Letzte Etappe begonnen

„U.S.S Voyager“ geht wieder auf Warp

Der ersten Teil des Cliffhanger's "Unimatrix Zero" hat gezeigt, dass die Serie noch immer die Energie hat, aus dem anhaltenden 'Formtief' der sechsten Staffel herauszusteuern. So nimmt die "Voyager" wieder Fahrt auf, nun endgültig auf Heimatkurs.
147. Unimatrix Zero, Part II ("Ausgangseinheit Null")
Unimatrix Zero, Teil 2   EB
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Eigentlich war es fast zu erwarten: Die drei 'assimilierten' Führungsoffiziere der "Voyager" sind nicht wirklich Borg geworden, ein medizinisch-technischer Kunstgriff des Doktor verhindert ihre Integration in das kollektive Bewusstsein, sie können weiterhin als Individuen agieren. Von da an nimmt die Handlung ihren absehbaren Verlauf, der in die Rückkehr der drei auf die "Voyager" mündet, während die 'Borg-Queen' mit ihrem Flagschiff zerstört wird. Die vier jungen Ex-Drohnen sind nicht in diese Story einbezogen worden, das kann als weiteres Indiz gelten für die ursprüngliche Planung eines Kinofilms.
Bemerkenswert ist das Verhalten von Lieutenant Paris: Als Rang-zweiter Offizier an Bord übernimmt er von sich aus die Verantwortung des Ersten Offiziers, eine Position, die ihm in dieser Situation nichts als Ärger einbringen kann. Jeri Ryan darf als 'Annika' endlich auch eine menschlich-emotionale Seite zeigen.
In diesem zweiten Teil hat, neben dem Doktor, auch Neelix eine Funktion als Brückenoffizier.
148. Imperfection
Unvollkommenheit   EB
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Diese Geschichte lebt von Mitgefühl und menschlicher Wärme. Dass ausgerechnet die Borg-Walküre 'Seven Of Nine' von einer tödlichen Krankheit befallen wird, gibt der Sache einen besonderen Kontrast. Ein Mal mehr werden Science Fiction-Mittel in brillanter Weise eingesetzt, auch um elegant auf der Grenze zwischen Emotionalität und Kitsch zu balancieren. Nach dieser Episode ist Icheb endgültig stabil mit Seven verbunden, er ist ihr eine Art 'Sohn-Bruder'.
Der "Delta-Flyer", der in 146 zerstört worden ist, konnte inzwischen wieder hergestellt (wahrscheinlich eher neu gebaut) werden.
Zum letzten Mal sehen wir die vier jungen Borg, drei von ihnen gehen von Bord, nur Icheb bleibt auf der "Voyager".
149. Drive
("Steuerung" ["Fahrkunst", "rasante Fahrt"])
Das Rennen   EB
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Die Episode beginnt beinahe 'seifenoprig', aber es folgt eine enorme Steigerung. Obwohl es schon etwas weit hergeholt scheint, dass Tom und B'Elanna nur deshalb der Katastrophe entgehen, weil sie im denkbar ungünstigsten Moment ihre Beziehung diskutieren müssen. Doch das tun sie mit Erfolg: Sie beziehen sofort ein gemeinsames Quartier und tragen von nun an wuchtige Eheringe.
Harry Kim erleidet wieder einmal eine glücklose Romanze, sein Liebesleben erinnert an Georgie La Forge oder Will Riker aus "The Next Generation". Das außerirdische 'böse Mädchen' hat den russischen Namen 'Irina', was sicher nicht bedeuten soll, dass in Amerika die Russen als 'Aliens' gelten. Darstellerin Cyia Batten, diesmal 'giftblond', haben wir in der vierten "Deep Space Nine"-Staffel als erste Besetzung von Gul Dukat's Tochter 'Tora Ziyal' gesehen. Sie kehrt zurück in Ent 93. Der distinguierte Rennleiter (Brian George) ist identisch mit Julian Bashir's Vater in DS9 114. Den rüden Kampfpiloten 'Assan' (Patrick Kilpatrick) kennen wir als Kazon-Maje 'Jal Razik' aus 21 (18)).
Nach dem viel diskutierten 'coil spanner' ('Spulenspanner') von Chief O'Brien benutzt Harry nun ein ähnlich kurioses Werkzeug: Einen 'hyperspanner' ('Hyper-Schraubenschlüssel').
Dialogfehler bei der (deutschen) Beschreibung der Rennstrecke: Innerhalb von acht Sekunden Sendezeit wächst sie sich von (völlig unsinnigen) 'zwei Millionen Kilometern' auf (richtige) 'zwei Milliarden Kilometer' aus.
150. Critical Care
(gesendet als 151.**)
Kritische Versorgung   EB
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Diese geniale und überaus mutige Geschichte ist eine 'volle Breitseite' auf das Problem der Klassenmedizin. Und die Umsetzung ist brillant, bis hin zu den abschließenden Selbstzweifeln des Doktor, der sich händeringend fragt, ob es legitim ist, den Politverbrecher am Leiden seiner Opfer teilhaben zu lassen, um ihn zur Besinnung zu zwingen.
Die Episode ist zu einer Zeit entstanden, als der deutsche Zuschauer sich vielleicht noch hätte vorgaukeln können, dies sei ein amerikanisches Problem. Doch inzwischen hat sich das Unrecht auch in Deutschland derart ausgebreitet, dass es niemand mehr ignorieren kann!
Immerhin wird in der Episodenhandlung eine medizinische Klasseneinteilung gezeigt, die einem (wenn auch perversen) logischen Prinzip folgt. Doch selbst davon kann im Deutschland des 21. Jahrhunderts keine Rede sein: Hierzulande erfolgt die Einteilung nach völlig willkürlichen Regeln, die bereits veraltet waren, als sie vor weit über hundert Jahren eingeführt wurden! Und sie wurden seit 1990 durch zusätzliche, eben so willkürliche Regeln immer weiter verschärft!
151. Repression
("Unterdrückung", gesendet als 150.)
Verdrängung   EB
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Nach dem spannenden Auftakt war wesentlich mehr drin! Ist schon das plötzliche 'Austicken' der ehemaligen Maquis recht 'starker Tobak', so erfolgt das 'Zurück-Ticken' von Chakotay und Tuvok völlig unerklärlich, chaotisch und unglaubwürdig. Man hat das Gefühl, die Handlung muss irgendwie 'schnell zu einem Ende' gebracht werden. Die Unglaubwürdigkeit gipfelt darin, dass Janeway nach dem Ende des Spuks einfach so zur Tagesordnung übergeht, als sei nichts weiter gewesen. Wir hören weder etwas von einer 'Heilung' der Betroffenen, noch von sonstigen Konsequenzen. Der Lichtblick dieser unglaublichen Episode ist Tom's 3D-Kino der 1930er Jahre und B'Elanna's Kommentar dazu.
Unter den vielen ehemaligen Maquis (diesmal ist sogar eine vulkanische Frau darunter) sind nur zwei aus früheren Episoden bekannt: Der blauhäutige 'Chell' (Derek McGrath) aus Ep. 16 und 'Lt. Ayala' (Tarik Ergin). Er ist der heimliche 'Morn' dieser Serie, der selten ein Wort sagt, aber in mehr als hundert(!) Episoden im Hintergrund auftritt. Nachdem er in der zuvor gesendeten Episode 149 ein Mal mehr unsichtbar blieb, ist er diesmal sogar creditiert.
Neelix hat nur einen minimalen 'Alibi-Auftritt'.
152. Inside Man
("Der Eingeweihte")
Eingeschleust   EB
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Erstklassige Story mit allem, was STAR TREK sehenswert macht. Und ein brillanter Dwight Schultz in seiner großartigen Doppelrolle als 'echter' und 'falscher' Barclay. Schon sehr bald wird für die Zuschauer deutlich, dass mit dem Barcley-Hologramm etwas nicht stimmen kann. Ein wenig schade ist, dass die Ferengi wieder genau so dümmlich-überheblich dargestellt werden wie in "The Next Generation". Das bringt zwar zusätzlichen Humor in die Episode, ignoriert aber die gewaltige Weiterentwicklung dieser Rasse in "Deep Space Nine".
Ober-Ferengi 'Gedis' (Frank Corsentino) kennen wir aus ganz ähnlichen Rollen in TNG 10 und TNG 72.
Außerdem Wiedersehen mit Reg Barclay, Deanna Troi und Admiral Paris
Entscheidung mit schweren Folgen
Alter Fehler holt Janeway nach Jahren ein
153.-154. Flesh And Blood
(gesendet als 155.−156. Doppel-Länge, PC 827)
Fleisch und Blut   EB 153   EB 154
ΘΘΘΘΘ Λ
Wie bei 86−87 angemerkt, ist es eine höchst fragwürdige Entscheidung des Captains gewesen, den Hirogen die Holo-Technologie zu überlassen. Nun schließt sich STAR TREK in einer brillanten Fortschreibung dieser Einschätzung an. Wir erleben erneut eine Doppelepisode, die selbst in diesem hochwertigen Umfeld noch hervorsticht. Die Umsetzung ist voller Action und Spannung, und obendrein sehen wir in der 'Hologrammsammlung' eine Übersicht der meisten im Alphaquadranten bekannten Spezies. Sogar das Abbild eines Jem'Hadar-Kriegers hat sich den Datenbänken der "Voyager" gefunden, obwohl diese Rasse erst unmittelbar vor ihrem Abflug entdeckt worden ist.
Die deutsche Version wurde für die Erstausstrahlung auf SAT1 geteilt, unmittelbar nachdem der Doctor die Verteidigung der "Voyager" verraten hat; die trägt beinahe den gleichen Titel wie zwei Jahre zuvor Episode 98.
Arger Fehler im deutschen Synchrontext: B'Elanna verhindert mit ihrem todesmutigen Einsatz im Maschinenraum nicht das 'Zerbrechen einer Spule', sondern einen Bruch des Warpkernes!
Der (erste) Alpha-Hirogen ist eine weitere Gastrolle für Vaughn Armstrong, den späteren 'Admiral Forrest' in "Enterprise", sein Nachfolger wird von einem Meister im (Er-)Tragen von Masken verkörpert: Wir sehen Paul Eckstein von Zeit zu Zeit immer wieder einmal als Hirogen, Jem'Hadar und auch als Klingone.
Unter den Hologrammen fällt ein junger Sternenflotten-Offizier in roter Uniform auf: Es ist Spencer Garrett, wir kennen ihn aus TNG 95, wo er als junger Crewman in die Verhörmühle der überdrehten Geheimdienstlerin 'Sati' gerät. Cindy Katz (das Hologramm der mutigen cardassianischen Frau) ist in DS9 51 ebenfalls eine Cadassianerin.

155. Body And Soul
(gesendet als 153.)
Körper und Seele   EB
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Eine weitere brillante Episode, an der wieder alles stimmt. Erneut kann Jeri Ryan unter Beweis stellen, dass sie zu weit mehr fähig ist, als 'Implantate zur Schau zu stellen'. Auch für Synchronsprecherin Anke Reitzenstein ist diese völlig veränderte 'Seven' eine Herausforderung, die sie hervorragend meistert. Beide müssen sich hier in die Rolle des Doktor, und damit - zumindest teilweise - in die Person von Robert Picardo einfühlen. Das Thema der Grund-Story um die Verfolgung der 'aufständischen Photonischen' ist Paul Dehn's "Planet der Affen"-Geschichten aus den frühen 1970er Jahren entlehnt.
Unsinniger Fehler im deutschen Dialog des Doktor: Aus 'aeons' (halb-dichterisch: 'Äonen', also unvorstellbar lange Zeiträume) werden 'Äonen von Jahren'. Eine weitere fragwürdige Formulierung findet sich auch im Original: Hilfsarzt Tom Paris empfiehlt dem an Pon Farr* leidenden Tuvok -augenzwinkernd- eine "kalte Schalldusche"... Nun erfahren wir leider nie, wie eine "Schalldusche" arbeitet... doch dass sie sich zum Abkühlen (der Leidenschaft) eignet, ist unwahrscheinlich.
Megan Gallagher (Seven's Gegenspieler-Kollegin auf dem Patrouillenschiff) ist uns in guter Erinnerung aus ihrer Glanzrolle in DS9 80; sie wirkt auch mit in DS9 24.
"Dienstfrei": B'Elanna Torres
156. Nightingale
("Nachtigall", hier: Eigenname, gesendet als 154.)
"Nightingale"   EB
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Die Serie bleibt auf 'Maximum-Warp': Auch diese Episode ist vom Feinsten. Der 'ewige Fähnrich' Harry Kim hat genug, er will endlich auch einmal ganz vorn stehen! Obwohl er sich mit seinem Kommando letztendlich nicht schlecht schlägt, wird deutlich: Es gibt Menschen, die sind einfach für einen Platz in der 'zweiten Reihe' geboren und können dort (und nur dort) großartiges leisten. Vergleiche auch Cmd. Riker aus "The Next Generation": Ihm wird bereits mit 28 Jahren ein eigenes Kommando angeboten, mit 42 Jahren ist er noch immer Captain Picard's Erster Offizier.
Dem Zuschauer wird schon bald bewusst, dass auf der "Nightingale" etwas nicht stimmt, der angebliche Arzt 'Loken' zeigt Ähnlichkeit mit dem jungen 'Khan' aus Classic 24 (22). Aber ganz so schlimm kommt es ja dann doch nicht ...
Auf der anfänglichen Außenmission fliegt Harry ein Shuttle, in das eine uralte Konsole eingebaut worden ist, sie sieht aus wie eine Improvisation aus den 1950er Jahren.
Es ist recht erstaunlich, wie 'Brell' (Ron Budd) auf die "Nightingale" gelangen konnte, die Crew ist ihm sechs Jahre zuvor auf einer Zehntausende von Lichtjahren entfernten Welt begegnet: In Ep. 4.
Wiedersehen mit Jung-Borg Icheb
157. Shattered
Zersplittert   EB
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Feinste Science Fiction in einer Geschichte um 'zersplitterte Zeit' auf der "Voyager". Dass die Akteure bei ihren Zeitsprüngen zugleich auch unerklärlich große räumliche Entfernungen zurücklegen (in einem der Zeitrahmen befindet sich die "Voyager" noch im Alphaquadanten(!)), liegt wohl im Wesen des Genre und sollte nicht so genau hinterfragt werden. Doch ein Fehler in der temporalen Logik lässt sich nicht 'wegfabulieren': Am Ende haben all diese Zeitphänomene nie stattgefunden, wieso kann sich sowohl Chakotay, als auch der Captain daran erinnern ...
Die Maskenbildner bringen eine reife Leistung, indem sie die Akteure für den früheren Zeitrahmen optisch um sechs Jahre verjüngen; zumindest Captain Janeway und Harry Kim sehen perfekt so auf wie im Pilotfilm.
Naomi und Icheb sehen wir sowohl in ihrer aktuellen Zeit als auch als erwachsene Offiziere einer möglichen Zukunft (dargestellt von Vanessa Branch und Mark Bennington); außerdem Wiedersehen mit Seska und 'Dr. Chaotica' (mit Diener)
158. Lineage
Abstammung   EB
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B'Elanna's unerwartete Schwangerschaft ist (in der Abgeschiedenheit der "Voyager"-Besatzung) eine echte Sensation. Die Dramaturgie nutzt das für einen gelungenen Seitenhieb auf die Fehlentwicklung der westlichen Welt: Ein Kind zu bekommen, ist bei uns inzwischen derart ungewöhnlich geworden, dass es, wenn es schon mal geschieht, eben so heftiges Aufsehen erregt wie auf der "Voyager"...
Doch es folgt (erst zum zweiten Mal in dieser überragenden Staffel) ein relativer 'Einbruch': B'Elanna reflektiert ihr eigenes Kindheitstrauma völlig unkontrolliert auf ihre ungeborene Tochter und dreht komplett durch. Schließlich ist sie in einem Zustand, der ohne weiteres eine 'Sicherheitsverwahrung' rechtfertigen würde. Dabei ist die Aufarbeitung des Traumas längst und ausgiebig erfolgt, nämlich in Ep. 14. Ein Bezug zu dieser hervorragenden Episode hätte gutgetan, sowohl B'Elanna als auch der Handlung.
Klarinettenvirtuose Harry Kim hat sein Können auf das Saxophon erweitert. Wir sehen B'Elanna als Kind (die nun elfjährige Jessica Gaona haben vier Jahre zuvor als Statist in DS9 111 gesehen) sowie Icheb.
159. Repentance
Reue   EB
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Mit dem Thema 'Todesstrafe' packt STAR TREK ein in Amerika sehr 'heißes Eisen' an. Es wird kein Zweifel daran gelassen, dass es in der Föderation die Todestrafe nicht mehr gibt, doch wir wissen auch, dass sie nicht nur bei den Menschen zur Geschichte gehört, sondern (zum Beispiel) auch bei den hochlogischen Vulkaniern. (Siehe Classic 44 (39)). Die durchaus hochwertige Geschichte gerät im Verlauf der Handlung sehr emotional, doch das tragische Ende bewahrt sie davor, in's Seifenoprige abzugleiten. Der auffallendste Mangel besteht darin, dass die enorme Gewalttätigkeit von 'Iko' als rein 'anatomische Fehlfunktion' dargestellt und damit quasi als 'naturgegeben' entschuldigt wird.
Die 'Läuterung' des Verbrechers ist eine beachtliche darstellerische Leistung von Jeff Kober, wir sehen ihn in einer wiederum gewalttätigen Rolle in Ent 14 (15).
Das schlitzohrige 'Rassismusopfer' Joleg (F.J. Rio) kennen wir als 'Ingenieur Muñiz', er wird in DS9 100 Opfer des Dominionkrieges. Auch der brutale Gefängnisdirektor 'Vedig' (Tim deZarn) ist kein Unbekannter, er gehört unter anderem zu den Eindringlingen auf der "Enterprise−D" in TNG 144.
160. Prophecy
Die Prophezeiung   EB
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Eine schwache Story, die in Klingonenschwulst förmlich 'ertrinkt'. Es ist überraschend, dass sie schließlich doch noch zu einem halbwegs nachvollziehbaren Ende gebracht wird. Hinzu kommen kaum entschuldbare logische Fehler. Zunächst ist unglaubwürdig, dass eine Sekte, die sich vor Generationen von der (aus ihrer Sicht) korrupten Führung abgewandt hat, die Friedensverträge eben dieser Führung anerkennt. Und diese 'Klingonen' zeigen einen völlig untypischen Sexismus!
Völlig undenkbar, nach allem, was wir im Lauf der Jahrzehnte über die Klingonen erfahren haben, ist ein 'ehrenvoller Zweikampf' mit stumpfen Waffen und ohne Blutvergießen! In TNG 100101 werden sogar Kriegskameraden wegen primitiver kleiner Ehrenhändel getötet!
Einziger Lichtblick der Episode ist Neelix' getürkter 'Paarungskampf' mit Harry Kim um die Gunst der riesigen und überaus lüsternen Klingonin, er beweist einmal mehr, dass er im Ernstfall schneller lernt als jeder andere.
Tom's Duell-Gegner T'Greth (Sherman Howard) ist identisch mit 'Captain Endar' aus TNG 76 (78).
161. The Void
Die Leere   EB
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Das wäre vielleicht eine sehenswerte Science Fiction-Episode geworden. Wenn nicht allzu vordergründig das Sternen-(Flotten-)Banner über der Geschichte wehen würde. So ist die Geschichte völlig 'ungenießbar'.
Wir sehen die grotesk-gnubblige 'Beobachter'-Rasse aus 124 wieder. Den 'Phantom' genannten Anführer der Leere-Bewohner (Jonathan Del Arco) kennen wir aus seiner Glanzrolle als individualisierter Borgdrohn 'Hugh' in TNG 123 und TNG 152153.





164. Human Error
("Menschlicher Irrtum" [Menschliches Versagen])
Menschlicher Fehler   EB
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Eine Geschichte mit wenig Science Fiction und einer riesigen Menge 'leiser Töne'. Und insofern etwas 'gewöhnungsbedürftig'. Doch die Kenner der Serie erleben eine realistische Geschichte voller menschlicher Tragik um die ungewohnte und dennoch glaubwürdige 'Seven der anderen Art', die man hier wohl lieber 'Annika' nennen sollte.
Wesentliche Rolle für Icheb


162.-163. Workforce
Arbeiterschaft   EB 162   EB 163
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Nach der vorigen Episode konnte es nur besser werden, diese Geschichte ist im ersten Teil einigermaßen spannend, im zweiten Teil kommt erneut der Zeigefinger des 'sauberen Amerikanismus' hoch: In einer völlig unrealistischen Darstellung wird gezeigt, wie diese 'saubere Gesellschaft' den Korruptionssumpf konsequent trockenlegt. Obwohl sie den Verlust von einigen tausend Arbeitskräften nur schwer verkraften kann. Welch eine Utopie !
Wir erfahren Chakotay's eigentlichen (Stammes-)Namen: Er heißt 'Amal Kotay'. Da Tuvok am Anfang schwer verletzt wird, verläuft der zweite Teil fast völlig ohne ihn. Nach ihrer Genesung wird Captain Janeway zum ersten Mal seit dem Pilotfilm wieder formell mit 'Sir' angesprochen, sie ist noch zu verwirrt, um zu protestieren.
Die Barbetreiberin 'Umali' (Tom's Chefin) kennen wir schon sehr lange: Darstellerin Iona Morris ist als Kind dabei in Classic 12 (8). Das liegt fast 34½ Jahre zurück und bringt auch ihr eine extrem lange STAR TREK-Präsenz nach Clint Howard, Jack Donner und - schließlich - Leonard 'Spock' Nimoy.
165. Q2 (Eigenname)
Q2   EB
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Der allerletzte Auftritt des berühmt-berüchtigten 'Q' ist sicher ein Fest für seine Fans, ansonsten jedoch eine recht einfach gestrickte Geschichte um einen pubertierenden Allmächtigen:
Die 'rechte Masche des Gestricks' kommt aus der STAR TREK-'Steinzeit': In Classic 8 (2) richtet 'Charlie Evans' das ihn umgebende Chaos jedoch nicht aus Übermut, sondern aus Verzweiflung an. Die 'linke Masche' reflektiert die Erlebnisse seines Vaters (der eigentliche 'Q' John de Lancie), der elf Jahre zuvor ebenfalls diszipliniert worden ist, indem man ihn zeitweilig in die Haut eines gewöhnlichen Menschen gesteckt hat (TNG 61).
Dennoch hat die Story einen ernsten aktuellen Hintergrund:
'Q2' passt voll und ganz in die Generation, deren Großeltern die Not beseitigt und deren Eltern den Wohlstand der westlichen Welt geschaffen haben. Für die jungen Leuten der Jahrtausendwende sind materielle Güter über-reichlich vorhanden. Entsprechend gering ist ihr Interesse an einer gewissen produktiven Vernunft. Sie machen sich kaum Sorgen um Not, dafür um so mehr um Langeweile.
Der tatsächlich erst 16−jährige Keegan de Lancie liefert in der Titelrolle eine beachtliche Vorstellung, obwohl durchaus auch bei ihm, dem Sprössling von zwei Stars, der Verdacht aufkommt, dass er einfach nur 'sich selbst spielt'.
Wesentliche Rolle für Icheb

Anti - STAR TREK
„Nemesis” wirft seine Schatten voraus
166. Author, Author ("Autor, Autor")
Die Veröffentlichung   EB
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Diese Episode zeichnet sich gegenüber dem schwer missratenen zehnten Kinofilm "Nemesis" dadurch aus, dass hier noch weitgehend auf die Darstellung sinnloser Gewaltorgien verzichtet wird. Doch keine andere Episode steht derart massiv im Gegensatz zu dem, was STAR TREK ausmacht, und das wird im Verlauf der Handlung immer 'haarsträubender':
Während der 'Holo-Roman' des Doktors zunächst einfach nur hanebüchener Unsinn ist, der voll im Gegensatz zu seinem bisher aufgebauten Selbstbild steht, wirft uns die Aberkennung seiner Persönlichkeitsrechte zurück in das finsterste Föderations-Mittelalter. Schließlich sind die Rechte künstlicher Lebensformen bereits mehr als zwölf Jahre zuvor klar definiert worden. Der historische Urteilsspruch in TNG 35 wird hier nicht einmal erwähnt!
Dabei sind noch vor dem Start der "Voyager" sind diese Rechte auf Hologramme erweitert und später für die Holofigur des 'Vic Fontaine' erneut bekräftigt worden (DS9 36 und DS9 160). Und nun DAS !!
Der Gipfel ist dann die Schlusssequenz mit den holografischen Bergwerkssklaven: Da hat man endlose Gänge gewühlt und überall mit viel Aufwand die energiefressenden Holo-Emitter montiert, damit Hologramme mit Brecheisen und Handpickeln(!) Erz abbauen können!
Der mit fragwürdigen Mitteln arbeitende Verlag ist der selbe, der schon in den 1940er Jahren die bei Picard so beliebten 'Dixon Hill'-Romane veröffentlichte. Seltsam, dass er noch immer existiert und zudem von einem Bolianer geleitet wird.
Wiedersehen mit Reg Barclay, Admiral Paris und Harry Kim's Mutter 'Mary'

167. Friendship One
("Freundschaft 1", hier: Eigenname der Sonde)
Friendship One   EB
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Billige, gleichmäßig seichte Episode mit einem einfach gestrickten Drehbuch aus dem 'Standard-Baukasten'. Der Handlungsverlauf ist vorhersehbar, die Charaktere agieren völlig eindimensional. Falls das ein Versuch sein sollte, vor den Gefahren einer 'Über-Technisierung' zu warnen, so ist diese Warnung im Morast der allgemeinen Minderwertigkeit untergegangen.
Immerhin, nach dem, was uns in der vorigen Episode zugemutet worden ist, konnte es nur besser werden ...
Nach vier zum Teil bedeutenden Auftritten in der ersten Staffel ist 'Ingenieur Carey' (Josh Clark) in den letzten drei Jahren je ein Mal 'wiederbelebt' worden. Um diesmal endgültig zu sterben.
168. Natural Law
Ein natürliches Gesetz   EB
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Das Ende der Serie ist in Sichtweite, und man läuft noch einmal zur Hochform auf. Wir sehen zwei interessante Handlungsstränge, die sich diesmal auf gekonnte Weise vereinigen.
Während die 'Nachschulung' von Starpilot Tom Paris nicht nur bei seinen Freunden auf dem Schiff ein schadenfrohes Schmunzeln auslöst, erleben Chakotay und Seven eine Story, die ein wenig an die Ereignisse in 42−46 (42−43) erinnert. Hinzu kommen erschreckend realistische Seitenhiebe auf die 'moderne Gesellschaft', die rücksichtslos alles Erreichbare niedertrampelt und vor nichts Halt macht.
169. Homestead
Eine Heimatstätte   EB
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5. April 2377:
Mit der Feier zum 315. Jubiläum des Erstkontakts wird eine nette Querverbindung erzeugt. Man tanzt zu Zefram Cochrane's Lieblingsmusik aus der Jukebox(!). Diesem furiosen Auftakt folgt eine ernste und überaus gelungene Geschichte um Faustrecht und Vertreibung, die sich von Sequenz zu Sequenz immer weiter steigert. Als Höhepunkt schließlich geht der brillante Neelix für immer von Bord, mit Ehrenspalier, so wie einst Worf, als er in den Krieg gezogen ist, um seine Heimat zu verteidigen (TNG 100). Nebenbei umgeht man auf elegante Weise die Frage, was denn Neelix auf der Erde hätte anfangen sollen, nach der Rückkehr der "Voyager".
Auch für Scarlett Pomers ist dies der letzte Auftritt in STAR TREK, sie hat 'Naomi Wildman' siebzehn Mal verkörpert. Scarlett ist inzwischen zwölf, Naomi fünf Jahre alt. 'Oxilon', der Wortführer der Talaxianer, ist die dritte und letzte STAR TREK-Rolle für Rob LaBelle.
170. Renaissance Man
Der Renaissancemensch   EB
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Was auch immer SAT1 bewogen hat, diese Episode monatelang zurück zu halten (die Ausstrahlung erfolgte lange nach dem Ende der Serie und nahezu ohne Anküdigung), es war ein guter Grund: Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen wird der Doktor das Opfer einer hanebüchenen Story: Da schnell klar ist, dass der Captain vertauscht worden sein muss, torkelt die Handlung von einer Verzweiflungstat des Doktor zur nächsten. Der hervorragende Robert Picardo trägt es mit professioneller Fassung und holt fast noch mehr heraus, als eigentlich drin ist. Was letztendlich herauskommt, ist die Erkenntnis, wie sehr das Arzt-Hologramm durch seine ideale medizinische Ethik begrenzt wird: Er will das Leben des gefangenen Captain's um jeden Preis schützen. Dieses aussichtslose Bestreben zwingt ihm ein völlig irrationales Verhaltensmuster auf, das von vornherein keinen Erfolg verspricht. So etwas wäre 'Mr. Data' nicht passiert! Angesichts dieser Begrenztheit ist der Titel auch teilweise ironisch zu verstehen.
Dauer-Statist Tarik Ergin hat hier seine einzige Sprechrolle, er ist jedoch nicht mit seinem Rollennamen 'Ayala' creditiert, sondern als 'Tactical N.D.*'. Im folgenden Schlussfilm bleibt er praktisch 'unsichtbar'. Zu Beginn hören wir zum letzten Mal Robert Picardo's beachtliche Tenorstimme.
Neunter und letzter Auftritt für Fähnich Vorik (insgesamt elfter für Alexander Enberg), "dienstfrei": Neelix
Abschied ohne Glanz
171.-172. Endgame (Doppel-Länge, PC 828)
Endspiel   EB 171   EB 172
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Die "Voyager" kommt nach Hause, und das war's. Die Schlussepisode ist enttäuschend banal, wirr und ohne Höhepunkte.
Die Handlung hat volle 26 Jahre übersprungen, und wir erfahren, dass die Crew noch weitere sechzehn(!) Jahre unterwegs gewesen ist, ehe sie im Triumph die Golden Gate Bridge überquert hat.
Von hervorragender Stimmigkeit ist die Darstellung des alten Tuvok, der mit schwerer Schizophrenie in einer Klinik vegetiert. Auch im (inzwischen) 25. Jahrhundert ist die Medizin dagegen machtlos... Auch die anderen Hauptakteure tragen überaus gelungene Altersmasken. Tom's Tochter heißt 'Miral' (nach B'Elanna's Mutter). Harry Kim ist Captain der "U.S.S. Rhode Island". Überhaupt nicht gealtert ist allein der Doktor: Er hat eine junge, attraktive (und real lebende !) Blondine geheiratet und extra dafür endlich einen Namen angenommen: 'Joe'.
Zugleich werden wir auf der 'aktuellen "Voyager" im Deltaquadranten Zeuge der längst überfälligen Liebesbeziehung zwischen Seven Of Nine und Chakotay. Da diese tragisch enden soll, ist ganz klar, dass die gezeigten Ereignisse nicht das Wahre sein können, die Geschichte muss anders verlaufen!
Die Aktion der gealterten Janeway liefert einen mehr oder weniger nachvollziehbaren Ausweg, der ein sehenswertes Duell mit der Borg-Queen beinhaltet. Dagegen löst sich die Rettung der "Voyager" weitgehend in Wirrwarr auf, weil auch für den aufmerksamen Zuschauer kaum ersichtlich ist, dass sie den Alphaquadranten im Inneren der Borg-Sphäre erreicht. Wie schon so oft hat man den Eindruck, die Story müsse irgendwie 'schnell noch zu Ende gebracht' werden. Besonders seltsam ist die 'Auferstehung' der ersten Borg-Queen (Alice Krige), die Captain Picard in ST 8 vernichtet hat. Ihr 'Zerfallstod' ist ausgesprochen makaberer.
Große Rarität: Montagearbeiten in der Schwerelosigkeit.
Wenn man berücksichtigt, dass Pilot- und Schlussfilme 'mit doppelter Kraft' gedreht werden (das heißt, es stehen an Finanzen, Menschen und Technik so viel Resscourcen zur Verfügung wie für vier Standardepisoden), gerät das Ende dieser Serie außerordentlich schwach!
In Deutschland wird der Schlussfilm in zwei Einzelepisoden gesendet, der Schnitt liegt nach der Admiral Janeway's Kontaktaufnahme mit der "Voyager" und dem Erscheinen der Borg-Queen.
Die achtjährige Ashley Sierra Hughes ('Sabrina Wildman') ist zu dieser Zeit ein viel beschäftigter Kinderstar, um den es inzwischen 'ruhig' geworden ist. Man vermisst eine Szene mit ihrer Mutter, der erwachsenen 'Naomi Wildman'. Vanessa Branch hat sich wohl mit der Darstellung einer Über-Dreißigjährigen überfordert gefühlt... (Vergleiche 157.)
Unter der Maske von Admiral Janeway's klingonischem Gegenspieler 'Korath' steckt Vaughn Armstrong, er wird wenige Monate später in "Enterprise" 'Admiral Forrest', der erste Chef der jungen Sternenflotte.
Reginald Barclay sehen wir hier zum insgesamt zwölften Mal, er hat es, nach Jahrzehnten, immerhin bis zum 'Commander' gebracht. Im ersten Teil sehen wir noch einmal Icheb und Neelix, im zweiten Teil Admiral Paris.
Die "Voyager" ist zu Hause, das ist der einzige Punkt, der für diese Episode spricht. Denn mehrere offene Fragen hinterlassen einen faden Nachgeschmack, vor allem die Frage nach der temporalen Logik: Captain Janeway ist weitere sechzehn Jahre unterwegs gewesen und hat einige schmerzliche Verluste hinnehmen müssen. Deshalb ist Admiral Janeway mit mehr als siebzig Jahren zurückgereist und hat sich den Borg 'zum Fraß vorgeworfen'. Doch damit hat sie genau das verhindert, was sie später zu ihrer Aktion veranlassen wird. Wie geht die gerettete Cathryn Janeway mit ihrem Wissen über die Zukunft um? Kann sie eine solche Unmenge an Disziplin aufbringen und Jahrzehnte später ihr Leben zu opfern und die Zeitschleife vollenden? Was geschieht mit der Zukunftstechnologie, die Admiral Janeway an Bord der "Voyager" gebracht hat ...?