111.)
Das Generationenschiff   EB
Θ
Dieses Thema wurde schon wiederholt behandelt, unter anderem in Classic 65 (63), in DS9 35, ganz besonders in TNG 113. Und nicht zuletzt auch in dieser Serie: In 20 (17) betrifft es die "Voyager" selbst.
Der ursprüngliche Titel des Drehbuchs war "Alien Love Story". Trotz aller Banalität macht das menschliche Erwachsenwerden von 'Sternenflotte' Harry die Geschichte sehenswert. Nur die amerikanische TV-Zensur schlägt wieder einmal gnadenlos zu: Welche junge Frau würde wohl nach durchliebter Nacht bis zum Hals in ein Laken gehüllt und mit langen Strümpfen(!) herumliegen, um so mehr, da sie ihren Freund anfleht, wieder in's Bett zu kommen! Man gewinnt beinahe den Eindruck, derart verzichtbare Szenen werden nur gedreht, um die Zensurbehörden zu verspotten. Vergleiche auch 43 (49) und TNG 142−143.
Der 'Nebel', den Harry mit seiner Freundin besucht, ist 300.000 km entfernt... Lächerlich nah für ein Objekt, dessen Größe in Lichtjahren bemessen wird! Da befindet man sich bei 300.00 km Entfernung unmittelbar am 'Rand', viel zu nah, um das Phänomen noch insgesamt sehen zu können.
Seven Of Nine - Nur geBorg t   ?
111.-112. Dark Frontier
("Die dunkle Wand", gesendet als 109.−110. Doppel-Länge, PC 824)
Das ungewisse Dunkel   EB 111   EB 112
ΘΘΘΘ
Insgesamt ist diese Doppelfolge schon recht beachtlich. Dass nach der ersten Hälfte der Regisseur wechselt, fällt nicht auf. Man ist nun wieder dazu zurückgekehrt, vor dem Beamen die Schilde zu senken (vergleiche 55 (56) und 60 (61)). Es ist nicht ganz korrekt, dass Seven der einzige Borg ist, der zur Individualität zurückkehrte, das ist auch 'Hugh' und seinen Kameraden widerfahren (TNG 123 und TNG 152−153). Und wie war das mit 'Locutus-Picard'...? Irgendwie bleibt unklar, inwiefern Seven ihren Freunden von der "Voyager" helfen will, indem sie sich den Borg stellt. Und auch diese Episode zollt ihren Tribut an die unsinnige TV-Zensur der USA: Es macht für die Borg keinerlei Sinn, ihrem blassen Abbild des 'Adam' ein Höschen zu verpassen! Siehe auch Ep. 25.
Die neue Borg Queen, Susanna Thompson hat (nach ihrem geschichtsträchtigen Auftritt in DS9 78) bereits beim Casting zu ST 8 für diese Rolle vorgesprochen, sie aber nicht erhalten. Wir sehen sie wieder in 146−147.
Familie Hansen ist gegenüber Ep. 74 komplett umbesetzt worden. Ohnehin ist ihre Geschichte ganz und gar nicht stimmig, denn der (durch Q initiierte) Erstkontakt der Borg mit den Menschen liegt kaum zehn Jahre zurück: Er ist erfolgt in TNG 42, ein Jahr nachdem die Borg in TNG 26 die Außenposten an der Neutralen Zone assimiliert haben(??). Und weitere zehn Jahre früher sollen die Hansens mit ihrer Arbeit begonnen haben(???). Die Borg-Chronologie ist beinahe so schlampig gemacht wie die Biografien von Cochran(e) und Chekov zusammen!
Die Konsolen des Hansen-Schiffes gleichen denen der "Enterprise−D", es gehört jedoch eher in die Zeit der "Enterprise−C" (vergleiche TNG 63). In Ep. 74 steht jedoch in Frage, ob der "Raven" überhaupt ein Schiff der Sternenflotte ist ...

Wesentliche Rolle für Naomi Wildman

113. Course: Oblivion
("Kurs: Vergessenheit", gesendet als 112.)
Endstation Vergessenheit   EB
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Der Start mit der Hochzeitszeremonie ist überwältigend. (Harry intoniert den bekannten 'Brautchor' aus Wagner's "Lohengrin".) Doch der kundige Zuschauer stutzt bereits an Tom's neuem, altem Rang. Genau wie in Ep. 67, dort ist B'Elanna plötzlich Fähnrich der Sternenflotte) werden wir mit der Nase darauf gestoßen: Da stimmt doch was nicht ...
Eine "Voyager"-Episode (fast) ohne "Voyager"-Crew, und dennoch sehenswert! Die Maske der zerfließenden Janeway erinnert an die des schwer gezeichneten Captain Pike in Classic 16 (11−12). Etwas seltsam ist, dass der Zerfall sich immer nur in den Gesichtern zeigt, nie an den Händen. Synchronfehler: Aus einer 'Signalbake' wird eine 'Signalbarke'.
114. Think Tank
("Expertengremium", (wörtlich: "Denk-Bottich"))
Die Denkfabrik   EB
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Originell, spannend und rundherum stimmig! Zweifellos einer der Höhepunkte der Serie. Und natürlich haben die 'Guten' am Ende noch ein 'Ass im Ärmel' ...
Beachtet die deutsche Synchronstimme von 'Think Tank'-Sprecher 'Kurros': Es ist Deflef Bierstedt, die Stimme von Commander Riker aus "The Next Generation". Nur hat er diese völlig andere Rolle auch völlig anders gestaltet. Dagegen war der deutsche Dialogautor wohl überfordert mit der Wendung 'cataclystic problem', es geht dabei um das Abwenden einer Naturkatastrophe bzw. deren Auswirkungen.
115. Juggernaut
("Moloch", "Götze")
Verheerende Gewalt   EB
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Obwohl der Handlungsverlauf kleinschrittig und einigermaßen absehbar ist, kommt keinen Augenblick Langeweile auf, denn die Umsetzung ist voller Action und Spannung. In bester RODDENBERRY-Tradition sehen wir Gewalt nicht als Stärke, sondern als enorme Schwäche! Die cholerische Halbklingonin B'Elanna Torres durchläuft eine großartige und dabei durchaus glaubwürdige Entwicklung.
B'Elanna's letztes Kampfmanöver ist ein besonderes Glanzstück: Sie mogelt sich um die Konsole herum auf die linke Seite des monströsen Gegners. Dass dessen linkes Auge zerstört ist, verschafft ihr die entscheidende Chance.
Die Rolle von Malon-Controller 'Fesek' ist der dritte und letzte STAR TREK-Auftritt für Ron Canada (TNG 113 und DS9 90). Unter der Maske des jungen Malon, den er am Anfang in den Tod schickt, verbirgt sich Vorik-Darsteller Alexander Enberg.
Zum einzigen Mal sehen wir eine 'Schalldusche' in Aktion.
116. Someone To Watch Over Me
("Jemand, der auf mich aufpasst")
Liebe inmitten der Sterne   EB
ΘΘΘΘΘ
Diese Episode kommt in der Beliebtheit bei den Zuschauern gleich nach den 'Tribbles'. Nun, sie ist zwar recht sehenswert, aber wohl nicht so enorm hochwertig. Sie ist einfach nur 'nett', eine Variante des "My Fair Lady"-Themas, verbunden mit einem leichten Seitenhieb auf die katholische 'Enthaltsamkeit' und gewürzt mit einer Parade vorzüglicher kleiner Gags. Zum Beispiel, als B'Elanna, in vollem Ernst, der viel größeren und stärkeren Seven Of Nine 'eine gebrochene Nase' androht, falls diese sie weiter belästigt (siehe auch vorige Episode). Leider lässt sich der brillante 'Versprecher' des beschwipsten Botschafters 'Tomin' nicht so ohne weiteres in deutsch wiedergeben: Statt nach 'Seven Of Nine' ('Sieben von Neun') fleht er nach 'Seven Of Mine', was so viel bedeutet wie 'Sieben, du Meine'.
Der Originaltitel bezeichnet ein Lied von George Gershwin aus dem Jahr 1926. Bei den wunderbaren Gesangseinlagen hören wir auch in der deutschen Version die Originalstimmen von Jeri Ryan und Robert Picardo, beide Episodentitel sind Titelzeilen von dargebotenen Songs. Man hat aus dem Fehler in DS9 144 (ein Jahr zuvor) gelernt: Robert Picardo's abschließender Gesang darf erst in Ruhe ausklingen, bevor die Schluss-Musik einsetzt.
117. 11:59
23:59   EB
ΘΘΘ
Nicht nur aus heutiger Sicht, auch 1½ Jahre vor dem 'Millennium' ist diese Geschichte reichlich unrealistisch. Dass in absehbarer Zeit kein müder Cent für zukunftsorientierte Forschung verfügbar sein würde, ist auch in den 1990er Jahren nicht zu übersehen gewesen (vergleiche auch DS9 57−58). Dennoch ist die Episode nett anzuschauen, sie lebt von menschlicher Wärme. Gut dargestellt ist die 'Bekehrung' des alten Janeway: Er hat schon längst beschlossen aufzugeben, Shannon liefert ihm nur noch den willkommenen Vorwand, um sein 'Umfallen' vor sich selbst zu rechtfertigen.
Die Urahnin des Captain ist zum 'Millennium' fast 43, schon reichlich spät, um mit Kindersegen zu beginnen! Am Ende sehen wir Kate Mulgrew in der brillanten Maske der über 90−jährigen Shannon. Ein weiteres Bonmot am Anfang: Neelix bezeichnet einen fiktiven Nachkommen von Seven mit 'Seven Of Nine Komma Fünf ' ('Seven Of Nine Point Five').
118. Relativity
("Relativität", hier: Eigenname des Schiffes)
Zeitschiff Relativity   EB
ΘΘ
Wiedersehen mit dem Zeit-überwachenden Captain Braxton aus 50−51. (Oder auch nicht, er wurde umbesetzt.) Ein 'intertemporaler Kriminalfall', das sollte eigentlich SciFi vom Feinsten sein. Doch die Vielzahl der Zeitphänomene und Sprünge ist verwirrend und für die Zuschauer nur schwer nachvollziehbar.
Immerhin ist die temporale Logik im großen und ganzen stimmig, in dieser Hinsicht kennen wir krasse Einbrüche, zum Beispiel in DS9 63 oder TNG 118.
Nach mehr als vier Jahren sehen wir wieder einmal Ingenieur Carey (Josh Clark).
119. Warhead
("Der Gefechtskopf")
Geheimnisvolle Intelligenz   EB
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Eigentlich ist ja für den 'Platz in der Mitte' Kommandobefähigung erforderlich (mindestens der Rang eines Lieutenant Commander), aber die haben auf der "Voyager" nur drei Personen. Also sitzt in der Nachtschicht ein köstlich grotesker Harry Kim auf dem 'Stuhl', und seine noch jüngere Steuer-Frau kann sich ein Kichern nicht verkneifen. Doch das friert ihr urplötzlich ein, als Harry wegen der Entdeckung des Notrufs von der Brücke muss und auf einmal sie selbst das Kommando hat ...
Die Story an sich ist bereits mehrfach variiertes Thema, aber dennoch sehenswert. Wenn der Doktor die 'Sprache' des Warhead versteht, wäre es eigentlich logisch, dass er in eben dieser Sprache antwortet; aber dramaturgisch ist das kaum durchführbar. Da ist es kein schlechter Griff, den 'Gast' in die Haut des Doktor's schlüpfen zu lassen, damit auch der Zuschauer ihn versteht.
Am Steuer sehen wir die 22−jährige McKenzie Westmore (Tochter von Chef-Maskenbildner Michael Westmore), sie hat auch in eine Nebenrolle im kurz zuvor erschienenen neunten Kinofilm und als zehnjähriges Mädchen in TNG 18 (17).
120. Equinox
(Astronomischer Begriff,
hier: Eigenname des Schiffes
)
Equinox, Teil 1   EB
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Diesmal soll es wieder ein Cliffhanger sein, schade. Doch dieser erste Teil ist spannend geschrieben und bestens umgesetzt, ein Scifi-Krimi erster Klasse. B'Elanna's früherer Spitzname 'BLT ' (' Bacon-Lattuce-Tomato') ist mit 'Blattsalat-Lachs-Tomate' gut synchronisiert. (In den englisch-sprechenden Ländern kann man unter der Bezeichnung "BLT" tatsächlich entsprechende Sandwiches u.ä. kaufen.) Aber was für eine groteske Maßeinheit ist ein ' Isogramm'?? Gar keine! STZ hat nachgeschlagen...
Die Pläne für die "U.S.S. Equinox" liegen seit fünf Jahren 'in der Schublade', es ist der ursprüngliche Entwurf für die "U.S.S. Defiant", die dann aber wesentlich 'wehrhafter' geraten ist (DS9 47−48). In seiner dritten STAR TREK-Rolle, als "Equinox"-Crewman 'Lessing', sehen wir Rick Worthy zum einzigen Mal ohne Alien-Maske; später, in seiner permanenten Rolle in der dritten "Enterprise"-Staffel ist er ein 'Xindi'.
Für die deutschen Zuschauer fügt SAT1 den Cliffhanger zu einer Spielfilmlänge zusammen. Der Zeitversatz zur US-Premiere, am Ende von "The Next Generation" auf wenige Wochen geschrumpft, beträgt nun wieder mehr als ein Jahr.
Kleiner Auftritt für 'Captain's Assistant' Naomi Wildman